OMM 2013 – Brecon Beacons

OMM klingt meditativ, ist es aber nur im übertragenen Sinne. Am kommenden Wochenende findet in Wales die 25. Auflage des „Original Mountain Marathon“ statt. Kurz: OMM.

OMM klingt meditativ, ist es aber nur im übertragenen Sinne. Am kommenden Wochenende findet in Wales die 25. Auflage des „Original Mountain Marathon“ statt. Kurz: OMM.

Morgen früh – sehr früh, um 4:45 Uhr wird mich der Wecker aus dem Schlaf reißen – mache ich mich zu Zug und Flug gen Wales auf. Endlich kann ich wieder ein wenig Aufregung vor der Reise ins Ungewisse genießen. Marathons, Ultras, Trails – alles längst Routine.

Was ist beim OMM anders?

Zunächst geht der OMM über zwei Tage, übernachtet wird irgendwo mitten in den Brecon Beacons, einem Nationalpark im südlichen Wales. „Mitten in“ bedeutet, dass wir campen dürfen, womit wir bei einer weiteren Besonderheit wären, denn beim OMM laufen wir in Zweierteams. Mit von der Partie ist mein Freund Noel Kienzle, der im September seinen ersten Lauf über vierundzwanzig Stunden über die Bühne brachte.

Nun denkt sich der Veranstalter offenbar, dass es schon genug Gruppenreisen mit Rucksack im Angebot gibt, weshalb wir sämtliches Equipment mit uns führen dürfen: Zelt, Kocher, Schlafsack, und, und, und. Auf dass individuellen Bedürfnissen in puncto Verpflegung Rechnung getragen werde, dürfen wir sie selbst mitnehmen. Von der Organisation gibt es Wasser: Samstag morgens vor dem Start – und im Camp, womit für ausreichend Flüssigkeit für das Abendessen und ein leckeres Sonntagsfrühstück gesorgt wäre.
Dementsprechend sah unsere Nahrungssuche aus: Kalorien zählen mit anderem Vorzeichen. Dazu werde ich mich gesondert auslassen, ich kriege das Dauergrinsen kaum aus dem Gesicht, wenn ich daran denke, wie ich die Packungsaufdrucke diverser Müslipackungen und Riegel studiert habe.

Eins ist sicher: der Rucksack wird über das Wochenende leichter!

Bevor noch jemand grübelt, wie groß die zu laufende Strecke wohl sein mag: ich habe auch keine Ahnung. Zur konsequenten Selbstverpflegung dürfen wir die Routenfindung in Eigenregie hinzufügen. Wie beim Orientierungslauf wird jedem Team am Start eine Karte mit anzusteuernden Punkten ausgehändigt.

GPS? Vergesst es! Handy wird ausgeschaltet und versiegelt, Karte und Kompass führen zum Ziel. Das Gehirn darf seinen Teil zum Erfolg beitragen.

In den Vorjahren kamen je Tag rund vierzig Kilometer mit etwa 2500 Höhenmetern zusammen. Wobei die Wahl des rechten Weges vollkommen dem einzelnen Team überlassen bleibt. Als Deutscher kann man sich so etwas kaum vorstellen: es interessiert keinen, ob man auf Wegen läuft oder querfeldein.
Das hiesige Bürokratenhirn würde beim bloßen Gedanken an eine solche Veranstaltung in Schnappatmung verfallen. In Großbritannien (und nicht nur dort) sieht man derlei offenkundig lockerer.

Eine Sache brauche ich wohl nicht ansprechen, tue es der Vollständigkeit halber trotzdem. Wir schreiben den 27. und 28. Oktober. In Wales. Auf den Britischen Inseln. Auch wenn das Wetter dort viel besser ist, als es Vorurteile Glauben machen; alle Lebenserfahrung spricht dafür, dass es wahrscheinlich eines wird: usselich. Ich habe mich mental auf 5 Grad (über Null) und Dauerregen eingestellt. Wenn es besser wird: umso besser. Außerdem laufe ich gerne bei Regen.

Am Sonnntag werde ich wissen, ob ich recht habe mit meiner Vermutung: körperliche Anstrengung ergibt zusammen mit der intellektuellen Herausforderung eine köstliche Mischung.

Nächste Woche werde ich berichten.

