Wege des Läuflings

Wo der Läufling seiner Neigung nachgeht, tut dies naturgemäß auf einem Weg. Wundert es, wenn er zu diesem ein besonders enges Verhältnis pflegt?

Wo der Läufling seiner Neigung nachgeht, tut dies naturgemäß auf einem Weg. Wundert es, wenn er zu diesem ein besonders enges Verhältnis pflegt?
Ist doch bereits mit dem Bewegungsdrang der Grundstein hierfür gelegt. Kaum aus dem Haus getreten, bewegt ein Läufling sich auf dem Weg, der sich ihm zur gefälligen Nutzung darbietet.

Flugs schreitet er aus, genießt Natur, Strecke und die frische Luft. Es bedarf keiner Wegwarte am Wegesrand für romantische Stimmung. Und in Puncto Gesundheit macht dem Läufling so schnell niemand etwas vor, er weiß sich auf einem guten Weg. In dieser Einschätzung stimmt er mit zahlreichen Politikern überein, welche diesen Ausdruck für jedwede Katastrophe gebrauchen, so dass er folgenden Gedanken auslöst:

Au Backe. Getan hat sich nichts, eher kommt’s schlimmer.

Anders der Läufling. Auf dem guten Weg springt er selbst dann voran, wenn der Weg selbst kein allzu guter ist. Trailläufer suchen nachgerade jene Wege, die in unschuldiger Tugendhaftigkeit von kaum eines Menschen Fuß betreten in der Gegend umherliegen.

Ist der Weg dann ganz weg, tritt des Sportlers mentale Kraft in Kraft, denn wo ein Wille ist, ist ein Weg nur ein kleines Stück des Weges entfernt. Trail- und Landschaftsläufer beschleicht in solcher Lage ein leiser Zweifel ob der Richtigkeis des gegangenen Weges beschleicht. Hat man gar einen Wegweiser übersehen, der unlängst den Weg wies? Oder weist ein neuer Pfeil hinter der Wiese beruhigend in die richtige Richtung?

Orientierungsläufer, Mountain Marathonis und Fell Runner haben diese Unsicherheit längst hinter sich gelassen. Sie brauchen keinen vorbereiteten Weg, sondern bereiten ihn mit Willenskraft alleine. Die kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten ist eine Gerade. Von dieser Logik weicht man nur ab, wenn ein Umweg einen schnelleren Weg bedeutet.

Ein Läufling geht seinen Weg. Das tut er mit derselben Hingabe und genauso ehrenhaft, wie Yamamoto es in Hagakure – der Weg des Samurai beschrieb: Sei darum voll entschlossen, diese Ziele zu erreichen, ohne im mindesten zu schwanken(…)

Allen Läuflingen ist übrigens der Umstand gemein, dass sie nur ungern vom rechten Weg abweichen. Darin ähneln sie nur scheinbar den Rechten, denn für diese ist der Rechte Weg der rechte Weg, ganz anders als bei den Linken, deren rechter Weg in die entgegengesetzte Richtung weist. Eigentlich müssten sie sich entgegen kommen. Ein Entgegenkommen, welches wiederum zu einem netten Plausch zwischen Andersdenkenden führen sollte, würde man mit einander sprechen wollen. Aber es sagten bereits die Ramones: Third rule is: Don’t talk to commies. Das sich von links nähernde Pendant weiß um eine entsprechende Regel, die es zu befolgen gilt.

Dem gemeinen Läufling ist derlei politischer Kindergarten wurscht. Gütig-routiniert reagiert er allenfalls, wenn sich ein Unläufling mit der Frage in den Weg stellt:

Wovor läufst du eigentlich weg?

Ich gehe dieser Frage an dieser Stelle aus dem Weg. Stattdessen besinne ich mich der Existenz von Nonstopläufen, welche dem Läufling ob ihrer Dauer Zwangspausen aufnötigen. Manch‘ Teilnehmer wird einen Schlafrhythmus wählen, der ihn am Wege lagern lässt.

Da kann der Gratulant beim Wegen…äh…Wiegenfeste noch so laut von „Viel Glück und viel Segen auf all deinen Wegen“ trällern, früher oder später sind die Kräfte ebenso schnell weg, wie der Leib einem erquicklichen Schlummer entgegendämmert.

