Trainingsfaul

Es gibt da diese Leute, die jahrein, jahraus durch die Gegend laufen, stolz auf die angesammelten Wochenkilometer. Laufen ist ihr einziger Sport, eventuell steigt man auch mal aufs Rad – für mich ein deutliches Indiz für chronische Unlust. Trainingsfaul.

Es gibt da diese Leute, die jahrein, jahraus durch die Gegend laufen, stolz auf die angesammelten Wochenkilometer. Unterhalte ich mich mit ihnen, werfen sie sich darob in die Brust: Mein Haus, mein Boot, meine Wochenkilometer.
Laufen ist ihr einziger Sport, eventuell steigen sie auch mal aufs Rad, worin sich das erschöpft, was sie für Training halten.

Ich nenne es trainingsfaul.

Keine Frage, gemeine Läufling trägt seinen Namen zu Recht, weil er gerne läuft. Ich bin schließlich auch einer aus dieser Gruppe. Dennoch unterscheide ich zwischen verschiedenen Aspekten, nein, ich erkenne eine Nuance, an der sich der trainierende Läufling vom trainingsfaulen Läufling unterscheidet. Ein Merkmal, das ich an der Frage festmache, ob denn nur gelaufen, oder auch trainiert wird. Ob in dem, was da Training genannt wird, tatsächlich Belastungsreize im Sinne einer verbesserten Leistungsfähigkeit gesetzt werden – oder ob einzig die Bewegung an der frischen Luft Anfangs- und Endpunkt der Aktivität darstellt.

Wie gerne beruft man sich auf das Dogma der LSD-Läufe, deren Bezeichnung entgegen der nahe liegenden Vermutung von long slow distance stammt. Die von vielen (auch mir) so geliebten langen, langsamen Läufe. Wir laufen hohe Umfänge bei niedriger Intensität, was die Fähigkeit unseres Körpers fördert, Fette in Vortrieb umzusetzen. Außerdem schauen wir uns die Gegend an, können uns bequem unterhalten und bleiben, vor allem, in unserer – Obacht, Buzzword! – Komfortzone.

Spazierenlaufen also.

Spaziergänge mit Flugphase.

Als Spazierrenner kommt man leicht auf beeindruckende Wochenumfänge ohne sich allzusehr anzustrengen, vor allem dann nicht, wenn das Ganze auf guten Wegen stattfindet. Schotterstraßen sind für viele das Höchste der Gefühle, weil schon ein kleines Würzelchen die motorischen Fähigkeiten an ihre Grenzen führt. Wenn wenig gut ist, ist mehr besser, deshalb macht viel Laufen den guten Läufling.

Laufen lernt man nur durch Laufen.

Ein Ausspruch, den ich bis vor, sagen wir: zehn Jahren, tat. Ich stehe dazu, stehe zu dem Unsinn, den ich in meiner damaligen Anhnungslosigkeit von mir gab. Warum konnte ich nach vierundzwanzig Stunden meinen Rumpf kaum gerade halten? Warum bekam ich Muskelkater im Rumpf? Tja, warum wohl? Und wieso habe ich an den Mythos geglaubt, der Umstieg auf lange Distanzen macht langsam? Natürlich sind es nicht die großen Strecken, es ist das andere Training, der Verzicht auf Intensität, auf Belastungsreize.

Ich ziehe eine Parallele zu Fitness-Moden, denen eine Sache gemein zu sein scheint: die Teilnehmer belasten sich nicht. Bevor das Protestgeschrei losgeht: ich bezweifle nicht, dass Zumba & Co anstrengen kann. Das gilt genauso für LSD-Läufe, auch da lässt sich Schweiß vergießen.
Jedoch nehme ich ein Symptom wahr, das sich wie ein roter Faden durch einen bestimmten Typ von sportähnlicher Aktivität zieht: die Intensität ist extrem niedrig.
Da haben Menschen mit durchaus gesunder Statur winzige Kettlebell-ähnliche Gegenstände in der Hand, deren Gewicht kein echtes Training im Sinne des Sports zulässt. Leute, bevor ihr Mandarinen mit Griff verwendet, lasst die Dinger probehalber ganz weg. Wetten, dass ihr kaum einen Unterschied bemerkt? Eben. Wenn ihr ein Trainingsgerät verwendet, das seinen Namen verdient, spürt ihr sehr deutlich, wenn ihr die Übungen ohne es ausführt. So soll es auch sein.