Jackwolfskinisierung

Manche Firmen erwerben sich mit guten Produkten einen guten Ruf. Sie sind vollkommen zu Recht erfolgreich. Und doch muss es irgendwo einen Knopf geben, der, sobald man ihn drückt, einen unaufhaltsamen Verfallsprozess in Gang setzt: die Jackwolfskinisierung.

Als der Sauerländer Förster Jacobinius Sperlingsschnabel im Jahre 1864 einige Stoffreste zu einem Wams vernähte, hätte er sich wohl kaum träumen lassen, dass sein Lebenswerk dereinst Inspiration für einen Blogartikel werden könnte.
Dieser rechtschaffene Mann, der seinen Namen im Laufe der Jahre zunächst in Jacobus Fuchsschwanz, dann in Jakob Wolfsfell und schlussendlich jenen Namen änderte, den wir heute mit dem allseits bekannten, alltäglichen, und vor allen Dingen tatzenhaften Signet verbinden, hatte nichts weiter im Sinn, als sich in den bitterkalten Nächten auf dem Hochsitz ein wenig Wärme zu verschaffen.

Wie hätte er auch ahnen können, dass sein Schaffen in späteren Jahren zum Symbol für ein Phänomen werden sollte, welches eine hochangesehene Marke mit zunehmender Verbreitung zuerst alltäglich, und schlussendlich peinlich werden lässt: die Jackwolfskinisierung.

Dabei begannen die Geschicke der Marke mit dem Pfotenabdruck überaus vielversprechend. Die gute Qualität der von Jacobinius und seiner Frau gefertigten Wämser sprach sich schnell herum, und nach kurzer Zeit waren sämtliche Mägde der näheren Umgebung in einer eigenen Näherei angestellt.
Das, was wir heutzutage als „Expansion“ kennen, nannte Jacobinius‘ Enkel, der das Unternehmen später führte, schlicht „wachsen“. Unter seiner Ägide gedieh der Erbhof mit der Tatze prächtig, hervorragende Kleidungsstücke, später gar Rucksäcke, entsprachen den Bedürfnissen des Wald- und Waidmannes. Drei weitere Generationen später griff die aufkommende Outdoor-Bewegung gerne zu den Produkten des Hauses.

„Die Pfote“, das war lange Zeit Erkennungszeichen outdoorbegeisterter Lehrerpaare. Gute Qualität, gute Funktion, und alle waren zufrieden.

Bis, ja bis der Schalter umgelegt wurde.

Was kam zuerst?
Waren es die Schuhe, die auf einmal „auch noch“ ins Sortiment aufgenommen wurden? Oder begann das Ende damit, dass mindestens zweimal im Jahr eine neue „Kollektion“ ihren Einzug in den Katalog hielt? Etwas anders aussehend, ansonsten genau wie vorher.
Eine ständig neue, verwirrende Vielfalt weitgehend ähnlicher Produkte. Wobei der Produktmanager gemeinsam mit dem Marketing eher von Produktlinien und Marktsegmenten sprechen würde.

Aber „neu“. Der ideale Kunde kauft einmal, trägt im Urlaub, und wirft weg. Klamotten vom letzten Jahr taugen allenfalls noch für die Kleidertonne.

Muss ich, will ich schreiben, dass das Design zum Erkennungsmerkmal dessen wurde, was „neu“ war?
Nein, ich will nicht. Ich tue es nicht, denn ich würde damit ausdrücken, dass sich gute Funktion und gutes Aussehen ausschließen.
Ich wäre der letzte, der das behaupten würde, denn nicht erst das Bauhaus wusste, dass Form der Funktion folgt.
Etwas Funktion muss allerdings sein! Immer öfter fiel auf, dass funktional kaum veränderte Dinge als „neu“ angepriesen wurden.
Für die Herbstkollektion.
Vielmehr: die neue Herbstkollektion, weil die Herbstjacke von letztem Jahr dieselbe ist. Bloß der Grünton ist anders, und die Reißverschlüsse sind jetzt rot.

