Keen Marshall

Keen kennt man – zumindest ich – in erster Linie von Trekkingsandalen. Aber: Keen stellt auch Wanderschuhe her – der Marshall ist ein solcher mit wasserdichter, atmungsaktiver Membran. Wie schlägt er sich an des Läuflings Fuß?

KEEN Marshall
Keen kennt man – zumindest ich – in erster Linie von Trekkingsandalen. Aber: Keen stellt auch Wanderschuhe her – der Marshall ist ein solcher mit wasserdichter, atmungsaktiver Membran. Wie schlägt er sich an des Läuflings Fuß?

Beschreibung
Keen Marshall
Der Marshall von Keen ist ein Halbschuh, der für Wandern und Geländelaufen konzipiert ist. Die Membran namens KEEN.DRY verspricht atmungsaktiv und wasserdicht zugleich zu sein.

Material: Obermaterial aus Kunstfasergewebe mit atmungsaktiver Membran. Sohlenaufbau Gummi außen, PU-Zwischensohle, herausnehmbare Innensohle.
Gewicht: 434 g (Größe 44, gewogen)
Farbe: grau / orange

Test
Erster Eindruck
Ich hatte mich für Größe 44 entschieden – gut eineinhalb Größen mehr als ich von der Länge her brauche. Beim Auspacken konnte ich einen Freudenschrei nur schwer unterdrücken: sollte KEEN zu jenen Herstellern gehören, die ein Herz für breite Füße haben? Flugs flog ein Fuß in den Schuh: sie haben! Es passt nicht nur in der Länge, sondern auch in der Breite! Dergestalt positiv voreingenommen machte ich mich an einen ersten Spaziergang, von dem nichts Sensationelles zu berichten ist. Das bedeutet: sehr bequemer Schuh, sitzt gut, ich kann mir vorstellen, ihn über längere Zeit zu tragen.

Was das Thema Membran betrifft, bin ich mittlerweile recht skeptisch, gerade bei Schuhen. Wasser, das über den Rand in den Schuh hineinläuft, braucht unverhältnismäßig lange, um wieder nach draußen zu gelangen: der Fuß bleibt nass. Außerdem sind meine Füße schnell warm, so dass mir jedes Quäntchen Luft willkommen ist.
Andererseits weiss ich es zu schätzen, wenn ich trockenen Fußes durch flache Pfützen, oder über eine feuchte Wiese laufen kann. Gerade bei letzterem konnte ich den Marshall intensiv auf den Zahn fühlen. Die Wasserprobe, sozusagen.

Laufen
Bedingungen: ca. 20 °C, Sonne, Asphalt, Waldwege
Drunter: Icebreaker Merinosocken
Als ich mit den Marshall an den Füßen loslief, tat ich dies aus zwei Beweggründen: ich wollte herausfinden, wie sich die Fortbewegungsart „mit Flugphase“ in den doch vergleichsweise Schuhen anfühlt, und natürlich ging es mir bei den hohen Temperaturen um Erkenntnisgewinn auf mikroklimatischer Ebene vulgo: schwitzen die Haxen?

Alldieweil die Marshall konzeptionell bei den Wanderschuhen angesiedelt sind, hatte ich kaum mit leichtfüßigem Rennen gerechnet, trotzdem „geht“ auch Laufen. Abrollen klappt – und dieser Platz in der Zehenbox!
Was das Fußklima betrifft, würde ich beim Laufen die Obergrenze deutlich unter den 20 Grad ziehen, bei denen ich unterwegs war. Wie gesagt, meine Füße brauchen eher Kühlung als Heizung.

Gehen / Wandern / Alltag
Bedingungen: verschieden (auch drinnen getragen), Asphalt, nasse Wiese, Feldweg, Trails
Drunter: Verschiedene Socken
Was sie wirklich draufhaben, konnten die Keen vergangenen Oktober anlässlich des OMM in Wales zeigen. Gelaufen bin ich nicht in ihnen, trug sie allerdings während der Anreise und, vor allem, im Camp, welches witterungsbedingt größtenteils aus aufgeweichter Wiese bestand. Um es kurz zu umreißen: wir waren das einzige Team, welches ohne Gummistiefel herumlief.

