Test Mountain Kind Trail Blaze

Mountain King, im schönen Newcastle upon Tyne gelegen, ist nach eigenen Angaben der führende Hersteller von Trekkingstöcken im Vereinigten Königreich. Mit dem Trail Blaze gibt es einen superleichten Faltstock aus Aluminium. Wie gut taugt er fürs Trail Running?

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Mountain King Trail Blaze
Mountain King, im schönen Newcastle upon Tyne gelegen, ist nach eigenen Angaben der führende Hersteller von Trekkingstöcken im Vereinigten Königreich. Mit dem Trail Blaze gibt es einen superleichten Faltstock aus Aluminium. Wie gut taugt er fürs Trail Running?

Beschreibung
Die Trail Blaze sind faltbare Stöcke aus Aluminium. In vier Segmente aufgeteilt, sind sie zusammengefaltet knapp 40 cm lang. Für das Trailrunning gedacht, oder als Behelfsstock für andere Aktivitäten, verfügen sie über gepolsterte, atmungsaktive Griffe und Handschlaufen. Zum Lieferumfang gehören Gummikappen, um die Spitzen aus Wolframkarbid abzudecken, kleine Teller und ein Packsack.

Material: Aluminium (Stock)
Farbe: schwarz
Gewicht: 147 g je Stock – Länge 120 cm, mit Gummikappe und Teller (gewogen)

Erster Eindruck
Leicht sind sie, die Dinger! Meine Güte, bei allen zeitgenössischen Werkstoffen darf man Aluminium nicht unterschätzen. Eines fiel mir allerdings schnell auf: Wenn ich die Stöcke auf den Boden stieß, schwangen sie recht lange nach. Faserverstärkte Kunststoffe sind viel ruhiger – der Techniker spricht da von höherer Eigendämpfung.

Zusammengesteck, wird der Stock über eine Schnur vorgespannt, die wiederum mit Klettband unterhalb des Griffes fixiert wird. Interessant, ich kannte solch ein System noch nicht, bin neugierig.
Die Griffe selbst erinnern mich an die Rückenpolsterung von Rucksäcken. Nicht schlecht, mir kommt die Sache nur ziemlich weich vor, die Aluröhre kann ich durch das Polster hindurch ertasten. Mehrere Griffpositionen sind übrigens nicht drin, dafür ist die Griffzone zu kurz.

Die Spitze aus Wolframkarbid ist, nun: Spitze. Ob die Gummikappen allzu lange halten, wage ich aber zu bezweifeln. Ich gebe ihnen eine knappe Stunde, bis sich das Metall hindurchgearbeitet hat.

Test
Wetter: etwa 18 °C, leichter Regen.
Zum Testen begab ich mich auf meine Lieblingsteststrecke: auf einem Teil davon fahren Mountainbiker Downhill, hübsch steil also. Sonst ist von Asphalt über Schotter und steinige Pfade alles dabei, was des trailigen Läuflings Herz begehrt. Zuvor hatte es ausgiebig geregnet, der Weg präsentierte sich also schön feucht.

Es zeigte sich recht schnell, dass die Griffe ihrem Wortsinn nicht ganz so nachkommen, wie ich es erwarten würde. Griffig sind sie nämlich nur im trockenen Zustand, und auch dann ist schnell klar: andere Griffe sind griffiger. Das Netzmaterial bleibt besser am Rucksack.
Zum Glück gibt es die überaus bequemen Handschlaufen. Dass sie nicht verstellbar sind, hat mich nicht weiter gestört.

Nach ein paar Minuten begannen die Segmente bei jedem Schritt zu klicken. Kurzes Nachjustieren der Spannschnüre stellte das ab. Ob die Schnur auch nach einem Tag im Regen hält? Das muss ich noch separat ergründen. Bisher kann ich nur sagen: die Lösung ist simpel und sie funktioniert!

Auf langen Trails werden die Vibrationen des Aluminiumschaftes die Unterarmmuskulatur schneller ermüden lassen als dies bei Kunststoffstöcken der Fall ist. Abhilfe könnte ein Dämpfungselement schaffen, z.B. ein Stück Teerpappe oder Gummi, welches irgendwo in der Mitte auf das Rohl geklebt wird. Ingenieure nennen sowas Schwingungstilger. Das macht den Stock ein paar Gramm schwerer, dafür beruhigt es ihn.

Die Spitzen sind wirklich Spitze. Mit den kleinen Tellern, die ich anfangs nicht montiert hatte, ist gewährleistet, dass man auf weichem Untergrund (Schnee mal ausgenommen) nicht zu tief einsinkt.

