Leistungsdiagnostik

lauferei_diagnostik
Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Angeblich hat Lenin dies sinngemäß gesagt. Nun macht der Ausspruch Wladimir Iljitsch Lenin zwar nicht zum geistigen Wegbereiter der Leistungsdiagnostik, als Einstieg ins Thema taugt er allemal.

Wo der politsch Interessierte Kontrolle meint, wenn er von Kontrolle spricht – und der Betriebswirt sogleich mahnend den Finger hebt, auf dass nur ja niemand ans „Controlling“ denken möge, denn das klänge schließlich nur so ähnlich – denken technisch vorbelastete Menschen an Regelungsprozesse und Feedbackschleifen.
Als Otto Normalhuster sag‘ ich mir: wenn ich im Sport besser werden will, sollte ich mir ansehen wie gut ich bin. Dann kann ich mein Training entsprechend steuern, gegebenenfalls korrigieren, trainieren, wieder nachprüfen und so weiter.

Bei der Leistungsdiagnostik geht es um Standortbestimmung.

Ist erst der Standort wohlbekannt, erschließt sich schnell das Fitnessland.

Sorry, der musste sein.

Will ich wissen, wo ich leistungsmäßig stehe, muss ich mir zunächst klar darüber werden, was ich unter „Leistungsfähigkeit“ verstehe. Es schwirren schön strukturierte Definitionen dessen herum, was „Kondition“ denn nun sei – das verdient bei Gelegenheit einen eigenen Artikel – welcher Aspekt interessiert mich denn am meisten? Als Läufling besonders beweglich zu sein mag mich mit Stolz erfüllen, nur trägt das kaum zu einer guten Zeit bei. Davon abgesehen dürften die meisten Läuflinge im FMS-Screening eher unterdurchschnittlich abschneiden.
Um Kraft und Beweglichkeit brauchen wir uns also nicht unbedingt kümmern.
Der gemeine Läufling braucht, wenn er seine läuflingshafte Leistungsfähigkeit einschätzen möchte, stattdessen eine Aussage darüber, wie leistungsfähig sein aerober und anaerober Stoffwechsel ist.

Dieser zeigt sich letzten Endes in guten Laufleistungen, womit wir das Thema „Leistungsdiagnostik“ etwas eingrenzen können: entweder versucht man, der Leistungsfähigkeit über standardisierte Laufprotokolle auf die Spur zu kommen, oder man misst bestimmte Werte im Labor (auch dabei wird meist gelaufen).

Übrigens, ich schaue durch die Läuflingsbrille. Andere Sportler sind herzlich zum Mitlesen eingeladen – zumindest bei den Ausdauersportarten ist der Transfer inklusive.

Hingeschaut: Parameter und Messwerte
Es würde den Rahmen dieses Artikels sprengen, wenn ich die erfassten Werte en Detail beschreiben würde. Sie mit ihren gegenseitigen Abhängigkeiten darzustellen, erst recht. Deshalb beschränke ich mich darauf, die wichtigsten Größen kurz anzureißen – womit ich mehr oder minder elegant die Klippen umschiffe, die die Grenzen meines Wissens bilden.

Nebenbei bemerkt, bleibt es trotz der maritimen Begriffe im letzten Satz beim Laufen.

Die Herzfrequenz misst beinahe jeder, allüberall und immerdar – ich nicht immer. Wie sie mit der Leistung einerseits, und der Leistungsfähigkeit andererseits zusammenhängt, kann beinahe als Allgemeinwissen gelten: Je mehr wir uns anstrengen, desto schneller schlägt das Herz. Dabei gibt es weitgehend einen linearen Zusammenhang (d.h. eine gerade Linie) zwischen Geschwindigkeit und Puls, wobei fittere Menschen in der Regel bei gleicher Leistungsabgabe einen niedrigeren Puls haben.

anaerobe Schwelle
anaerobe Schwelle
Vollkommen richtig ist die Aussage zur Herzfrequenz nicht, denn im Bereich der anaeroben Schwelle weist die Gerade einen Knick auf. Das Tempo steigt, der Puls indes nicht im gleichen Maße wie vorher.

