Maslow, ganz oben: morphic

morphic-print-kelpWäre es nicht schön, könnte man sich lauftaugliche Kleidung nach Maß fertigen lassen? Art und Farbe von Ärmeln oder Kapuze individuell konfigurieren? Bei morphic aus Neuseeland geht das!

die Story
Bevor Halee Moss und Ray Singer, die Gründer von morphic, sich zusammentaten, waren beide schon längst dabei, ihre eigene Kleidung zu schneidern. Auf der Website von morphic steht ein wunderbarer Satz zu lesen, den ich hier gerne zitiere:

Morphic began as separate streams of creativity, flowing downhill on our own paths before joining to make a river.

Besagter Zusammenfluss der beiden Bäche kam durch die Lust auf ein gemeinsames Projekt zustande. Es folgte eine typische Gründerstory: öffentliche Fördermittel, private Darlehen (sprich: “Family and Friends”) und ein Standort im Arts Centre Market in Christchurch. Der Name lässt an ein kunterbuntes Miteinander von Künstlern, Designern, Musikern und anderen denken, und genau so darf man sich das Zentrum auch vorstellen. Ein Born der Kreativität!

Christchurch? Da war doch dieses Erdbeben….?

In der Tat. Und just dieses Erdbeben hat die Geschickte des Arts Centre Market, und dadurch auch morphic beeinflusst. Das Zentrum schloss, die Community löste sich auf, und morphic… aber hierzu später mehr.

morphic konnte sich sich relativ schnell einen internationalen Kundenstamm aufbauen. Kein Wunder, wo doch ein Aspekt klar im Vordergrund steht: Individualität. morphic stieß mit Maßfertigung in eine Lücke, die selbst kleinere Hersteller nach wie vor scheuen. Dass der Käufer seine Kleidung zum großen Teil auch noch selbst zusammenkonfigurieren darf, ist sozusagen das Häubchen Sahne obendrauf.

die Machermorphic-about
Halee Moss and Ray Singer liefen sich als DJs auf verschiedenen Festivals über den Weg, entdeckten ihre gemeinsame Vorliebe für coole, selbst entworfene Kleidung – dann geschah, was geschehen musste: morphic.

Strenggenommen sind es nicht die coolen Klamotten, sondern geteilte Werte, die morphic entstehen ließen. Wer hat schon Lust auf Wegwerfkleidung, wenn er etwas für jemanden anderen individuell erschaffen kann? Das ist beinahe so wie die liebevoll gestrickten Socken von der Oma: Lieblingsstücke. Gerne getragen, und in der physischen Wärme steckt immer ein Quäntchen großmütterlicher Liebe.

Ich will jetzt nichts von kratzigen Wollsocken hören, die irgendwer als Kind zu tragen gezwungen war. Wir bleiben bitte in der romantisch-verklärten Stimmung.

Werte.

Nachhaltigkeit und Leidenschaft.

Deshalb sind die Materialien biologisch abbaubar, und aus nachwachsenden Rohstoffen. Sie kommen aus lokaler Produktion – und das gilt nicht nur für die Stoffe, sondern auch für Reißverschlüsse und Knöpfe.

die Produktemorphic-womens-deeper-black-turquoise
Um es vorweg zu sagen: morphic ist kein Label für Laufkleidung. Andererseits kann man die Merino-Hoodies und T-Shirts vom Schnitt her ohne Weiteres zum Sport anziehen. Mir genügt das, um die Brücke zu bauen, auf der morphic in diesen Blog spaziert. Baumwolle gibt’s auch, ist vom Material her bekanntlich auf der unsportlichen Seite anzutreffen. Wobei ich mich nicht wundern würde, wenn Halee und Ray auf Nachfrage den Schnitt einer ansonsten baumwolligen Jacke in Merino umsetzen.

Wer bei morphic einkauft, kann sich auf eines verlassen: es passt. Herkömmliche Größenangaben sucht man auf der Website vergebens. “M”? “XS”? Fehlanzeige. Das ist so gewollt, denn die Perfect Fit Guarantee gebietet, dass der Käufer sich eines Maßbandes befleißigt, um die ermittelten Körpermaße an morphic zu schicken. Logisch, dass solcherart maßgefertigte Pullover perfekt passen.

Maßgeschneidert. Perfekt passend. Das ist die eine Seite.

Die andere Seite ist die Gestaltung.
Normalerweise geht “man” auf die Website eines Herstellers, tummelt sich eine Zeitlang in den Produktansichten, um das Teil zu ordern, welches am besten gefällt. À la carte. Von der Stange. Ist ja nicht schlecht, aber es geht besser.
Bei morphic kauft der Käufer zum Beispiel ein “Men’s Custom Metrix Merino Hoodie” in etwa so, wie er sonst ein Auto kaufen würde. Deshalb gibt es dort einen Konfigurator.
Welche Farbe darf der Rumpf haben? Und die Ärmel?

A propos Ärmel: normale Bündchen, oder sind Daumenlöcher genehm? Ich für meinen Teil würde Daumenlöcher nehmen, die sind einfach cooler. Oder gerade das nicht: sie sind wärmer.

Und die Kapuze? Rund oder spitz? Wo wir beim Thema sind: außen trägt sie die Farbe des Rumpfes, aber soll’s innen vielleicht etwas Kontrastierendes sein?

Womit wir beim Aufdruck wären: welche Grafik – und in welcher Farbe bitte?
Ach, es ist nichts dabei? In diesem Fall darfst du auch gerne deinen eigenen Entwurf schicken. Kostet Aufpreis, machen wir aber.

Leute, ich bin begeistert!

Das stolze Ergebnis deckt dann logischerweise eine beachtliche Bandbreite an Stilen ab. Ich musste immer an Musik denken.
Mit spitzer Kapuze und Kelp als Grafik leicht mystisch angehaucht erklingt Iowaska im Ohr, wogegen mich runde Kapuze mit dem Motiv namens Orbital mehr an Downset denken lässt.

Einfach nur geil. Versucht das mal woanders. “Hey, ich will die Kapuze mit jenen Ärmeln und die Grafik schicke ich euch zusammen mit meinen Maßen.” Ich lach’ mich scheckig, wenn ich an die Reaktion denke.

Bei morphic ist das Bestandteil des Konzepts. Normal.

das Ende
Normalerweise skizziere ich hier die Vision der Gründer. Wohin soll die Reise gehen, auf welche Produkte dürfen wir uns freuen, und so weiter.
Nicht so bei morphic, denn Halee und Ray haben beschlossen, morphic am 31. Juli Feierabend zu schließen.

Insofern hat mein Artikel eher den Charakter eines Nachrufs. Gestern habe ich morphic entdeckt, nur um heute den Nekrolog zu verfassen. Das ist vor allem deshalb schade, weil die beiden gezeigt haben, wie weitreichend sich Individualität verwirklichen lässt. Mögen sich andere inspirieren lassen!

Auf der Website steht zu lesen, dass die Gründer sich anderen Projekten zuwenden wollen, auf die sie sich freuen. Vor dem Hintergrund kann man den Schritt verstehen, dass sie das Kapitel morphic schließen wollen.

Soweit also zur schlechten Nachricht.

Die gute ist: bis 31. Juli darf noch bestellt werden. Endlich mal ein Angebot vom Typ Letzte Chance, das man ernst nehmen kann!

Hier geht’s zu morphic

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