Nein, es geht nicht darum, quäl‘ dich, du Sau um jeden Preis und in jeder Session zu praktizieren, wie man es der CrossFit-Gemeinde nachsagt. Es geht (mir) darum, zu Trainingsreizen aufzufordern. Darum, dem Läufling zuzurufen:

Du hast mehr Spaß am Laufen, wenn du nicht nur läufst!

Stabilisationstraining macht dir keinen Spaß? Willkommen im Club! Was habe ich mich gelangweilt, als ich mich noch regelmäßig dazu überwand. Einmal in der Woche zwang ich mich zum Pflichtprogramm aus Halte- und anderen Übungen, wie sie in fast jedem Trainingsbuch über’s Laufen zu finden sind. Bis zu dem Zeitpunkt, der strenggenommen ein Zeitraum war, an dem ich Kettlebells kennen und lieben lernte. Nach und nach kamen Ringe hinzu, kürzlich eine Langhantel. Und was soll ich sagen? Halte- und andere Übungen bilden manchmal einen Teil meines Aufwärmtrainings. In anderem Kontext würde ich jetzt schreiben, dass ich meinen Weg gefunden habe.

Was ich damit sagen will? Finde deinen Weg. Falls du auf die Übungen aus dem Laufbuch stehst, prima. Magst du lieber an Maschinen trainieren, super. Du gehst lieber Klettern? Top! Egal was du tust, tu‘ es!

Celia Kuch hat kürzlich geschrieben, dass Athletiktraining zwar nicht beliebt ist, aber notwendig – und dass es klar in die Eigenverantwortung des mündigen Athleten fällt.
„Nicht beliebt“ kann auch daran liegen, dass der eigene Weg erst noch gefunden werden muss, ansonsten stimme ich der Aussage voll und ganz zu.

Aber wieso sage ich „trainingsfaul“? Trainingsfäule – Trainingsfäulnis – Trainingsfaulheit impliziert doch irgendwie, dass die Gegenthese „Trainingsfleiß“ zwar ohne Blut und Tränen, dafür aber mit viel Schweiß verknüpft ist.
In der Tat, das ist sie gewiss. Obendrein verlangt die Art von Training, die ich meine, und das ist die mit Belastungsreizen, nach mentaler Härte. Nein, ich formuliere weicher: nach einer sanften Überwindung der eigenen Trägheit. Sie bedarf der geistigen Auseinandersetzung mit sich selbst, damit, sich etwas näher an den Rand der Komfortzone zu begeben.

Aber ich bin Genussläufer!

Passt schon.

Es sei denn, du führst ein Trainingstagebuch, beziehungsweise sprichst überhaupt von Training. Als Spazierrenner brauchst du nicht trainieren, als Trainierendem unterstelle ich dir wenigstens zum Teil sportliche Beweg- und Bewegungsgründe. Ich kenne außer mir selbst viele andere, die ihre Tempointervalle genießen. Vielleicht nicht jedes einzelne Intervall, auch nicht jede Session, aber was gibt es Geileres, als ab und zu die Sau rauszulassen und ein paar Mal einen Hügel raufzurennen? Hätte ich dann Luft, ich würde mit einem anhaltenden Freudenschrei hochspringen! Und, wie gesagt: das passende Krafttraining ist ebenso eine superspaßige Abwechslung wie zehn Minuten mit der Agilitätsleiter.

Habe Muth, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! schreibt Immanuel Kant in seinem Essay Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?, und fordert den Ausbruch des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit.

Habe den Mut, dich zu benutzen! verlange ich, und fordere den Ausbruch des gemeinen Läuflings aus seiner selbstverschuldeten Unsportlichkeit.