Die Freaks, Käufer der ersten Stunde fanden rasch heraus, dass sie im Katalog nichts mehr fanden. Lifegestyltes Zeugs hatte die hochgeschätzten Klamotten weitgehend verdrängt. Als nostalgisches Feigenblatt waren gerade ein paar Socken übrig geblieben. Dafür wuchs die Rubrik „Accessoires“ im Katalog: Gürtel, Schlüsselanhänger und Handyetuis.
Und die Uhrenkollektion.
Ganz recht, wir können auch Uhren. Uhren macht schließlich jeder, dem nichts besseres einfällt als seine unverwechselbare Marke bis zur Verwechselbarkeit breitzutreten.
Unsere sind tatziger.

Als nächsten Meilenstein auf dem langen Weg nach unten – damals wähnte man sich in der Geschäftsleitung noch auf dem aufsteigenden Ast – wurden in vielen Städten „Flagship Stores“ eröffnet, Pilgerstätten der Markenfreaks, die ihren Teil zu jackwolfskinisierten Städten beitrugen.

Tatzen. Überall Tatzen.

Wo die Träger derartiger Kleidung, wenn sie sich denn einmal begegneten, in gegenseitigem Verstehen zunicken konnten, von Outdoormensch zu Outdoormensch, war das Nicken längst nicht mehr praktikabel. Vor lauter Nickern hätte jede Einkaufsmeile deutscher Innenstädte an ein Heavy-Metal Konzert erinnert.

Headbanging im Geiste des Wolfs.

A propos deutsche Innenstädte. Sie hatten, das ist eine wenig bekannte Tatsache, längst einen Gesprächskreis gegründet. Monat für Monat saßen sie beisammen und klagten sich gegenseitig ihr Leid: „ich werde dauernd betatzt“.
„Komisch,“ sprach ein Wald, der zufällig zu Gast war, „mir kommt es vor, als stünden überall Schilder, auf denen ‚Pfoten raus‘ zu lesen ist“.

Und es jackwolfskinisierte sich weiter.

Die Familie selbst hatte sich längst aus dem Unternehmen zurückgezogen, an einen Investor verkauft.
Auf Investoren dreinschlagen ist wohlfeil. Es gibt genug schlechte Beispiele.
Und sicher ist es für die Herzblut-Fraktion leichter, Anerkennung bei den Fans zu finden.
Ich erlaube mir auch, daran zu zweifeln, dass ein abhängig beschäftigter Geschäftsführer in Dekaden denkt. Dass er den langfristigen, seine eigene Existenz überdauernden Erfolg des Unternehmens im Sinn hat.
Profit ist per se nicht verwerflich, sondern sogar notwendig.
Und auch den Gründern sei von Herzen gegönnt (Aha! Die Herzblutfraktion spricht!), dass sie mit ihren geilen Ideen, den genialen Produkten auch ordentlich verdienen.
Es kommt viel zu oft vor, dass Idealismus Lorbeeren, und zu selten, dass er Reichtum erntet.

Aber – ich wette, liebe Leser, ihr habt die ganze Zeit auf ein „aber“ gewartet. Hier ist es: aber der Bogen kann auch überspannt werden. Die Crux daran ist leider, dass man es erst merkt, wenn es zu spät ist.

Wenn er bricht.

Der Bogen.

Der Marktanteil.

Seltener der Kunde, der die Jackwolfskinisierung nicht mehr erträgt, und stattdessen zu anderen Marken abwandert, die sich längst in jenen Nischen festgesetzt haben, die dem größer gewordenen Unternehmen zu mickrig geworden sind.

Ein Symptom, vielleicht nicht einmal das, eher ein Hinweis auf eine weitere, noch niedrigere Stufe der Jackwolfskinisierung ist ein seltsames Gebaren, wenn es um rechtliche Themen geht.
Man wähnt sich in einem Schutzrecht verletzt, und prompt mahnt man den vermeintlichen Markenverletzer ab.
Vollkommen überrascht vom hereinbrechenden Shitstorm sieht man sich zum Zurückrudern genötigt, und noch während man eifrig paddelt, gelobt man gleichermaßen feierlich wie kleinlaut, man würde künftig mehr Fingerspitzengefühl walten lassen.
Die jackwolfskinisierte Marke ist dermaßen berauscht von ihrer eigenen Bedeutung, dass jede unkontrollierte Nennung des eigenen Namens als Bedrohung wahrgenommen wird. Kein Wunder, wenn der Verstand aussetzt.

Der erfolgreiche Jäger leidet unter Verfolgungswahn.