Fazit
Mit dem Trail Blaze hat Mountain King keinen herausragenden, aber einen gut verwendbaren Stock auf dem Markt. Die Fixierung über eine Spannschnur ist einfach, aber wirkungsvoll; größtes Manko ist das Material der Griffe.

Perspektivenwechsel

Am letzten Wochenende fanden in Karlsruhe die deutschen Meisterschaften im 24-Stundenlauf statt, organisiert von „meinem“ Verein, der LSG Karlsruhe. Wie ist so eine Veranstaltung wohl aus der Helferperspektive? Ich unternahm den Selbstversuch.

Nachts. Foto: Günter Kromer
Nachts.
Foto: Günter Kromer
Am letzten Wochenende fanden in Karlsruhe die deutschen Meisterschaften im 24-Stundenlauf statt, organisiert von „meinem“ Verein, der LSG Karlsruhe. Wie ist so eine Veranstaltung wohl aus der Helferperspektive? Ich unternahm den Selbstversuch.

Seit ich zunehmend Trails laufe, hat das Runden drehen über vierundzwanzig Stunden seinen Reiz ziemlich verloren. Irgendwie ist er doch noch da, der Reiz.
Woran ich immer gerne denke, ist der Übergang in die Nacht. Wenn ich 24 gelaufen bin, war’s im Sommer, und dementsprechend heiss. Tagsüber. Falls nicht gerade ein Gewitter herniederging. Je später der Tag, desto angenehmer wurden die Temperaturen, und wenn die Sonne in den wohlverdienten Feierabend entschwand, dunkelte es. Die schönsten Stunden begannen. Das waren jene, in denen es an der Strecke ruhiger wurde. Betreuer saßen in Campingstühlen, in warme Decken und Schlafsäcke gehüllt.

Als Läufling hat man es ja leicht, wach zu bleiben. Oder wenigstens so zu tun, als ob.
Ein, zwei Stunden später waren nur noch wenige Helfer zu sehen.
Diese friedvolle Atmosphäre hatte es mir angetan. Irgendwann, schwor ich mir oft, will ich mich dieser Stimmung hingeben können.

Wie gesagt, am letzten Wochenende war die perfekte Gelegenheit dazu. Beinahe perfekt, weil just an diesen beiden Tagen die Jahrestagung nebst Symposium der Gesellschaft für Kreativität stattfand, an dem ich unbedingt teilnehmen wollte. Für Sonntag nachmittag stand ein Krankenbesuch auf dem Programm. Egal, Hauptsache, die Nacht gehörte mir.

Als Streckenposten hatte ich einen wunderbaren Blick auf das Geschehen. Campingstuhl inklusive, achtete ich darauf, dass kein Radfahrer allzu unvorsichtig die Kreise der Läuflinge störte. Wohlgemerkt, es war die Nacht von Samstag auf Sonntag im Karlsruher Unigelände, anders formuliert: nichts los. Nur die Läuflinge.
Dabei hatte ich mir schon einen mahnenden Spruch zurechtgelegt, der des akademischen Rahmens würdig sein sollte: „Störe ihre Kreise nicht!“ wollte ich jedem Radler entgegenrufen, der sich anschickte, wild auf der Laufstrecke herumzuradeln. Kam nur keiner. Vielleicht war es besser so, denn historisch gesehen hätte solcherlei Ruf leicht mit meinem gewaltsamen Ableben enden können.

So genoss ich das Défilé der Läuflinge. Hier ein Lächeln, dort ein kleiner Scherz, da eine Aufmunterung. In der müden Phase, ab vielleich zwei, drei Uhr, wurde es sehr ruhig. Sehr müde. Mutter Natur hatte eine erfrischende Dusche in Form eines Gewitters vorbereitet; unter Baum, Schirm und Poncho ließ sich der Regenguss leicht ertragen. Vollkommen unbeeindruckt auch die aktiven Teilnehmer, die unverzagt weiter liefen. Ich kann das gut verstehen, bekanntlich gibt es kein schlechtes Wetter. Wäre ich lieber gelaufen? Würde ich im Regen lieber laufen, oder wäre Immobilität vorzuziehen? Eine gute, Frage, die ich mir noch nicht beantworten kann. Wahrscheinlich hängt es an der Situation, and der inneren Haltung. Ich muss weiter grübeln.