Trailrunnercoolness

Cool zu sein versucht fast jeder, doch nur wenigen ist echte, wahre Coolness vergönnt. James Bond? Ach was. Verglichen mit einem echten Trailrunner ist 007 ein armseliges Nervenbündel.

bild1Cool zu sein versucht fast jeder, doch nur wenigen ist echte, wahre Coolness vergönnt. James Bond? Höre ich wirklich James Bond als archetypisch coolen Typen nennen?
Ach was.
Verglichen mit einem echten Trailrunner ist 007 ein armseliges Nervenbündel.

Diese pflegen bekanntlich eine spezielle Form der läuferischen Fortbewegung, sie ist wilder, bunter, tougher als alles andere. Man(n) trägt Zottelhaare und Bärte von einer Art, die jedem Hipster bittere Zähren in die Augen treibt, wenn er seine eigene Unterlegenheit erkennt: das werde ich nie erreichen.

Und bunt, wie gesagt.

Und tough.

Sehr tough.

Man komme mir nicht mit Tough Guys und den gleichnamigen Girls, die ich aus purer Verachtung mit Apostroph schreibe: Tough Guy’s und Tough Girl’s. Schon diese Kindergeburtstagsatmosphäre mit künstlichen Hinternissen, an denen adrett kostümierte Faschingsprinzessinnen etwas sportartiges zu treiben glauben. Fehlen bloß noch die Papierhütchen. Artifizielle Schikanen werden nach der Veranstaltung abmontiert, weil es das Ordnungsamt so will.
Angeblich soll es Wasserbecken geben, in die man für ein mildes Ekelgefühl absichtlich Pferdeäpfel geworfen hat. Wie niedlich.
Wenn ich als Trailrunner Bock auf tierische Exkremente habe, laufe ich über eine Weide für Kampfstiere, um den dort grasenden Stier durch eiskalt demonstrierte Coolness zum Defäkieren zu zwingen. Danach stupse ich ihn mit der Schnauze in seinen eigenen Fladen. Nur so zum Spaß.

Das ist tough.

Für den Stier.

Und es ist authentisch.

Für uns Trailrunner ist Authentizität nämlich oberstes Gebot. Da wird keine Wildheit vorgetäuscht, nein, die Helden sind von einer Wildheit, in deren Schreibweise des Läuflings eiserner Wille eingemeißelt ist: WiLLdheit, jawoll! Ein Blick des Trailrunners, und Chuck Norris rennt weinend zu seiner Mama.

Stahlhart soll er sein, der Blick?

Von wegen. Wir reden von einem Blick, der jeden Vergleich mit so weichem Material wie Stahl verweigert.

Ein Trailrunnerblick kann Gedichte in Diamanten ritzen.

Diese unsere Trailrunnercoolness ist, ich gebe es zu, nicht immer zu erreichen, weil selbst unsereins nur wenig an den Rahmenbedingungen unseres Tuns etwas tun kann.

Sonne, schönes Wetter, angenehme Wege sind uns peinlich wie ein offener Hosenlatz bei der Entgegennahme des Nobelpreises. Es kann passieren, nur reden wir nicht gerne darüber.
Besonders doof ist es, wenn das Wetter nicht mitspielt. Wem, bitteschön, sollen wir von unseren unsäglichen Strapazen berichten, wenn die Fotos Postkartenstimmung verbreiten? Schon klar: Höhenmeter werden nicht weniger. Und Hitze fördert bekanntlich diesen herrlich ausgezehrten Gesichtsausdruck.

Dennoch sind warme Temperaturen nicht nur physikalisch uncool.

Echte Trailrunnercoolness verlangt einen Hauch Nehberg gewürzt mit einer Prise Shackleton. Survival – gerade noch in der Komfortzone. Ergo erfreut sich der Trails runnende Läufling über Sauwetter, weil ihm schlechtes Wetter gutes Wetter ist.

Da ist es dem trailrunnercoolen Trailrunner ein wahres Labsal, wenn kühles Wetter glaubhafte Trailrunnerbewegung an der sehr frischen, feuchten und windigen Luft verspricht. Unwegsame Wege dazu – denn die Benutzung von Wegen ist ein widerwilliges Zugeständnis der Trails runnenden Gemeinschaft an den eigenen Namen, der eben Trails als Laufuntergrund voraussetzt. Indes bin ich der Meinung, dass das letzte Wort hierzu noch nicht gesprochen sein darf.

