Spiele mit den Bundesjugendsperenzien

„Sportfest“ war für mich immer ein Riesenspaß, wenngleich die Ehrenurkunde für mich als siegerurkundenbeurkundetem Durchschnittssportler ein unerfüllter Traum blieb. Wie ich erst jetzt erfahre, könnte ich deshalb zeitlebens mit einem Trauma gelebt haben. Müssen die Bundesjugendspiele weg, oder besser die Sperenzien mancher Eltern?

„Sportfest“ war für mich immer ein Riesenspaß, was auch daran gelegen haben mag, dass sie während der Unterrichtszeit stattfanden, denn ausgefallener Unterricht war gewonnene Lebenszeit. Falls meine Erinnerung trügt, die Bundesjugendspiele also am Wochenende stattfanden, tut dies meiner Freude keinen Abbruch: ich fand es geil, obwohl ich das Wort damals noch nicht kannte.

Wie das Leben so spielt, war ich eher mäßig begabt, hatte keine Ahnung von Training (wie auch, ich war jung und brauchte kein Geld), und noch weniger Ehrgeiz. Weitsprung, Weitwurf und die längeren Strecken waren ok, auf Sprints hatte ich keine Lust, was sich konsequent im Ergebnis niederschlug. War ich deshalb niedergeschlagen, als man mir die Siegeruhrkunde überreichte? Weil eine Ehrenurkunde für mich als siegerurkundenbeurkundetem Durchschnittssportler ein unerfüllter Traum blieb?

Nein.

Doch wie ich erst jetzt erfahre, könnte ich deshalb zeitlebens mit einem Trauma gelebt haben.

Da kommt ein unsportliches Kind weinend vom Sportfest nach Hause, und Muttchen fordert sofort die Abschaffung der Bundesjugendspiele, denn Mißerfolg soll nicht verarbeitet, er muss vermieden werden.

Geht’s noch?

Selbstverständlich muss sich eine etablierte Veranstaltung wie die Bundesjugendspiele gefallen lassen, dass man ihr Konzept hinterfragt, und ebenso ist es für mich klar, dass dieses Konzept nicht das von vor vierzig Jahren sein braucht – da fangen wir gleich mit der Auswahl der Sportarten an. Lasst den Sprint weg, ich will eine Ehrenurkunde!
Ich halte es auch für angebracht, über ähnliche Veranstaltungen aus anderen Bereichen nachzudenken: Kunst, Naturwissenschaften, und so weiter. Mangels besserer Begriffe spreche ich von leistungsorientierten Workshops.

Ja, Workshops – weil es Spaß machen muss!

Ja, leistungsorientiert – weil ein Mensch ein Recht darauf hat, seine Grenzen und sein Talent zu erfahren!

Es kann nicht darum gehen, einen jungen Menschen ein Erleben des eigenen Scheiterns vorzuenthalten; ein Satz, bei dessen Formulierung ich mich im Geiste bereits ermahne, erläuternde Worte folgen zu lassen. Mit Scheitern meine ich das Scheitern eines Vorhabens, nicht das Scheitern der Person, welches sich im Kopf besagter Person manifestiert – oder in den Köpfen seiner Eltern.
Darin liegt für mich des Pudels Kern: Selbst wenn Eltern ein dummes, fettes, hässliches Kind haben, erlebt es sein schlechtes Abschneiden bei den Bundesjugendspielen (um beim Beispiel zu bleiben) erst dann als persönliche Schmach, wenn seine Eltern es als solche empfinden. Wie wäre es, wenn sie ihr dfh-Kind einfach lieben? Und zwar auch dann, wenn es unsportlich ist (oder worauf der elterliche Ehrgeiz sonst abzielt).

Ich behaupte: Wenn das dfh-Kind mit seinen Niederlagen selbstbewusst umgehen lernt, wird es der dfh-Erwachsene vermutlich auch tun, und so erfolgreicher sein als ein frustrationsintoleranter Narziss. Mal abgesehen davon, dass sowohl der d- als auch der f-Anteil veränderliche Größen sind, denn Intelligenz lässt sich entwickeln, und zum Thema Abnehmen brauche ich auf einem sportlastigen Blog wohl nichts schreiben.

