
Zu verdanken ist dies zum Beispiel dem unermüdlichen Bemühen von Eric, im Vergleich zum Vorjahr hier eine kleine Schwierigkeit zusätzlich einzubauen, dort noch einige Höhenmeter zu finden (dazu später mehr), und den allseits beliebten Sprüchen an der Strecke. Bei Kilometer 43 finden wir, rechnerisch vollkommen korrekt, die Information, es sei „nur noch ein Marathönchen“ zu laufen
Kurz vor dem Ziel erfahren wir dann, der KUT sei „Wie Urlaub, nur mit Schmerzen“.
Hand aufs Herz, wer wollte da widersprechen?
Wobei die Schmerzen rein physischer Natur sind, denn die Strecke selbst ist dem passionierten Trail-Läufling ein einziges Labsal. Nur dort, wo es gar nicht anders geht, weichen wir auf Schotterstraßen aus, und der Asphaltanteil ist so gering, dass der Würgereflex schon aus Zeitmangel ausbleibt. Straße. Pfui!
Nein, beim KUT erkundet man eine der schönsten Ecken der „Preußischen Berge“ vorwiegend auf Wegen, die so schmal, klein und unwegsam sind, dass ich nicht erstaunt war, als Fuchs und Has‘ vorbeikamen, um mich nach dem Weg zu fragen. Sie wollten sich eine gute Nacht wünschen, und hatten sich verlaufen.
Obendrein sind die Wege mit Wurzeln, Steinen, Matsch und knackigen Steigungen bzw. Gefällen das, was man dem Trailneuling zeigen sollte, der „koordinativ anspruchsvolles“ Geläuf kennenlernen will.
Oft kann man aus mehreren Möglichkeiten wählen: Umknicken, Ausrutschen, Wegrutschen. Auf Hintern, Nase, Seite fallen oder sich entkräftet am Seil nach oben ziehen. Gerne darf zur Abkühlung einer der bereitgestellten Bäche betreten werden. Für Weicheier liegen manchmal Trittsteine bereit, auf denen der Könner elegant ausrutscht.
Trailrunning eben.
Genuss.
Ein schöner Tag am Busen der Natur!
Wie es sich für einen Märchenwald geziemt, meinte es der Wettergott gnädig mit uns. Die Temperaturen waren mit gefühlten zehn bis zwanzig Grad wunderbar zum Laufen, und dass der drei Tage zuvor noch angekündigte Regen ausblieb, wird niemand bedauert haben.
Wobei es in der Woche vor dem KUT es ordentlich geregnet hatte; Eric erzählte beim Briefing vor dem Start vergnügt, wir dürften uns auf eine matschige Strecke einstellen.
Eigentlich mag ich Schlamm nicht, uneigentlich bin ich spätestens seit dem UTMB im letzten Jahr von solchem Kleinmut geheilt: es ist mir wurscht. Rutsche ich eben, was soll’s. Schöne Entwicklung der Läuflingspersönlichkeit!
A propos Persönlichkeit: das Vorjahr hatte eine ganze Latte von Verbesserungsmöglichkeiten aufgedeckt. Wer mich nochmal Jammern lesen möchte, darf es gerne hier tun. Wesentlicher Punkt, und elementarer Bestandteil des Projekts Phönix, den ich mir für 2013 vorgenommen hatte, war: ins Ziel kommen.
Um es kurz zu machen *: ich habe beim neuen Anlauf regelmäßig und ausreichend gegessen, mithin immer genug Kraft in den Beinen.
Vor allen Dingen hat meine Einstellung gepasst. Jenes mentale Dings, das mich ehedem gerne etwas länger an Verpflegungspunkten verweilen ließ, als es zur unmittelbaren Befriedigung meiner leiblichen Bedürfnisse notwendig war. Statt noch viertelstundenlang herumzulungern, habe ich meinen Kram gepackt und zog weiter.
Der schönste Moment kam, als ich an der Stelle vorbeilief, an der ich im Vorjahr ausgestiegen bin. Zum Glück befand ich mich am Waldrand, mit meinem breiten Grinsen hätte ich kaum zwischen den Bäumen hindurchlaufen können.
Klar habe ich mich gequält, natürlich „tat es weh“, streckenweise wenigstens, nur: es hat Spaß gemacht. Es mag paradox klingen, wenn ich schreibe, dass das Weiterlaufen auch dann leicht war, wenn es schwer fiel. Der erfahrene Läufling versteht mich.
Für mein persönliches Fazit darf ich mir auf die Schulter klopfen, Projekt Phönix läuft gut!
Gebraucht habe ich übrigens 14:15:12.
Ich hatte weiter oben eine Anmerkung zu den Höhenmetern versprochen. Allgemein herrscht die Auffassung, Eric würde eifrig Höhenmeter suchen und finden. Freilich, es wurden von Jahr zu Jahr mehr. Wer sich die Mühe macht, nachzusehen, stellt fest: 2012 waren es 3200, dieses Jahr werden 3400 angegeben.
Auch ich hing der Vorstellung an, Eric Tuerlings würde Alternativen mit mehr Höhe suchen.
Indes: ich glaube nicht mehr daran.
Ich bin davon überzeugt, dass Eric die Höhenmeter keineswegs sucht. Nein, das wäre zu einfach. Er hat einen Weg gefunden, Höhenmeter zu züchten.
Irgendwo, tief im finsteren Walde verborgen, liegt das geheime Labor des Eric Tuerlings. In unheimlichen Vollmondnächten, wenn kein Lufthauch die nebelverhangenen Hänge überstreicht und sich Werwölfe furchtsam die Decke über den Kopf ziehen, schlägt die Stunde des Eric T. Dann züchtet er junge Höhenmeter für den nächsten KUT.
2014 werden es wieder ein paar mehr sein. Freuen wir uns drauf!
Bilder vom Lauf, und einen weiteren Bericht gibt es bei laufticker.de.
* so kurz war’s dann doch nicht.