So, und zwar genau so sieht das Wetter aus, wenn der trailende Läufling tiefe Trailrunnercoolness empfindet.bild3

O Sterbliche, erzittert in Ehrfurcht!

Chuck, du kannst wieder unter dem Bett hervorkriechen, um mir ein Glas handgemolkene Eisbärenmilch im trailrunnerblickgravierten Diamantglas zu servieren.

Danach gehst du nach draußen und tröstest die Stiere.

Coach Siggi und ich

Coach Siggi ist da. Coach Siggi ist Comedy und Sport. Coach Siggi ist ich.

Ich überlege, wie ich den Beitrag am besten beginne. Vielleicht mit einer Prise Pathos in der Art von dem Ruf des Herzens folgen? Arg dick aufgetragen…

Oder chronologisch, begonnen mit meiner Entscheidung, den Schritt zu tun (komme gleich noch drauf) über die folgenden Stufen auf der Leiter? Steh‘ ich auch nicht drauf…

Ich fange einfach an.

Coach Siggi ist da.

Coach Siggi, das ist mein Alter Ego, das Pseudonym, unter dem ich als Comedian künftig das Thema Sport durch den Kakao ziehen werde. Aber keine Sorge, auch Nichtsportler haben die Chance, pointiert aufs Korn genommen zu werden. Da bin ich schon gerecht. Mehr oder weniger, denn der Schwerpunkt liegt eben auf Sport und den Sportlingen. Treue Leser dieses Blogs werden eventuell das eine oder andere Thema wiedererkennen, da kopier‘ ich mich ganz schamlos selbst, um diese meine Selbstkopien – darf ich die auch Selfie nennen? – verfeinert, verbessert und vertont in mein Programm einzubauen.

Wie war das mit „ist da“?

Beim Frühjahrstreffen der Deutschen Gesellschaft für Kreativität ergab sich für mir der erste Auftritt vor Publikum. Das war gestern, und es war geil! Hammergeil! Mein Publikum hatte Spaß, ich hatte Spaß – seitdem schwebe ich auf Wolke sieben…
Eine besonders nette Geste fand ich die Kunstkarte, die ich nach dem Auftritt überreicht bekam. Sie ziert ein Zitat von Edward de Bono :

Humor is by far the most significant activity of the human brain.

Das unterschreibe ich jederzeit mit jeglicher gewünschten Körperflüssigkeit…

Wer ist Coach Siggi?

Wie man an seiner Sprache unschwer erkennt, kommt Coach Siggi aus Bayern, hat also Migrationshintergrund, wenn man seinen / meinen Wohnort in Baden-Württemberg berücksichtigt. Als weltweit renommierter Couching Coach bereitet er sportbegeisterte Menschen auf ihre Unsportkarriere vor, während er verwundert feststellt dass Laufbänder in Fitness-Studios beim schönsten Wetter belegt sind.

Wobei sich die Frage stellt, ob die für schlechtes Wetter gedachte, atmungsaktive Jacke blau anläuft, wenn man sie würgt.

Und was in aller Welt tut der typische Selfie-Sportler mit einer Kettlebell? Denn die Kuschelkugel begleitet Siggi natürlich überall hin. Auch auf die Bühne.

Kettlebells sind nämlich wahnsinnig sensibel. Wie Männer.

Die nächsten Auftritte finden sich demnächst auf der Website von Coach Siggi. Wahrscheinlich mache ich hier auch noch Werbung dafür, ist ja für einen guten Zweck: für mich….

Was mir übrigens gestern sonnenklar wurde: Comedy, selbst betrieben, macht noch mehr Spaß!

Deshalb freu‘ ich mich auf den nächsten Termin!

