ausbüx’n: Cober Ultra Trail

In den letzten Jahren sah ich öfter gerade Trailstöcke fester Länge, die mich mit einer sehr langen Griffzone erfreuten. So etwas will ich – und begab mich auf die Suche.

Cober 1
In den letzten Jahren sah ich öfter gerade Trailstöcke fester Länge, die mich mit einer sehr langen Griffzone erfreuten. So etwas will ich – und begab mich auf die Suche. Fündig wurde ich bei der italienischen Marke Cober, die mit dem Ultra Trail genau solche Stöcke im Programm hat.

Cober 2
Flugs beschuf ich mir ein Paar in fruchtig-frischem Limettengrüngelb, auf dass ich meine Hände künftig frei positionieren möge: bergauf etwas weiter unten, abwärts höher. Nach kurzer Zeit erreichte mich ein langer, schlanker Karton aus Italien….

Cober 3
Die leicht gewellte Griffzone hat vom ersten Eindruck her genau die Härte und Größe wie ich es mir wünsche, dabei bin ich natürlich neugierig, wie griffig das Material bei Wind und Wetter sein wird. Stabil wirkende Schlaufen wecken mein Vertrauen wenn ich etwa daran denke, dass ich mich auf einer langen nächtlichen Bergabpassage müde in sie hinein stütze.

Cober 4
Ordentliche Spitzen machen einen guten Eindruck, im Vergleich zu CFK-Stöcken sind die Cober schwerer und wirken superstabil, wobei „robust“ vielleicht der passendere Begriff ist, denn, anders als bei CFK kann ich mir zumindest vorstellen, mit den Ultra Trail ein Wildschwein in die Flucht zu schlagen. Hoffentlich nimmt mich niemand beim Wort, ein stockfuchtelnde Läufling beeindruckt wahrlich keine Sau.

Angesichts meines neuen, hügelig-trailigen und zweifelsohne auch wild beschweinten Laufreviers scharre ich mit den Hufen, um die Cober Ultra Trail auf Herz, Nieren und weitere Innereien zu prüfen.

Das Hunde-Experiment

Als ich neulich den Gladiator Bag testweise in meinen Fängen hatte, erinnerte mich seine Form an einen Dackel. Ein Gedanke, der mich einerseits schmunzeln, mich im selben Augenblick jedoch ernsthaft an einen tierischen Träningspartner denken ließ.
Warum, so fragte ich mich, sollte ich es nicht mit einem Hund versuchen?

Als ich neulich den Gladiator Bag testweise in meinen Fängen hatte, erinnerte mich seine Form an einen Dackel. Ein Gedanke, der mich einerseits schmunzeln, mich im selben Augenblick jedoch ernsthaft an einen tierischen Träningspartner denken ließ.

Warum, so fragte ich mich, sollte ich es nicht mit einem Hund versuchen?

Zumal, das möchte ich vorausschicken, in meiner Nachbarschaft ein geeignetes Exemplar wohnt. Helene von der Wiesenweide ist eine zauberhafte Dackeldame mit kurzem, tizianroten Haar. Ob die adlig Geborene zum gemeinsamen Schweißvergießen ausführen dürfte? Zaghaft trug ich mein Ansinnen ihrem Herrchen vor. Selbstverständlich, gab er zur Antwort, ein wenig Sport hat sie schon lange nötig!
Dergestalt offene Türen eingerannt habend, versagte ich mir den Gedanken zu äußern, der mir auf den Lippen lag: wo doch auch Herrchen etliche überflüssige Pfunde, beinahe gar einen Zentner zuviel mit sich herumträgt. Sei’s drum, das Einverständis ist gegeben, und nur das zählt.

Es kann nicht schaden, im Zusammenhang mit dem Gladiator Bag meine diesbezügliche Vorliebe für Dackel zu erläutern. Zunächst einmal weisen Dackel eine ähnliche Größe auf, während das eine Ende des Bags vom Schweif des Hundes, das andere hingegen von dessen Schnauze widergespiegelt wird. Selbige Schnauze ist entscheidend: sie liegt wunderbar griffig in der geschlossenen Hand.
Am äußeren Umfang eines Gladiator Bags befinden sich bekanntlich drei weitere Griffmöglichkeiten, von denen zwei ihre Entsprechung in den Beinpaaren des Hundes finden. Gerade ein kurzbeiniger Teckel könnte also für sportliches Tun kaum besser geeignet sein! Lange Zeit schwankte ich, ob ich des zusätzlichen Griffes wegen nicht besser nach einem Rüden ausschau halten sollte, entschied mich schlussendlich jedoch für ein Weibchen – der Größenunterschied zu den zusammengenommenen Beinen schien mir für ernsthaftes Träning ungeeignet.