Unser fleißig Blut pumpendes Herz tut damit vor allem eines: es transportiert Sauerstoff für den Energiestoffwechsel des Körpers. Je mehr Sauerstoff der Körper aufnehmen und verarbeiten kann, desto mehr Energie wird bereitgestellt. Mithin liefert die maximale Sauerstoffaufnahme (VO_2 max) eine wunderbare Antwort auf die Frage, wie fit der Läufling denn sei.

Und wenn zuwenig Sauerstoff vorhanden ist, um die geforderte Leistung zu bringen? Kurzzeitig haben wir alle schon Sport mit Sauerstoffschuld – also anaerob – betrieben. Unschön ist dabei der Müll, den der körper in Form von Laktat produziert. Lässt sich schön im Blut nachweisen.

In Wirklichkeit sind die Prozesse deutlich komplizierte, für unsere Zwecke genügt es, die vier Begriffe im Kopf zu behalten, wovon wir drei messen können:

  • Puls
  • Laktat (über die Auswertung des Blutes)
  • VO_2 max (über die Auswertung der Atemgase)

Werfen wir also einen Blick auf verschiedene diagnostische Methoden.

Nicht nur für den Hausgebrauch: Leistungsdiagnostik im Feld

Cooper-Test: wie weit kommst du in zwölf Minuten?
Die späten 1960er Jahre brachten nicht nur die freie Liebe hervor, Kenneth H. Cooper hatte zu jener Zeit die Idee für einen Fitnesstest: 12 min laufen, die gelaufene Strecke festhalten und daraus auf die maximale Sauerstoffaufnahme schließen. Das Ergebnis seiner Forschungsarbeit ist eine hübsch übersichtliche Tabelle, in der sich, wie gesagt, anhand der zurückgelegten Strecke der VO_2 max Wert ablesen lässt.
Wobei der Zusammenhang mit der aeroben Leistungsfähigkeit, so eine Studie der Universität Heidelberg, nur bei den fitteren Probanden besteht.
Unabhängig davon ist Cooper einfach durchzuführen – und liefert einen guten Eindruck des persönlichen Fitnesslevels. Alles, was man dafür braucht, sind Stoppuhr, ebene Strecke und ein hinreichend genauer Wegmesser. Die heimische Tartanbahn ist ideal.

Beim Schreiben frage ich mich gerade, ob das Interesse an Ausdauerleistung mit der freien Liebe zusammenhängt. Vielleicht sollte man sich mit Coopers Lebenswandel etwas näher befassen…

Conconi-Test:
Noch ein C, diesmal ein Radfahrer, Biochemiker und Sportwissenschaftler: Francesco Conconi. Für den Test bedarf es etwas mehr als bei Cooper, denn hier wird das Tempo alle 200 Meter um 0,5 km/h gesteigert – sinnvoll beginnt man mit etwa 10 bis 12 km/h. Außerdem muss der Puls erfasst werden.
Während das heutzutage verhältnismäßig (Garmin & Co sei Dank) leicht zu bewerkstelligen ist, habe ich mich vor zehn, zwölf Jahren mit Pulsuhr und Fahrradbegleitung auf die Tartanbahn begeben.
Zweihundert Meter einhalten waren kein Thema, als Schrittmacher fuhr der Radler neben mir. Die Herausforderung bestand indes in der Kommunikation, musste ich ihm doch meinen Puls zum Aufschrieb übermitteln.
Ab ungefähr 180 Schlägen begnügte ich mich mit einer hingekeuchten letzten Ziffer, kurz darauf war das Ende des Artikulierens erreicht, denn ich benötigte meinen Mund als letztes Loch, um aus ihm zu pfeifen. Kurz nach oben gereckte Finger mussten genügen.
Für die Auswertung zeichnet man ein Diagramm, in welchem man den Puls über der Geschwindikgeit aufträgt. Am Knick des Graphen (siehe oben), bei welchem die Herzfrequenz kaum noch steigt, lässt sich die anaerobe Schwelle ablesen.

