Völlig unsportlich: Ich schreibe ein Buch.

„Ich schreibe ein Buch.“ Für jemanden wie mich, der ausgesprochen gerne liest und das eine oder andere Buch im Bücherregal stehen hat, ist ein solcher Satz, der auf ein erstes selbst verfasstes Buch deutet, ein sehr besonderer: Ich schreibe ein Buch.

Worum geht es in diesem Buch, und wieso schreibe ich es?

Beginnen wir mit der Antwort auf den zweiten Teil der Frage, denn das geht sehr einfach. Ich schreibe es, weil ich es nicht lesen kann. Klingt wirr? Nun, eigentlich suchte ich vor langer Zeit nach einem Buch zu einem speziellen Thema, das mich sehr interessiert. Nicht tiefgründig brauchte es sein, nur so, dass mein Wissensdurst gestillt würde. Leider war meine Recherche damals ziemlich erfolglos, denn ich förderte gerade mal ein paar Artikel zu Tage. Die wiederum ließen viele Fragen offen und waren mir letztlich zu flach.

Ihr versteht mich, oder?

Ich wollte nicht schreiben, nur lesen. Da es jedoch bis heute kein Buch gibt, das meinen Vorstellungen auch nur annähernd nahekommt, muss ich eben selbst recherchieren. Und wenn ich schon recherchiere, wenn ich die Ergebnisse dieses Tuns schon zusammenfasse, wenn ich schon weiterführende Gedanken habe, die ich schriftlich reflektiere, dann… Ja, dann kann ich ebenso gut ein Buchprojekt daraus machen.

Worum geht’s?

Wie beheizt man ein Elektroauto? Diese Frage kreiste in meinem Kopf, als ich vor etlichen Jahren an einem kalten Wintertag ins Büro fuhr – mit Heizung und Sitzheizung bescherte der alte Diesel mir ein behagliches Raumklima, und meine Überlegungen führten mich zur Spekulation über die Ursprünge von Fahrzeugheizungen. Nachdem, wie gesagt, eine kurze Suche nach Literatur neben knappen Abschnitten in automobilhistorischen und -technischen Büchern, lediglich einige wenige Online-Artikel ergab, nahm ich, wie ebenfalls schon gesagt, die dümmlich-polemische Aufforderung „recherchier‘ doch selbst!“ erstens vorweg und zweitens mir zu Herzen.

Im Laufe der Jahre (obige Fahrt muss so um 2010 stattgefunden haben), kamen weitere Aspekte dazu, zum Beispiel hatte ich die Klimaanlage erst nicht berücksichtigen wollen, und Cabrios sind mir sowieso egal. Wärmedämmendes Glas? Auch unwichtig, ebenso wie Lenkradheizungen und anderes. Nunja, ich habe mich dazu entschlossen, das ganze Thema Klimatisierung zu behandeln. Einschließlich Cabrios, wärmedämmendem Glas, Lenkrad- und Sitzheizungen.

Und mit dieser dunklen Folie für die Scheiben, die in den 1990 er Jahren in Mode kam und die ich als Fickfolie kenne.

Woher allerdings rührt der der Gedanke an die Möglichkeit derartiger Systeme? Das will sagen, was hat die Menschen damals zur Entwicklung von – zunächst – Heizungen inspiriert? Und inwieweit wird der Innenraum des Fahrzeugs zu einem als solchem wahrgenommenen Raum, dessen klimatische Bedingungen kontrolliert werden können und sollen? Und wer kontrolliert das? Soll das Auto erkennen, wenn wir schwitzen oder frieren, und die Temperatur entsprechend einstellen, so wie Muttchen? „Kind, du frierst, ich mach‘ dir warm.“. Da winkt die Technikphilosophie und grinst, weil sie sich darüber freut, mich inspiriert zu haben.

