Maslow, ganz oben: Khunu

Yaks, das sind zottige Tiere, wie wir sie aus Reportagen über fernöstliche Länder kennen. Wenn deren Fell sie ihr Fell unter widrigen klimatischen Bedingungen konfortabel kleidet, sollte Wolle daraus dem Menschen Behaglichkeit spenden. So dachte Julian Wilson, um mit Khunu Bekleidung aus Yakwolle herzustellen.

freya_detailYaks. Ich kann mich an ein Buch aus meiner Kindheit erinnern – „Tiere in Berg und Tal“, darin waren zottige Tiere abgebildet. Yaks eben, wobei mir die Bezeichnung „tibetanischer Grunzochse“ besser gefällt.
Ob die Grunzlaute Ausdruck tierischen Wohlbehagens sind, das sich einstellt, wenn der Asiate feine Wollfasern aus dem Fell des Tieres kämmt, entzieht sich meiner Kenntnis. Was ich indes lernen durfte ist, dass Yakwolle sich hervorragend für wärmdende Stoffe eignet. Dies wiederum inspirierte Julian Wilson, als er über ein Geschäftskonzept nachsann.

slingsby_brown_detdie Story
Dieses Sinnen war notwendig geworden als in Julian nach mehreren Jahren im Consulting-Business der Wunsch keimte, anstelle der Geschäfte anderer lieber seinem eigenen Geschäft nachzugehen. Ich wollte etwas Greifbares machen, etwas, das ich jemandem in die Hand geben kann sagte er mir am Telefon.
Darüber hinaus hatte der er Gefallen an Land und Leuten gefunden, und das hieß für ihn: mit der lokalen Gemeinschaft arbeiten. „Mit“ im Sinne von mit ihnen zusammen, gemeinsam mit ihnen, partnerschaftlich – was faire Preise für gute Ware bedingt.

Schnell kamen Yaks ins Spiel, die traditionell als Nutztiere gehalten werden.
Verschiedene Konzepte wurden erwogen und wieder verworfen. Fleisch schied aus, weil dies zwangsweise das Ableben des Spendertieres bedeutet hätte.
Zu guter Letzt blieben mit Molkereiprodukten und Wollkleidung zwei Favoriten übrig. Wolle obsiegte schlicht weil sich Julian für warme Kleidung mehr erwärmen (man beachte das Wortspiel) kann als für Essen.

Warum überhaupt Yakwolle? Obwohl, oder gerade weil Merino im Mainstream angekommen ist, lohnt der Blick auf andere Wollsorten. Die bei Khunu verwendeten, dünnen Fasern der Yakwolle liegen von ihren Eigenschaften (Wärmeleistung zum Beispiel) her zwischen Merino und Kashmere. Der Preis übrigens auch.

Nachdem die Vorbereitungen abgeschlossen, Lieferanten und Partner gefunden waren, schlug 2009 die Stunde für Khunu.

der Macher
Wie bei vielen Gründern in dieser Serie wird auch im Gespräch mit Julian deutlich, dass es vorrangig Werte sind, die ihn antreiben: etwas Eigenes schaffen, unabhängig sein, Fair Play statt Preisdrückerei und Kennzahloptimierung.

Wer es etwas abstrakter mag, kann in Formulierungen wie dem leben des eigenen Lebensstils ebenso die charakteristischen Motive dieses Unternehmertyps finden wie einem Satz, den ich gerne als Originalzitat bringe: I love doing something I believe in.

Besonders bezeichnend, wie ich finde, ist der Umgang von Julian mit dem Wunsch, auch helle Kleidung anzubieten. Dazu muss man wissen, dass Yakwolle von Natur aus dunkel ist. Um sie aufzuhellen ist Bleiche nötig, Bleiche, die leider giftig ist. Und so lange dem so ist, bleibt Khunu dunkel. Sicher keine einfache Entscheidung, die Kuhnu aus meiner Sicht umso glaubwürdiger macht.

Khunus Kernteam besteht aus einer Handvoll Menschen, ein Designer kümmert sich um die Gestaltung.

Slingsby_02die Produkte
Um es vorweg zu nehmen: Khunu macht keine Laufkleidung, auch wenn man manch Teil zur sportlichen Ertüchtigung tragen kann. Eher noch danach – ich sinniere ja gerne über die Zeit nach der Anstrengung…
Der geneigte Khunu-Träger darf sich über klassisch-zeitlose Reise- und Freizeitbekleidung für jeden Zweck freuen.
Ich habe folgendes Szenario im Auge: ein aktives Wanderwochenende mit minimalem Gepäck. Genau ein Pullover. Umziehen unnötig, weil er von den Materialeigenschaften her zum schnellen Gehen – neudeutsch: Hiken – taugt, und vom Aussehen her für den Kneipenbesuch danach. Richtig geraten: Wolle garantiert Wohlgeruch.

Richtig witzig finde ich das (den? die?) Travel Wrap, vom Prinzip her ein Zwischending aus Schal und Plaid: Um den Hals, um Leib und Schultern beim Spaziergang, oder über die Beine auf dem herbstlichen Balkon scheint es ein universeller Reisebegleiter. Auf der Khunu-Website ist ein wunderbarer Artikel, der das ganze Einsatzspektrum beschreibt: Travels with a Wrap

die Vision
Klar, dass Julian aus Khunu keinen Riesenkonzern machen will. Klein und den eigenen Werten treu bleiben, heißt die Devise. Worauf wir uns freuen dürfen, soviel hat er verraten, ist eine Reihe von etwas preisgünstigeren Produkten aus leichterem Material. Das kann der anspruchsvolle Sportler auch bei intensiveren Aktivitäten tragen.

Chrisblackamundsen