Träume, Licht und Schatten

Wir leben in einer schönen Zeit, in der wir uns vom gemütlichen Wohnzimmer aus einen Überblick über die Versuchungen in Form von, sagen wir: Sportbekleidung, verschaffen können. Weltweit. Wenn es allerdings darum geht, solchen Versuchungen nachzugeben, trennt sich, wie man so schön sagt, oft die Spreu vom Weizen.

Wir leben in einer schönen Zeit, in der wir uns vom gemütlichen Wohnzimmer aus einen Überblick über die Versuchungen in Form von, sagen wir: Sportbekleidung, verschaffen können. Weltweit. Wenn es allerdings darum geht, solchen Versuchungen nachzugeben, trennt sich, wie man so schön sagt, oft die Spreu vom Weizen.

Ich muss mich dann daran erinnern, dass wir das Jahr Zweitausendundsechzehn schreiben. Und immer wenn ich das tue, sehe ich mich gezwungen, anzuerkennen, dass einige Menschen den Schlag namens „Internet“ noch nicht gehört haben. Obzwar er seit mindestens zwanzig Jahren deutlich vernehmbar dröhnt.

Wovon ich rede?

Von einem meiner Lieblingsthemen: Unternehmen und Kommunikation.

Am besten zeige ich das anhand zweier Traumleibchen, wie für meinen Leib nebst zugehöriger Seele geschneidert – und dem Versuch ihrer habhaft zu werden. Oder zumindest Informationen zur Beschaffung zu erhalten.

Da gab es vom italienischen Hersteller Montura das Trail Move Maglia, ein wunderbares T-Shirt, wie ich es mir für Trails wünsche: tolles Material, langer Frontreißverschluss, große Netztaschen vorne und, das ist der Clou: es ist mit einem Bolero gepaart, der im Falle des Falles zusätzlichen Wetterschutz bietet.
Auf einer japanischen Website gibt es Bilder davon.

Wie gesagt: ein Traum.

Mein Traum.

Schade, dass das Teil seit geraumer Zeit nur noch restpostenhaft erhältlich ist – nicht in meiner Größe. Was also liegt näher, als beim Hersteller höflich nachzufragen, ob man an eine Neuauflage denkt. Der muss schließlich wissen, ob ich mir Hoffnung machen darf. Leider habe ich nicht damit gerechnet, dass Montura zwar tolle Klamotten konzipiert, aber keine Lust hat, mit potentiellen Endkunden in Kontakt zu treten (wozu haben die eigentlich ein Kontaktformular auf der Website?). Kurzum: man fand mich keiner Antwort für würdig.

Klar, höre ich da jemanden sagen, ein Unternehmen hat ein Marketing-, Vertriebs-, PR-, Kommunikationskonzept. Manche setzten eben ausschließlich auf den Handel als Schnittstelle zum Markt. Wahrscheinlich gibt es hierfür auch einen denglischen Begriff wie „Point of Interest“. Als einzelner Anfrager falle ich halt durchs Raster. Wo käme man denn hin, wenn man jeden bedienen wollte, der den vorgegebenen Pfad verlässt? Montura setzt auf Alpstationen , ein Konzept, dessen Name meines Wissens Flagship Store heißt, eine direkte Anfrage in der Zentrale ist nicht vorgesehen. Selbst wenn ich tausend Shirts auf diesem Wege hätte ordern wollen: es ist der falsche Weg.

Tatsächlich?

Ist er das?

Erwarte ich Unmögliches, wenn ich eine dargebotene Kommunikationsmöglichkeit nutze? Ist es nicht vielmehr so, dass ich mich als Verbraucher heutzutage sehr gut informieren kann über das, was am weltweiten Markt verfügbar ist (und war), und auf Grund dieser Informiertheit einen anderen Anspruch an die Qualität der Kommunikation haben kann? Ein Anspruch, aus dem sich eine Herausforderung für Unternehmen ableitet, welche da schlicht lautet: ihr müsst Schritt halten!

Ihr müsst damit rechnen, dass ein chilenischer Sportverein zwanzig Hosen bestellt, die euer globales Marketing eigentlich für den koreanischen Markt vorgesehen hat. Und wisst ihr was? Die haben Recht. Ihr produziert das, ihr macht es bekannt weil ihr es verkaufen wollt – also sorgt gefälligst dafür, dass die Chilenen ihre Hosen bekommen.