Wissenschaftlich: Messen im Labor
Was im Feld funktioniert, klappt natürlich genauso im Labor, wo die interessanten Werte direkt aus Blut bzw. Atemgasen erfasst werden. Diagnosezentren gibt es in den meisten größeren Ansiedlungen, ich für meinen Teil würde darauf achten, dass die Messung in meiner Sportart erfolgt. In der Kölner Orthoparc-Klinik lässt sich z.B. nicht nur Laufen und Radfahren, sondern auch Rudern. Bei der Gelegenheit übrigens: danke für die Zusammenarbeit (Korrekturlesen etc.)!

stufenprotokoll
Stufenprotokoll

Bis aufs Blut: Laktatmessung
Für den Läufling unterscheidet sich die Laktatmessung kaum vom Conconi-Test. Rein körperlich gesehen, denn auf dem Laufband läuft es sich, nunja, wie auf einem Laufband. Laufen, kurz anhalten, um sich Blut aus dem Ohrläppchen abzapfen zu lassen, und weiter geht’s mit mehr Tempo. In der Tat zwingt die Blutentnahme zu einem Stufenprotokoll, bei dem die Geschwindigkeit nach jeder Unterbrechung um einen definierten Wert gesteigert wird, um dann konstant zu bleiben.
Ergebnis? Laktatwerte, VO_2 max und der schöne Graph mit der anaeroben Schwelle.

rampenprotokoll
Rampenprotokoll
Mehr als Pustekuchen: Spiroergometrie
Die meisten Sportler atmen bei sportlicher Betätigung regelmäßig ein und aus (zum Glück, ich will mir die Alternative gar nicht vorstellen….). Anders als das kostbare Läuflingsblut kommt man an die Atemgase auch während der Belastung recht einfach heran, indem man eine Maske über Mund und Nase stülpt. Das macht sich nicht nur in Fernsehreportagen über Spitzensportler sehr gut im Bilde, es erlaubt auch ein Rampenprotokoll: Das Tempo steigt kontinuierlich.
Aus den ausgeatmeten Gasen wird unter anderem die Atemfrequenz, das Minutenvolumen und die Sauerstoffaufnahme erfasst, woraus weitere Parameter berechnet werden – unter anderem unsere schon bekannte Sauerstoffkapazität VO_2 max.

Und dann? Was macht man mit den Ergebnissen
Werte sind schön und gut, wie schließen wir den Regelkreis, der ja seit der Einleitung offen vor sich hinbaumelt?
Gute Trainingspläne geben vor, wie intensiv welche Einheiten trainiert werden müssen. Da stehen Begriffe wie Grundlagenausdauer 1 und 2, Intensivausdauer und ähnliches mehr. Sie basieren auf den in der Leistungsdiagnose ermittelten Parametern, so liest man dann beispielsweise, dass der Puls beim Grundlagentraining 1 etwa 75 bis 85 Prozent der anaeroben Schwelle betragen soll.
Kein Problem, wenn dieser Wert bekannt ist!

Geht’s auch ohne? Diskussion
Kann man Leistung ohne Leistungsdiagnostik steigern? Klar kann man. Spitzensportler lassen wir hier mal außen vor, viele „sehr gute“ Sportler trainieren ohne Diagnostik. Genug Erfahrung und Eigenwahrnehmung helfen weiter, und oft ist weniger die Steuerung, sondern die Trainingsdisziplin der Faktor, der einer Verbesserung im Wege steht.
Ein Test kann auch einfach zeigen, dass die gefühlte Belastung stimmt. Diese Art von Bestätigung ist zumindest eine schöne Bestätigung.

Und wer auf Zahlen steht, findet reichlich Futter für die Tabellenkalkulation.
Doch Obacht: die Diagnose ist nur ein Teil des Regelkreises.
Besser wird, wer besser trainiert!