Als es dann tagte, bemerkte ich einen Anflug von Lust, trotz aller Trailverliebtheit doch mal wieder einen 24er zu laufen. Erstaunlich, ich bin gespannt, wie lange das anhält.

Richtig schön – aus der Perspektive eines Umstehenden – wurde die letzte Stunde des Rennens. Wo zuvor, besonders mit beginnendem Tageslicht noch kommunikative Menschen um die Ecke bogen, blickte ich in leere Blicke. Hüllen menschlicher Existenz, reduziert auf die biologischen Grundfunktionen: Atmen, Essen, Laufen.

„Laufen“ sollte hier als Metapher verstanden werden.
War das, was man an Laufstilen geboten bekam, zuvor schon von einer bizarren Vielfalt, die jeden Laufcoach schluchzend und mit Schaum vor dem Mund zu Boden sinken ließe, bot sich nunmehr ein grausiges Bild.
Eine Geisterbahn zog vorbei.
Für den nächsten Zombie-Film genügte es, eine Kamera an den Rand zu stellen, und einfach laufen zu lassen.

Das änderte sich in der letzten Viertelstunde vor Schluss schlagartig. Als hätte man den Geist hinter den Gesichtern der Läuflinge wieder eingeschaltet, strahlten die ausgemergelten Gesichter, funkelten uns glückliche Augen an.
Sie liefen, gingen, humpelten nicht, sie wurden von Euphorie getragen. Selbst an den langsamsten Schlurfern, die sich auf den Resten dessen, was nur einen Tag zuvor noch Füße gewesen waren, dahinschleppten, konnte ich den einen oder anderen euphorischen Hüpfer beobachten. Vielleicht hatte ich es mir auch nur eingebildet.

Als der Schluss-Schuss erklang, wiederholt und verstärkt durch Druckluft-Tröten, hatte in allen Antlitzen ein Ausdruck unbeschreiblichen Glückes jegliche Mattheit verdrängt.
Körper waren wieder zu Menschen geworden. Menschen auf Zeit, denn später schlugen Anstrengung und Schlafentzug wieder zu.
Bis dahin gab es nur Sieger, stolz und glücklich.

Und die Helfer? Müde, glücklich und im Geiste schon beim Aufräumen.
Ein aufmerksamer Beobachter hätte den wohl interessantesten Anblick am Montag gehabt:
Mehrere Menschen hockten um einen Müllhaufen herum. Aufgerissene Säcke hatten ihn auf die Wiese erbrochen, auf dem tags zuvor noch das Verpflegungszelt gestanden hatte. Sie wühlten im Haufen, um ihn nach Bechern und anderen Gegenständen zu sortieren. Verklebt mit Speiseresten wie Gel oder Suppe. Kalte Widerwärtigkeiten, die vom Sportler übrig gelassen, verschmäht, verbraucht und verworfen worden waren.

Ein Bild, das sonst nur von Reportagen aus Slums in der dritten Welt geläufig ist.
Ein Bild, das, hätte man es aufgenommen, zweifellos im Wahlkampf ausgeschlachtet worden wäre: „Verarmte Akademiker unterstützen. Pfandflaschenquote im Hausmüll! Jetzt!“

Aber keine Sorge, es waren nur die Reste. Die der Veranstaltung. Und von uns.

Sag‘ bitte nichts.

Social Media läuft, das tut es bekanntlich seit Jahren, worin es eine frappierende Ähnlichkeit mit uns Läuflingen hat. Es ist ja nett, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Verschiedenen Sinnes bin ich allerdings mit runtastischen Selbstquantifizierern. Mein Freund René ist so einer…

Social Media läuft, das tut es bekanntlich seit Jahren, worin es eine frappierende Ähnlichkeit mit uns Läuflingen hat. Es ist ja nett, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Verschiedenen Sinnes bin ich allerdings mit runtastischen Selbstquantifizierern. Mein Freund René ist so einer…

Eigentlich kann ich die Quantified Self Bewegung verstehen. Deren Anhänger erfassen Daten ihrer Körper, die sie mit anderen austauschen. Für Diabetiker ist es selbstverständlich, bestimmte Werte regelmäßig zu messen – und wenn Spitzensportler ebenso wie Weight Watcher damit erfolgreich sind, ihre Messergebnisse einem interessierten Publikum mitzuteilen: warum nicht?

Eigentlich ist es auch eine tolle Sache, so ein Sportdatenerfassungsgerät. Bequem mit Schnittstellen zu allen möglichen Diensten und Geräten.

Ich betone nochmal den Konjunktiv: eigentlich.