Der entscheidende Punkt ist ja, dass Ergebnisse jedweder Art keine Bewertung des Menschen an sich sind, sondern schlicht Informationen über Teilaspekte seiner Aktivitäten. Momentaufnahmen. Freilich will jeder gerne auf dem Siegertreppchen stehen, und verlieren ist verdammt hart für jeden, der gewinnen will. Oder auch nur dabeisein.
Was wäre die Alternative? Olympiagold für jeden?

Hey, ich will einen Nobelpreis! Intellektuell reicht’s zwar nicht, aber für solche Fälle gibt es ja noch den für Frieden, der wahrscheinlich aus genau diesem Grund gerne an Politiker vergeben wird. Strenggenommen will ich ihn gar nicht, ich fände es aber cool zu sagen, dass ich ihn ablehne.
Es sein denn, jeder bekäme ihn. Dann nehme ich ihn überhaupt nicht an, Dann lehne ich ihn rundweg, und zwar ab.

Ich verliere noch ein Wort zum Thema Leistung, in der Hoffnung, dass ich es später wieder finde. Wahrscheinlich liegt’s gerade unter dem Apfelbaum und treibt es dort mit dem roten Faden, der mir ebenfalls abhanden gekommen ist.

Wo war ich stehengeblieben?

Ach ja. Leistung.

Nein, weder krankhafter Ehrgeiz noch Ellenbogen, sondern schlicht Leistung im Sinne des Erfahrens eigener Grenzen. Denn das Schöne daran ist, vor allem wenn einem die Chance geboten wird, seine Grenzen auf verschiedenen Gebieten auszutesten, dass mit der Grenze auch die Freiräume definiert werden. Ich nenne einen Menschen glücklich, der weiss, wo seine Freiräume liegen, und der zu entscheiden vermag, auf welchem Gebiet er sie ausweiten will. Dazu muss er sie kennen – erleben! – und gegebenenfalls mit der Erkenntnis umgehen lernen, dass seine Grenzen nicht so weit gesteckt sind, wie er es gerne hätte.

Sollen wir sämtliche Situationen abschaffen, in denen wir unsere Grenzen erkennen?

Sehen tut manchmal weh.

Sehen ist besser, als die Augen vor dem „Ist“ zu verschließen.

Ein Hauch von Nichts

„Ein hübsches kleines Nichts, dass Sie da beinahe anhaben“ sagt James Bond zu Tiffany Case – womit er ihr Negligé meint. Durchsichtig sind sie zwar nicht, die superleichten Daunenteile von PHD, aber….

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„Ein hübsches kleines Nichts, dass Sie da beinahe anhaben“ sagt James Bond zu Tiffany Case – womit er ihr Negligé meint, und sich auf dessen Transparenz bezieht. Durchsichtig sind sie nicht, die superleichten Daunenteile von PHD, was, wenn ich sie trage, auch kaum jemanden stören dürfte. Dafür bieten sie erheblich mehr Kälteschutz als das eingangs erwähnte Nachtgewand.

PHD – Peter Hutchinson Designs – ist ein britischer Spezialist für Daunenkleidung und -schlafsäcke, der sich im High-End Bereich des Marktes etabliert hat. Zum Beispiel hat die Daune in den Teilen, die man mir netterweise zur Verfügung gestellt hat, eine Bauschkraft von 1000 cu.in. je Unze. 800 cu.in. sind hochwertig. Wir reden von 1000.
Übersetzen wir die Zahlenspielerei ins praktische Erleben, heißt das: je größer die Zahl, desto wärmer wird’s bei gleichem Gewicht.
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Jacke und Weste sind Teil der Sommerkollektion, die PHD ins Leben gerufen hat, als man feststellte, dass sich bei einem Daunenlabel im Sommer naturgemäß eine leichte Delle einstellt. Es gibt dann weniger zu tun, wogegen sich etwas tun lässt: Ausrüstung für die kühlen, nicht kalten Tage.