Regen, teils arg heftig, matschige Wiese, 10° Celsius: Perfekte Bedingungen, um Wanderschuhe zu testen.
Ich konstatiere hocherfreut, dass meine Füße warm und trocken blieben.

Nicht nur der Vollständigkeit halber habe ich die Schuhe danach ab und an auf kleineren Wanderungen getragen. Nachdem sie bereits gezeigt hatten, bei welchem Wetter ihre Stärken (aber auch Grenzen) liegen, wollte ich die restlichen Punkte auf meiner inoffiziellen Checkliste abhaken.

KEEN Marshall Sohle
Wie steht’s um die Griffigkeit der Sohle?
Auf Steinen (jetzt frage bloß keiner, welche Gesteinsart, ich habe keine Ahnung. Was auch immer im Pfälzer Wald anzutreffen ist) gab es ebenso wenig Grund zur Klage, wie auf Waldboden. Die sprichwörtliche nasse Wiese hatten wir schon, auch dort war alles bestens, wobei sich sämtliche Versuche oberhalb des Gefrierpunkts abspielten.

Und der Halt im Schuh daselbst? Schützten Schuhe die Füße?
Zuweilen hält die Sohle bombenfest im Untergrund, in den sie sich förmlich hineinkrallt – nur der Fuß rutscht im Schuh umher. Dazu spürt man jedes Steinchen durch die Sohle.
Letzteres habe ich kaum erwartet, Keen sorgte mit der Sohlenkonstruktion dafür, dass Prinzessinnen über Erbsenplantagen wandern können, ohne den zarten Füßlein Gewalt anzutun.
Zumindest meine Füße behielten ihren angestammten Platz im Schuh ohne große Rutscherei. Das Band, welches seitlich am Fuß von der Schnürung zur Sohle geht, mag hierzu einen Beitrag leisten.

Übrigens: auch bei fester Schnürung fühlen sich die Füße nicht eingeschnürt an.

Fazit
Als ich den Artikel schrieb, drängte sich ein Begriff in den Vordergrund, der die Keen Marshall für mich gut bezeichnet: der Landrover unter den Schuhen. Klar, sie sind als Wanderschuhe gedacht, eignen sich mit Abstrichen aber auch für eine Vielzahl anderer Aktivitäten.
Ich stelle sie mir zum Beispiel als Universalschuh vor, wenn ich mal mit wenig Gepäck reisen möchte: als Reiseschuh, für den Stadtbummel, eine Wanderung – und für den verlockenden Trailrun zwischendurch.

Feet in the Clouds

„Fell“ nennen die Briten ihre Berge. Fell Running bedeutet, im hügeligen Gelände so schnell als möglich vom Start zum Ziel zu gelangen. Bei jedem Wetter. Meistens in direkter Linie bergauf, und in Falllinie wieder herunter. Egal, ob Geröll oder Gras, das Tempo „halsbrecherisch“.
Über diese faszinierende Sportart schrieb Richard Askwith das Buch „Feet in the Clouds“.

feet in the clouds
„Fell“ nennen die Briten ihre Berge. Fell Running bedeutet, im hügeligen Gelände so schnell als möglich vom Start zum Ziel zu gelangen. Bei jedem Wetter. Meistens in direkter Linie bergauf, und in Falllinie wieder herunter. Egal, ob Geröll oder Gras, das Tempo „halsbrecherisch“.

Über diese faszinierende Sportart schrieb Richard Askwith das Buch „Feet in the Clouds“.

Das Werk zerfällt grob in zwei Erzählstränge, deren Kapitel sich abwechseln. Askwith berichtet von seinen eigenen Anstrengungen, die Bill Graham Round im Lake District (rund 100 km und 8000 Höhenmeter, genau lässt sich das nicht sagen, weil beim Fell Running jeder Läufer seinen eigenen Weg sucht) zu vollbringen, während im Wechsel dazu ein Kapitel mit Laufevents, Leuten und Legenden. Die Gliederung liefern die Monate eines jeden Jahres, was insofern praktisch ist, als Fell Running das ganze Jahr über betrieben wird.

