non olet

Lodenwalker
Den römischen Kaiser Vespasian kennen die meisten, wenn sie ihn kennen, von seinem Ausspruch “Pecunia non olet”. Und er hatte natürlich recht, denn auch bei anrüchigen Geschäften eingenommenes Geld stinkt nicht. Für ihn war die Latrinensteuer eine saubere Sache, um die zu seiner Zeit recht leeren Staatskassen zu füllen. Heutzutage würden wir von der Pipi-Tax sprechen, die uns trotz des niedlichen Namens gewaltig stinken würde.

Nicht stinken soll angeblich auch Merinowolle, der man nachsagt, sie würde Gerüche ähnlich ungern annehmen wie der srichwörtliche schweizer Beamte ein Bestechungsgeld: allenfalls, wenn der Drang groß genug wird.

Nun denn, ich habe meine neu entdeckte Freundschaft zu Merino anlässlich eines Kurzurlaubs genutzt, um meine Neugier zu befriedigen. Zu diesem Behufe griff ich (mental gestärkt, doch hauttechnisch immer noch äußerst sensibel) zum weichsten Merino-Shirt im Schrank, welchselbiges mir vom Hersteller Lodenwalker netterweise zu Testzwecken zur Verfügung gestellt wurde. Übrigens: Egal wie gut die englischen Sprachkenntnisse sein mögen, Walker wird genau so ausgesprochen, wie es hier steht: Walker. Der Name rührt von der Verarbeitung des Materials her, und manch ein Mensch, der in den zweifelhaften Genuss autoritärer Erziehung gekommen ist, kennt den davon abgeleiteten Begriff Durchwalken. Wer sich jetzt verstohlen an die Backe gefasst hat – das ist jene, auf der er / sie sitzt, nicht die Wange – darf gerne in Kindheitserinnerungen schwelgen.

“Schläge haben mir nicht geschadet!”

Ach nee. Und wieso fasst du dir dann trauma-induziert an den Arsch?

Walken ist jedenfalls für Loden gedacht, Lodenwalker walkt seit ein paar hundert Jahren, eben Loden. Und produziert T-Shirts aus Merino. Eines davon durfte mich in den Kurzurlaub begleiten: Fünf Tage in die Vulkaneifel.
Ich hatte zwei Dinge im Gepäck: erstens Wechselklamotten, und zweitens den festen Vorsatz, das Shirt täglich zu tragen. Die Wechselshirts wären nur zum Einsatz gekommen, wenn meine Ausdünstungen die Blätter hätten welk, den Asphalt weich und Menschen bewusstlos werden lassen.

Damit der olfaktorische Selbstversuch nicht an allzu günstigen Temperaturen scheitern möge, hatte ich in der Vulkaneifel ordentlich einheizen lassen: Sonne mit locker dreißig Grad machte es unnötig, auf die vulkanische Fußbodenheizung zurückzugreifen.

Allabendlich, wenn ich mich des Leibchens entledigte, führte ich einen Schnüffeltest durch, bei dem ich mich aus Sicherheitsgründen anfangs auf das Bett setzte. Sollte ich ob des Miefs rücklings umkippen, würde ich wenigstens weich fallen.

Jedoch: nichts.

Gar nichts.

Im Sinne von: überhaupt nichts.

Weder am ersten, noch am zweiten auch nicht am dritten Abend. Nun muss ich einschränkend dazusagen, dass ich nicht gerade olfaktorisch hochbegabt bin. Höchste Konzentration war also angesagt, sämtliche anderen Sinne blendete ich aus, um eventuell ein kleines Gerüchlein zu erhaschen.

Wirklich nichts.

Erst nach dem fünften Tag ununterbrochenen (ok, nachts nicht) Tragens, als ich wieder zuhause war, konnte ich mir einreden, es könnte eventuell das Versprechen auf die Andeutung eines Quäntchens Aroma vorliegen.

Ich ließ das Shirt über Nacht draußen hängen. Am nächsten Morgen: keinerlei Geruch außer der Nachtfrische.

Non olet.

Es stinkt wirklich nicht.