Tretet durch die Literatüre: Lesestoff
Marquardt: Die Laufbibel, Hamburg 2007
Martin et al.: Handbuch Trainingslehre, Schorndorf 1991
Neumann et al.: Optimiertes Ausdauertraining, Aachen 2007
Zintl, Ausdauertraining, München 2009
http://archiv.ub.uni-heidelberg.de/volltextserver/8585/
Wikipedia: Artikel zu Conconi-Test, Cooper-Test, Laktat, Spiroergometrie, Leistungsdiagnostik

adjektivlos

Sprache ist eine wunderbare Erfindung. Mit ihrer Hilfe können wir Dinge und Sachverhalte leidlich präzise beschreiben – oder uns darüber klar werden, dass wir uns Klarheit nur einbilden.

In jungen Jahren schon lernen wir, Adjektive zu benutzen, um was auch immer näher zu beschreiben. Wir nannten sie damals noch Wie-Worte, selbst in Bayern, wo eigentlich Hä-Wort der passendere Ausdruck wäre. Ich für meinen Teil beherrschte nicht nur Wie, sondern vor allem Wider-Worte. Das gehört aber nicht hierher.

Adjektive, so weiß zum Beispiel Wikipedia, beschreiben also die Beschaffenheit oder eine Beziehung eines (konkreten) Dinges, einer (abstrakten) Sache, eines Vorganges oder Zustandes usw.

Klingt nicht schlecht, aber: Ist der Umgang mit Adjektiven wirklich so eindeutig?

Warum lassen uns dann viele Formulierungen stutzig werden – je nach Laune und Sachlage grinsen, kichern, uns am Kopf kratzen oder denselben unverständig schütteln?

Da dürfen wir von jemandem lesen, er sei brutal zusammengeschlagen worden. Im Ernst? Brutal?
Gehört Brutalität nicht zum Zusammenschlagen dazu?
Gibt es die Alternative, jemanden zärtlich zu verprügeln? Und wenn ja: warum berichten Nachrichten nur über die brutale Variante?
Wenn diese Form sanfter Gewalt existierte – und nur dann! – wäre das Adjektiv „brutal“ gerechtfertigt. Dann will ich aber auch Schlagzeilen lesen wie „… wurde von sechs Personen zärtlich vermöbelt.“
Sonst bitte ohne Adjektiv. Zusammenschlagen ist brutal genug.

Eher harmlos, wenngleich nicht weniger absurd ist die Bezeichnung riesiger LKW, wenn damit ein stinknormaler Lastwagen gemeint ist, wie sie zu Zehntausenden unterwegs sind. Um vierzig Tonnen, zweieinhalb Meter breit, vier hoch und mit Anhänger knapp unter zwanzig Meter lang. Riesige LKW findet man im Bergbau.

Das ist aber nichts gegen jenes Gebrüll, welches vor einigen Jahren an mein Ohr drang: Ich schlag‘ dich krankenhausreif rief’s mit sich überschlagender Stimme. Nun legt eine solche Formulierung nicht nur einen Hang zur Gewalt nahe, nein, daneben dürfen wir dem Sprecher – dem Brüller – unterstellen, er verfüge über hinreichend medizinische Kenntnisse, um den angestrebten Zustand zu erreichen. Mit krankenhausreif ist ja wohl ein stationärer Aufenthalt gemeint. Und das setzt nicht nur das Wissen voraus, welche Verletzungen im konkreten Fall herbeizuführen sind, sondern auch virtuose Kontrolle über das Handwerkszeug zum handgreiflich Werden.

Außerdem: Selbst im Zustand höchster Erregung noch soviel Besonnenheit zu haben, dass die verfügbaren Mittel präzise dosiert werden, finde ich bewundernswert.
Rutscht die Hand zu wenig aus, reicht es vielleicht nur für eine ambulante Behandlung. Und zuviel des Handgemeinen….

Mich dünkt indes, der Brüller wollte keineswegs ausdrücken, er wolle durch gezielten Einsatz körperlicher Gewalt den Gesundheitszustand seines Gegenübers auf ein Niveau bringen, welches stationäre Behandlung erfordert.
Folglich ein falsch verwandtes Adjektiv.

Vielleicht hätte man ihn darauf hinweisen müssen.

Zweifelhaft benutzte Adjektive sind eine Sache.