Ein Gerücht will übrigens von einem Plan wissen, europäische Wölfe auszurotten.
Weil deren Tatzen das Markenlogo kopieren.
Ohne Genehmigung.
Wie gesagt: es ist nur ein Gerücht.

Eine jackwolfskinisierte Firma hat ein großes Problem: weil große Teile der Welt jackwolfskinisiert sind, weil das Logo der jackwolfskinisierten Marke allüberall in Büros, Kinos, Autos, auf Bahnsteigen Autobahnraststätten und in Parks – seltener in der freien Natur, getragen wird. Weil es längst auf Koffern, Taschen, Jacken, Hosen, Gürteln und anderen Bestandteilen der jackwolfskinisierten urbanen Uniform geworden ist, glaubt man die Grenze des Wachstums erreicht.

Was tun?

Es gilt, eine weitere Stufe der Jackwolfskinisierung zu erklimmen. Besser gesagt: zu erstürzen, denn es geht wiederum abwärts. Man entdeckt etwas für sich, das schön mit „neuen Märkten“ umschrieben werden kann. Konkret springt man auf einen Zug, der gen Trailrunning fährt.
Möglicherweise sogar mit brauchbaren Produkten (ich verfüge über keine persönliche Erfahrung).
Schwierig wird die Sache für eine jackwolfskinisierte Marke dadurch, dass sie bereits sehr bekannt ist. Das stellt sie vor die Herausforderung, im neuen Markt ernst genommen zu werden.

Jedem alles sein wollen, das wird nicht leicht, denn everybody’s darling is everybody’s depp.

Jetzt wird also auch Trailrunning betatzt.

Vielleicht klappt’s ja.

Falls nicht, falls der Bogen bricht, erleben wir das Endstadium. Es mündet im Gang zum Discounter. Kappa wird heute bei Lidl verramscht.
Wenn die Marke stark genug ist, erbarmt sich eines Tages vielleicht jemand.
Schrumpft gesund.
Etwas kleiner und viel feiner.
Fokus auf Freaks?

Erst cool, dann überall, am Ende peinlich. Jackwolfskinisierung.

Test Aclima Lightwool T-Shirt

Merinowolle scheint mich trotz meiner zarten Haut nicht loszulassen: Aclima aus Norwegen ist seit kurzer Zeit auf dem deutschen Markt aktiv; das habe ich zum Anlass genommen, dem Lightwool T-Shirt auf den Zahn zu fühlen.

IMG_3887Merinowolle scheint mich trotz meiner zarten Haut nicht loszulassen: Aclima aus Norwegen ist seit kurzer Zeit auf dem deutschen Markt aktiv; das habe ich zum Anlass genommen, dem Lightwool T-Shirt auf den Zahn zu fühlen.

Material: 100% Merinowolle, 140 g/m²
Farbe: hellgrau
Gewicht: 152g (gewogen)

Erster Eindruck
Ich hatte beim Test des Icebreaker Longsleeve schon auf meine hochempfindliche Haut hingewiesen. Das Resultat dieses Tests sagte klar, dass auch Merino kratzt.
Andererseits bin ich von den Eigenschaften des Materials „Merino“ immer noch begeistert: Alleine der Klimakomfort fasziniert mich. Wie gesagt: trage ich etwas nicht kratziges drunter, schmelze ich dahin.
Nun also Aclima zum Vergleich. Auf der Herstellerseite ist sogar die Rede von „Soft Merino Wool“. Das sagen sie alle…
Beim Auspacken fasst sich das Shirt superweich an, ich werde mutig.

Test
Wetter: 28 °C, Sonne.
In der Tat, ich trug das Shirt am letzten richtig heißen Tag im September. Der Mut, den ich beim Entpacken spürte, hat zuerst dazu geführt, dass ich es direkt auf der Haut trug. Vorsichtig, ganz vorsichtig begann ich mich damit zu bewegen: kein spürbares Kratzen, so sehr ich auch auf jedwede Meldung meiner hochempfindlichen Hautsensoren achtete. Nichts. Wirklich nichts.

Kurzer Check der Passform: für mich perfekt. Die Nähte verlaufen gerade – wobei die Oberseite der Schultern erfreulicherweise nahtfrei sind. Wer ab und an Rucksäcke trägt, freut sich darüber. Mir fiel auf, dass das Aclima-Shirt etwas länger geschnitten ist, als ich es von anderen T-Shirts gewöhnt bin: sehr gut, denn im Winter bleibt das Hemd in der Hose.