Das Buch ist recht gut geschrieben, zuweilen blitzt etwas britischer Humor durch, allerdings will ich nicht verhehlen, dass der Funke nur manchmal überspringen wollte. Zu fern liegt die Fell Running-Gemeinschaft, als dass der noch nicht infizierte Leser gerne über einen unbekannten Lauf in einem unbekannten Ort lesen möchte. Noch eine lebende Legende? Ein weiterer Ort mit jahrzehntelanger Tradition?

Es wollte nicht immer funken.

Lichtblicke liefern jene Kapitel, die einen interessanten Einblick in den Zwist zwischen „Amateuren“ und „Profis“ geben. Ein Konflikt, der bisweilen groteske Züge angenommen haben musste.

Und Askwith ist hochaktuell in jenem Teil, der das Thema Sicherheit bei Fell Running Veranstaltungen diskutiert. In dem er von einer Sportart im Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne berichtet. Traditionelle Veranstaltungen, die sich einem breiteren Publikum öffnen, um sinkenden Teilnehmerzahlen zu begegnen, damit aber gleichzeitig ein Publikum anzuziehen scheinen, welches die Verantwortung für die eigene Sicherheit in den Händen des Veranstalters sieht.

Ist „Feet in the Clouds“ nun ein lesenswertes Buch?

Bei Schneeregen in Höchstgeschwindigkeit über Stock und Stein einen Abhang herunterzurennen, den andere Menschen rückwärts auf allen Vieren zurücklegen, ist vollkommen durchgeknallt. Eine gute Idee also. Askwith gelingt es, bei allen Längen, die das Buch zum Teil hat, die Faszination von Fell Running zu transportieren.

Ja, „Feet in the Clouds“ ist, als eines der ganz wenigen Bücher zum Thema, unbedingt lesenswert!

Taschenbuch: 352 Seiten

Verlag: Aurum Press; Auflage: PB Reissue (9. Mai 2013)

Sprache: Englisch

ISBN-10: 1781310564

11,17 €

Julbo Zebra Ultra

„From Dawn to Dusk“ sagt Julbo selbstbewusst über die Zebra Ultra. Von früh bis abends? Photochrome Gläser sind mal ein guter Anfang, leicht ist sie auch. Ich werde sehen…

julbo3Ich laufe gern mit Sonnenbrille, obwohl ich beim Laufen ungern eine trage. Und ich sehe ein, dass ich eine Erklärung schuldig bin, die das Paradoxon auflöst. Ja, mir ist es lieb, wenn es mir erspart bleibt, bei schönem Wetter andauernd die Augen zuzukneifen. Strengt schließlich an, ich warte noch drauf, dass sich bei einem sonnenreichen Sommer Waschbrettstrukturen in meinem Gesicht herausbilden. Strandmuskeln mal anders!
Dagegen nervt es mich, wenn im Laufe eines langen Laufes Schweißschlieren an den Gläsern absetzen. Den trüben Blick würde ich mir lieber ersparen.
Dann muss eine Brille gescheit sitzen: Weder soll sie den Nasenrücken kitzeln, noch auf und ab hüpfen. Auch darf sie nirgends drücken, oder vom Kopf fallen.
Und was tue ich bei wechselnden Lichtverhältnissen? Rein in den Wald: Schatten. Lichtung: Sonne. Wolken: Halbhell.

Soweit die Herausforderung.

Auftritt: Julbo Zebra Ultra.
Julbo selbst hakt auf der Website einige der Punkte in meiner Einleitung ab, also eröffne ich mit einer Checkliste, die ich später zu prüfen gedenke:

  • Belüftung gegen Schweißschlieren? Check!
  • Tönung passt sich den Lichtverhältnissen an? Check!
  • Guter Halt? Check!
  • Leicht und meiner Anatomie anpassbar? Check!

