Besser als Benchmark

Im E-Commerce gilt Amazon als das Maß der Dinge: schnell, günstig, kundenfreundlich. Nicht zu übertreffen. Oder etwa doch? Den Bergfreunden ist es gelungen – ich bin heftig beeindruckt.

BF_KartonBenchmark* nennt man in der Alltagssprache (ok, es kommt auf euren Alltag an) eine Referenz, an der sich anderes und andere messen lassen müssen. Messlatte wäre ein geeigneter Begriff.

Und wer, so frage ich euch, fällt euch spontan als Messlatte im Handel ein? Im E-Commerce gar? Die meisten brauchen nicht lange überlegen, und es fällt ein Name:

Amazon.

Aus Kundensicht benimmt sich Amazon genau so, wie wir es uns vom Händler um die Ecke immer gewünscht haben: es gibt das, was wir wollen – und nicht nur das, was da ist. Die Preise sind ok. Sie liefern tierisch schnell – Messlatte für den Versandhandel, und zurückschicken ist die einfachste Sache der Welt. Da wird weder diskutiert, noch gibt es Gebühren, wenn wir zu billig eingekauft haben.

Freilich zahlen wir das auf die eine oder andere Weise eben doch mit. Das ist nur nicht der Punkt. Der ist: ich brauche mich nicht groß drum kümmern.

Hatte ich die Öffnungszeiten schon angesprochen?

Alles perfekt, oder?

Beinahe. Denn die Bergfreunde legen noch eine Schippe drauf.
Ich hatte mir eine Hose von Aclima zugelegt. Woolshell, also Wollfleece innen mit Kunststoffschicht außen. Dreiviertellänge. Mit durchgehenden Reißverschlüssen ist sie eigentlich für Skitouren gedacht, so dass man sie an- und ausziehen kann ohne die Stiefel abzuziehen. Warum nicht auch zum Laufen? dachte ich mir, um letzten Endes festzustellen, dass mir die seitlichen Reißverschlüsse doch zu umständlich sind. Dann lieber die ganz lange Hose mit RV an den Unterschenkeln, und die Knielange geht zurück.

Jetzt ist der Zeitpunkt gekkommen, an dem ich auf die Verpackung eingehe. Stellt euch einen querformatigen, dickbauchigen Umschlag in DIN A4-Größe vor. Aus Kunststofffolie, mit einem hübschen Aufreißfaden.

Aufreißfaden.

Wie der Name schon sagt, reißt er den Umschlag auf – und hinterlässt einen Riss, der sich nicht mehr kitten lässt. Da hilft auch keine Gruppentherapie.

Dennoch wollte ich den Umschlag für die Retoure verwenden. Immerhin war es ein schöner, leidlich intakter Umschlag, der die Hose schon auf dem Hinweg mustergültig beschützt hatte. Ich war gerade auf dem Sprung, Klebeband zu beschaffen, als mein Blick einen Hinweistext streifte:

Für Retouren bitte einfach die Schutzfolie abziehen und wieder zukleben.

Sinngemäß jedenfalls.

Also Hose rein, Folie ab, zugepappt, Rücksendeetikett drauf und ab die Post.

So einfach geht das.

Die Bergfreunde sind Benchmark.

* strenggenommen gibt es je nach Sachgebiet unterschiedliche Definitionen und Methoden des Benchmarkings. Ich verwende den Begriff hier im unpräzisen, laienhaften Verständis. 🙂

Eine ganze Halbheit

In einer Welt, in der Halbgötter zu popeligen Ärzten herabgewürdigt werden, die Halbwahrheiten im Halbstundentakt in der halben Welt verbreitet, muss ich mich fragen: was hat es mit dem Halbmarathon auf sich?

In einer Welt, in der Halbgötter zu popeligen Ärzten herabgewürdigt werden, die Halbwahrheiten im Halbstundentakt in der halben Welt verbreitet, muss ich mich fragen: was hat es mit dem Halbmarathon auf sich?

Eigentlich beginnt es beim Schuh, den ich trage. Meistens ist es ein Halbschuh, ein halber Schuh also. Da kann ich nicht anders, ich muss in Halberstadt absteigen, wo mir ein Hotel ein unwiderstehliches Angebot macht – Halbpension inklusive.