Nun galt es noch ein Problem zu lösen: Das Gewicht.

Ich war an einen Gladiator Bag mit zwölf Kilogramm Gewicht gewöhnt, während Helene lediglich derer acht auf die Waage bringt.

Was tun?

Meine Recherchen führten mich zu Michael W. aus Wuppertal-Oberbarmen, der es als Hundeflüsterer zu bescheidenem Ruhm gebracht hat. An ihn wandte ich mich mit meinem Problem. Ich war nicht wenig erstaunt, als er mir eröffnete, dass solche Gewichtsveränderungen in Züchterkreisen durchaus üblich seien. Durch eine kräftige Gewichtssteigerung könne, erklärte er mir, ein mäßig begabter Dackel auf Hundeschauen durchaus als kleinwüchsiger Schäferhund durchgehen.

Er schien meinen zweifelnden Blick bemerkt zu haben, denn er kramte aus seinen Unterlagen ein Album hervor, welches die von ihm aufgestellte Behauptung anhand von Fotos und Urkunden eindrucksvoll belegte.
Seine Methode besteht darin, den natürlichen Fressdrang des Hundes dahingehend zu beeinflussen, dass dieser Appetit auf eine speziell von ihm erdachte Quarzsandmischung entwickelt. Diese würde sich durch biophysische Prozesse gleichmäßig im hundischen Leib verteilen, und so zur gewünschten Gewichtszunahme führen. Die Dosierung war übrigens sehr simpel: einfach die fehlende Masse an Quarzsand zufüttern.

In der Folge des Einflüsterns durch Herrn W. begann Helene tatsächlich den von ihr hochgeschätzten Sand als Nachtisch zu verlangen. Ihr Gewicht stieg und stieg, bis sie eines Tages die 12 kg erreicht hatte. Nach einem weiteren Wochenendworkshop mit Hundehypnose kannte sie nur ein Ziel: Gewicht halten.

Das Träning konnte beginnen.

Wir hatten unglaublich viel Freude, wenn wir im Garten miteinander herumtollten. Helene schien zu spüren, wenn eine Träningseinheit anstand, denn an diesen Tagen rannte sie mir auf ihren kurzen Beinchen besonders schnell entgegen. Ich gebe zu, dass der Anfang nicht frei von Schwierigkeiten war, weil Helene sich nach den Schleuderübungen auf meinen Nacken zu erbrechen pflegte. Doch dies legte sich zum Glück recht schnell.

So hätte es immer weitergehen können.

Hätte, denn nach einem Vierteljahr musste ich das Hunde-Experiment abbrechen.

Zwei Monate im Träning fiel mir eine leichte Steifheit in Helenes rankem Körper auf. Zuerst dachte ich an verklebte Faszien, welche ich mit gezielten Übungen zu lockern hoffte. Eine Hoffnung, die mich leider trog. Helene wurde zusehends ungelenk. Ein Besuch beim Tierarzt offenbarte das Unglaubliche: der Quarzsand in ihrem kleinen Körper hatte sich mit Wasser, welches sie trank und dem von einer nahe gelegenen Baustelle herbeigewehten Zement zu Mörtel verbunden.

Nun steht Helene starr und steif, mit ruckartig wedelndem Schweif auf der Fensterbank, von wo aus sie mit traurigen Augen auf die Stätte unseres Glückes schaut. Ich glaube, das Wort Dackelblick bekommt erst jetzt, erst durch sie seine wahre Bedeutung. Natürlich, so haben mir alle konsultierten Fachleute, vom Veterinär über Herrn W. bis zum Bauingenieur versichert, baut Mörtel sich im Hundekörper binnen einiger Woche ab, doch gemeinsamen Sport wird es danach nicht mehr geben.