Denn das interessierte, hochverehrte Publikum darf, den technischen Errungenschaften sei Dank, vom Daten erfassenden Menschen ziemlich frei festgelegt werden.
Es gibt Direktanschluss an FacebookTwitterGoogleplusundsoweiterundsofort. Und an den heimischen Rechner, sämtliche Sportvereine, die Firma, Familie, Freunde (auch außerhalb des Internets), und sämtliche Komilitonen, Alumni, Mitschüler, Mitkindergartenkinder und überhaupt: alle.

René (das ist der mit der kreativ erworbenen Marathonbestzeit) ist derart begeistert auf den Zug aufgesprungen, der da vom Bahnhof „Körperfunktion“ nach „Ich will, dass es ALLE wissen“ fährt, dass ich mir beinahe Sorgen mache, er könnte im Zug sitzen, während er ihn – den Zug – gleichzeitig überholt.

Nicht um René sorge ich mich. Auch nicht um den Zug. Mich bangt, die Relativitätstheorie könnte kippen, und alle Nerds würden ihr Einsteinposter – das mit der herausgestreckten Zunge – durch das Konterfei von René ersetzen.

Es begann dem gleichermaßen harm- wie belanglosen „René lief gerade 1,6 runtastische Kilometer um den Aldi-Parkplatz“.
Das war vor ein paar Monaten. René wäre nicht René, wenn er keine Chance wittern würde, jeden über Dinge zu informieren, die niemand wissen will.
Und heute?
Sensoren erfassen jede, aber auch wirklich jede, irgendwie messbare Vitalfunktion seines Körpers, diverse Softwarepakete speichern sie auf mindestens drei Computern und, vor allem: sie publizieren sie sofort.

Sofort und in einem fort.

Jeder Mensch in seinem Dunstkreis weiss sekundengenau mehr über Renés Körper als alle Geheimdienste dieser Erde zusammen. Und das will in unserer Zeit wirklich etwas heißen!

„René ist gerade 29,3 runtastische Meter um sein Auto spazieren gegangen“
„Renés Puls betrug gestern durchschnittlich 76 Schläge in der Minute. Der Mittelwert der vergangenen drei Wochen war…sein BMI ist momentan…er wiegt aktuell….“

Dazu kommen selbstgeschriebene Beiträge, heraus kommt etwas in dieser Art:

„Ich hab‘ Blähungen“
„Geht wieder #furz“
„Ich geh‘ jetzt schwimmen“
„René hat gerade einen Puls von 92 Schlägen in der Minute“
„Erstmal umziehen in die neue Badehose #speedo“
Empfohlener Beitrag „Speedo. Keep going swim after swim“
„Huch, bin in der Damenumkleide gelandet“
„René hat gerade einen Puls von 183 Schlägen in der Minute“
„Hübsch war sie ja…#lechz“
„René hat gerade….#zensiert“
„erste Bahn“
„René hat gerade einen Puls von 112 Schlägen in der Minute“
„zweite Bahn. Schwimme mich langsam warm“

„einunddreißigste Bahn“

Und er schreibt. Und schreibt. Und schreibt. Und schreibt. Und das war nur Twitter.

Ich sehe es vor mir, sehe es wirklich als wäre ich körperlich anwesend: René und andere quantifizierte Selbste, wie sie sich beim monatlichen Stammtisch gegenseitig ihre Daten vortragen.
„Mein Herz ist gesund: Ruhepuls minimal 52 Schläge“
„Einundfünfzig, gewonnen! Ich bin herziger als du!“

Gestern bekam ich es mit der Angst zu tun.
Diese neue App, die Stimmungen erkennt, kratzt mich weniger. Soll meinetwegen jeder wissen, dass René sich freut, verliebt ist oder seines Nächsten Weib begehrt. Nein, was mir den Angstschweiß auf die Stirn treten ließ, war eine kurze Bemerkung Renés. Ein Halbsatz, den er unbedacht vor sich hin murmelte. Er wolle gemeinsam mit einem Unternehmen der Keramikbranche Toilettenschüsseln entwickeln.

Das ängstigt mich. Ein Klo mit Schnittstellen zu Twitter und Facebook. Mit Sensoren für jeden Dreck – und natürlich automatischer Sitzerkennung, damit die Messungen auch ja dem richtigen Account zugeordnet werden.

„René hat gerade ein fantastisches Geschiss gemacht.“

Es folgen Farbe, Gewicht, Konsistenz. Um Himmels Willen, bitte kein Film!