Nach meiner Einschätzung (was bin ich für die Schafskälte der letzten Tage, und den doch recht kühlen Endmai dankbar, so konnte ich wenigstens einen groben Eindruck gewinnen), sind Weste und Jacke ungefähr so warm wie ein dickes Fleece, dafür aber windgeschützt.

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Das Schwergewicht: SummerLite Down Jacket
In der Tat, mit 180 Gramm im Vergleich zur Weste ein rechter Brummer – die Pointe mit der Weste hebe ich mir für später auf. Passt mir super, und ist top verarbeitet. Ich hatte sie mir auch mal nach einem Lauf übergeworfen, als es mit 12, 13 Grad frisch genug war, und fand mich hinreichend mollig eingepackt.
Was alle Daunenklamotten auszeichnet, ist natürlich das Packmaß. Zum Größenvergleich nimmt man gerne Obst, in diesem Fall würde ich von einem durchschnittlich großen Apfel sprechen.

Warum ausgerechnet Obst, hat mir noch keiner erklären können. Ich würde lieber das bewährte Maß namens Körbchengröße heranziehen, schon alleine wegen des empirischen Ermittelns der Vergleichsgröße am lebenden Objekt…

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Magersüchtig: WaferLite Down Vest
Wir sprechen von 85 g Wärme. Das reicht an kühlen Sommerabenden locker, mit ein bisschen was drunter auch im Herbst. Richtig genial als zusätzlicher Wärmespender fürs Gebirge, unter einer Wind- oder Regenjacke.
Bei der Gestaltung hat PHD das Streben nach geringem Gewicht auf die Spitze getrieben: kurzer Reißverschluss, keine Tasche, kein Zug im Saum. Leicht und warm war das Ziel, und das haben sie ohne Kompromisse umgesetzt: das Ding wiegt praktisch nix. Eigentlich sollte man immer eine Kettlebell dabei haben, damit es nicht wegfliegt.

Die Körbchengröße?

Nach meiner Schätzung AA.

Höllenberg Trail Run

Dante Alighieri beschreibt die Hölle in seiner Göttlichen Komödie so treffend, dass ich mich nach dem Höllenberg Trail Run frage: war Dante Pfälzer? Einige Läufe in der Pfalz kokettieren mit dem höllischen Motiv – wollen die wirklich nur spielen?

Höllenberg Trail Run
Langsam wird mir die Pfalz sympathisch und suspekt zugleich. Sympathisch wegen der geilen Gegend, der netten Menschen und natürlich der Läufe, die man dort veranstaltet. Suspekt ist sie mir, weil sie, vom KUT angefangen bis zum Höllenberg Trail Run, eine arge Obsession zum Thema Hölle hat.
Was Dante Alighieri in seiner Göttlichen Komödie, genauer gesagt im Inferno, schreibt, passt verdächtig gut zum Erleben des gemeinen Läuflings. War er vielleicht kein Italiener, sondern Pfälzer? Oder ein italienischer Trail Runner, der schlicht seine Urlaubserlebnisse aus der Pfalz zu Papier brachte?

Trail Runner war er nicht.

Er sprach italienisch, würde sich daher anders genannt haben.

Was heißt Trail Runner auf italienisch?

Egal, kommen wir zum Lauf.

Wie ich hineinkam, weiß ich nicht zu sagen,
so schlafbefangen war ich zu der Stunde

Der Höllenberg Trail Run findet in der lauschig-romantischen Gemeinde Spirkelberg statt. Romantisch im Tal gelegen, wiegen Fachwerkhäuser den Ankömmling in trügerischer Sicherheit. Wäre da nicht ein Mensch am Mikrofon, dem zwei verdächtige, rote Hörner aus der Stirn wachsen. Sowas sieht man bei Laufveranstaltungen in der Pfalz öfter – gehört das zur Landestracht? Ich bezweifle es. Vielmehr denke ich, und ich weiss, dass meine These bei manchem Leser manchem Leser hervorrufen wird, dass wir es in dieser Region wahrhaftig mit Teufeln zu tun haben. Möglicherweise streiten sie sich um die Vorherrschaft des Oberteufels, bislang scheint das Rennen um die unterste Stufe auf der Karriereleiter noch offen zu sein.