Denn mit 8 Kilogramm ist Helene ein allzu leichtes Mädchen.

Gladiator Bag

Gladiatoren nannte man im alten Rom Menschen, deren Beruf eine, sagen wir: gewisse Fittness notwendig machte. Wenn ein Trainingsgerät nun Gladiator Bag heißt, denke ich an bronzefarbene, wohldefinierte Leiber. Was fängt ein moderner Mensch damit an?

Gladiator BagGladiatoren nannte man im alten Rom Menschen, deren Beruf eine, sagen wir: gewisse Fittness notwendig machte. Wenn ein Trainingsgerät nun Gladiator Bag heißt, denke ich an bronzefarbene, wohldefinierte Leiber. Was fängt ein moderner Mensch damit an?

Was ist ein Gladiator Bag?

Vom Prinzip her ist ein Gladiator Bag ein freies Gewicht, ähnlich wie Clubbells, Kettlebells oder dergleichen. Dadurch muss der Körper Stabilisierungsaufgaben übernehmen, außerdem werden, im Gegensatz zum Training an Maschinen keine isolierten Muskeln, sondern Muskelschlingen trainiert. So weit, so sympathisch.

Gladiator Bags bestehen aus einer weitgehend bananenförmigen Hülle, die mit einer Füllung auf das angegebene Gewicht gebracht werden. Bei meinem Testobjekt waren das 12 kg.

Auf den ersten Blick erinnert mich der Gladiator Bag rein optisch an Nachbars Dackel. Insofern wollte ich der Versuchung nicht widerstehen, ihn im Beisein eines Hundenapfs abzulichten.
Bei näherer Betrachtung fallen die Griffe auf: drei flache Griffe am Umfang, zwei Zipfel und zwei Schlaufen an jedem Ende.

Wie trainiert man mit dem Gladiator Bag?
Klar: auch ein Gladiator Bag wirft vordergründig sein Gewicht in die Waagschale der Leibesertüchtigung. Heben, Drehen, Senken und dergleichen kommen zunächst in den Sinn. Hierbei spielen die verschiedenen Griffmodi ihre Stärke aus, denn schon beim anheben macht es einen deutlichen Unterschied, ob die beiden Zipfel oder die flachen Griffe verwendet werden. Letztere lassen sich schwerer greifen – gut für die Griffkraft!
Kniebeugen oder Liegestützen werden etwas schwerer, wenn der Gladiator Bag auf dem Nacken ruht. Besser formuliert: wenn er auf dem Nacken lastet

Wer mich kennt, weiß um meine Liebe zu ballistischen Übungen: Swings, Jonglage und dergleichen. Unsere „Gewichtsbanane“ wusste mich in diesem Punkt zu erfreuen. Ungewohnt war der breitere Stand, den ich zum Swingen einnehmen musste, breiter noch als bei Swings mit zwei Kettlebells. Mit etwas Übung lässt sich der Bag dergestalt über den Kopf swingen, dass er auf sanft (sanft ist das Zauberwort, welches die Übung nötig macht) auf den Schultern landet – eine Kniebeuge danach, dynamisch abschnalzen in den nächsten Swing.
Wenn ich ehrlich bin, machen mir Swings des angenehmeren Stands wegen mit Kettlebells mehr Laune.
So richtig Spaß hatte ich mit den kreisförmigen Bewegungen. Ich kann’s nicht treffend beschreiben, ebenso wenig kenne ich den Namen der Übung. Schaut euch einfach dieses Video ab Sekunde 20 an: Rotation. Für Läufer besonders interessant ist’s ab Sekunde 50.
Wie der Ausschnitt zeigt, haben wir eine wunderbare dynamische Ganzkörperübung mit einem hohen rotatorischen Anteil.
Technisch anspruchsvoll….

Jonglieren geht natürlich auch. Der Gladiator Bag hat im Vergleich zur Kettlebell gleichen Gewichts ein höheres Trägheitsmoment, was sich darin zeigt, dass er langsamer rotiert. Dem Sportler bleibt somit mehr Zeit zum Reagieren. Eine Zeit, die notwendig ist, denn das Greifen ist doch recht anspruchsvoll.
Rutscht er doch mal aus der Hand und fällt herunter, ist der angerichtete Flurschaden gering.