Globalisierung nennt man das.

Liebe Unternehmen: ihr befürwortet die Globalisierung, also globalisiert auch euch selbst.

Erzähle mir bitte niemand von einer Vielzahl an Anfragen, die nicht handhabbar sei, von Unternehmen schon mal gleich gar nicht.

Erzähle mir bitte niemand davon, dass Leute wie ich nur Einzelfälle sind – ich bin versucht, von bedauerlichen Einzelfällen zu sprechen. Bedauernswerte, arme Seelen, die den Ruf der Wirtschaft störe meine Kreise nicht ignorieren. Egozentriert erwarten wir allen Ernstes, dass man unsere Wünsche erfüllt; Wünsche, die man selbst geweckt hat. Sollen wir doch das kaufen, was man uns anzubieten bereit ist.

Gegessen wird, was auf den Tisch kommt.

Von wegen.

Wir spielen das Spiel nicht, weil es auch anders geht. Weil es Händler und Hersteller gibt, die das Spiel des Kunden spielen.

Auf den Tisch kommt, was der Kunde essen möchte. Er will das serviert bekommen, was er auf der Speisekarte findet – kein Ding, wenn Zutaten fehlen: darüber lässt sich reden. Genau das muss der Wirt aber auch tun. Wie gesagt: es geht.

Und wie es geht, zeigt eine sehr schöne Erfahrung mit einem anderen Traumleibchen.

Der britische Hersteller Ashmei fertigt es.

Ein Hoodie aus einem Merino-Mischgewebe (hier ein Link dorthin), mit – und jetzt kommt’s – Daumenlöchern und einem zusätzlich aus dem Ärmel herausstülpbaren Handschuh. Von so etwas träume ich seit Ewigkeiten. Die Kapuze lässt sich übrigens mit einem Knopf fixieren, damit sie nicht durch Gebaumel nervt.

Ich hatte ein paar Fragen zur Größe und zu ebenjenen integrierten Handschuhen, von denen auf der Website leider keine Fotos vorhanden sind. Am späten Abend kurz angechattet (ja, Website mit Chat), am nächsten Tag hatte ich eine Email im Posteingang, in welcher man nach kurzem Bedauern darüber, dass man nicht persönlich da war, meine Frage nett beantwortete. 24 / 7 brauche ich wirklich nicht, ich muss nicht nachts um halb eins sofort Antwort bekommen. Ein, zwei Tage kann ich mich vor allem bei kleinen Unternehmen gedulden. Meine nächste Frage stellte ich übrigens zu Geschäftszeiten, so dass ein schöner Dialog mit Hannah zustande kam.

Ich werde mir das Ashmei-Hoodie gönnen, um meinen ersten Auftritt als Coach Siggi zu feiern.

Viel Licht.

Erfüllter Traum.

Ashmei zeigt stellvertretend für viele andere, dass es geht!

Gute Kommunikation mit dem Markt ist möglich.

Von Profis und Amateuren

„Ein Amateur trainiert, bis er es richtig macht. Ein Profi trainiert, bis er es nicht mehr falsch machen kann“. Dieser Satz fesselt mich, seit ich ihn zum ersten Mal gelesen habe. Was genau bedeutet das fürs Training?

Ein Amateur trainiert, bis er es richtig macht. Ein Profi trainiert, bis er es nicht mehr falsch machen kann„. Dieser Satz fesselt mich, seit ich ihn zum ersten Mal im Buch Kettlebell Rx von Jeff Martone gelesen habe.

Im Kontext des sehr techniklastigen Trainings mit der Kettlebell hat der Satz für mich ohne jeden Zweifel seinen festen Platz, nicht umsonst habe ich mich mit RKC einer Organisation angeschlossen, die einen beinahe manischen Anspuch an die technisch perfekte Ausführung der einzelnen Übungen hat.