Unsinnige eine andere. Unsinnig nenne ich ein Wie-Wort dann, wenn es aus einer anderen Welt stammt, als das Substantiv, mit dem es einhergeht. So als würde man einen Stecker an die Wasserleitung anschließen.
Will ich politisch werden? Ja. Nein.
Zum Beispiel ein hygienischer Politiker. Hygiene hat mit Politik nichts zu tun. Zwei Welten. Und allen, die nach einem verborgenen Nadelstich, einer politischen Botschaft suchen, möchte ich versichern: es gibt keine. Nicht jetzt.

Meinetwegen ein anderes Beispiel: die beitragsfreie Zigarette. Zwei Paar Stiefel.

Unsinnig eben.

Wir Läuflinge stehen natürlich über solchen Dingen. Wenn wir Wieworte benutzen, dann tun wir dies, um unser Geläuf‘ genauer zu definieren.

Wir sind Läufer. Oder langsame Läufer, ausgenommen natürlich die schnellen Läufer. Schwere Läufer werden oft von den leichten Läufern überholt, wenn auch nicht immer. Aus den nervösen, aufgeregten, dem Start entgegen fiebernden Läufern werden im Ziel ermattete Läufer. Im Regen sind die meisten nass. Nasse Läufer wiederum werden nach der Dusche zu trockenen Läufern, die sich an der Kuchentheke von hungrigen in satte Läufer verwandeln. Gefinished habende Läufern heißen Finisher – zumeist gar stolze Finisher. Wer seine Zielzeit verpasste, ist kurzzeitig ein unzufriedener Finisher, auf Dauer wahrscheinlich ein glücklicher Läufer.

Adjektive beschreiben Dinge, Substantive, Sachverhalte – und Läufer, sofern es um das Laufen geht.

Aber was ist, bitteschön, ein veganer Läufer?

Wenn ich mich nicht völlig täusche, beschreibt Veganismus eine Form der Ernährung – keine Art, sich fortzubewegen. Und doch nehme ich manchmal das Bedürfnis wahr, sich nicht „nur“ als Läufer, sondern eben als „veganer“ Läufer zu bezeichnen. Wieso? Wer interessiert sich dafür, was vegane Läufer essen – außer den veganen Läufern selbst?

Ich laufe vegan ist oft gepaart mit dem Hang zum Missionieren.

Vegan geht auch wenn man Sport treibt, kann / muss / braucht nicht zusätzlich…. Aha. Eine passende Antwort auf eine nicht gestellte Frage. Dass du laufen kannst, sehe ich. Und wie du dich ernährst, ist mir wurscht. Freut mich wenn’s dir schmeckt.

Ich lebe seit zwölf Jahren vegan und mir geht’s gut. Schön. Andere Menschen essen irgendwas anderes, und denen geht’s auch gut. Nur gehen sie damit nicht hausieren.

Ich habe noch keinen Fleisch essenden Läufling gehört, dass er „ich bin Fleisch essender Läufer“ sagt. Und dass dies auch ginge, wenn man Sport treibe.

Versteht mich nicht falsch, es möge jeder nach seiner Facon selig werden. Essen was schmeckt, was gut tut. Ohne einen -ismus draus zu machen, der ständig auf einem Transparent herumgetragen wird.

Sehet! Ich laufe vegan! O sehet, ich sitze vegan! Erblickt mein veganes Geschirrspülen!

Wüstes Herumadjektivieren. Wenn das jeder machen würde.

Wir bräuchten die mehrfache Zeit, um uns gegenseitig vorzustellen. Mit Adjektiven, die vollkommen am Thema vorbei gehen.

Bin ich veganer, rechtshändischer, sonnenanbetender, schön schreibender, fleißiger, grünrotblauer, unpolitischer, hopsender, meist gute Verdauung habender, aquarellmalender, musizierender, gerne-in-der-sonne-sitzender, martialischer, sanfter, kuchenliebender, arbeitender, optimistischer, urlaubender, ehrlicher, adjektivierender, flexibler, braungebrannter, rohkostgenießender, fleischfressender, pflanzenverdauender, sprachbegabter, feinmotorisch begabter, überhaut vielseitig talentierter, wenngleich vertikal herausgeforderter und manchmal politisch unkorrekter, höflicher, frecher, zärtlicher, leibhaftiger Läufer.