Mit den möglichen Übungen ist damit auch deutlich geworden, welche Trainingsziele sich mit einem Gladiator Bag ansteuern lassen: Kraft / Kraftausdauer, Beweglichkeit, Koordination. Außerdem lassen sich HIIT-Einheiten für die Entwicklung der Sauerstoffkapazität ins Training einbauen.
Als Läufling gehört es ja beinahe zum guten Ton, mit schwächlicher Rumpfmuskulatur herumzulaufen. Auch wenn’s langsam macht. Mit diesem Trainingsgerät fällt das Rumpftraining leichter (jedenfalls die Motivation, es überhaupt zu tun), glaubt es mir!

Übrigens: auch wenn der Gladiator Bag kissenhaft-kuschelig aussieht, er ist es nicht.

Fazit
Wie die meisten freien Gewichte effektiv, effizient, vielseitig und vor allem ein echter Spaßmacher!
Ich persönlich habe mich auf Kettlebells als Haupttrainingsgerät abseits des Laufens eingeschossen, es kribbelt mich indes in den Fingern, mir zusätzlich einen solchen Gladiatorenbag zu gönnen. Als Ergänzung zum Ergänzungstraining, sozusagen.

Vielen Dank übrigens an die Leute von SC Sports, die mir den Gladiator Bag zum Testen ausgeliehen haben!

Es geht!

So verschieden die Läuflinge, so unterschiedlich sind ihre Füße. Sie sind groß oder klein, und ganz breit bis superschmal. Eigentlich sollte es der Schuhbranche selbstverständlich sein, bei gleicher Größe in unterschiedlichen Weiten anzubieten. Eigentlich. Die Lebenserfahrung zeigt stattdessen ein ernüchterndes Bild. Doch ich sehe einen Silberstreif am Horizont.

zappos1So verschieden die Läuflinge, so unterschiedlich sind ihre Füße. Sie sind groß oder klein, und ganz breit bis superschmal.
Gespräche mit anderen Läuflingen legen ein universelles Problem offen: es gibt selten Laufschuhe, die wirklich passen. Wenn dem so ist, dann hauptsächlich deshalb, weil der Fuß zum Schuh passt. Ein Fuß, der dem genormten Verhältnis von Länge und Breite entspricht – wessen Laune wir das auch immer verdanken.

Glück gehabt, kann ich da nur neidlos sagen.

Passende Gene.

Meine Füße sind breit, also bleibt mir die Wahl zwischen Pest und Cholera. Das heißt, die Zehenbox bietet genug Raum, dann sind die Schuhe meistens zu lang. Oder ich lege Wert auf Halt in den Schuhen, und darf mich auf längeren Strecken vom einen oder anderen Zehennagel verabschieden. Nun gut, es sind derer Zehn, da kommt’s nicht auf jeden einzelnen an. Schade ist es trotzdem, besonders für die Nägel. Sie hängen an mir.

Was tun eigentlich Leute mich schmalen Füßen? Stopfen die sich zusammengerollte Socken in die Schuhe?

Manche Marken haben den Ruf, besonders eng zu schustern. Bei anderen heißt es, ihre Schuhe fielen weit aus. Weshalb, frage ich mich, nimmt niemand die Verschiedenartigkeit von Läuflingsfüßen zur Kenntnis?
Hat Prokrustes die Branche gewechselt und baut statt eiserner Betten nunmehr Schuhe? Flugs träume ich von einem modernen Theseus, der Schuhschuster von ihrer eigenen Medizin zu kosten gibt: hundert Kilometer in unpassender Fußbekleidung.

Möget ihr unsere Schmerzen spüren!

Lernet daraus!

Seit Jahren schon will die Gerüchteküche wissen, dass einige Hersteller ihre Produkte in verschiedenen Weiten anbieten. Nur: wo gibt es sie zu kaufen?
Im Laden gab es die allseits bekannte Aussage Hamwanich. Kennichnich. Weissichnich. Bestenfalls könne man mal nachfragen.

Selbst im Internet, sonst ein Born der Kundenfreundlichkeit lassen sich Schuhe nur per Größe ordern. Sogar Amazon und Zalando, scheint die Anatomie menschlicher Füße unbekannt.