Maslow, ganz oben: WeatherWool

Poncho1
WeatherWool. Die Alliteration im Namen bleibt sogar in der Übersetzung erhalten: Wetterwolle. Ich erinnere mich an den Englischlehrer, der bei jeder Alliteration in helle Verzückung geriet. Wir lasen Macbeth von Shakespeare, und womit beglückte uns der gute William? Fair is foul and foul is fair. Das passt zur Kleidung von Weatherwool, die den Anspruch hat, auch schlechtes Wetter gut sein zu lassen.

die Story
Angefangen hat die Geschichte von WeatherWool im Jahre 2002, als Ralph DiMeo sich entschloss, seinen Beruf im Technikbereich einer Investmentbank zugunsten von Weatherwool an den Nagel zu hängen. Der Weg dorthin schien vorgezeichnet, denn schon in den Jahren zuvor trat er als eifriger Kunde von Wollkleidung in Erscheinung – so eifrig, dass er in das Wiederverkäuferprogramm rutschte. Und wo er schon mal als solcher gelistet war, dachte er sich, könnte er auch etwas mehr als für den Eigenbedarf nötig kaufen…
Leider, so schien es ihm, trafen sämtliche Hersteller damals Entscheidungen, welche der Qualität ihrer Produkte abträglich waren. Also überlegten er und seine Partner, was sie besser machen könnten. Schließlich will man einen Kunden nicht mit dem unschönen Gedanken zurücklassen, anderswo hätte es Besseres gegeben.

So ganz ohne Fehler lernt es sich nur schwer, und so gelangte WeatherWool erst auf Umwegen in den New York City Garment District. Dabei trägt der Bekleidungsbezirk der Stadt seinen Namen, weil dort Leute am Werk sind, die wissen was sie tun. Im Business-Neusprech würde man wohl Knowledge Cluster, oder, fachlich weniger korrekt, Community of Practice dazu sagen.

die Macher
Hinter WeatherWool stehen Ralph, Debby und Alex DiMeo, dazu kommen Berater, deren Expertise in Sachen Wolle, Design und Herstellungsverfahren das Kernteam nutzt. Am Telefon hat Ralph mir erzählt, dass er seine Begeisterung für die Natur und das Leben draußen schon in der Kindheit erkannte: damals war er fasziniert davon, Obst direkt vom Baum zu pflücken (ich kenne sowas). Vollkommen verständnislos beobachtete er, dass er das einzige Kind in der Nachbarschaft war, das sich am Apfelbaum bediente.
Essen aus der Natur, sei es als Jäger oder Sammler, hat ihn seither begleitet, und so ist er am liebsten draußen unterwegs – einen besonderen Genuss bereitet es ihm, bei Dunkelheit loszuziehen, um den Anbruch eines neuen Tages zu erleben. Übrigens: wer mehr darüber lernen will, wie sich Nahrung aus der Natur gewinnen lässt, findet auf deiner Projektseite www.DiningWild.com Anregungen.

Doch zurück zur Kleidung: Was macht ihm in seinem selbstgewählten Job am meisten Spaß? Der Austausch mit Kunden – und anderen Menschen, die in irgendeiner Form draußen aktiv sind. Ja, auch Läufer!
Läufer, gerade wenn sie Ultratrails laufen, dürften auch in etwa das Nutzerprofil haben, welches WeatherWool im Sinn hat. Denn deren Qualitätsanspruch lautet im Prinzip: wir wollen, dass unsere Kunden ihre Kleidung draußen benutzen, nicht auf Dinge verzichten müssen, weil ihre Klamotten schlapp machen – und das bitteschön zehn, zwanzig Jahre lang.
Nichts für die Fußgängerzone, eher für Etappenläufe im Schneeregen.

die ProduktePonchos_Alex_Rebecca_by_Laura_2015-05-10
WeatherWool, das zeigt ein Besuch der Website, macht nicht direkt Laufkleidung. Aber, ich schaue bekanntlich gerne weit über den Tellerrand hinaus, es gibt richtig coole Sachen, die ich gerade für lange Trails sehr interessant finde.
Am besten zähle ich auf, was mir ins Auge sprang.
Poncho. Ich mag Ponchos, vor allem wenn sie so kuschelig-urig daherkommen. Während des Laufens im Winter hätte er etwas nostalgisches an sich, in der Pause, nach dem Lauf – oder abends beim Grillen schaut er einfach urig aus. Wenn’s nicht superleicht sein braucht, kann ich ihn mir auch gut im Gebirge vorstellen. UTMB mit Poncho? Warum nicht?

Hut1Wo ich schon danach frage: Zu Abwechslung ein Hut gefällig? Ich meine das ernst. Seitdem ich bei einem 24-Stunden-Lauf mit dem Träger eines Strohhutes gesprochen habe, der in jederzeit jeder Mütze vorzieht (luftiger ist er mit Sicherheit), kann ich mir gut vorstellen, dass ein Hut den Läufling gut behütet.