Nein.

Ich bin Läufer.

Adjektivlos.

Maslow, ganz oben: morphic

Wäre es nicht schön, könnte man sich lauftaugliche Kleidung nach Maß fertigen lassen? Art und Farbe von Ärmeln oder Kapuze selbst aussuchen? Bei morphic aus Neuseeland geht das!

morphic-print-kelpWäre es nicht schön, könnte man sich lauftaugliche Kleidung nach Maß fertigen lassen? Art und Farbe von Ärmeln oder Kapuze individuell konfigurieren? Bei morphic aus Neuseeland geht das!

die Story
Bevor Halee Moss und Ray Singer, die Gründer von morphic, sich zusammentaten, waren beide schon längst dabei, ihre eigene Kleidung zu schneidern. Auf der Website von morphic steht ein wunderbarer Satz zu lesen, den ich hier gerne zitiere:

Morphic began as separate streams of creativity, flowing downhill on our own paths before joining to make a river.

Besagter Zusammenfluss der beiden Bäche kam durch die Lust auf ein gemeinsames Projekt zustande. Es folgte eine typische Gründerstory: öffentliche Fördermittel, private Darlehen (sprich: „Family and Friends“) und ein Standort im Arts Centre Market in Christchurch. Der Name lässt an ein kunterbuntes Miteinander von Künstlern, Designern, Musikern und anderen denken, und genau so darf man sich das Zentrum auch vorstellen. Ein Born der Kreativität!

Christchurch? Da war doch dieses Erdbeben….?

In der Tat. Und just dieses Erdbeben hat die Geschickte des Arts Centre Market, und dadurch auch morphic beeinflusst. Das Zentrum schloss, die Community löste sich auf, und morphic… aber hierzu später mehr.

morphic konnte sich sich relativ schnell einen internationalen Kundenstamm aufbauen. Kein Wunder, wo doch ein Aspekt klar im Vordergrund steht: Individualität. morphic stieß mit Maßfertigung in eine Lücke, die selbst kleinere Hersteller nach wie vor scheuen. Dass der Käufer seine Kleidung zum großen Teil auch noch selbst zusammenkonfigurieren darf, ist sozusagen das Häubchen Sahne obendrauf.

die Machermorphic-about
Halee Moss and Ray Singer liefen sich als DJs auf verschiedenen Festivals über den Weg, entdeckten ihre gemeinsame Vorliebe für coole, selbst entworfene Kleidung – dann geschah, was geschehen musste: morphic.

Strenggenommen sind es nicht die coolen Klamotten, sondern geteilte Werte, die morphic entstehen ließen. Wer hat schon Lust auf Wegwerfkleidung, wenn er etwas für jemanden anderen individuell erschaffen kann? Das ist beinahe so wie die liebevoll gestrickten Socken von der Oma: Lieblingsstücke. Gerne getragen, und in der physischen Wärme steckt immer ein Quäntchen großmütterlicher Liebe.

Ich will jetzt nichts von kratzigen Wollsocken hören, die irgendwer als Kind zu tragen gezwungen war. Wir bleiben bitte in der romantisch-verklärten Stimmung.

Werte.

Nachhaltigkeit und Leidenschaft.

Deshalb sind die Materialien biologisch abbaubar, und aus nachwachsenden Rohstoffen. Sie kommen aus lokaler Produktion – und das gilt nicht nur für die Stoffe, sondern auch für Reißverschlüsse und Knöpfe.

die Produktemorphic-womens-deeper-black-turquoise
Um es vorweg zu sagen: morphic ist kein Label für Laufkleidung. Andererseits kann man die Merino-Hoodies und T-Shirts vom Schnitt her ohne Weiteres zum Sport anziehen. Mir genügt das, um die Brücke zu bauen, auf der morphic in diesen Blog spaziert. Baumwolle gibt’s auch, ist vom Material her bekanntlich auf der unsportlichen Seite anzutreffen. Wobei ich mich nicht wundern würde, wenn Halee und Ray auf Nachfrage den Schnitt einer ansonsten baumwolligen Jacke in Merino umsetzen.