Sollten passende also wirklich passende Schuhe nur per Maßfertigung zu bekommen sein?

Oder sind die Gerüchte wahr? Werden eventuell doch verschiedene Breiten hergestellt? Aber wo? Von wem? Gibt es in finsteren Kellern heimliche Werkstätten, wo ergraute Schuhmachermeister in seligem Angedenken an frühere Zeiten die Füße ihrer Kunden im Blick haben? Leisten in vielen Weiten wurden bei Nacht und Nebel von Hand gefertigt, um auf gefahrvollen Pfaden gen Asien geschmuggelt zu werden wo sie seither in einer eisernen Werkzeugkiste verwahrt werden.
Den Schlüssel verwahrt der älteste Meister, der ihn vor seinem Tode mit an den Nachfolger weitergibt. Dabei spricht er die mahnenden Worte:

Leisten, bleib‘ bei deinem Schuster.

Ja, das ergibt einen Sinn.

Sind diese besonderen Schuhe nur durch Beziehungen zu bekommen? Herausgeschmuggelt, um auf konspirativen Treffen in Bahnhofstoiletten den Besitzer zu wechseln?
Wenn ich Recht habe, dürfte Beschaffungskriminalität auch in Läuflingskreisen ein Thema sein. Mir fallen Kriegsgeschichten ein. Früher sei man auf Schlachtfeldern umhergegangen, um den Toten die Stiefel von den Füßen zu ziehen. Wundert mich das? Meine Güte, da liegt ein Läufling mit solch magisch passenden Schuhen am Wegesrand…
Regt sich kaum. Mit den Schuhen kann er sowieso nichts mehr anfangen, jedenfalls nicht auf den nächsten zehn Kilometern. Ob er tot ist? Meine Güte, bin ich Arzt?

Mir ist jedenfalls klar: wer eine Quelle für Schuhe in passender Breite kennt, wird sie niemals verraten.

Doch.

Ich tue es.

Jetzt.

Auch auf die Gefahr hin, dass ich dem Schwarzmarkt damit die Lebensgrundlage entziehe, ich mich unter falschem Namen in einer fremden Stadt verstecken, und unter ständiger Bedrohung durch wen auch immer mein künftiges Dasein fristen muss: ich werde nicht länger schweigen.

Zappos.

Bei Zappos lässt uns nicht nur die Größe, sondern auch die Weite auswählen. Leider liefern sie nur in die USA, aber wer jemanden kennt, der von jemandem weiß, der dort eine Adresse (Briefkasten genügt) hat….

Bin ich begeistert? Ja!
Wobei es mir schwerfällt, diese meine Begeisterung im Zusammenhang mit meinem geliebten Kano-Modellzu sehen. Kano, das ist der Mensch, der bei Anforderungen von Kunden unter anderem zwischen Basis- und Begeisterungsfaktoren unterscheidet. Basismerkmale sind für mich selbstverständlich – wie zum Beispiel, dass ein frisch gekauftes Brot frei von Schimmel ist. Begeisterungsaspekte lassen mich jubeln.

Aber der Schuhkauf nach Größe und Weite?
Es ist eine beileibe uralte Erkenntnis, dass menschliche Füße kein konstantes Verhältnis von Länge zu Breite haben. Insofern ist sehe ich es als Basismerkmal an, wenn Hersteller und Handel dem Rechnung tragen. Dessen ungeachtet freue ich mich natürlich, dass Zappos nun als erstes Unternehmen den Tiefschlaf einer ganzen Branche beendet.
Besonders pikant an der Geschichte ist übrigens, dass Zappos seit 2009 Tochter von Amazon ist.

Hallo, Amazon? Aufwachen!

Ich für meinen Teil werde eine Testbestellung bei Zappos platzieren. Test, denn nach einem Leben in der Servicewüste muss ich mich auch erst an den Schuhkauf mit zwei Parametern – Größe und Weite – gewöhnen.

Aber, und das ist das wichtigste: es geht.

Hurra!