Nachdem jegliches Kratzgefühl ausgeblieben war, fasste ich einen geradezu tollkühnen Entschluss: ich würde jetzt und hier und heute mit genau diesem Oberteil eine Runde laufen. Auf der bloßen Haut!
Zuvor wusch ich den „Neu“-Geruch per Hand im Waschbecken aus, zwei, drei Stunden auf dem Wäscheständer genügten, um einen tragetrockenen Zustand herzustellen.

Dann galt es: restliche Laufklamotten an, T-Shirt auf den bloßen Leib. Ich wusste: wenn ich mal unterwegs bin, gibt es kein Zurück. Die Option, notfalls mit bloßem Oberkörper zu rennen, verbot ich mir im Vorhinein. Heute wollte ich mich in der Tradition großer Ärzte sehen, die sich im Selbstversuch mit tödlichen Krankheitserregern infizierten, um entsprechend motiviert ein Heilmittel zu finden.
Ich gebe zu, dass mein Dienst an der Menschheit ein weit geringerer war. Diese Bescheidenheit sei meine Zier.

Stets auf Signale der Hautoberfläche achtend, lief ich in der prallen Sonne los. Bald begann ich zu schwitzen, und wohl wissend, dass Haut, jedenfalls meine, dann noch empfindsamer auf kratzige Kleidung reagiert, wurde ich noch achtsamer. Indes: nichts. Ja, Merino ist etwas rauer als Funktionsfasern aus Kunststoff, aber das ist auch alles.

Nachdem ich knapp zwei Stunden unterwegs gewesen war, war ich begeistert.

Endlich kann ich den Klimakomfort von Merino beim Sport nutzen! Es ist tatsächlich so, dass die Faser weit mehr Feuchtigkeit aufnimmt als Kunststoffe. Das bedeutet: Temperaturausgleich. Ich kann die Kühlwirkung voll und ganz bestätigen.

Als ich zuhause ankam, hatte das Aclima Lightwool T-Shirt den Komforttest mit Bravour bestanden.

Es folgte ein weiterer Versuch, denn Merino soll ja auch Gerüche unterbinden. Wie gesagt: ich hatte das Teil zwei Stunden lang nassgeschwitzt. Trotzdem konnte ich es noch drei Tage lang tragen, ohne dass sich Gerüche gebildet hätten. Nun mag man einwerfen, dass mein Geruchssinn nicht allzu ausgeprägt ist. Daher hatte ich neben mir selbst einen olfaktorisch hochbegabten Menschen zum Schnuppertest auserkoren: gleiches Ergebnis!

Fazit
Bislang war ich der Ansicht, dass auch Merino kratzt. Aclima Lightwool hat mich eines besseren belehrt: es ist weich genug, dass selbst ich es auf der bloßen Haut trage. Klasse!
Dazu kommen die bekannten Vorteile von Merino, und alles summiert sich zu einem erstklassigen Shirt!
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Als das Wetter Fieber hatte. Kein Stück in drei Akten.

Erster Akt,
worin Menschen sich an der Sonne erfreuen.
Die Temperatur erregt Besorgnis.

Vor nicht allzu langer Zeit, als das junge Eis in den gleichnamigen Dielen wuchs, begaben sich die Menschen Tag um Tag in die Natur, wo sie sich an der Sonne ergötzten.
Allzu gut erinnerten sie sich an den langen, dunklen Winter.

Sonne_Fieber.pngErster Akt,
worin Menschen sich an der Sonne erfreuen.
Die Temperatur erregt Besorgnis.

Vor nicht allzu langer Zeit, als das junge Eis in den gleichnamigen Dielen wuchs, begaben sich die Menschen Tag um Tag in die Natur, wo sie sich an der Sonne ergötzten.
Allzu gut erinnerten sie sich an den langen, dunklen Winter.

Während der schönen Tage stieg die Temperatur auf fünfundzwanzig Grad. Welch schöner Sommer!
Läuflinge griffen zu knappster Laufkleidung, lange Ärmel sah man allenfalls auf Fotos von Trailläufen. Im Gebirge.