Anderen geht es nicht anders, sie machen keine halben Sachen, da wird mit Halbwissen über Träningskonzepte geprahlt, dass sich die Balken biegen. Schade nur, dass die Halbwertszeit derartigen Wissens arg kurz ist. Da braucht bloß ein anderer halbwegs Bescheid wissen, und schon ist die Diskussion halb gewonnen.
Nicht, dass es sich dabei um ein besonderes Verdienst handeln würde. Nein, die halbgaren Konzepte, mit denen sich mancher Halbaffe zum Halbgott aufzuschwingen anschickt, kann man allzu leicht widerlegen. In Sachen Seriosität ohne Weiteres mit dem gleichzusetzen, was früher einmal als Halbwelt galt. Ganze Kerle wickelten halbseidene Geschäfte ab, Halbstarke hatten da keinen Platz.

Halb.

Halb irgend etwas.

Vorsilben haben oft die Eigenschaft, vom bezeichneten Objekt wegzuweisen. Ein Halbgott zeigt klar, dass es auch einen ganzen Gott geben muss, und halbdunkel ist eben weder hell, noch richtig dunkel. Wie gesagt: so ein Wort deutet von sich fort, auf etwas anderes. Ich bin deiner Aufmerksamkeit unwürdig, scheint es zu sagen, dort drüben ist das echte Ding.

Wie ein halbautomatischer Eierkocher.

Dann doch lieber gleich einen richtig automatischen. Wenn der Halbautomat schon klar sagt, dass es auch einen Automaten gibt, kaufe ich eben den.

Dann gibt es den Halbmarathon. Also kein richtiger Marathon, sondern bloß die Hälfte. Eigenartig, zwanzig Kilometer klingen besser, obwohl beim halbe Ganzmarathon ein guter Kilometer mehr eingeschenkt wird. Knapp elfhundert Meter, auf denen Helden geboren wurden und starben. Triumphierender Endspurt oder gnadenloses Einbrechen auf diesem letzten Stück.

Zwanzig.

Oder eine Hälfte?

Strenggenommen ist auch ein ganzer Marathon halb so wild.

Da kann man sich für den Halbmarathon nur halbherzig anmelden, oder?

Das Glas ist halbleer, meint der Pessimist, wogegen der Optimist sofort einwendet, dass es natürlich halbvoll sei.

Ich sage: es ist ein kleineres Glas. So ein Lauf über einundzwanzigkommairgendwas Kilometer hat seine eigenen Bezeichnung verdient. Schneller als ein Marathon, und mit längeren Schmerzen als bei diesen hetzenden Zehnern, hat er es nicht nötig, von sich weg zu deuten.

Ich sag’s nochmal: Der Einundzwanziger braucht einen Namen!

Kettlebell Trageübungen – Progression

Neulich hatte ich euch Trageübungen mit Kettlebells als sehr simple, und doch effektive Form des Krafttrainings für Läufer vorgestellt. Wenn dir die Übungen nach einiger Zeit leichter fallen, kannst du sie auch ohne größere Kettlebell schwerer gestalten. Wie?

Neulich hatte ich euch in einem Artikel Trageübungen mit Kettlebells als sehr simple, und doch effektive Form des Krafttrainings für Läufer vorgestellt. Wenn dir die Übungen nach einiger Zeit leichter fallen, kannst du sie auch ohne größere Kettlebell schwerer gestalten. Mit etwas Phantasie (vielmehr: einfacher Mechanik) klappt die Progression mit deiner gewohnten Kugel.

Du musst sie nur anders halten – nämlich so, dass „es“ für dich schwieriger wird; denn wie jeder weiß, der als Kind auf einer Wippe saß, kann man entweder zunehmen (das wäre die größere Kettlebell), oder schlicht den Hebelarm vergrößern. Obendrein hilft dir eine instabilere Haltung, deine Belastung und somit den Trainingsreiz bei Waiter’s Walk und Rack Carry zu vergrößern.