Nun denn, wenn die Brille – wieso nenne ich das Ding eigentlich Sonnenbrille, wenn es erstens auch ungetönt lebt, und zweitens auch Wind von meinen Äuglein fernhalten will? Auf dem Fahrrad kann ich sie schließlich auch tragen. Sportbrille würde besser passen! Was die Macht der Gewohnheit halt so macht.

Gewicht: 30 g (ohne Hülle und Transportbeutel, gewogen)

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Leicht ist sie in der Tat, die Zebra Ultra. Das schwerste Teil des Ensembles, das aus einer recht festen Box und einem leichteren Transportbeutel besteht (plus Putztuch und Gebrauchsanleitung), ist die Box, während die Brille so gut wie nichts wiegt. Dreißig Gramm eben.
Erfreulicherweise sind die meisten Anbauteile geschraubt, im Falle des Falles lässt sich also ein Teil austauschen. Sehr reparaturfreundlich, sowas gefällt mir.
Rauf auf die Nase, vor die Augen mit dem Ding!

Test
Bedingungen: um 20°C, wolkig
Wolkig, das bedeutet: ideale Bedingungen mit wechselnden Lichtverhältnissen. Warm genug für die Schweißproduktion.
So begebe ich mich auf eine schöne Runde, die mich über freie Felder in den Wald, und von dort wieder zurück führt. Mir fällt auf, dass mir nichts auffällt. Anders ausgedrückt: ich trete aus dem Haus, und ertappe mich anfangs dabei, dass ich öfter nach meinem Gesicht greife, um mich davon zu überzeugen, dass ich die Brille noch aufhabe. Ein gutes Zeichen, eigentlich sind mir die Klamotten (ich werfe die Brille in diese Kategorie) sympathisch, die ich nicht merke.
Dieses Kaum-Spüren blieb übrigens bis zum Schluss erhalten, was für mich den Schluss einer tagestauglichen Brille nahe legt.

Zur Unspürbarkeit leisten die photochromen Gläser einen großen Beitrag. Gläser ist gut, aus Glas sind die Gläser natürlich nicht, anders wäre die Zebra deutlich schwerer. Ich tippe auf Polycarbonat. Woraus sie auch sein mögen, die Tönung reagiert überaus rasch auf mehr oder weniger Helligkeit, und das ist gut so, denn ich bin ein echtes Sensibelchen. Brillen mit fester Tönung setze ich hektisch auf- und wieder ab, das hat schon den Charakter von Armcurls. So schone ich wertvolle Kraftreserven: meine Arme bleiben unten.

Weil mir diese Anpassungsleistung gar so umbemerkt vonstatten ging, habe ich zuhause mit einem einfachen Versuchsaufbau herumgespielt. Eine Seite im Sack, die andere in der Sonne. Sack weg, und warten, wie schnell beide Seiten die gleiche Tönung angenommen haben. Die Fotos wurden im Abstand von ungefähr zehn Sekunden aufgenommen, der limitierende Faktor war nicht die Brille, sondern die Speicherung der Kamera!
Bei genauem Hinsehen erkennt man, dass im vorletzten Bild das rechte Glas etwas heller ist als das linke.


Von meinem kläglichen Versuch, gleichzeitig Auslöser und Stoppuhr zu betätigen, während ich (mit welchem Körperteil überhaupt?) den Beutel von der Brille ziehe, möchte ich nicht weiter berichten…
Weil’s gar so ungenau war, würde ich von vielleicht 15 Sekunden ausgehen, die zwischen „heller Tönung“ und „dunkel“ vergehen.
Lassen wir die Zahlen mal weg: in der Praxis reicht die Reaktionszeit locker, um die Brille aufzulassen. Was das betrifft, war mein Timing perfekt, denn es begann zu dämmern, als ich mich gen Heimat wandte. Die Brille blieb auf der Nase, und mir der Durchblick erhalten.