Wenn außerdem das Fahrzeuginnere durch eine Hülle zur Welt begrenzt ist, die die Insassen umgibt, beeinflusst dies wiederum deren Wahrnehmung der Welt, macht sie überhaupt erst zu einem Draußen. Ohne Karosserie kein Draußen, kein Drinnen und auch keine Insassen. Anders formuliert stellen HVAC-Systeme1, wärmedämmendes Glas und andere Einrichtungen den Insassen eines Automobils einen thermisch komfortablen, mobilen Raum bereit, der gerade deshalb die Weise verändert, in der sie sich auf die Welt beziehen.

Also wird’s einen philosophischen Teil geben, in dem ich mich auch mit der Begriffsgeschichte von Komfort und der von Klimaanlage befasse. Wer hätte vermutet, dass Air Conditioning auf einen 1906 gehaltenen Vortrag zurück geht? Interessiert halt nur wenige Menschen, wobei ich es für essenziell wichtig halte, sich über Begriffe zu verständigen und sie korrekt zu verwenden. Ich musste schon oft grinsen, wenn ich Meinungsverschiedenheiten mitbekam und dabei beobachteten konnte, dass beide Parteien sich nichtmal darüber einig waren, wovon sie denn genau reden.

Muss eine Klimaanlage kühlen können?

Kommt darauf an. Noch in den 1950er Jahren war es kein Problem, die Kombination aus Heizung und Lüftung als Klimaanlage zu bezeichnen. Eine Klimaanlage muss nach Norm2 auch die Feuchte regeln können, also hätten aktuelle Autos „nur“ eine Teilklimaanlage. Auch wenn’s im Winter warm und im Sommer kühl ist. Da hilft es dann doch, wenn man sich Klarheit verschafft.

Fun facts gibt es übrigens auch.

Zum Beispiel findet man hie und da den freudigen Ausruf, eine Frau habe „die“ Autoheizung erfunden (was auch immer das heißen soll. Es gibt etliche verschiedene Heizsysteme und dazu wieder zahlreiche Patente…). Margaret Wilcox. 1893. Sogar ein Patent hat sie dafür bekommen! Das liest sich gut, ist aber leider Unsinn. Google Patents zum Dank kann man im Patent nachlesen, dass es Frau Wilcox für eine Variante der Heizung von Eisenbahnwaggons erteilt wurde. Railroad Cars eben, woraus irgendwer, wenn dann mal nur Car da steht, gleichermaßen messerscharf wie am Ziel vorbei folgert, dass damit ein Auto gemeint ist. Was Margaret wohl dazu gesagt hätte? In ihrem Auto womöglich, welches mangels Karosserie und wegen sehr großer Nähe zur Kutsche sowieso keine anderen Heizeinrichtungen hätte haben können als das, was von Kutschen bekannt war.

Man hatte als Konstrukteur sowieso andere Sorgen, als Heizung. Die Karren mussten erstmal verlässlich fahren, fröstelnde Passagiere mussten selbst zusehen, dass ihnen warm wurde.

Wer mich kennt, dürfte sich nicht allzu sehr über das selbst gewählte Nischenthema wundern, finden sich in meinen Bücherregalen doch Werke über die Geschichte der Kettenschaltung bei Fahrrädern3, Achsschenkellenkung4 und Gegenkolbenmotoren5. Und da habe ich Philosophie noch nicht erwähnt, die vielen Menschen von vorne herein als „nischig“ gilt. Ich mag solches Zeug, stehe auf Nerd Talk. Youtube liefert mir auch Beiträge von klugen Leuten, die über Themen reden, von denen ich nicht nur rein gar nichts verstehe, sondern die mich auch nullgarnicht interessieren – Gesang zum Beispiel. Dennoch höre ich da gerne zu, lasse mich belehren beeindrucken. Belehren auch, aber lieber dann, wenn ein Funke Interesse in mir glüht.

Ich habe Fragen über Fragen.

Wobei….so viele sind es nicht. Ich meine, ein Buch wie dieses darf eigentlich in keinem Haushalt fehlen. Deshalb muss ich mir wohl Gedanken machen, was ich mit der vielen Kohle mache, wenn ich die Bestsellerlisten (alle!) gestürmt habe. Was ist mit den Filmrechten? Muss ich da einzelne Verträge mit jedem machen? Ich habe echt keinen Bock, halb Hollywood, Netflix und Amazon vor meiner Wohnungstür stehen zu sehen. Am Ende wollen die auch noch einen Kaffee angeboten bekommen. Dann doch lieber ein einziger Vertrag für alles.