Wer bei morphic einkauft, kann sich auf eines verlassen: es passt. Herkömmliche Größenangaben sucht man auf der Website vergebens. „M“? „XS“? Fehlanzeige. Das ist so gewollt, denn die Perfect Fit Guarantee gebietet, dass der Käufer sich eines Maßbandes befleißigt, um die ermittelten Körpermaße an morphic zu schicken. Logisch, dass solcherart maßgefertigte Pullover perfekt passen.

Maßgeschneidert. Perfekt passend. Das ist die eine Seite.

Die andere Seite ist die Gestaltung.
Normalerweise geht „man“ auf die Website eines Herstellers, tummelt sich eine Zeitlang in den Produktansichten, um das Teil zu ordern, welches am besten gefällt. À la carte. Von der Stange. Ist ja nicht schlecht, aber es geht besser.
Bei morphic kauft der Käufer zum Beispiel ein „Men’s Custom Metrix Merino Hoodie“ in etwa so, wie er sonst ein Auto kaufen würde. Deshalb gibt es dort einen Konfigurator.
Welche Farbe darf der Rumpf haben? Und die Ärmel?

A propos Ärmel: normale Bündchen, oder sind Daumenlöcher genehm? Ich für meinen Teil würde Daumenlöcher nehmen, die sind einfach cooler. Oder gerade das nicht: sie sind wärmer.

Und die Kapuze? Rund oder spitz? Wo wir beim Thema sind: außen trägt sie die Farbe des Rumpfes, aber soll’s innen vielleicht etwas Kontrastierendes sein?

Womit wir beim Aufdruck wären: welche Grafik – und in welcher Farbe bitte?
Ach, es ist nichts dabei? In diesem Fall darfst du auch gerne deinen eigenen Entwurf schicken. Kostet Aufpreis, machen wir aber.

Leute, ich bin begeistert!

Das stolze Ergebnis deckt dann logischerweise eine beachtliche Bandbreite an Stilen ab. Ich musste immer an Musik denken.
Mit spitzer Kapuze und Kelp als Grafik leicht mystisch angehaucht erklingt Iowaska im Ohr, wogegen mich runde Kapuze mit dem Motiv namens Orbital mehr an Downset denken lässt.

Einfach nur geil. Versucht das mal woanders. „Hey, ich will die Kapuze mit jenen Ärmeln und die Grafik schicke ich euch zusammen mit meinen Maßen.“ Ich lach‘ mich scheckig, wenn ich an die Reaktion denke.

Bei morphic ist das Bestandteil des Konzepts. Normal.

das Ende
Normalerweise skizziere ich hier die Vision der Gründer. Wohin soll die Reise gehen, auf welche Produkte dürfen wir uns freuen, und so weiter.
Nicht so bei morphic, denn Halee und Ray haben beschlossen, morphic am 31. Juli Feierabend zu schließen.

Insofern hat mein Artikel eher den Charakter eines Nachrufs. Gestern habe ich morphic entdeckt, nur um heute den Nekrolog zu verfassen. Das ist vor allem deshalb schade, weil die beiden gezeigt haben, wie weitreichend sich Individualität verwirklichen lässt. Mögen sich andere inspirieren lassen!

Auf der Website steht zu lesen, dass die Gründer sich anderen Projekten zuwenden wollen, auf die sie sich freuen. Vor dem Hintergrund kann man den Schritt verstehen, dass sie das Kapitel morphic schließen wollen.

Soweit also zur schlechten Nachricht.

Die gute ist: bis 31. Juli darf noch bestellt werden. Endlich mal ein Angebot vom Typ Letzte Chance, das man ernst nehmen kann!