Unterste Stufe?

Freilich, zur Hölle geht’s bekanntlich abwärts, also ist die unterste Stufe jene, auf der der Oberboss (wäre Unterboss besser?) sitzt.

Müde waren wir übrigens alle, was allerdings keine Ausflucht sein soll. Wir alle hatten den Entschluss im Vollbesitz unserer geistigen Kräfte gefasst gehabt.

Doch da ich zu dem Fuß nun eines Hügels
gekommen war an jenes Tales Ende,
das mir mit Furcht das Herz durchschauert hatte,
blickt‘ ich empor und sah der Berge Schultern

Dantes Erinnerung wirkt an dieser Stelle seltsam trübe, denn bis zum Start war in unseren Herzen von Furcht nichts zu spüren, wobei ich vorausschicken möchte, dass ich später zu überhaupt keiner Spürung mehr im Stande war.
Der Begriff Hügel passt übrigens, von Bergen würde ich nun doch nicht sprechen wollen. Da hat sich der Dichter entweder ein wenig künstlerische Freiheit herausgenommen, oder er will nicht zugeben, dass er genauso böse eingegangen ist wie andere. Ich zum Beispiel.

Die zum Rennen pünktlich aus der Unterwelt gelieferten Hügel sind nicht allzu hoch, aber böse. Sehr böse. Und sie treten in Rudeln auf, beim Höllenberg Trail Run sind es derer vier, die sich über die Distanz von zehn Kilometern zu fünfhundertfünfzig Höhenmetern aufsummieren. Und es sind, so taten meine Beine jedenfalls kund, verhältnismäßig große Meter. Nur wenige Menschen wissen, dass ein Meter nicht immer ein Meter ist, besonders in der pfälzischen Hölle werden sie riesig. Nachmessen nutzt übrigens nichts, die wahren Meter fühlt man mit den Beinen.

Landschaftlich ist die Strecke traumhaft geführt, herrliche Trails winden sich in Serpentinen hinauf und hinab. Ebenso winden sich und winseln die Läufer, die auf einer höheren geistigen Ebene doch noch Gelegenheit fanden, den Lauf zu genießen.

Zumindest ging es mir so.

Teilweise.

Meinem linken Fuß war es offenbar langweilig geworden, so dass er sich zum Einschlafen entschloss. Bergauf ist sowas lästig, bergab un- beziehungsweise umfallträchtig. Also setzte ich mich an den Wegesrand, um ihn mit kräftigen Schlägen unsanft zu wecken. Wenn ich schon durch die Hölle gehe, dann bitteschön vollständig.

Kurz darauf, der Mistfuß war wieder in Schlummer versunken, halluzinierte ich.

O hab‘ mit mir Erbarmen,
wer du auch seist, ob wirklich Mensch,
ob Schatten

Kurz vor dem letzten Gipfel drangen „Hölle, Hölle“ Rufe an mein Ohr. Blondgelockte Engel säumten den Wegesrand, welche uns das teuflische Wort zuriefen. Gleich geht’s ein letztes Mal bergab, wieder einer jener herrlichen – Dante würde „göttlich“ geschrieben haben – Single-Trails, die hinabzurennen so großen Spaß machen. Wäre ich dazu fähig gewesen, ich hätte himmelhoch gejauchzt. Stattdessen beschränkte ich mich auf stilles Genießen und freute mich aufs Ziel.

Warum ersteigst du nicht den Wonnehügel
der Grund und Anfang ist von aller Freude?

Genau den Wonnehügel stand in Form einer hölzernen Rampe, gesäumt von zwei Höllenfeuern im Ziel. In der Tat, meine Wonnen hätten größer nicht sein können, als ich einen Becher köstlichen Getränks meine Kehle herunterrinnen ließ.

