„Sport muss Spaß machen“! So lautete mein Credo, woraus ich ableitete, ein jeder Mensch brauche nur den für sich richtigen Sport zu finden, so er denn überhaupt welchen betreiben wollte. Kürzlich erhielt ich einen Denkanstoß, der mich seither fragen lässt: „Muss Sport Spaß machen?“
Ich will vorausschicken, dass ich nicht vorhabe, in diesem Artikel erstmal darüber zu sinnieren, was das denn eigentlich sein soll: Sport. Da komme ich vom Hundertsten ins Tausendste, und laufe bei jedem zweiten Satz Gefahr, dogmatischen Unsinn zu verkünden wie: Fußball? Das ist doch kein Sport! – Tanzen? Das ist doch kein Sport! – Zumba? Hm….. 😀
Außerdem finde ich Leute cool, die von sich sagen, sie fühlen sich wohl, so wie sie sind und hätten keinerlei Lust auf körperliche Betätigung. Cool, weil sie mit sich selbst im Reinen sind.
Dieser Artikel ist uns anderen gewidmet: allen, die gerne Sport treiben, und denen, die es vielleicht nicht tun, die aber Defizite (oder Überschüsse, auf welche Spiegel und Waage sie hinweisen) an sich erkennen. Eigentlich vor allem für Letztere, denn von ihnen höre ich öfter dass sie Sport treiben müssten, jedoch keine Freude daran hätten .
Schon sind wir beim Thema.
Muss Sport Spaß machen?
Ich selbst bin ja fein raus, weil ich einige Sportarten gefunden habe, die ich liebend gerne ausübe. Anderen Sport – Volleyball, Basketball und alles, wobei Musik eine zentrale Rolle spielt, mögen andere betreiben.
Sport macht (mir) also Spaß.
Wenn ich das aber so stehen lasse, verkenne ich dann nicht den Nutzen von Sport? Entlarve ich mich dann nicht als Anhänger einer Spaßgesellschaft, die an der Oberfläche des Amusements bleibt, ohne weiter über die positive Wirkung von Bewegung nachzudenken? Partygirls und -boys: Sympathisch, smart, substanzlos. Wobei es ja nicht so ist, als würden mir die Folgen meiner Leidenschaft verborgen bleiben: Bessere Beweglichkeit, Kraft, Ausdauer und so weiter.
Kurzum: Das, was viele sich an Lebensqualität wünschen, wie etwa Treppen ohne Verschnaufpause steigen zu können, oder auf einem Bein stehend Socken anziehen, hat zumindest Anteil an der Rolle, die Sport einnehmen kann.
Andererseits: Soll ich Sport mit schwermütiger Bedeutung aufladen, bis dass der Spaß verschwindet? Sport als Arbeit erinnert mich an Wörter wie Beziehungsarbeit, Trauerarbeit, Erholungsarbeit. Ja, arbeiten wir denn nur noch?
Kommt dann ein Mensch nach einem Arbeitstag nach Hause, wo anstelle des Feierabends der Termin mit Sportarbeit auf ihn wartet?
Im Übrigen will ich Arbeit keineswegs als Gegensatz zu Spaß sehen wollen. Auch Arbeit kann / darf / soll /… Spaß machen. Und, vor allem, muss Arbeit Sinn vermitteln. Ich denke, langsam komme ich der Sache näher.
Denn: Halte ich mir vor Augen, dass beim Sport positive Wirkungen über den Spaß hinaus eine wesentliche Rolle spielen, kommt „nur“ eine weitere Facette hinzu. Ich kann Sport treiben, weil er mir Spaß macht, und ich kann Sport für das machen, was er bewirkt.
Mal ehrlich: Zähneputzen macht mir keinen Spaß. Allerdings sehe ich ein, dass es wegen der Mundhygiene nötig ist.
Bad putzen macht mir keinen Spaß. Ich mag aber ein sauberes Bad haben.
Macht mir Kochen Spaß? Nein, verhungern aber noch weniger.
Anders als die Menschen, die mit Hingabe und Leidenschaft in der Küche stehen, bereite ich mein Essen, nunja, aus Pflichtgefühl mir selbst gegenüber zu. Dazu gehören Erfolgserlebnisse, denn wenn’s mir schmeckt, weil ich mich einer „kochlichen“ (inspiriert durch „sportlichen“) Herausforderung gestellt habe: Prima!
Das heißt, wir reden nicht vom Widerspruch „entweder Spaß, oder Arbeit im Sinne von etwas sehr unangenehmen“, sondern von zwei Dimensionen derselbsn Sache. Zwei Zugängen zum Sport. Die Motivation, ihn zu treiben, kann nämlich auch aus der Einsicht in notwendiges Tun kommen.
In früheren Zeiten kannte man den Schulsport als Leibesertüchtigung. Na, klingelt’s? Wir machen den Leib tüchtig. Das erinnert mich an das Motto des Parcours-Gündungsvaters Georges Hébert: Être fort pour être utile – Stark sein, um nützlich zu sein. Ein Ausspruch, der mir wiederum arg spaßbefreit in den Ohren klingt.
Bleiben wir bei uns selbst und bei der Erkenntnis, dass wir Sport auch im Sinne von „ich tue mir etwas Gutes“ verstehen können. Das schließt Spaß keineswegs aus!
Umgekehrt gilt übrigens das Gleiche: Sport darf, kann, soll nützlich sein!
Im Gegenteil: Sport darf, Sport soll Spaß machen. Wohl dem, der die passende Sportart für sich gefunden hat.
Wenn er es nicht tut, bleibt immer noch die Freude über die positive Wirkung.
Und das ist beileibe nicht wenig!