Und wie geht’s dann weiter? Der Film zum Buch, das Buch zum Film, Prequel zum Sequel und Teil zwei bis fünfundneunzigeindrittel? Die Schauspieler sollen sie sich mal schön selbst aussuchen. Mit Promis kenne ich mich eh nicht aus, das können andere besser. Wozu haben diese Filmläden schließlich Personal?

Nobelpreis, Oscar und solches Zeug können sie sich sparen. Diese affigen Klamotten, die bei der Preisverleihung anscheinend Usus sind, ziehe ich nicht an. Ich könnte natürlich auch in meiner üblichen Kleidung kommen, nur ändert das nichts am Rahmen. Diese feierliche Gestelztheit. Nä. Bäh.

Aber wahrscheinlich habe ich Glück, und das Buch wird nur von einer Handvoll Leute überhaupt zur Kenntnis genommen. Leute, die das Thema interessiert und, so wie ich, einfach nur darüber lesen wollen. Irgendwer muss es halt schreiben.

Und das macht mir eine Riesenfreude.

  1. Heating, Ventilation, Air Conditioning ↩︎
  2. DIN EN 12237:2003-07. Das trifft naturgemäß dort zu, wo die Norm gilt. ↩︎
  3. Berto, F.J.: The Dancing Chain, Cycle Publishing, San Francisco 2017 ↩︎
  4. Eckermann, E.: Die Achsschenkellenkung und andere Fahrzeug-Lenksysteme, Deutsches Museum, München, 1998 ↩︎
  5. Pirault, J.-P. und Flint, M.: Opposed Piston Engines, SAE International, Warrendale, 2010 ↩︎

2 Gedanken zu „Völlig unsportlich: Ich schreibe ein Buch.“

  1. Mein lieber Herr Gesangverein, äh, Mr. Kettlebell !! Was für ein Beitrag !! Erst mal zur Länge: Gründlich, möglichst alles erwähnt zu haben , wie es so deine Art ist. Zum Zweiten: Das Thema !! Puh, wäre nie auf diese Ideen gekommen, die dich beschäftigen – und dann noch ein Buch darüber schreiben, recherchieren, recherchieren…..

    ABER – wie du schreibst, irgendjemand muss es ja schreiben, und warum nicht DU ? Wobei ich persönlich mir prickelndere Themen vorstellen könnte, aber das bin ja nur ich. Sicherlich wird es auch Menschen geben, die sich dafür interessieren.

    Das mit dem Film zum Buch, affige Klamotten, Preisverleihung & Co. lass mal erst beiseite, wenn es dann soweit sein wird, werde ich im kleinen Schwarzen an deiner Premiere erscheinen, so wie sich das gehört für anständige Leute. Was hälst du davon ?

    Bis es dann soweit sein wird, haben wir ja noch genügend Zeit, um dann in Ruhe über die nächsten notwendigen Schritte nachzudenken.

    Ach ja, du bist schon EINER – was macht dein Knie ?

    Grüße von der völlig verregneten Ostsee

    1. Hallihallo Frau Nordlicht! 🙂 Ich habe Ideen für weitere Bücher, aber das im Artikel beschäftigt mich schon so lange. Und es macht Spaß, auf eine sehr befriedigende Weise.

      Danke für dein Angebot mich in kleinem Schwarzem (gerne auch andere Farbe) bei den Feierlichkeiten zu vertreten, auf denen ich abwese. 😉 Mein Knie freut sich auf einen Termin beim Orthopäden, bis dahin kooperiert es, wenn’s zum – sogar zügiges! – Gehen geht. Auch testweise Deadlifts mit sehr moderatem Gewicht goutierte es.

      Grüße aus dem abwechslungsreichen Süden!

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