Ich für meinen Teil sehe mich für heute am Ende des Weges angekommen, und begebe mich nach alter Indianertradition in meinen Wegwam.

…als Coachee

Wenn man sich auf ein neuartiges Ziel vorbereitet, ist professionelle Begleitung ratsam. Um in Sachen Kettlebell besser zu werden, habe ich mir Florian Kiendl als Coach gesichert – zwölf lohnende Wochen!

Wer mich kennt, dürfte wissen, dass ich nicht müde werde, den Nutzen des Kettlebelltrainings gerade für Läuflinge zu preisen. Natürlich macht es mir tierisch Spaß, keine Frage. Es gefällt mir, fit zu werden, besser zu laufen, und meine Technik zu vervollkommnen. Ich find’s geil!
Diese Begeisterung bringt es mit sich, dass ich die Kunst des gepflegten „Bellens“ auch anderen beibringen möchte.
Mit RKC existiert eine Vereinigung, die sich einen äußerst hohen Qualitätsanspruch auf die Fahnen geschrieben hat, und nach der Zertifizierung als Instruktor HKC im letzten Jahr, sollte 2014 der RKC folgen: der „schwarze Gürtel“, wenn man so will.

Eigentlich hatte ich also vorgehabt, nach dem ersten Septemberwochenende als frischgebackener RKC die nächste Stufe des Kettlebell-Instruktors erklommen zu haben. Uneigentlich zickte mein linker Ellenbogen drei Wochen vor dem Termin, so dass ich die Zertifizierung auf das kommende Jahr verschob.

Zuvor hatte ich über zwölf Wochen gezielt auf das sportliche Ziel „RKC“ hingearbeitet – das heißt: trainiert habe ich vorher auch schon, das entscheidende Wort im ersten Halbsatz ist „gezielt“. Als Zielhilfe begleitete mich Florian Kiendl von Kettlebell Germany, dessen Online-Coaching Programm just den Zeitraum von 12 Wochen abdeckt.

Wozu ein Coach?
Training mit Kettlebells ist, wie gesagt, überaus techniklastig. Wegen des hohen Anspruch, den wir innerhalb der RKC-Community an uns selbst und das Training haben, schien es mir ratsam, den Blick eines kompetenten Coaches „von außen“ auf meine Technik gerichtet zu sehen.
Die eine Frage was also: wo muss ich an meiner Technik arbeiten?
Außerdem: wie baue ich meine Defizite zügig ab? Denn wie heißt es so schön? Wer von euch keine Defizite hat, der werfe die erste Kettlebell. Bitte mindestens dreißig Kilogramm.

Wie funktioniert’s?
Ich wohne in der Rheinebene bei Heidelberg. Florian coacht in München. Wir leben im einundzwanzigsten Jahrhundert.
Ergo: Online Coaching.
Vor dem Start hatten wir ausgiebig telefoniert, um das Trainingsziel, verfügbare Zeit und andere Parameter abzuklopfen. Weil Florian ein systematisches Vorgehen schätzt (er ist von Haus aus IT’ler wie ich), gibt’s noch einen Fragebogen, der die Basis für den Trainingsplan bildet. Besser gesagt: eine Basis, alldieweil er Videos von den wichtigsten Übungen braucht, damit er sich ein erstes Urteil zur Technik bilden kann.

Einmal in der Woche gibt es einen Trainingsplan für die Folgewoche – das Trainingskonzept hatten wir am Telefon zusammen definiert. Florian nimmt den Begriff Trainingssteuerung ernst. Nix mit ein starres Schema für die ganze Dauer, Coach und Coachee haben von Woche zu Woche gearbeitet. Ich persönlich finde das normal, es scheint aber auch Leute zu geben, die es sich seeeeehr einfach machen.

Normal ist es übrigens auch, dass der Coachee mitarbeitet. Von wegen: Coach, mach‘ mich fit. Auch das soll vorkommen. Ich habe also ein Trainingsprotokoll geführt, das ich Florian geschickt habe, damit er die Ergebnisse im Plan für die Folgewoche verarbeiten konnte.
Meine Erwartung an mich selbst war: sei ehrlich. Also Finger weg von ich hätte noch zwei Wiederholungen geschafft, eigentlich habe ich fast beinahe… oder neuneinhalb sind so gut wie zehn im Grunde genommen schon zwölf. Sowas kommt nicht ins Protokoll! Nienicht. Unter keinen Umständen.