Aber, je länger sinniere, desto sicherer bin ich mir, dass der Ausspruch universell gültig ist. Vergessen wir Profis und Amateure, und schreiben den Satz um zu

Trainiere nicht so lange, bis du es einmal richtig hinbekommst, sondern so lange, bis du es nicht mehr falsch machen kannst.

Dann fällt mir meine Schulzeit ein. Ich erinnere mich nur ungern, muss jedoch gerade daran denken, dass meine üblichen mäßigen Noten auch daran lagen, dass ich mich damit zufrieden gegeben hatte, einmal eine Aufgabe halbwegs richtig…. Ok, ich flunkere. Meistens habe ich nicht gelernt, insofern ich in Klausuren stets Neuland betrat. Sportlich gesehen würde ich mich ohne Training an den Start eines Trailmarathons gestellt haben. So etwas soll ja bisweilen klappen.

Ich formuliere nochmal um, indem ich den sportlichen Aspekt entferne

Übe nicht so lange, bis du es einmal richtig hinbekommst, sondern so lange, bis du es nicht mehr falsch machen kannst.

Wie lange wäre das denn? Wittgenstein hat sich, in anderem Zusammenhang, mit dem Lernens befasst. In seinem Spätwerk Philosophische Untersuchungen geht er der Frage nach, wann man denn davon sprechen könne, ein Schüler (im weitesten Sinne als jemand aufgefasst, der etwas lernen soll) würde eine Reihe von Zahlen korrekt fortführen. Wann können wir davon ausgehen, dass er es kapiert hat?

Und dies wird nur der Fall sein, wenn ihm dies oft gelingt, nicht, wenn er es einmal unter hundert Versuchen richtig macht.

Wie geht es weiter? Hundert richtige Versuche bedeuten, er hat es drauf? Oder tausend? Freundlicherweise hat der gute Ludwig eine Antwort hierfür parat.

Das System innehaben (oder auch, verstehen) kann nicht darin bestehen, dass man die Reihe bist zu dieser, oder bis zu jener Zahl fortsetzt; das ist nur die Anwendung des Verstehens. Das Verstehen ist ein Zustand, woraus die richtige Verwendung entspringt

Das springen wir freudig zurück zum Sport, denn diesen Zustand, aus dem die richtige Verwendung entspringt, kennen wir irgendwie alle als jene Fähigkeit, eine bestimmte Leistung sofort abrufen zu können. Leistung meine ich hier im weitesten Sinne. Ihr kennt alle die nette Anregung, man muss uns nachts wecken können, worauf wir sofort….(bitte einsetzen: Salto schlagen, Seilhüpfen, etc.).

…bis du es nicht mehr falsch machen kannst.

Mit anderen Worten, bis wir die Bewegung so verinnerlicht haben, dass wir über sie nicht mehr nachdenken müssen. Bis wir mitten in der Nacht, im strömenden Regen, nach hundert Ultratrailkilometern auf einer Wurzel ausrutschen können, und dank unserer Reflexe und gut trainierter Haltemuskulatur unverletzt bleiben.

Dazu passt das Stichwort Technikerwerbstraining. Es besteht, habe ich gelesen, im Aufbrechen etablierter und dem Einschleifen neuer Bewegungsmuster. Das klingt gut, und es fügt sich nahtlos in die Zitate von oben ein.

Ein Beispiel gefällig?
Letztes Jahr habe ich die EOFT (European Outdoor Film Tour) im Kino besucht. Am meisten haben mich dabei zwei Slackliner beeindrucht. Nicht ihrer herausragenden Kunststücke wegen, nein, sondern weil der Film auch gezeigt hat, wie oft die Jungs im Training im wahrsten Sinne des Wortes auf die Fresse geflogen sind.

…bis du es nicht mehr falsch machen kannst.

Das, was bei Trailläufern im technisch schwierigen Geläuf, bei Slacklinern, Kettlebellsportlern und vielen anderen so elegant, so traumwandlerisch sicher aussieht, ist die schöne Fassade, die auf einem stabilen Fundament aus langem, zähem Training ruht. Sie ist Ausdruck eines

…Zustandes, woraus die richtige Verwendung entspringt

Wie wir Sportlinge wissen: It’s hard, before it gets easy.