Bei über dreißig Grad zur Mittagszeit trennte sich die Spreu derer, die entweder am frühen Morgen oder überhaupt nicht liefen, vom Weizen. Jene Läuflinge hatten sich angepasst, sie rannten schweißüberströmt durch die trockener werdende Natur.

Als die Quecksilbersäule schließlich über siebenunddreißig Grad Celsius kletterte, wo sie tagelang verharrte, blickten Läuflinge auf verdorrte Pflanzen, die ihre letzte Kraft aufboten, um ein wenig Schatten zu spenden. Wer genug Flüssigkeit im Leibe hatte, vergolt die Spende, indem er von seinem Überschuss abgab. Nicht wenige Läuflinge sahen sich in einer Schicksalsgemeinschaft mit der Pflanzenwelt. Ihre miktionsgelben T-Shirts mit dem Aufdruck „Ich bin ein Miktant“ sollten der heimischen Flora vor allem eines zeigen: eure Schattenspende soll nicht umsonst gewesen sein!

Andere hingegen erinnerten sich daran, dass ein Mensch oberhalb von 37° Körpertemperatur krank ist.
Bange Blicke hafteten auf den Messgeräten, bis allen klar wurde: das Wetter hat Fieber!

Was tun?

Ein fiebernder Mensch tut gut daran, sich zuhause – im Bett – aufzuhalten. Er bleibt Schule, Büro und Baustelle fern, er ruht sich aus.
Indes bleibt dies dem Wetter versagt. Es ist immer im Dienst. Ein Tag ohne Wetter? Undenkbar!

Zweiter Akt.
Ein Läufling hat eine rettende Idee.

Für guten Rat hätten wir damals jeden Preis bezahlt, wäre er denn feilgeboten worden. Manchen schien es sinnvoll, einige Tranchen wohlfeilen Geldes in südliche Länder zu übertragen – in der Hoffnung, von dort wenigstens einen rettenden Hinweis zu erhalten.
Andere dagegen pflegten eine Ausprägung sportlichen Tuns, die ich als „gut behütet“ bezeichne: Kopfbedeckungen aller Art konnten auf Läuflingshäuptern bewundert werden: Mützen, Tücher, Buffs, selbst Strohhüte konnte man sehen.

Dazu achteten sie penibel darauf, immer und überall gut hydriert zu sein. Viele hingen beim Thema Hydration der Vision pittoresk Fontänen versprühender Hydranten nach, wie wir sie von Bildern aus New York kennen. Diese blieben leider aus, zudem denken die meisten wohl insgeheim, dass selbst im Land der unbegrenzten Wasservorräte nur für Fotografen mit Wasser gespielt wird. Alle anderen – so auch wir – hingen an der Flasche.

Und sinnierten, wie dem fiebernden Wetter wohl zu helfen sei.

Eines Tages wurde ein Läufling vom Blitz getroffen. Von einem Geistesblitz, um genau zu sein. Wenn, so dachte er, dem Menschen kalte Güsse und Wadenwickel Linderung versprechen, dann sollte es beim Wetter genauso wirken!

Flugs machten er und viele, viele andere sich auf die Suche nach des Wetters Waden.
Weil jeder mithelfen wollte, stieg die Zahl der gelaufenen Wochenkilometer rapide an. Fieberhaft wurde nach den Waden des Wetters Ausschau gehalten, allerdings ohne, dass irgend jemand fündig geworden wäre. Kalte Güsse ergossen sich bloß in Münder und benetzten bedeckte Köpfe.

Besorgnis erregte die Gemüter der ach so hilfsbereiten Läuflinge, die dennoch unverzagt ihre Runden am Busen der Natur drehten (den zu berühren sie übrigens ebensowenig im Stande waren, wie bei des Wetters Waden).

Dritter und letzter Akt,
worin das Wetter zeigt, was es kann.

Die Situation spitzte sich weiter zu – es war unerträglich schwül geworden, und dunkle Wolken zogen auf.

Ach käme doch nur ein Gewitter!

Zwei Tage lang hielt drückende Schwüle auch die hartgesottensten unter den Läuflingen von ihrer Lieblingsbeschäftigung fern. Die meisten jedenfalls.
Bis, ja bis eines Tages eine mustergültige Schau dargeboten wurde. Wie nach einem Drehbuch hielt das Wetter, das sich offenkundig auf dem Weg der Genesung befand, eine perfekte Dramaturgie ein.