Denn obzwar ich mich selbst verarschen kann, sportlich bringt es mir rein gar nichts.
Und dem Coach gegenüber ist es unfair, eine Arbeitsgrundlage zu liefern, die im wahrsten Sinne des Wortes nicht belastbar ist. Ich nehme an, Florian sieht das genauso – ich werde ihn fragen.

In unregelmäßigen Abständen haben wir uns zu Coaching Calls verabredet, denn manche Dinge lassen sich am Telefon schneller abstimmen als via Tastatur.

Nur Online und Telefon? Genügt das? Ja. Und das ist die einfach Antwort, denn der Artikel würde zu lang werden, wenn ich die Frage differenziert betrachte. Deswegen erstmal ein klares „Ja“, und damit vertröste ich euch auf einen Folgebeitrag, in dem ich mich mit den Fragen „unter welchen Bedingungen“ und „weshalb“ auseinandersetze.

Details zum Coaching bei Florian findet ihr bei Kettlebell Germany.

Wie war’s?
Kurze Antwort: Klasse!
Ausführlicher überlege ich gerade, dass sich mein geliebtes Kano-Modell auch auf das Coaching anwenden lässt.

Basisfaktoren?
Klar, zu Beginn des Coachings schaut sich ein guter Coach an, wo der Coachee gerade steht, wonach er strebt und welche Möglichkeiten im zur Verfügung stehen. Ich erwarte regelmäßiges, qualifiziertes Feedback. Einen guten Trainingsplan, oder besser gesagt: saubere Trainingssteuerung.
Bei Florian Kiendl passt das. Locker!

Interessant wird es bei den Begeisterungsmerkmalen.

Was hat mich begeistert?
Florian versteht es, einen Trainingsplan so zu gestalten, dass saubere Belastungsreize gesetzt werden. Ich musste mich anstrengen – doch waren die Ziele erreichbar. So soll’s sein.
Er gibt präzises, fundiertes und gut umsetzbares Feedback.
‚Ne coole Socke ist er obendrein. 🙂

Nächstes Jahr werde ich mir vor der RKC Zertifizierung wieder ein Coaching mit Florian gönnen. Die Zeitplanung – Zertifizierungstermin minus etwa 14 Wochen – war dieses Jahr gut. Gut im Sinne von gut. Besser sind, denke ich, zwei, drei Wochen mehr Puffer zwischen dem Ende des Coachings und dem Zertifizierungstermin. Und über den Winter genieße ich das vorfreudige „Bellen“.

Clean?

Ich bin froh darüber, dass ich mich so gut im Griff habe. Ehrlich.
Wenn ich wollte, könnte ich jederzeit damit aufhören.

Ich bin froh darüber, dass ich mich so gut im Griff habe. Ehrlich.
Wenn ich wollte, könnte ich jederzeit damit aufhören.

Es ist nur eine Frage des Willens.
Und den haben Läuflinge, das wird jeder bestätigen, der sich nur ein wenig damit befasst hat.

Wie gesagt: es ist nicht so, dass ich es brauchen würde. Ich genieße es. Weshalb also sollte ich es beenden? Das ist ja das Schöne, wenn man etwas unter Kontrolle hat: der freie Wille bleibt uns erhalten. Wenn ich mir andere ansehe, die jahre, jahrzehntelang vor sich hinsüchteln.

Es gibt wahrhaft tragische Schicksale. Erinnert sich jemand an Harald Juhnke? Showgröße der 1970er Jahre, die sich zu Tode gesoffen hat. Der arme Kerl befand sich im Teufelskreis aus Sucht, Entzug und Rückfall, aus dem ihn nichts herausbrachte.
Oder David Hasselhoff.

Auch der Alkohol.

Meine Güte wie erbärmlich muss es sein, wenn man sich in lichten Momenten den Kontrollverlust eingestehen muss. Wenn das Resthirn für den Bruchteil einer Sekunde glasklar sieht, wirklich sieht: ich schaffe es nicht. Ich bin süchtig.