Womit ich beim Punkt Schlieren angekommen bin: am oberen Rand der Gläser verläuft ein schmaler Spalt, welcher der Belüftung dient. „Full Venting“ nennt Julbo das. Aus dem Marketingsprech ins Deutsche übersetzt, verfüge ich also über eine vollbelüftete Brille. Ob sie das Beschlagen verhindert, werde ich bei schlechterem Wetter mal ergründen, mein übliches Schlierenthema ist jedenfalls keins gewesen. Wieder ein Punkt abgehakt!

Und wie fest sitzt das Ding? Aktives, keineswegs freiwilliges, Stolpern trug zum Erkenntnisgewinn bei, nachdem ich sowohl Gleichgewicht als auch Fassung wiedergewonnen hatte, befand sich die Brille in der selben Position am unaufmerksamen Haupt wie zuvor. Ich brauchte nichtmal Nachjustieren.

Fazit
Kurzes Schielen auf meine Wunschliste. Alle Wünsche erfüllt, passt!

CEP Night Calf Sleeves 2.0

Kompression und ich sind zwei Welten, die nicht zwingend kompatibel sind. Weil ich indes gerne Sachen ausprobiere, habe ich die Gelegenheit beim Schopfe gepackt, um herauszufinden, ob mir Sleeves von CEP gut zu Gesichte – besser gesagt: an die Waden – stehen.

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Kompression und ich sind zwei Welten, die nicht zwingend kompatibel sind. Weil ich indes gerne Sachen ausprobiere, habe ich die Gelegenheit beim Schopfe gepackt, um herauszufinden, ob mir Sleeves von CEP gut zu Gesichte – besser gesagt: an die Waden – stehen.

Beschreibung CEP Compression Sleeves
Material: 79% Polyamid, 21% Elasthan
Farbe: leuchtend orange

Kompressions-Sleeves für die Unterschenkel in Leuchtfarbe

Erster Eindruck
Ich besitze seit ein paar Jahren Kompressions-Strümpfe von CEP, mit denen ich eher zwiespältige Erfahrungen gemacht habe. An zwei 24-Stundenläufen getragen hatte ich beide Male schmerzhafte Schwellungen am Übergang zwischen Fußspann und Schienbein.

So etwas prägt.

Andererseits erinnere ich mich, dass mir auf langen Strecken manchmal der Gedanke in den Sinn kommt, ein sanfter Druck an der Wade könnte recht angenehm sein. Kurzum: vielleicht passt es ja, wenn nur die Wade? So habe ich das Angebot von CEP zum Testen gerne angenommen.

Die Sleeves selbst sehen in knallorange witzig aus, heben sich von der schwarz-weißen Monokultur in meiner Sockenlade wohltuend ab. Das Material fasst sich ganz angenehm an, nur: wie klappt das Anziehen? Erstaunlich gut, ohne den Fußteil fällt die Würgerei an der Ferse weitgehend weg. Ohne Bewegung stört die Kompression kaum, ich bin gespannt, wie es sich beim Laufen verhält.

Test
Wetter: etwa 8°C, sonnig
Klar merke ich, dass die Waden mehr Druck abbekommen als sonst. Auch jetzt, nachdem ich die Sleeves ein paar Mal anhatte, bin ich mir nicht im Klaren darüber, ob mich der Druck im Allgemeinen stört oder nicht. Bei Tempoeinheiten hatte ich allerdings schon den Eindruck, es würde mich etwas hemmen, seither tue ich dies mit ohne Kompression.

Sehr angenehm fand ich weniger das Zusammendrücken, sondern die Möglichkeit, den Temperaturhaushalt an den Waden durch Hinauf- oder Herunterschieben zu regulieren. Vielleicht nicht ganz im Sinne des Erfinders, wohl aber ein Komfortgewinn für mich. Ich kann mir gut vorstellen, die Sleeves, ähnlich wie Armlinge im Rucksack mitzuführen, um sie entweder als Wärmespender, oder für zeitweilige Kompression einzusetzen.