Als AnorakAl’s Anorak ist eine Schlupfjacke, die dem traditionellen Laufdress sehr nahe ist. Ich habe nicht nur ein Faible für Schlupfjacken, sondern auch für Wolle. Beides zusammen sollte richtig schnuckelig werden. Ich will euch, liebe Leser darüber informieren, dass ich an dieser Stelle befangen bin. Ich habe Ralph ein, zwei Ideen zu diesem Teil geschickt, die ihm so gut gefallen haben, dass sie sogar in einem Prototypen umgesetzt werden. Hey, natürlich bin ich eitel! Davon abgesehen: schaut euch einfach das Bild an und stellt euch vor, ihr könnt euch von der rotblaugelb-bunten Funktionsfaser-Uniform abheben.

WeatherWool gibt es im Moment übrigens direkt von dort.

die Vision
Wohin führt die Reise von WeatherWool? Wenn es nach Ralph geht, werden sie sich in ein paar Jahren international einen Ruf für die beste Outdoor-Wollkleidung erworben haben.
Was das Sortiment betrifft, dürfen wir uns auf Stricksachen freuen, derzeit experimentiert das Team…

Zum Schluss noch eine dreifache Alliteration: WeatherWool Website

Click here for weatherwool_en“>English version

Grüße aus dem Mental

Ich bin zwiegespalten.

Auf der einen Seite höchst empfindlich, wenn es um kratzige Kleidung geht. Vor ein paar Jahren, daran erinnere ich mich sehr gut, probierte ich einen Pullover aus Schafswolle an, den ich mir, Sekundenbruchteile nachdem er auf meinen nackten Unterarmen auflag, schreiend vom Leibe riss. Das waren, wie gesagt, nur Arme und ein Stückchen Hals. Wolle? Ich verwende sie gerne, wenn ich die Motorhaube meines Autos vom Lack befreien will.

Das ist die eine Seite der Medaille.

Andererseits fasziniert mich Merinowolle mit ihren Eigenschaften. Meine Lieblingssocken sind aus Merino, und Mützen aus diesem Stoff schätze ich sehr. Warm auch wenn sie triefend nass ist, geruchsneutral, schafft sie ein wunderbares Körperklima.

Obzwar Merinowolle als superweich angepriesen wird, empfinde ich Prinzessin auf der Hülsenfrucht auch bei diesem Material ein leichtes Kratzen. Daher behelfe ich mir gerne mit einer Basisschicht aus Kunstfaser (weich!), über der Merino für Klimakomfort sorgt.

Davon abgesehen begeistert mich dieses Material, nur kann ich mich kaum dazu überwinden, es direkt auf der bloßen Haut zu tragen. Immerhin gibt es, und das lässt mich hoffen, Unterschiede zwischen verschiedenen Marken. Im Selbstversuch erfuhr ich, dass nicht alle im gleichen Maße “nicht weich” sind.

Mein Dilemma: Ich würde gerne wollen, bloß traue mich nicht recht zu machen.

Was tun?

Meine Überlegungen führten mich auf den Gedanken, das Problem ließe sich mental lösen. Also reiste ich zur Kur in das schöne Mental. Eine Reise, von der ich mir erhoffte, sie möge das Pendel ein Stück weiter zugunsten von Merino ausschlagen lassen.

Zunächst besann ich mich, dass schwitzige Haut besonders empfindlich auf Reize reagiert. Im ersten Versuch trug ich ein dünnes Leibchen aus Merinowolle direkt auf der Haut, als ich zu einem viertelstündigen Spaziergang aufbrach. Nur nicht Schwitzen, war die Devise. Und siehe da: Es fühlte sich etwas rau an, sonst war alles in Ordnung.

Dadurch ermutigt, fiel einige Monate später der Startschuss für die nächste Stufe: ich wollte eine dreiviertel Stunde merinobekleidet laufen. Schwitzen ist dabei mehr als nur eine Möglichkeit, es ist sogar höchst wahrscheinlich.

Also auf zum Lauf.

Während dessen ich mich dabei ertappte, dass ich meine merinobedeckte Oberkörperoberfläche ständig abhorchte: “könnte nicht…ist es etwa…?”. Mehr als ein leichtes Pieken von Zeit zu Zeit war auch bei höchster Konzentration nicht zu spüren. Wie beim tropfenden Wasserhahn lag ein Teil der Aufmerksamkeit auf dem unerwünschten, doch erwarteten Geräusch.

Von diesem Vergleich inspiriert, zündete ich die Mentalrakete.

“Es kratzt nur im Kopf”

Herzliche Grüße aus dem Mental.

Test Aclima Lightwool T-Shirt

IMG_3887Merinowolle scheint mich trotz meiner zarten Haut nicht loszulassen: Aclima aus Norwegen ist seit kurzer Zeit auf dem deutschen Markt aktiv; das habe ich zum Anlass genommen, dem Lightwool T-Shirt auf den Zahn zu fühlen.