Bei mir ist das zum Glück anders, weil ich weiß, dass ich keinen Sport zum glücklich sein brauche. Ich muss mich nicht bewegen. Es macht mir einfach Spaß!
Ehrlich, wenn ich wollte, also: wenn ich wirklich wollte, könnte ich aufhören. Sofort. Von einem Tag auf den anderen.

Ich will nur nicht.

Es genügt zu wissen, dass ich könnte.

Wenn ich denn wollte.

Bin keine traurige Figur, die ihre Sucht nicht im Griff hat. Unter den Läuflingen gibt es viele, die den Rubikon längst überschritten haben. Traurige Figuren, die sich selbst etwas vormachen, die ihre Abhängigkeit nicht wahrhaben wollen.
Es glauben tatsächlich welche, sie seien clean. Laufen bloß zum Spaß. Von wegen.
Amselige Kreaturen, die gegenüber der eigenen Unzulänglichkeit blind, und als Gefangene der eigenen Illusion zum ewigen Weitermachen verurteilt sind.

Es ist alles eine Frage der Persönlichkeit.

Zum Glück bin ich immun, habe einen starken Willen.

Ich kann es jederzeit lassen.

Soll ich es euch beweisen? Ich könnte, will nur nicht.

Heute?

Vielleicht morgen.

Heute geht nicht, das Wetter ist gerade so schön. Außerdem zucken meine Beine. Sie wollen laufen.

Aber morgen.

Oder nächste Woche.

Wann immer ich will, ich habe es im Griff.

Ich bin nämlich clean.

ausbüx’n: Blizzard Bag

Für den gemeinen Läufling scheint es eher ungewöhnlich, wenn er sich mit Überleben in Eis und Schnee befasst. Sollte ein Blizzard Bag angesichts von Ultratrails in ungemütlichen Jahreszeiten nicht besser zur Gewohnheit werden? Was packe ich da eigentlich aus?

blizbag2
Für den gemeinen Läufling scheint es eher ungewöhnlich, wenn er sich mit Überleben in Eis und Schnee befasst. Oder eher nicht, wenn er Ultratrails in Regionen und Jahreszeiten läuft, die das Adjektiv „ungemütlich“ kaum hinreichend beschreibt?

Rettungsdecken sind ja ein alter Hut, viele Veranstalter (OMM zum Beispiel) bestehen auf diesen Folien in Sackform – flattert auch, hält aber an weitaus dichter.
Blizzard Survival aus dem nördlichen England geht einen Schritt weiter, indem mehrere Schichten aus metallbedampfter Folie von einer wabenartigen Struktur auf Abstand gehalten werden.
Im Klartext führt der Abstand zu einer besseren Wärmedämmung.

blizbag1Der Blizzard Bag Active Range, so der volle Name, ist eine etwas leichtere Version (deswegen Active) des Blizzard Bags. Tauglich für lange Wintertrails (es muss ja nicht gleich der SPINE sein).

Testen werde ich ihn im Winter, dann gedenke ich ihn auch auszupacken, denn das Teil ist vakuumverpackt. Bis dahin habe ich genug Zeit, mir zu überlegen wie ich meinen Staubsauger zum Neuverpacken einsetze.
Ein Foto im Betriebszustand gibt’s auf der Herstellerseite.

Da fällt mir ein: hat zufällig jemand ein Folienschweißgerät? Saugen alleine reicht mir nicht, kleben muss es auch noch!

Virtuelle Winter-Vision

Eiskalter Wind treibt mir Schneeflocken ins Gesicht während ich von einer heißen Dusche träume. Zum Glück habe ich die extra warmen Klamotten angezogen….

Eiskalter Wind treibt mir Schneeflocken ins Gesicht während ich von einer heißen Dusche träume. Zum Glück habe ich die extra warmen Klamotten angezogen.

Nein, ich bin nicht verrückt geworden. Ebensowenig, wie ich mal eben ein Wochenende in den Anden zubrachte. Es ist vielmehr so, dass meine Phantasie dazu neigt, sich winterliche Bedingungen umso intensiver auszumalen, je länger die drückende Schwüle anhält.

Hitzeläufer, der ich nicht bin (muss ich das überhaupt noch ansprechen?), sehe ich meinen Leib als durchaus fähig, sich klimatischen Bedingungen anzupassen. Freilich geht das. Ich rede mir schließlich seit zwei Monaten ein, dass mir als Angehörigem der Spezies Mensch so etwas wie Hitzeakklimatisation möglich ist. Zudem bin ich sicher, dass dieser Prozess längst im Gange ist, darin vertraue ich ganz auf die Biologie. Mein Leib macht das schon.