Am schlimmsten daran ist mein schlechtes Gewissen. Denn ich bin schuld an der Informationsdiarrhoe von René.
Ich bat ihn irgendwann: wenn du nichts zu sagen hast, sag‘ bitte nichts.
Das nichts sagen scheint er anders verstanden zu haben, als ich es meinte.
Denn seitdem hört er nicht auf damit, nichts zu sagen.

Heißer Reifen trifft kesse Sohle

Es musste ja so kommen: Continental, als Reifenhersteller bestens bekannt, stellt auch Schuhsohlen her.
Den ersten Satz meine ich übrigens positiv und wörtlich nehmen. Ich finde es wirklich gut!

Es musste ja so kommen: Continental, als Reifenhersteller bestens bekannt, befasst sich mit Schuhsohlen.
Den ersten Satz meine ich übrigens positiv und wörtlich. Ich finde es wirklich gut.

Continental, das ist eigentlich ein Urgestein der deutschen Autoindustrie. Den meisten wird zuerst das Wort „Reifen“ einfallen, wenn sie an Conti denken, nur produzieren sie weit mehr Gummi. Und, nein, ich habe nicht recherchiert, welche Artikel, die allgemein mit dem Wort „Gummi“ verknüpft werden, bei Conti entwickelt wurden.
Wir bleiben beim Reifen und landen beim Fahrrad, denn auch hier hat Conti ein kräftiges Standbein.
Und wo man sich schon im Sport tummelt, mag man sich gedacht haben, kann man auch Sohlen für Sportschuhe mit entwickeln.

Genau genommen liefert Continental seit 2009 Gummimischungen an Adidas.

Was mir daran gefällt?
Die Transferleistung ist es, über die ich mich freue. Continental überträgt die Erkenntnisse aus der Reifenherstellung auf Gummimischungen für Schuhe. Das bedeutet, dass das Wissen über Kraftübertragung, Nässe- und Trockenhaftung Elastiztät in einen anderen Zusammenhang überführt wird.

Wissen, das ist nach einem platten Spruch eine Ressource, die sich durch Teilen vermehrt. Umso stärker wirkt natürlich der Effekt, wenn Wissen aus verschiedenen Bereichen verknüpft wird, um zu neuen Produkten zu gelangen.
Mein beglücktes Hirn lässt Worte wie „Wissensmanagement“ und „Innovation“ wie Seifenblasen aufsteigen. Nein, Seifenblasen zerplatzen, also schreibe ich über die Worte lieber: sie erblühen wie Blüten.

Soviel Poesie.

Zurück zur Freude.

Da kommt also ein Mensch von Adidas zu Continental und regt an „Leute, ihr habt Ahnung von Gummi. Unsere Kunden wollen bessere Sohlen an ihren Laufschuhen haben. Wir denken an Kraftübertragung, an gute Haftung unter vielen Bedingungen undsoweiter. Wir haben Ahnung von Schuhen. Lasst uns zusammenarbeiten.“

Oder jemand von Continental ruft bei Adidas an: „Wir haben da eine Idee. Eure Schuhe könnten viel besser sein, wenn ihr die Gummimischung anpasst. Wir kennen uns aus. Lasst uns zusammenarbeiten.“

Oder so ähnlich.

PLOPP, ein neues Stichwort: „Ideenmanagement“.

Wo ich doch dies alles und nichts sagende Wort „Management“ nicht mag.

Am Ergebnis ändert das nichts, denn das Wissen über Reifen hat seinen Weg zu den Schuhen gefunden.
In der Pressemeldung steht sogar zu lesen, dass die Conti-Entwickler sich Anregungen bei den Griffmechanismen von Katzen und Eisbären geholt haben. Vor zehn Jahren zog mal das Schlagwort „Bionik“ durch die Lande, genau sowas ist damit gemeint.
Dieser Transfer freut mich. Ein Blick über den Tellerrand der eigenen Branche, der sich in barer Münze auszahlt.
Im Beratersprech von Strategieconsultants heißt sowas dann: man habe sich neue Geschäftsfelder erschlossen.
Ich nenne es: Prima, ihr habt begriffen, dass die Schublade, in der ihr euch wähnt, größer ist, als ihr glaubt.

Trotz der enormen Größe beider Firmen, könnte ich fast an freie Denker dort glauben.
Herzlichen Glückwunsch, bitte mehr davon!

Übrigens: nicht nur bei Adidas, auch Feelmax verwendet Sohlen von Continental.