Hier geht’s zu morphic

Lehrgeld

Ach, wie einfach könnte alles sein, müsste man nicht ständig auf der Hut sein. Wachsam. Anderenfalls stellen sich kostenpflichtige Lerneffekte ein.

Jüngst bestellte ich mir eine Hose und ein langärmliges Leibchen von und bei Buff. Genau, das sind die mit den genialen Kopfbedeckungen, die, was hierzulande noch nicht so bekannt ist, seit einiger Zeit auch Lauf- und sonstige Klamotten fertigen. Supercooles Design, besonders das Leibchen hatte es mir angetan.

Lange Rede, kurzer Sinn und noch kürzerer Klick auf den „Bestellen“ Button im Shop.

Über das Longsleeve schreibe ich demnächst einen eigenen Artikel, passt ganz gut, nur die Unterarme sind arg eng. Popeye hätte keine Chance. Den Popeye-Spruch möge der geneigte Leser bitte gleich wieder vergessen, denn ich gedenke ihn im Test des Longsleeves nochmal zu verwenden.

Und die Hose?
Nun, am Unterarm-Pendant jeder Hose, den Waden, ist sie eng. Sehr eng. Viel zu eng. Für welche Waden sie wohl gemacht sein mag? Für meine jedenfalls nicht. Das ist schade, denn der Rest passt mir. Also zurück nach Spanien mit dem Beinkleid.

Und schon betritt der lehrende Lerneffekt die Bühne. Zunächst noch zaghaft, als ich nach dem Retourenlabel suche. Wie schick‘ ich das Ding wieder nach Barcelona?

Erster Lernbrocken: ich schicke erst eine E-Mail, in der ich ankündige, was ist weshalb retourniere. Auf meine Kosten.

Zweiter Lernbrocken bei der Post: eingeschriebenes Päckchen nach Spanien kostet fast 10 Euro. In Worten: zehn!

Beim reduzierten Hosenpreis von knapp vierzig gültigen Währungseinheiten arg unschön. Fern jeder Relation.

Was lerne ich daraus?
Alldieweil sich die Regeln im E-Commerce geändert haben (Retouren nicht mehr, wie sonst in D üblich, kostenlos für den Käufer), werde ich mir wohl angewöhnen, einen kurzen Blick in die AGB zu werfen, bevor ich etwas bestelle. Bei vielen Dingen ist es ja wurscht, gerade Klamotten wollen indes anprobiert werden. Wenn sie nicht passen, schickt man sie zurück. Und wenn das Porto kostet, würde der Käufer unterm Strich eine Gebühr fürs Anprobieren entrichten.

Will er das?

Genau das muss er sich überlegen.

Wohlgemerkt, ich mache Buff keinen Vorwurf, irgendjemand muss schließlich die Transportkosten zahlen. Beim Klamottenkauf muss letztlich jeder selber entscheiden, ob er das Risiko eingehen will, bei einer neuen Marke alleine für’s Anprobieren Geld auszugeben.

Früher war’s einfacher, als Retouren fast immer für lau gingen. Bestellen, und bei Nichtgefallen zurück. Das Risiko lag selbstverständlich beim Versender.

Heute einmal kurz nicht aufgepasst (so wie immer halt), und schwupps! ist Kohle fällig für den nachhaltigen Bewusstseinswandel.

Bezahltes Wissen ist wert-voll.

Dafür bezahlte ich Lehrgeld.

ausbüx’n: PowerBar

Jüngst erreichte mich ein hübsches Testpaket von PowerBar. Was mag wohl drin sein…?

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Ein Buch nach dem Cover, eine Kiste nach dem Deckel beurteilen? Niemals!
Auspacken hilft, die Neugier zu befriedigen.

Neudeutsch „unboxing“.

Bei mir „ausbüx’n“.

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Ein kurzer Blick in die ge-auf-te Box.

Und jetzt…der Inhalt: Energienahrung in Waffelform? Kannte ich noch nicht. Was es alles gibt…
Gels gar verschließbar – nie wieder aufessen müssen!PowerBar3

Tests folgen – in der Zwischenzeit einstweilen vielen Dank an PowerBar für das Tespaket!