Loretta beim Sport

"Warum redest du nur pausenlos über Frauen, Stan?"
"Weil ich eine sein möchte..."
"Was?"
"Ich möchte eine Frau sein. Ich möchte, daß ihr... daß ihr mich von jetzt an Loretta nennt."

An diesem Ausschnitt aus Monty Python's Film Das Leben des Brian lässt sich erkennen, dass der Wunsch zum Wechsel des Geschlechts nicht wirklich neu ist. Während man sich damals jedoch auf ein eher theoretisches Konstrukt - er / sie kann zwar keine Babys bekommen, hat allerdings das Recht dazu - beschränken musste, hat man es heutzutage einfacher. Dann aber trifft man sich beim Sport...
Es trägt das gewiss nicht zum Wohlbefinden der jeweiligen Person bei, wenn Leib und Seele sich über die geschlechtliche Identität uneins sind. Rein theoretisch lässt sich daraus ableiten: Eins von beidem muss sich dem anderen anpassen. Keine Ahnung, ob tatsächlich beide Optionen machbar sind, das tut hier auch nichts zur Sache.
Wir halten fest, dass es heutzutage medizinisch möglich ist, den Körper entsprechen zu verändern. Auch hier verzichte ich mangels ausreichenden Wissens auf eine weiter gehende Erörterung. Für mich zählt dabei, dass ein Mensch dadurch zu sich selbst finden, und somit glücklich werden kann. Alle weiteren Aspekte - dazu gehören für mich auch die Kosten, die ich als krankenversicherter Mensch gerne mittrage, sofern die Kasse das zahlt - sind zweitrangig. Denn ich argumentiere utilitaristisch und sage: Wenn das Glück des Einzelnen steigt, hilft es der Gesellschaft.
Alles paletti also.
Was passiert aber, wenn ein Frau gewordener Mann sich im sportlichen Wettbewerb mit anderen Frauen messen will?
Es dürfte bekannt sein, dass Männer Frauen im Allgemeinen körperlich überlegen sind, weshalb wir den Fall, dass eine Frau zum Mann wird, um künftig in der Männerwertung anzutreten, getrost außer Acht lassen können.

Betrachten wir also Ex-Männer, für deren Wettbewerbsfähigkeit in letzter Zeit so manches Beispiel in den Medien zu finden ist. Ob im Kampfsport, im Gewichtheben oder beim Volleyball sind sie durch die Bank deutlich im Vorteil, und das schon wegen der Körpergröße.
Was tun? Ist das gerecht? Oder wäre es gerecht, Ex-Männer nicht zuzulassen?
In einem hochinteressanten Artikel auf T-Nation erläutert die Autorin Dani Shugart ein paar Zusammenhänge. So erlaubt das IOC beispielsweise den Ex-Männern einen Testosteronwert, der mehr als das Dreifache dessen beträgt, was am oberen Ende natürlicher Frauen liegt.