Dabei hast du die Wahl aus zwei Varianten, die ich kurz vorstelle.

WaiterWaiter2
Stimmt schon, die Trageweise heißt ähnlich wie der Waiter’s Walk aus dem letzten Artikel. Bei dieser Trageweise, und nur bei dieser, darfst du ein Handgelenk „haben“. Wo dein Gelenk sonst gerade sein muss, darfst du es jetzt abwinkeln. Wie sollte die Kugel sonst auch sanft in deiner Handfläche ruhen, während du sie umherträgst….

Du solltest auf diese Qalitätskriterien achten:

  • die Kettlebell ruht in deinem Handteller
  • der Kettlebellgriff berührt deinen Unterarm
  • in der Rack-Position hat dein Oberarm Kontakt zum Brustkorb

Bottom-UpBottom-Up2
Einen Schritt weiter gehst du, wenn die Kettlebell nicht wie gewohnt auf deinem Unterarm aufliegt, sondern senkrecht über dem Griff steht – daher der Name Bottom-Up. Die Kugel steht also Kopf, und du darfst nicht nur den deutlich vergrößerten Hebelarm genießen, sondern sie mit festem Griff daran hindern, dass sie der Schwerkraft nachgibt, um sich wieder an den Unterarm zu schmiegen.
So romantisch diese Anziehung auch sein mag, du musst eine innige Berührung verhindern. Und du hast vollkommen recht wenn du davon ausgehst, dass du mit der Bottom-Up Haltung im Vorbeigehen deine Griffkraft trainierst.

Qualitätskriterien

  • der Griff liegt ähnlich wie bei einem Hammer diagonal in deiner Hand
  • die Kugelmitte befindet sich senkrecht über dem Griff
  • in der Rack-Position hat dein Oberarm Kontakt zum Brustkorb

Wichtig
Natürlich gelten die Kriterien für die Trageübungen immer noch, also Rumpfmuskeln anspannen etc.!
Außerdem trägst du passendes Schuhwerk – die besten Schuhe beim Kettlebelltraining sind meiner Ansicht nach gar keine Schuhe.

FAQ
Ich habe das ein paar Wochen gemacht, es strengt mich nicht mehr an.
Herzlichen Glückwunsch, du darfst dir eine schwerere Kettlebell kaufen.

Kann ich auch mit zwei Kettlebells trainieren?
Selbstverständlich. Sogar asymmetrische Belastungen lassen sich herbeiführen.

Wie du das tust, erzähle ich nächstes Mal. 😉

Anders betrachtet

Saskia ist fit, sie ist ehrgeizig und schnell. Und sie wird unterdrückt, was soviel heißt wie: sie setzt sich unter Druck. Wochen vor dem Rennen denkt sie nur an ihre Zielzeit. Das kann nicht gut gehen. Und doch lief alles glatt…

Saskia ist fit, sie ist ehrgeizig und schnell. Leistungsbereit beschreibt ihre Haltung nur unzureichend, höchstleistungsbereit ihre Leistungsfähigkeit auch nicht korrekt. Sagen wir: sie ist in höchstem Maße leistungsbereit.

Gerade darin liegt ihr Problem, denn sie wird unterdrückt. Von sich selbst unterdrückt, was soviel heißt wie: sie setzt sich unter Druck. Schon etliche Wochen vor dem Rennen denkt sie an nichts anderes als an „ihre“ Zeit: Unter fünfundvierzig Minuten auf zehn Kilometer.

Unter fünfundvierzig Minuten auf zehn Kilometer.

Ich muss das schaffen.

Unter fünfundvierzig Minuten auf zehn Kilometer.

Ich MUSS es einfach schaffen.

Ich muss, MUSS, MUSS!

Unter. Fünfundvierzig. Minuten. Auf. Zehn. Kilo. Meter.

Das geht seit Jahren so, und ebenso lang scheitert sie in jedem Rennen an ebenjener Hürde. Nicht, dass sie es nicht können würde, ein jeglicher Träningslauf lässt sie die magische Grenze deutlich unterbieten. Nur wenn’s drauf ankommt, schlagen die Nerven zu, und solcherart dem Fass den Boden aus. Es kann, es darf nicht angehen, dass die geneigte Läuflingin sich selbst dermaßen im Wege steht.