Eine Sache ist mir bis jetzt noch unklar. Warum findet sich das pfälzische Motto nicht am Eingang der Region? Dass es das nicht tut, habe ich überprüft, nirgends an der Landesgrenze finden sich Schilder, auf denen steht:

Lasst, die ihr eingeht, alle Hoffnung fahren

Wo die pfälzischen Sportveranstalter ihre teuflischen Vergnügungen so gerne mit anderen teilen…
Der Satz würde auch die geziemende Reaktion im Kopfe des anreisenden Läuflings auslösen, der sich anschickt, einen dieser zahlreichen unterweltlichen – jedoch überirdisch genussreichen – Läufe zu bestreiten:

Mit dunkler Farbe sah ich diese Worte
Geschrieben an dem Gipfel eines Tores
Und sprach drum: ‚Meister, hart erscheint ihr Sinn mir.‘

Harte Worte, harte Läufe.

Für harte Läufer:

Hier muss man jedes Zweifels sich entschlagen
und jede Feigheit hier ertötet werden.

Geil!

Übrigens: wer Lust bekommen hat, auf dem Weg über die Hölle zu himmlischen Wonnen zu gelangen, hat bei weiteren Läufen des Wasgau Cups Gelegenheit dazu.

Wundersame Vermehrung

Manche Dinge lassen uns wundern, wenngleich sie sich leicht erklären lassen, während die einschlägige Literatur religiöser Art mit unerklärlichen Geschichten aufwartet, die sie „Wunder“ nennt. Dann wiederum gibt es die wundersame Vermehrung. Läuflinge kennen sie gut.

Leben wir in einer Welt voller Wunder? So der Laie staunt, und sich selbst der Fachmann nur noch wundern kann, entpuppen sich die meisten wunderbaren Dinge bei näherer Analyse als ziemlich profan. Ursachen und Wirkungen und Zusammenhänge und nicht immer einfache, dafür jedoch schlüssige Erklärungen lassen uns neidvoll auf Kinder blicken, die noch richtig staunen können.

Viele von uns haben sich die Fähigkeit zum Staunen trotz des Erwachsenenalters bewahrt. Wir freuen uns, wenn wir Erstaunliches entdecken.

Aber echte Wunder?

Wunder von jener Art, wie sie in der einschlägig religiösen, quasireligiösen, esoterischen und sonstwie phantastischen Literatur dargeboten werden? Wunder, vollbracht von irgendwelchen Göttern, Geistern, Kräften oder Energien? Ich krampfe immer, wenn die beiden letztgenannten Begriffe anders verwendet werden als um, eben Kräfte (in Newton) oder Energie (in Joule) zu bezeichnen.
Solche Wunder wären wohl echte Wunder zu nennen, wenn sie sich nur durch den Rückgriff auf erdachte Irgendwasse „erklären“ lassen.

Läuflinge kennen diese Art Wunder.

Nur selten sind sie blau.

Ich meine die Wunder, von den Läuflingen weiss ich zuwenig. Einige werden blauen Blutes sein, mancher Zeh geruht nach längerem Betrieb diese adlige Farbe anzunehmen, das sei indes nicht Teil dieses Textes, welcher sich um Wunder dreht. Ein Wunder des besonders wunderlichen Typs, von dem ich hier spreche, konnten drei weise Läuflinge aus dem Abendlande kürzlich erleben.

Einer davon war ich.

Wir hatten uns zu einem längeren Laufe im schönen Nordschwarzwald verabredet, 18 Kilometer waren geplant gewesen, unter genussreicher Einbeziehung der Gertelbachschlucht mit den Gertelbach-Wasserfällen. Barg diese düstere Schlucht den Keim für das folgende Wunder in sich? Es wäre nicht das erste Mal, denn immerhin stürzte Sherlock Holmes nahe den Reichenbachfällen im Kampf mit Professor Moriarty zu Tode, um seinem Freund Dr. Watson später, viel später, wohlbehalten gegenüber zu treten.

Ein frühes Wunder? Nein, Holmes war natürlich nicht zu Tode gestürzt, er hatte sich vor den Häschern Moriartys verborgen gehalten, um der gesamten Verbrecherorganisation das Handwerk zu legen.
Wir können damit die Vermutung widerlegen, dass Wasserfälle stets Wunder auslösen. Wasserfälle sind keine Wunderquelle.

