
Essen. Eines der komplexesten Dinge, mit denen sich der gemeine Läufling befassen darf. Was nehme ich zu mir – „normales Essen“ oder besser ein Gelriegelpulver? Und welches?
Gewiss kann man Versuchsreihen starten, ganz pragmatisch ist indes der Selbstversuch. Kurz gesagt: nach kurzem Nachdenken bereitete ich mir für den Grand Défi des Vosges ein „Fresspaket“ mit Xenofit-Produkten.
Der Rahmen war einerseits durch den Lauf selbst gegeben: rund 55 km mit Verpflegungen nach 20, 38 und 46 km. Ich wusste von meinen letzten Teilnahmen, dort würde mich Vollverpflegung erwarten: Honigkuchen, Obst, Wurst, etc. Kurzum würde jegliches Gelüst nach süß oder salzig befriedigt werden.
Außerdem würde ich meine Trinkblase mit Wasser auffüllen.
Andererseits habe ich ein paar einfache Kriterien festgelegt, welche die Ergebnisse mit weiteren Versuchen vergleichbar machen:
– Geschmack: schmeckt es mir?
– Verträglichkeit: bekomme ich Magenprobleme? Entsteht Völlegefühl?
– Handhabbarkeit: lassen sich die Packungen leicht öffnen? Kann ich die Portion nur teilweise essen?
– Wirkung:
Xenofit setzt, wie die meisten Hersteller von Sportnahrung, auf zwei grobe Richtungen: Nahrungsergänzung mit Spurenelementen wie Kalium und Magnesium, sowie Energiezufuhr. Bei letzterer kann man sich zwischen Riegel, Gel und Pulver als Darreichungsform entscheiden.
Damit die Sache einfacher wird (in solchen Momenten bin ich froh, nur Sportler zu sein. Ich kann mir Sachen erlauben, für die ein Biochemiker, Ernährungswissenschaftler, Mediziner oder welche Berufsgruppe normalerweise Tests durchführt, vor Scham in Grund und Boden versänke), richtete sich mein Blick nur auf die Energiemenge in den Gelriegelpulvern.
Mein Fresspaket:
In die Trinkblase mit knapp zwei Litern Wasser leerte ich zwei Packungen Xenofit Competition (Geschmacksrichtung Früchtetee).
Messerscharf, in beinahe Holmes’scher Manier, schlussfolgerte ich, dass die Nährstoffkonzentration im Laufe des Laufes stark abnimmt, wenn ich nur Wasser nachfülle. Also packte ich noch einige Riegel ein – Schokolade/Nuss und Aprikose, um sie zwischen den Verpflegungen zu mir zu nehmen.
Über Geschmack lässt sich bekanntermaßen trefflich streiten, wenn ich einen Wunsch frei hätte, ich würde mir Läuflingsfutter ohne zugesetzte Geschmacksstoffe wünschen. Die Aufschrift „Früchtetee“ ließ mich mit Schaudern an den ersten Schluck denken -erfreut konnte ich feststellen, dass mir das Zeug gut mundete. Bei den Riegeln hingegen entwickelte ich schnell eine Vorliebe für die Schoko-Variante, die Aprikosensorte geht zwar runter, aber eher aus Pflichtgefühl. Ist wie bei Medizin: braucht nicht schmecken, muss nur wirken.
Im Ernst: Schoko schmeckt mir wirklich besser. Jetzt bin ich auf die anderen Sorten im Angebot gespannt.
Ich will meine Standardassoziation der Riegelkonsistenz mit Holzmehl nicht überstrapazieren, wer mag, darf alternativ gerne an mit Honig verklebtes Mehl denken. Autoschrauber liegen nicht ganz falsch, wenn der Begriff „Spachtelmasse“ in ihrem Kopf auftaucht. Es liest sich boshafter, schlimmer, als es ist, denn in Wahrheit biss ich ab und an ein Stück vom Riegel ab, nahm einen Schluck Flüssigkeit dazu und es war gut. In der Tat esse ich diese Riegel gerne. Sie basieren auf Haferflocken, vor allem ist kein Fett (der „Geschmacksträger“) zugesetzt. Haferbrei für unterwegs, sowas gefällt mir!
Sowohl Pulver als auch die Riegel vertrug ich einwandfrei, einigermaßen regelmäßig eingenommen (Trinken zum Riegel scheint mir eminent wichtig, nicht nur zum Hinunterspülen) blieben die Beine locker und kräftig.
Falls das Gewicht eine Rolle spielt: Ein Riegel wiegt 68 Gramm. Auf längeren Strecken hat man dann gut und gerne das gewichtsmäßige Gegenstück zu einer Wärmeschicht dabei. Ultraleichtfreaks geraten in die Zwickmühle zwischen Verhungern und Erfrieren.
Müsste ich mich zwischen Riegel plus Wasser und Pulver entscheiden (beides auf die gleiche Energiemenge hin dosiert), meine Wahl würde bei langen Strecken, also dann, wenn eine Füllung der Trinkblase nicht für die ganze Strecke ausreicht, auf die Riegel fallen.
Weil Riegel „was zu beißen“ sind.
Und weil mir die Mischerei von Pulver und Wasser spätestens an der dritten Wasserstelle heftig auf den Senkel ginge.
Mit Trinkflaschen anstelle der Blase sähe die Sache vielleicht anders aus. Ich hatte kurz überlegt, ob die leichteren Tüten( 42 g statt 68 beim Riegel) eventuell einen Vorteil brächten, nur: beide Produkte unterscheiden sich kaum hinsichtlich ihres Energiegehalts. Eine Pulvertüte wiegt 42 g und liefert 500 ml Getränk mit 686 kJ, während der 68 g schwere Riegel 1038 kJ beisteuert. Anders formuliert, entspricht die Energiemenge zweier Riegel etwa drei Tüten. Nix Gewicht sparen im Grammbereich.
Fazit: für mich hat die Kombination aus Riegeln und Pulver einwandfrei funktioniert. Unterm Strich entscheidet die persönliche Vorliebe (oder Abneigung gegen Hantierereien). Alles andere ist im Wortsinn Geschmackssache.