Material: 100% Merinowolle, 140 g/m²
Farbe: hellgrau
Gewicht: 152g (gewogen)

Erster Eindruck
Ich hatte beim Test des Icebreaker Longsleeve schon auf meine hochempfindliche Haut hingewiesen. Das Resultat dieses Tests sagte klar, dass auch Merino kratzt.
Andererseits bin ich von den Eigenschaften des Materials “Merino” immer noch begeistert: Alleine der Klimakomfort fasziniert mich. Wie gesagt: trage ich etwas nicht kratziges drunter, schmelze ich dahin.
Nun also Aclima zum Vergleich. Auf der Herstellerseite ist sogar die Rede von “Soft Merino Wool”. Das sagen sie alle…
Beim Auspacken fasst sich das Shirt superweich an, ich werde mutig.

Test
Wetter: 28 °C, Sonne.
In der Tat, ich trug das Shirt am letzten richtig heißen Tag im September. Der Mut, den ich beim Entpacken spürte, hat zuerst dazu geführt, dass ich es direkt auf der Haut trug. Vorsichtig, ganz vorsichtig begann ich mich damit zu bewegen: kein spürbares Kratzen, so sehr ich auch auf jedwede Meldung meiner hochempfindlichen Hautsensoren achtete. Nichts. Wirklich nichts.

Kurzer Check der Passform: für mich perfekt. Die Nähte verlaufen gerade – wobei die Oberseite der Schultern erfreulicherweise nahtfrei sind. Wer ab und an Rucksäcke trägt, freut sich darüber. Mir fiel auf, dass das Aclima-Shirt etwas länger geschnitten ist, als ich es von anderen T-Shirts gewöhnt bin: sehr gut, denn im Winter bleibt das Hemd in der Hose.

Nachdem jegliches Kratzgefühl ausgeblieben war, fasste ich einen geradezu tollkühnen Entschluss: ich würde jetzt und hier und heute mit genau diesem Oberteil eine Runde laufen. Auf der bloßen Haut!
Zuvor wusch ich den “Neu”-Geruch per Hand im Waschbecken aus, zwei, drei Stunden auf dem Wäscheständer genügten, um einen tragetrockenen Zustand herzustellen.

Dann galt es: restliche Laufklamotten an, T-Shirt auf den bloßen Leib. Ich wusste: wenn ich mal unterwegs bin, gibt es kein Zurück. Die Option, notfalls mit bloßem Oberkörper zu rennen, verbot ich mir im Vorhinein. Heute wollte ich mich in der Tradition großer Ärzte sehen, die sich im Selbstversuch mit tödlichen Krankheitserregern infizierten, um entsprechend motiviert ein Heilmittel zu finden.
Ich gebe zu, dass mein Dienst an der Menschheit ein weit geringerer war. Diese Bescheidenheit sei meine Zier.

Stets auf Signale der Hautoberfläche achtend, lief ich in der prallen Sonne los. Bald begann ich zu schwitzen, und wohl wissend, dass Haut, jedenfalls meine, dann noch empfindsamer auf kratzige Kleidung reagiert, wurde ich noch achtsamer. Indes: nichts. Ja, Merino ist etwas rauer als Funktionsfasern aus Kunststoff, aber das ist auch alles.

Nachdem ich knapp zwei Stunden unterwegs gewesen war, war ich begeistert.

Endlich kann ich den Klimakomfort von Merino beim Sport nutzen! Es ist tatsächlich so, dass die Faser weit mehr Feuchtigkeit aufnimmt als Kunststoffe. Das bedeutet: Temperaturausgleich. Ich kann die Kühlwirkung voll und ganz bestätigen.

Als ich zuhause ankam, hatte das Aclima Lightwool T-Shirt den Komforttest mit Bravour bestanden.

Es folgte ein weiterer Versuch, denn Merino soll ja auch Gerüche unterbinden. Wie gesagt: ich hatte das Teil zwei Stunden lang nassgeschwitzt. Trotzdem konnte ich es noch drei Tage lang tragen, ohne dass sich Gerüche gebildet hätten. Nun mag man einwerfen, dass mein Geruchssinn nicht allzu ausgeprägt ist. Daher hatte ich neben mir selbst einen olfaktorisch hochbegabten Menschen zum Schnuppertest auserkoren: gleiches Ergebnis!

Fazit
Bislang war ich der Ansicht, dass auch Merino kratzt. Aclima Lightwool hat mich eines besseren belehrt: es ist weich genug, dass selbst ich es auf der bloßen Haut trage. Klasse!
Dazu kommen die bekannten Vorteile von Merino, und alles summiert sich zu einem erstklassigen Shirt!
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