Also schlug ich ebenfalls.

Nicht zu, sondern vor, nämlich einen Wechsel der Perspektive, der meist dann ratsam erscheint, wenn der Mensch so dicht vor der Rinde steht, dass er keinen Baum, geschweige denn den Wald an sich zu erkennen vermag. Wenn das erdrückende ich muss des Waldes Rauschen dermaßen lautstark übertönt, dass selbst die eigenen Gedanken kein Gehör mehr finden. Sieht Saskia, so mein Ansatz, ihr Ziel erst aus einem anderen Blickwinkel, liegt die veränderte Haltung nahebei. Und Haltung ändern, soviel wissen wir, hilft.

Das ist nicht neu, wir kennen es.

Perspektiven- und Paradigmenwechsel, Rucke gehen durchs Land und ein jeder muss an die eigene Nase sich fassen.
Veränderung tut not, und doch scheint die Medizin oftmals bitterer als jene Pille, die uns das Gebrechen selbst zu schlucken abverlangt.

Doch es giert der Mensch nach dem Erfolg, um immer wieder festzustellen, dass die Trauben ziemlich hoch hängen. Da reckt und streckt er nach der Decke sich – doch diese bleibt entweder unerreichbar, oder sie ist zu kurz: Schultern oder Füße, eins von beiden friert.

Ein warmer Regen brächte kaum Entlastung, er macht bloß nass.

Manch einer legt die Messlatte deshalb weit nach oben – ein wahrhaft guter Gedanke, denn so braucht er sich nicht bücken, wenn er drunter durchläuft. Was höre ich? Lug und Trug, gar an sich selbst? Aber bitte. Man wird sich doch noch selbst belügen dürfen.

Nun gut.

Meinethalben greife ich den Einwand auf, wir können schließlich, und zwar vor allem auch ganz anders. Andere Saiten aufziehen überlasse ich allerdings der Musik – ich beschränke mich auf eine neue Warte, von welcher aus betrachtet, die andere Perspektive sich von alleine einstellt.

Zehn Kilometer unter fünfundvierzig Minuten. Druckvoll, bedrückt, unterdrückt und unter Druck gesetzt kann der Läufling sich kaum regen, geschweige denn beflügelt durch die Lande eilen. Es lähmt der eigene Ehrgeiz, Traum der Traumzeit, lässt die Füße noch vor dem Start zu superschweren Etwen werden. Etwen nenne ich den Plural von Etwas. Ein Etwas, mehrere Etwen. Etwen, die sich anfühlen, als steckten sie in sizilianischen Badelatschen. Genau, die aus Beton.

Und das ist vor dem Start.

Zehn Kilometer in unter fünfundvierzig Minuten.

Welche Last!

Saskias Gemüt ist eingeschüchtert. Doch sie denkt. Denkt etwas entscheidendes, nämlich: um.
Denn ich hatte ein Umstellen des druckvollen Mantras angeregt. Mach‘ dich locker, schlug ich vor: bau‘ deinen Satz neu.

In fünfundvierzig Minuten unter zehn Kilometer.

Badelatschenbeton bekommt Risse, er platzt, seine Splitter prasseln auf die Straße.

Füßen wachsen scheinbar Flügel. Die Seele erleichtert sich, die Blase nicht.

Zum Glück.

Am Ende stehen dreiundvierzig Minuten.

Mission accomplished.

Ich bin so bockvoll!

Es gibt solche Tage und auch solche. Bei mir sind gerade solche dran. Tage voller Bewegungsgeilheit, Sportspaß ohne Ende. Meine Freudenphase begann vorgestern mit einem müden Freitagabend.

Es gibt solche Tage und auch solche. Bei mir sind gerade solche dran. Tage voller Bewegungsgeilheit, Sportspaß ohne Ende. Meine Freudenphase begann vorgestern mit einem müden Freitagabend.

