Wettersbacher Funkturmlauf

Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah…?

Eben. Da hatte er Recht, der gute Johann Wolfgang. Unser Goethe.

Und wenn ein hübscher Elfer in Spuckweite von meinem Heim stattfindet, wäre ich doch mit dem Klammerbeutel gepudert, würde ich darauf verzichten. Zumal mir die Startzeit mit 19 Uhr sehr entgegenkam: kurz nach Sechs raus aus dem Büro, umgezogen, und ab zum Start. Liegt ja bloß gut zwanzig Minuten von der Stätte meines segensreichen Wirkens weg.

Beim Elfer handelt es sich übrigens keineswegs um ein Erzeugnis des Hauses Porsche, sondern um den Wettersbacher Turmlauf, der auf seinen 11,11 Kilometern Länge noch rund zwohundertfuffzich Höhenmeter mitliefert.

11,11 Kilometer. Und mir Faschingsmuffel fällt das nicht auf. Zum Glück ist Sommer, pappnasenfreie Zeit. Eigentlich würden sich ja knallrote Nasenpflaster anbieten. Erinnert sich noch jemand an die Dinger, die vor zwanzig Jahren mal der letzte Schrei waren. Bis zum letzten, dank Pflaster angeblich besonders tiefen, Atemzug kämpften damals nasenbepflasterte Fußballer, Radfahrer und überhaupt viel sportliches Volk um Bestmarken. Dass diesseits gebrochener Nasenbeine heute niemand mit Nasentuning zu sehen ist, sät Zweifel an der Wirksamkeit des damaligen Wundermittels.

In Wettersbach war’s unbepflastert, dafür tummelten sich Läuflinge und Helfer um den Sportplatz des SC Wettersbach e.V., voller Vorfreude auf die liebevoll organisierte Veranstaltung. Einige hatten mit dem vorher stattgefunden habenden Lauf über 5,3 km bereits eine kleine Vorspeise zu sich genommen – entweder war das Abendmahl damit ebenso erschöpft wie der Läufling, oder aber er nahm im Anschluss den Hauptgang über besagte 11 Kilometer zu sich.

Hätte ich vor dem Start noch das Wasser abschlagen sollen?

Ich hatte mir, mangels hinreichendem Zutrauen in meine Fitness (zum Ausgleich vertraute ich der Unfitness meines Leibes blind), vorgenommen, einfach locker und zügig zu laufen. Mal schauen, was so geht. Und es ging sogar recht passabel. Nachdem die Höhenmeter im Wesentlichen in zwei Raten ausbezahlt wurden, war der Rest der Strecke recht flach, und somit schön konstant zu laufen.

Kurz vor der Hälfte zog sich ein baustellenhaftes, eine Handvoll Meter breites, Schotterband quer über den dort ansonsten asphaltierten Streckenteil, das von zwei freundlichen Menschen betreut wurde, die vor eben jenem Schotterstück warnten. Im Hirn eines Trailläuflings wirkt sowas direkt putzig.

Der Blasendruck wurde stärker. Verflucht, ich hätte noch gehen sollen.

Einmal um den Turm, gerade weiter zum Ort zurück, ging es die recht steile Straße wieder hinunter, die wir zuvor hinaufgelaufen waren.

Jetzt über die eigenen Hax’n stolpern und hinfallen, das wär’s.

An diesem Stück muss es ein Voodoo-Dings geben, weil nicht nur ich diesen Gedanken kurz im Kopf hatte, sondern auch jeder andere mit dem ich mich nach dem Lauf unterhielt.

Scheiße, ich muss pinkeln!

Zum Ausgleich war die Steigung kurz vor dem Ziel deutlich flacher, als sie es nach dem Start beim Runterlaufen gewesen ist. Wieso machen die das? Lasst eure Hügel doch so wie sie sind!

Gleich im Ziel, gepriesen sei das Dixi-Klo!

Nach dem Lauf erfreute meine Uhr mich mit der Information, ich sei knapp unter einer Stunde unterwegs gewesen. Wie gut, dass ich dem Druck standgehalten hatte. Wer weiß, wieviel Zeit ich mit Bremsen, Laufenlassen und Loslaufen zugebracht hätte.

Geiler Lauf zum Wochenabschluss, nächstes Jahr garantiert wieder.
Und dann gehe ich vorher….