Selbst wenn man die Grenze niedriger ansetzen würde, so bliebe immer noch die teils jahrzehntelange "Erfahrung" des Körpers als Mann. Einsfünfundachtzig bleiben auch dann einsfünfundachtzig, wenn es sich ab dem Zeitpunkt T um eine Frau handelt. Und Muskeln, Knochen etc. haben sich lange entwickeln können.
Anders formuliert kann ein früherer Mann relativ zu seinen Mitbewerberinnen auf einem weit höheren Level agieren als er dies unter Männern könnte. Kurzum: Im Kampfsport kriegt die als Frau geborene Frau auf's Maul, und beim Gewichtheben hilft der größte Trainingsfleiß bestenfalls zum ersten Platz hinter der Riege der Ex-Männer.
Ich persönlich bin nicht betroffen, finde diese Form des "Wettbewerbs" den Frauen gegenüber als äußerst ungerecht. Mehr noch: Denken wir das Thema konsequent weiter, so braucht es nicht allzu viel Einfallsreichtum, um Damen-Wettbewerbe zu prognostizieren, bei denen das Teilnehmerfeld ausschließlich aus früheren Männern besteht. Klingt phantastisch? Nun, dort, wo Teilnehmer unter dem Generalverdacht des Dopings stehen - die Olympischen Spiele haben leider Grund genug gegeben, die Unschuldsvermutung sehr vorsichtig auszusprechen, liegt der Gedanke nicht fern, das z.B. ein Land eine ausreichende Zahl gut trainierter "Frauen" werden lässt. Die Möglichkeit ist vorhanden.
Wie könnte eine Lösung aussehen?
Ich habe keine Ahnung. Als Veranstalter bleibt wohl nur die Wahl zwischen zwei Übeln: Entweder lässt man Ex-Männer zu, mit allen bekannten Nachteilen. Oder man tut dies nicht, weshalb man sich auf einen Shitstorm einstellen darf.
Müsste ich mit mir selbst diskutieren, so wäre spätestens jetzt der Moment gekommen, mich darauf hinzuweisen, dass ich unterschwellig geborene Frauen mehr als Frauen anerkenne als solche, die dies erst später wurden. Damit würde ich meine eigene Argumentation angreifen und die Wahl zwischen zwei Alternativen fordern:

Entweder: Eine Frau ist das, was zu einem bestimmten Zeitpunkt als Frau gilt. Unabhängig davon, wie sie zur Frau wurde.

Oder: Eine Frau ist nur von Geburt an Frau. Daraus folgt zwangsläufig, dass Ex-Männer zum Beispiel eine eigene Wertung bekommen.
Die sich hieraus ergebende Entscheidung macht ein klares Bekenntnis (von Veranstaltern, Sportbehörden, wer auch immer entscheiden muss) nötig.
Jeder Mensch, der zu einem Stichtag Frau ist, kommt in die Damenwertung. Die Aussage ist dann die, dass sich geborene Frauen per se eher auf den hinteren Plätzen finden.
Alternativ sind die Wettbewerbe nur für geborene Frauen offen mit der Konsequenz, zu den anderen Frauen Nein zu sagen.

Alles andere ist aus meiner Sicht sinnloses Herumgeeiere
Für soviel Klarheit braucht man Eier in der Hose. Vollkommen unabhängig vom Geschlecht.

2 Gedanken zu „Loretta beim Sport“

  1. Lieber Haraldo, dachte mir schon, dass wieder Neues auf deinem Blog erscheinen wird, immer, wenn du bei mir warst – und darüber freue ich mich sowieso – dann klingelt es bei mir – und siehe da – Neuigkeiten auf deiner Seite !! 😉

    Worüber du dir den Kopf zerbrichst !! Aber da diese Fälle aktuell sind -und jeder Mensch (zum Glück) SEIN Leben ausleben darf, denkt MANN darüber nach !

    Schwieriges Thema, ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie man dieses Problem lösen kann. Die eigene Bewertung würde ich für beide Geschlechter als DIE Lösung annehme, wie das dann in der Praxis aussehen wird ?

    In diesem Sinne, das Wochenende naht, du kannst dir dann in aller Ruhe – z.B. beim Laufen- weiterhin deinen lockigen Schopf anstrengen !

    Ciaoooooooooo Haraldo 😎

    1. Liebe Margitta,

      meine Aktivitäten scheinen ein auffallendes Muster zu haben…. 😉

      Tja, eigentlich ist das kein Thema, das mich interessiert. Dennoch regten mich ein, zwei Youtube-Rants und der erwähnte Artikel auf T-Nation zum Nachdenken an. Schon war ich am Tippen.
      Ich würde auch eine eigene Bewertung als „gerecht“ empfinden, wobei ich dann erwarte, dass dies manche Ex-Männer als ungerecht ansehen dürften („Wieso kommen wir in eine eigene Kategorie, wir sind doch Frauen!“).

      Gestern war ich tatsächlich laufen (herrlich!) und wurde zu weiteren Artikeln inspiriert…

      Ciao, Harald

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