Die im Lauf der Woche angesammelte Trägheit hatte sich genau jenen Moment ausgesucht, an dem ich zuhause ankam, um mir wie ein Stüpp auf den Buckel zu springen. Munter war ich vorher schon nicht gewesen, jetzt: vollkommen ermattet. Mit einem sardonischen Grinsen führte mein Hängesessel mich in Versuchung.

Wenn ich jetzt nachgebe, stehe ich heute nicht mehr auf.

Ich gab nach.

Um mich eine halbe Stunde später zu erheben.

Einen nicht geringen Anteil daran hatte mein Nachbar, mit dem ich mich zum nahegelegenen Sportplatz aufmachte. Sein Läuten hatte ich kaum ignorieren wollen.
Doch noch immer kein Bock auf Bewegung. Selbst mein Standardspruch Wenn du keinen Bock hast, nimm eine Ziege wollte nicht wirken.

Ich war bocklos.

Ein wahrhaft unbefriedigender Zustand für die oben erwähnte Ziege, der ihr Singledasein umschreibt. Für mich ebenfalls unerfreulich, wenngleich nicht im Sinne ziegenhafter Partnersuche.
Da der Appetit bekanntlich beim Essen kommt, schien es mir sinnvoll, mit eben jenem Essen zu beginnen. Wo ich schon mal da war….
Zu Vorspeise wurden einige lockere Runden des Einlaufens kredenzt, um anschließend ein Viertelstündchen Lauf-ABC zu genießen. Es folgte, ich nehme das Ergebnis des Abends vorweg, eine herrliche Phase körperlicher Betätigung mit kurzen, zackigen Steigerungsläufen, die im vorsätzlichen Missbrauch der Zuschauertribüne zu plyometrischen Übungen gipfelte. Herrlich, wie wir die Ränge streckspringend auf- und abhopsten.

Die ehrwürdige Sportstätte war eine Stunde unser Spielplatz geworden. Meine Güte, hatten wir Spaß!
Und wie gut habe ich danach gepennt.

Sportgeil und leicht muskelverkatert erwartete mich der Samstag. Bocklos, das war gestern. Heute bin ich bockvoll.
Ich zelebrierte den Bock mit – nein, nicht lockerem, ganz im Gegenteil – kräftigem Kettlegebell nebst Seilhüpfen zelebrierte.

Heute dann ein zwar träger, doch genussreich-gemütlicher längerer Lauf.

Bocklos ist schon ein lustiges Wort, um Unlust zu bezeichnen. Ist so ein Generationending aus den 1980ern. Zuvor lautete die punkige Zukunftsprognose no future, bis jene, die zu Teeniezeiten bocklos sein durften, zur Generation X wurden. Aktuell lebt folgerichtig Generation Y, die wortspielend nach dem Warum fragt. Angesichts der Verwunderung, die dieser Frage (und der namensgebenden Generation) teilweise entgegengebracht wird, frage ich mich eher, ob der Verzicht auf das hinterfragende Warum? nicht vielmehr ein Defizit älterer Generationen darstellt.
Y wird von Z beerbt werden – im Amerikanischen sprechen sie es „Zee“ aus. Darin wird man dann im Sinne von „to see“ in sehende Generation sehen. Was die wohl sehen, wofür ihre Ahnen blind waren?

Wieso überhaupt Generation? Gedanklich bin sehe ich mich Y – altersmäßig könnte ich die Mutter dieser Gören sein, wäre da nicht noch die Frage meines Geschlechts. Aber ich will nicht unken, es ist ja schön, dass man uns wahrnimmt, gar mit einem Sticker (oder ist’s ein Stigma) zu ehren glaubt. Hauptsache Schublade.
Unsere hinterfragende Haltung Y macht uns zu bockvollen Menschen, die mit Überzeugung Spaß haben. Reflektiert, zielorientiert – sich überwindend, wenn es darum geht, für ein lohnendes Ziel zu kämpfen. Denn gequält habe ich mich. Vorgestern. Gestern. Heute. Aber mit Freude, weil es sich lohnt.

Die Stunden im Hängesessel heute, mit einem guten Buch und Tee bis zum Abwinken (ich winkte nicht ab) habe ich lustvoll genossen.

Yes, ich bin bockvoll!