Cactus Rose 50

Texas Hill County. Das klingt nach John Wayne, staubigen Straßen, grimmigem Blick und rauchenden Colts.
Statt stilecht mit in Hüfthöhe baumelndem Revolver anzutreten, hat sich die Wild Bunch der Trailläuflinge indes mit Trinkrücksäcken bewaffnet. Aus gutem Grund, denn der Gegner in diesem Duell ist die Hitze.
Willkommen zum Cactus Rose Trail.

CactusRose_1Texas Hill County. Es ist ein weites Land, man erwartet John Wayne, staubige Straßen, grimmigen Blick und rauchende Colts. Die nahe gelegene Stadt Bandera nennt sich nicht umsonst Cowboy Capital of the World.Bandera_1
Statt stilecht mit in Hüfthöhe baumelndem Revolver anzutreten, hat sich die Wild Bunch der Trailläuflinge indes mit Trinkrücksäcken bewaffnet. Aus gutem Grund, denn der Gegner in diesem Duell ist die Hitze.

Willkommen zum Cactus Rose Trail, der seit 2007 Ende Oktober in den Geschmacksrichtungen 50 und 100 Meilen, sowie als Staffel (4×25 Meilen) angeboten wird. Im Prinzip besteht der Kurs aus einer Runde von 25 Meilen, die, je nach zuvor geordertem Menu, zwei bis viermal gelaufen wird. Damit es nicht langweilig wird, haben sich die Organisatoren überlegt, nach jeder Runde die Richtung zu wechseln.

Alle 5 Meilen gibt’s dann ein Zelt mit Wasser und Eiswürfeln – beim Cactus Rose ist Selbstverpflegung angesagt! Also haben wir, Francisco Moreno und ich, am Abend vorher unsere wohlgefüllten Dropbags an zwei Stationen deponiert. Und, wahrlich ich sage euch, es handelte sich um vortreffliche Bags, die in ihrem früheren Leben das Futter für Franciscos Hunde beinhaltet hatten. Meine spontane Begeisterung angesichts eines leichten, hinreichend großen und, vor allem, wasserdicht verschließbaren Behältnisses hat ihn ebenso spontan überzeugt. Also gab’s Läuflingsessen mit Hundemotiv.

Ich hatte übrigens vollkommen verpennt, mich zum Lauf anzumelden. Das muss mir erstmal einer nachmachen: Urlaubstermin auf den Lauf abstimmen und dann…
Aber alles kein Problem, für die supernetten Organisatoren um Anne, Joyce und Joe sind Meldungen bis kurz vor dem Start kein Thema.

Klar: T-Shirt gibt es für Nachmelder keins. Steht wie sonst auch auf der Anmeldung.

Oder?

Weit gefehlt!
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Als ich um halb fünf in der Frühe (also neunzig Minuten nach dem Aufstehen, eine halbe Stunde vor dem Start, und vier Stunden vor dem Aufwachen), meine Unterlagen abhole, fragt mich Joyce nach meiner Größe: Du kriegst auch ein Shirt. Ich kümmere mich darum, sobald der Shop geöffnet hat..

Wow.

Rundum sorglos und glücklich scheint das Motto der Organisatoren zu sein, Cactus Rose ist von Idealismus getragen. Was Wunder, dass etliche Wiederholungstäter dabei sind.
Tragen eigentlich Menschen wie Joe Prusaitis, Vater des Cactus Rose, einen heimlichen Sadismus mit sich herum? Liebevoll, zuvorkommend, nett bei allen Aspekten – bis auf die Streckenwahl. Da wird keine Gemeinheit ausgelassen, sondern alles integriert was geeignet ist, des Läuflings Leid zu vergrößern.

Aber wir wollen es ja so.

Trailläuflinge sind heimliche Masochisten.

Was wäre uns ein Ultratrail ohne die nachträgliche Gewissheit, über uns hinausgewachsen zu sein? Schmerzen und körperliche Schwächen kraft unseres Willens besiegt zu haben? Wollen wir heimkehren mit den Worten war eigentlich ganz locker?

Dann ist es vielleicht weniger Sadismus, sondern vielmehr die Furcht vor Beschwerden, die den Streckenplan bestimmt. Ich stelle mir die enttäuschten Gesichter vor, wenn ein böser Hügel ausgelassen würde. Hey, was soll der Unsinn uns auf der Schotterstraße um diesen herrlich fiesen Hang herumzuführen? Und einmal konnte ich über fast zehn Minuten meine Füße gerade aufsetzen!