Selbst in der Rheinebene.

Sie ist, für alle, die am Meer, im Gebirge oder irgendwo außerhalb dieses geologischen Faszinosums wohnen dürfen, immer ein wenig heißer und noch schwüler. Die Luft steht. Oder was ich hier einatme. Mangels eines besseren Begriffs nenne ich das inhalierte Gas eben Luft.
Sofern die chemische Zusammensetzung der von Luft entspricht, plädiere ich dafür, einen weiteren Aggregatszustand zu definieren: fest, flüssig, gasförmig – und rheinebenenhaft. Werte Physiker, waltet bitte eures Amtes.

Mein Organismus, und das ist die gute Nachricht, kann das Zeug verarbeiten. Ich schließe dies aus der Tatsache, dass ich auch nach mehreren Wochen noch nicht erstickt bin.

Ich lebe noch.

Ich bin.

Also denke ich.

Zum Beispiel, dass es vollkommen ausgereicht hätte, Anfang Juni eine Dusche zu nehmen. Die nächste erst wieder im September, jenem Monat, der hoffentlich ein wenig kühlere Luft bringt.

Gewitter sollen, wie man hört, ebenfalls für Erfrischung sorgen. Sie kündigen sich meist durch heftige Schwüle im Tagesverlauf an, des Abends knallt es dann. Schön wär’s ja. Ich erlebe Schwüle, im günstigen Fall dräuende Wolken, Hoffnung auf mehr machend – darin erschöpft sich der klimatische Ehrgeiz unseres Wetters. Kein Gewitter. Ich bin versucht, vom Coitus Interruptus zu schreiben, nur findet kein Koitus statt, der abgebrochen werden könnte. Es kommt nichtmal zum Vorspiel.

Vor ein paar Tagen hatte es tatsächlich geregnet. Erfrischung? Von wegen. Der Regen diente dazu, die Luftfeuchtigkeit noch etwas heraufzusetzen. Baden war wieder mal angesagt. Baden im eigenen Schweiß. Ohne Anstrengung, atmen genügte vollkommen.

Kein Wunder, wenn ich von Kälte, Schnee, Regen und Wind sinniere. Auf Youtube betrachte ich Filme, die den Überlebenskampf in kalten Regionen zum Thema haben. Schnee, Eis, Arktis, Alaska, Schottland im Winter. Feuerland hingegen meide ich, des allzu heiß klingenden Namens wegen. Während das angedeutete, doch ausbleibende Gewitter das Verlangen erregt ohne es zu erfüllen, holt sich der schmachtende Mensch beinah pornographische Befriedigung aus dem Internet.

Gleichermaßen fiebrige Erregung überkommt mich bei der Wahl meiner Bettlektüre. Viele Geschichten Jack Londons spielen in Alaska, echten Hardcore-Genuss bot mir neulich David Laskins Schilderung des Schoolhouse Blizzard, der im Jahre 1888 über die Great Plains zog.

Zum Ausgleich recherchiere ich nach allen möglichen Kleidungsstücken und Accessoires. Mag die BDSM-Szene sich an Peitschen ergötzen, mein Fetisch sind Balaclavas aus Merino, superleichte Daunenjacken, Leibchen aus Yakwolle und traumhaft warme Handschuhe. All das umhüllt von wasserfesten, winddichten Zusatzschichten. Gerne sinniere ich über die passende Kleidung für danach, wenn ich mich nach dem Lauf am Parkplatz entblättere, um mich für das Gespräch mit Lauffreunden und die anschließende Heimfahrt in warmtrockene Flauschigkeit zu hüllen.

Ein orgiastischer Schauder lässt mich beim Schreiben dieser Zeilen erbeben.

Hält nicht lange an, ich befinde mich wieder auf dem Boden der Tatsachen.

Wie wird das Wetter morgen?

Nach anfänglicher Dunkelheit leicht bewölkt, später sonnig. Im weiteren Tagesverlauf heiter bis lustig, in der Rheinebene bisweilen lächerlich.

Na dann.