Zuerst wurde es noch ein wenig schwüler. Stickig. Kein Blatt bewegte sich.

Die Luft, nun, hätte man gewollt, man hätte sie in Brocken mit sich herumtragen können.

Dunkle, sehr dunkle Wolken am Horizont.

Leichter Wind, der bald auffrischte.

Türen schlugen, Gießkannen wurden umgeweht.

Dumpfes Grollen, Wetterleuchten aus der Ferne.

Und dann ging es los: Blitz und Donner, Sturm mit Hagel und kalten Güssen, es schüttete wie aus Kannen, der Himmel öffnete seine Schleusen, Wolkenbruch, Wolken erbrachen sich über die Landschaft, um Mensch und Natur zu erfrischen!

Gewitter, sie bieten eine tolle Show und kühlen gleichzeitig ab.
„Donnerwetter!“ sagen wir anerkennend.

Einunddreißig Grad am nächsten Tag.

Das Wetter war wieder gesund.

Eigentlichereien: der angekündigte Misserfolg

Vor dem Lauf ist die Zeit des Konjunktiv: Ich werde mein bestes Ergebnis gelaufen wären. Was sich wie ein verkorkster Satz liest, ist der Kern dessen, was manchen Läuflingen dann entschlüpft. Sie wissen genau, welche Umstände ein Topresultat würden verhindert haben.

Vor dem Lauf ist die Zeit des Konjunktiv: Ich werde mein bestes Ergebnis gelaufen wären. Was sich wie ein verkorkster Satz liest, ist der Kern dessen, was manchen Läuflingen dann entschlüpft. Sie wissen genau, welche Umstände ein Topresultat würden verhindert haben.

Der Konjunktiv ist wichtig.

Es könnte ja sein, dass eine persönliche Bestleistung herauskommt.
Und wenn nicht? Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste. Deshalb baut man vor, das erspart peinliche Fragen. Der angekündigte Misserfolg ist unsere Versicherung gegen unerwünschte Ergebnisse.

Mögliche Schadensfälle gibt es genug.

Das Wetter könnte nicht mitspielen – wobei damit keine Aussage darüber getroffen wird, welche Art Wetter denn ein gutes Wetter ist. Das weiss man immer erst hinterher. Falls beim Marathon endlich die Drei-Stunden-Marke fällt, ist alles in Ordnung. Aber wehe, die Uhr bleibt bei 3:04 stehen. Dann ist es gut, wenn man schon mal vorgesorgt hat: „ich habe ja gesagt: wenn bloß das Wetter passt.“

Eigentlich, sagen wir uns, eigentlich bin ich super.
Aber die Umstände!
Die Strecke könnte uns nicht ganz liegen. Bloß nicht zu konkret werden! Denn wenn „es“ dann doch klappt, setzen wir uns für den nächsten Lauf unter günstigen Bedingungen unter Druck.

Wie bügeln wir das ab? Ganz einfach: eigentlich (!) wären wir noch fünf Minuten früher ins Ziel gekommen. Mindestens.
Doch Vorsicht! Man kann sich schnell in ein Gespinst aus Widersprüchen verstricken. Denn wenn beim nächsten Mal ein Hemmnis wegfällt, muss er sich etwas Neues einfallen lassen.
Virtuosen im Spiel des angekündigten Misserfolgs gehen daher mit unerwarteten Erfolgen souveräner um: Sie verkünden rechtzeitig, dass sie sich unter Erfolgszwang sehen. Der setzt sie unter Druck und macht – vielleicht – langsamer. Eine ganz befreiende Form des Druckes, oder?

Ganz wichtig: immer an die Möglichkeitsform denken. Gelobt sei der Konjunktiv! Könnten wir einen Erfinder identifizieren, wir müssten ihm ein Denkmal setzen.

Zum angekündigten Misserfolgt gehört das Publikum, das seine Rolle wie einstudiert spielt. Auf einen Satz wie „eigentlich bin ich ganz fit, aber die Strecke ist ja auch eine der schwersten“, nicken wir, die Umstehenden, reflexartig, um mit ernstem Gesicht vorsorglich Trost zu spenden.

Das liegt im eigenen Interesse. Weil unsere Schuhe drücken manchmal komisch drücken. Wenn sie es nicht täten, würden wir morgen auch Bestzeit gelaufen wären.