Also ist es Joe, der Besessene, der mit seinem Team dafür Sorge trägt, dass uns alles geboten wird, um als glorreiche Halunken die Ziellinie zu überschreiten.

In der Tat: Trailläuflinge sind anders.

Ist es nicht beschwerlich, beschweren sie sich.

Also legt man ihnen Steine in den Weg, oder führt eben jenen dort entlang, wo bereits welche herumliegen. Und fürwahr, unser Weg war ein steiniger. Single Trails. Rolling Stones. Große, kleine Steine. Mit rund dreihundert Höhenmetern pro Runde recht flach, dafür aber mit fiesen Steigungen (wie gesagt: Rolling Stones. Die sind besonders bei Dunkelheit nicht zu verachten.)

CactusRose_6Außerdem gibt es Sotols.

Bei Wikipedia nennt man sie Dasylirion wheeleri, ich bleibe bei Sotol.

Sie wachsen im Hill County zuhauf, sind wunderschön anzusehen und haben lange Blätter mit Dornen. Wie es sich anfühlt, einen Tag lang hindurchzulaufen?
Nun, es soll Menschen geben, die ihre Unterarme einritzen. Sotols tun dies an Läuflingsbeinen. Am Anfang des Rennens, wenn an den Unterschenkeln noch etwas Haut vorhanden ist, fühlt sich so ein Sotolstreicheln harmlos an. Später wird’s unschön.

Kann man seinen Körper dagegen abhärten?

Ich denke schon. Tägliches Training mit der Drahtbürste sollte funktionieren.

Höre ich jemanden „lange Hose“ sagen? Gute Idee, wenn der Lauf in, sagen wir: Grönland stattfände. Wir hatten rund 30° im Schatten. Und praktisch keinen Schatten. Spätestens ab 12 Uhr mittags brennt die Sonne erbarmungslos vom Himmel. Beim Gedanken an lange Beinkleider läuft mir ein eiskalter Schauder den Rücken herunter. Eiskalter Schauder? Schön wär’s ja! Jetzt lerne ich die riesigen Kühlboxen mit Eiswürfeln zu schätzen: ein paar Schaufeln in die Trinkblase, Wasser dazu – und bis zur nächsten Verpflegung vermag ich mich mit erfrischendem Eiswasser erquicken.
Salztabletten bilden bei allen einen wesentlichen Teil der Nahrungszufuhr, und im Großen und Ganzen komme ich recht gut mit der Hitze klar.

Später, als die Sonne langsam untergeht, bin ich mit Jason Schwertner unterwegs. Längst sind wir ins Gehen übergegangen, und halten bis zum Ziel einen Plausch. Einen, sagen wir, interessanten Moment erlebe ich bei einsetzender Dunkelheit. Es geht gerade noch ohne Stirnlampe, wir marschieren einen von Sotol gesäumten Pfad entlang. Die Zirpen grillen (oder zirpen die Grillen? Ich kann mich nicht mehr erinnern). Jason, der hinter mir geht, fragt:

Du denkst an die Klapperschlangen, oder?!

…äh…

Klapperschlangen sind in dieser Gegend häufig zu sehen, ebenso Koyoten (deren Heulen am Morgen gut zu hören war).
Klapperschlangen, meine Güte. Als naiver Mitteleuropäer denkt man, tödliche Tiere gäbe es nur im Film.

CactusRose_9Später überschreiten wir hochbeglückt die Ziellinie. Vielmehr: ich hochbeglückt, Jason leicht enttäuscht. Weshalb?
Ich nutze die Gelegenheit, eine sympathische Besonderheit des Cactus Rose anzuschneiden. Wer für eine Handvoll Dollar zwei Runden (50 Meilen) meldet, kann sich für ein paar Dollar mehr spontan dazu entscheiden, zwei weitere Runden anzuhängen und kommt so in die Wertung für 100 Meilen. Umgekehrt findet sich der geneigte Abbrecher nicht in der offiziellen Finisherliste über 50 Meilen wieder, sondern in einem Anhang dazu.

Cactus Rose ist wie das Leben: hart.

Und sehr, sehr schön.

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