Natürlich sind Wasserfälle alleine nicht die einzige Möglichkeit gewesen, die ich in Betracht gezogen hatte. Der düstere Schwarzwald daselbst könnte Schuld tragen, die Mondphasen, etwaige Flüche von Hexen, geologische Verwerfungen, schlichte Rechenfehler, magische und magnetische Steine, und viele mehr hatte ich erwogen und verworfen.

Auch die Illuminaten.

Illuminaten sind immer verdächtig, ob sie wollen oder nicht.

Aber die waren’s auch nicht.

Schlussendlich kam ich auf die Lösung. Achtzehn Kilometer hatten wir geplant gehabt, einunddreißig sind wir gelaufen. Was in aller Welt könnte die Strecke fast verdoppelt haben? Was in aller Welt – meinetwegen auch etwas, das nicht von dieser Welt ist? Von irgendeiner anderen, es gibt schließlich genügend Welten, mit denen wir Menschen im regen Austausch stehen. Manche jedenfalls. Jene mit ihrer eigenen Welt, in der sie leben.

Kilometer werden mehr. Nicht das erste Wunder der wundersamen Vermehrung.

Brot hatten wir angeblich schon, Wein auch. Jesus hieß der Multiplikator, dem das angedichtet wird.

Geld kennen wir ebenfalls, das macht die Europäische Zentralbank.

Und Kilometer? Das tun Läuflinge.

Läuflinge vermehren Kilometer.

So einfach ist das.

Maslow, ganz oben: WeatherWool

WeatherWool – eine wunderschöne Alliteration im Namen – ist Garant für erstklassige Wollkleidung für jedes Wetter. Nicht per se fürs Laufen gedacht, aber ohne Weiteres dafür geeignet, hat WeatherWool eine interessante Geschichte.

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WeatherWool. Die Alliteration im Namen bleibt sogar in der Übersetzung erhalten: Wetterwolle. Ich erinnere mich an den Englischlehrer, der bei jeder Alliteration in helle Verzückung geriet. Wir lasen Macbeth von Shakespeare, und womit beglückte uns der gute William? Fair is foul and foul is fair. Das passt zur Kleidung von Weatherwool, die den Anspruch hat, auch schlechtes Wetter gut sein zu lassen.

die Story
Angefangen hat die Geschichte von WeatherWool im Jahre 2002, als Ralph DiMeo sich entschloss, seinen Beruf im Technikbereich einer Investmentbank zugunsten von Weatherwool an den Nagel zu hängen. Der Weg dorthin schien vorgezeichnet, denn schon in den Jahren zuvor trat er als eifriger Kunde von Wollkleidung in Erscheinung – so eifrig, dass er in das Wiederverkäuferprogramm rutschte. Und wo er schon mal als solcher gelistet war, dachte er sich, könnte er auch etwas mehr als für den Eigenbedarf nötig kaufen…
Leider, so schien es ihm, trafen sämtliche Hersteller damals Entscheidungen, welche der Qualität ihrer Produkte abträglich waren. Also überlegten er und seine Partner, was sie besser machen könnten. Schließlich will man einen Kunden nicht mit dem unschönen Gedanken zurücklassen, anderswo hätte es Besseres gegeben.

So ganz ohne Fehler lernt es sich nur schwer, und so gelangte WeatherWool erst auf Umwegen in den New York City Garment District. Dabei trägt der Bekleidungsbezirk der Stadt seinen Namen, weil dort Leute am Werk sind, die wissen was sie tun. Im Business-Neusprech würde man wohl Knowledge Cluster, oder, fachlich weniger korrekt, Community of Practice dazu sagen.