A propos Kompression: Weil ich auf meinen subjektiven Eindruck angewiesen bin, will ich mir kein Urteil über ihren Einfluss auf Ermüdung oder Leistung erlauben. Soweit ich weiß, ist die Frage nach Sinn und Unsinn, nach dem Nutzen von Kompression noch nicht eindeutig beantwortet. Also bleibe ich subjektiv: ich finde es im Einzelfall ganz angenehm, würde im Zweifel aber darauf verzichten.

Fazit
Sehen cool aus – und liefern zuweilen erfreulichen Druck an den Waden. Mir ist das nach dem Training lieber, die Regenerationsstrümpfe sind jedoch eine andere Geschichte. Fortsetzung folgt!
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Rough Stuff Lodenweste

Loden ist, was Softshell gerne wäre: wind- und wasserabweisend, warm, geruchsneutral, und, und, und. Von Rough Stuff aus Gütersloh gibt es eine Weste, die sich Läufer näher ansehen sollten. Ich habe genau das getan.

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Loden? Zum Laufen? Spinnt er jetzt völlig? Keineswegs. Im Gegenteil, ich habe alle meine Sinne beisammen. Denn Loden ist, was Softshell gerne wäre: wasserabweisend, winddicht, warm, robust… Und obendrein geruchsabweisend. Wenn das kein Grund ist, die Weste von Rough Stuff auf ein Läufchen mitzunehmen!

Beschreibung Rough Stuff Weste
Material: 100% gewalkte Schurwolle, Netzfutter aus 100% Polyestergewebe
Farbe: schwarz / grau
Gewicht: 477g (Größe M, gewogen)

Die hüftlange Weste mit Stehkragen hat vorne einen Reißverschluss mit Windschutz. Drei Taschen (eine davon als Napoleontasche in Brusthöhe sind aus Netzstoff, so dass sie geöffnet als zusätzliche Belüftung dienen. Schnürzug im Bund.

Erster Eindruck
Die Weste fasst sich genau so an, wie ich es mit Loden verbinde: einerseits weich, aber doch etwas steif und rau. Nichts, was ich auf der bloßen Haut tragen wollte, stattdessen Vertrauen einflößend. Etwas Pathos gefällig? Der Stoff scheint mir zuzuraunen: lass‘ uns nach draußen gehen, ich passe auf dich auf. Geduld, werte Weste, gleich geht’s raus.

Weil ich von Textiltechnik überhaupt keine Ahnung habe, schaue ich auf das Offensichtliche. Ob Nähte krumm verlaufen, Fäden lose herumhängen, oder irgendwas schief sitzt, oder sonst komisch ausschaut. Soweit ich es als Laie beurteilen kann, ist die Verarbeitung perfekt.

Mir passt die Weste in Größe M wie angegossen: Sie sitzt einfach „satt“ am Körper. Nichts zwickt, nichts engt ein – und nichts schlabbert herum, wobei ich noch genug Platz habe, um einen Pullover drunter zu tragen.

Es folgt der für mich unvermeidliche Kragentest: Reißverschluss zu – und intensiv auf den Halsbereich konzentrieren. Wie sitzt der Kragen? Vermag er den Hals zu schützen, ohne mir die Luft abzuschnüren? Stört der Reißverschluss?

Hohe Ansprüche, ich weiß.

Bei der Rough Stuff Weste ist die Höhe perfekt, ebenso der Umfang. Es bleibt ein knapp fingerbreiter Spalt, der für mich völlig in Ordnung ist. Wäre er enger, würde der Loden an seine Grenzen stoßen (Loden dehnt sich weniger als etwa Fleece), und das „drunter“ dürfte seinerseits keinen Kragen haben. Auch der Reißverschluss ist kaum zu spüren, dem kleinen Schutz sei Dank. Besser wäre nur noch ein diagonal verlaufender Reißverschluss. Rough Stuff hat meinen kritischen Kragentest mit Bravour bestanden.

Und die Armlöcher? Auch da bin ich kritisch, seit ich als Kind mal einen Pulli hatte, der mich einschnürte. Nach zweimaligem Tragen habe ich mich ihm verweigert. Die Lodenweste werde ich öfter tragen!