die Macher
Hinter WeatherWool stehen Ralph, Debby und Alex DiMeo, dazu kommen Berater, deren Expertise in Sachen Wolle, Design und Herstellungsverfahren das Kernteam nutzt. Am Telefon hat Ralph mir erzählt, dass er seine Begeisterung für die Natur und das Leben draußen schon in der Kindheit erkannte: damals war er fasziniert davon, Obst direkt vom Baum zu pflücken (ich kenne sowas). Vollkommen verständnislos beobachtete er, dass er das einzige Kind in der Nachbarschaft war, das sich am Apfelbaum bediente.
Essen aus der Natur, sei es als Jäger oder Sammler, hat ihn seither begleitet, und so ist er am liebsten draußen unterwegs – einen besonderen Genuss bereitet es ihm, bei Dunkelheit loszuziehen, um den Anbruch eines neuen Tages zu erleben. Übrigens: wer mehr darüber lernen will, wie sich Nahrung aus der Natur gewinnen lässt, findet auf deiner Projektseite www.DiningWild.com Anregungen.

Doch zurück zur Kleidung: Was macht ihm in seinem selbstgewählten Job am meisten Spaß? Der Austausch mit Kunden – und anderen Menschen, die in irgendeiner Form draußen aktiv sind. Ja, auch Läufer!
Läufer, gerade wenn sie Ultratrails laufen, dürften auch in etwa das Nutzerprofil haben, welches WeatherWool im Sinn hat. Denn deren Qualitätsanspruch lautet im Prinzip: wir wollen, dass unsere Kunden ihre Kleidung draußen benutzen, nicht auf Dinge verzichten müssen, weil ihre Klamotten schlapp machen – und das bitteschön zehn, zwanzig Jahre lang.
Nichts für die Fußgängerzone, eher für Etappenläufe im Schneeregen.

die ProduktePonchos_Alex_Rebecca_by_Laura_2015-05-10
WeatherWool, das zeigt ein Besuch der Website, macht nicht direkt Laufkleidung. Aber, ich schaue bekanntlich gerne weit über den Tellerrand hinaus, es gibt richtig coole Sachen, die ich gerade für lange Trails sehr interessant finde.
Am besten zähle ich auf, was mir ins Auge sprang.
Poncho. Ich mag Ponchos, vor allem wenn sie so kuschelig-urig daherkommen. Während des Laufens im Winter hätte er etwas nostalgisches an sich, in der Pause, nach dem Lauf – oder abends beim Grillen schaut er einfach urig aus. Wenn’s nicht superleicht sein braucht, kann ich ihn mir auch gut im Gebirge vorstellen. UTMB mit Poncho? Warum nicht?

Hut1Wo ich schon danach frage: Zu Abwechslung ein Hut gefällig? Ich meine das ernst. Seitdem ich bei einem 24-Stunden-Lauf mit dem Träger eines Strohhutes gesprochen habe, der in jederzeit jeder Mütze vorzieht (luftiger ist er mit Sicherheit), kann ich mir gut vorstellen, dass ein Hut den Läufling gut behütet.

Als AnorakAl’s Anorak ist eine Schlupfjacke, die dem traditionellen Laufdress sehr nahe ist. Ich habe nicht nur ein Faible für Schlupfjacken, sondern auch für Wolle. Beides zusammen sollte richtig schnuckelig werden. Ich will euch, liebe Leser darüber informieren, dass ich an dieser Stelle befangen bin. Ich habe Ralph ein, zwei Ideen zu diesem Teil geschickt, die ihm so gut gefallen haben, dass sie sogar in einem Prototypen umgesetzt werden. Hey, natürlich bin ich eitel! Davon abgesehen: schaut euch einfach das Bild an und stellt euch vor, ihr könnt euch von der rotblaugelb-bunten Funktionsfaser-Uniform abheben.

WeatherWool gibt es im Moment übrigens direkt von dort.

die Vision
Wohin führt die Reise von WeatherWool? Wenn es nach Ralph geht, werden sie sich in ein paar Jahren international einen Ruf für die beste Outdoor-Wollkleidung erworben haben.
Was das Sortiment betrifft, dürfen wir uns auf Stricksachen freuen, derzeit experimentiert das Team…

Zum Schluss noch eine dreifache Alliteration: WeatherWool Website

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