Bleibt der Rest: die Taschen sitzen dort, wo ich sie erwarte, um meine Hände zu wärmen oder Gegenstände unterzubringen. Weil die Netze, aus denen die eigentlichen Taschen genäht sind, an drei seiten festgenäht wurden, bilden sie sogar nach oben offene Innentaschen. Ich würde wahrscheinlich nichts dick auftragendes hineinstopfen wollen, weil die Weste gar so gut am Körper sitzt. Aber es ist schön zu wissen, dass ich könnte, wenn ich wollte.
Am Saum gibt es einen Gummizug, mit dem er sich dichtziehen lässt.

Bevor ich es vergesse: als feinmotorisch herausgeforderter Mensch weiß ich es sehr zu schätzen, dass der Reißverschluss sich gut einfädeln lässt. Zum Hinsetzen wäre ein Zweiwege-RV praktisch, der sich auch von unten öffnen lässt, damit die Weste nicht hochrutscht.

Leicht ist sie mit ihren knapp 500 g übrigens nicht. Grammjäger werden nach Alternativen suchen; ich für meinen Teil sehe sie als Universalweste mit breitem Einsatzbereich. Auch und gerade für die Phase nach dem Training, wenn ich etwa noch kurze Zeit im Auto unterwegs bin. Da lobe ich mir die Klimaanlage am Körper. Was kratzen mich da ein paar Gramm mehr.

Test
Wetter: etwa 6°C, windig, bedeckt. Teils leichter Nieselregen
Drunter: Craft Zero Longsleeve

„Schütze deinen Rumpf“ hört und liest man ja immer wieder, und eine Weste trägt ihren Teil dazu bei, was den oberen Teil des Leibes betrifft. Das Wetter schien mir daher für einen Test der Lodenweste goldrichtig, denn Dauerregen hätte trotz der wasserabweisenden Eigenschaften von Loden nach einer Regenjacke verlangt, während mich höhere Temperaturen nur hätten schwitzen lassen.

So aber: Weste an und hinaus!

Wie immer ist es zu Beginn eines Laufes etwas kühl an den Armen. Nachdem ich das schon kenne, lief ich frohen Mutes weiter, und achtete auf das Wohlbefinden am Oberkörper: warm. Angenehm warm. Es fühlte sich an wie von einem kleinen Ofen beheizt. Daran änderte sich nichts, als ich auf „Betriebstemperatur“ war, mein Körper also mehr Wärme abführen musste. Das also bedeutet Temperaturausgleich bei Loden. Ich bin beeindruckt.

Selbst kräftigere Windböen kamen nur soweit durch, dass ich sie wahrnehmen konnte. Ich hatte während des gesamten Laufes den Eindruck, gut belüftet, jedoch nicht zugig unterwegs zu sein. Der auch bei Membranjacken und Windbreakern oft vorkommende Wärmestau blieb aus. Auch auf Loden trifft zu, was mir bei anderen Kombinationen mit Naturstoffen schon aufgefallen war: sie schaffen ein tolles Körperklima!
Oder, wie im Netz über Loden zu lesen steht: das Material wirkt temperaturausgleichend. Stimmt!

Leichter Nieselregen zwischendrin perlte an der Weste ab wie Tautropfen auf einem frisch lackierten Ferrari. Zu poetisch? Nicht doch, der Satz ist mir gerade eingefallen, jetzt bleibt er drin. Nochmal sachlich: leichter Regen perlt ab. Sollte es stärker gießen, dringt das Wasser zwar durch, der Stoff hält trotzdem warm.

Zwischenzeitlich war ich ein paar Mal mit der Weste unterwegs gewesen – ich kann bestätigen, dass sie keinerlei Geruch entwickelt hat. Spart auf Etappenläufen schonmal ein Kleidungsstück, denn diese Weste macht auch „zivil“ eine gute Figur. Samstag Wandern, Sonntag Laufen – Montag ins Büro: das geht!

Fazit
Wenn’s nicht auf das Gramm ankommt: schick und mit beeindruckender Funktion. Klimaanlage für den Oberkörper!

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wenn ich will, kann ich auch lächeln