KUT 2014: Heiße Szenen im Wald.

Es gibt einen Streckenabschnitt, den ihr nicht laufen könnt. Es geht dann rechts ab, senkrecht den Hang hoch. Da ist kein Weg, folgt einfach der Markierung.
Selbst für ausgeprägte Morgenmuffel wie mich ist ein solcher Satz ein klares Signal: ich bin zur rechten Zeit am rechten Ort. Beim Briefing kurz vor dem Start zum KUT in Reichweiler – und ich lausche den Worten von Eric Tuerlings.

Kurz zuvor hatte er uns noch treuherzig versichert, einen Weg in eine Wiese gemäht zu haben. Zwischenzeitlich hatte jemand den Rest ebenfalls gekürzt – der Weg sei somit weg. Solch Kleinkram vermag die Szene der Ultratrailläufer kaum irritieren, im Startfeld herrschte bereits allgemeine Vorfreude auf die kommenden 85 Kilometer.

Vorfreude, in die sich zumindest bei den Wiederholungstätern die Frage mischte, welche kleinen Bosheiten sich Eric wohl hatte einfallen lassen, um den KUT noch ein klein wenig anspruchsvoller zu machen. Womit ich nicht sagen will, dass der KUT hier ein Defizit hätte.
Im vergangenen Jahr stellte ich noch die These auf, Eric würde im Bunde mit finsteren Mächten Höhenmeter züchten KUT 2013, ein Gegenbeweis konnte bisher nicht erbracht werden.
Möglicherweise hegt Eric als gebürtiger Holländer (ist Niederländer gar die korrekte Benennung) ein besonders inniges Verhältnis zur Vertikalen. Auch dieser Fragestellung werde ich zu gegebener Zeit einen Artikel widmen.

Es sei, wie es sei, der KUT ist definitif hart. Sehr hart. Und vor allem technisch nicht einfach zu laufen, bewegt sich der geneigte Läufling doch zum großen Teil auf Single-Trails, steil hinauf und hinab, durch Gestrüpp, über Stock und Stein. Wenn dann doch mal aus Versehen einige hundert Meter breiter Waldweg oder gar eine Schotterstraße unvermeidlich schien (Eric, hier gibt es noch Raum für Verbesserungen!), ertappte ich mich dabei, dass ich das Warnschild vermisste.

Vorsicht, befestigter Weg!

Schließlich ist es ein offenes Geheimnis unter Trailläufern, dass Verletzungen meistens auf den einfach laufbaren Abschnitten auftreten. Was also liegt näher, als genau davor zu warnen?

Worauf Eric indes keinen Einfluss zu haben scheint, ist das Wetter, wie er mir höchstpersönlich versicherte. Der frische Frühling begeisterte den Großteil der Pfingsturlauber mit recht spontan auftretender Hitze – die meisten KUT-Teilnehmer wurden von den mehr als dreißig Grad jedoch recht empfindlich getroffen.

Auch ich.

Ich bin kein Hitzeläufer.

Ich muss mich langsam anpassen.

Was also tun, wenn die Wetterfrösche eine Woche vorher den Sommereinbruch ankündigen? Genau: ich tat, was mir die Vernunft gebot: Voodoo. Beschwörungen. Nächtelang schwebte ich, wild vor mich hin ommmmmmmend, in einem Meter Höhe, um kühle Temperaturen herbeizuführen. Durch gleichzeitig abgesandte Gebete an jegliche bei Wikipedia bekannte Gottheit wollte ich nichts dem Zufall überlassen.

Doch leider kam es anders.

Als am Freitag jegliche Hoffnung auf eine gnädige Wettervorhersage geschwunden war, beschloss ich, meine Strategie zu ändern. Wenn die Wettergötter nicht kooperieren wollen, modelliere ich mich eben selbst um. Autosuggestion ist schließlich eine erprobte Methode, und so bestimmte ein Mantra für die nächsten Stunden mein Dasein:

Ich bin Hitzeläufer.

Ich bin Hitzeläufer.

Ich bin Hitzeläufer.

Shit.

Leicht, und zu meinem Mißvergnügen durfte ich ab rund 45 km meinen persönlichen Niedergang erleben. Etwas Reflexion ist ja schön, aber muss das unbedingt beim KUT sein? Klasse, wenn sich die Symptome deuten lassen – Puls geht nicht runter, Kreislauf unwillig, Koordination wie sonst direkt nach dem Aufstehen…. – weniger toll, wenn die Gegenmittel (Salz, Essen, Trinken…) nicht anschlagen.

Bei km 56 war der KUT dann für mich vorbei. Der KUT 2014, meine ich. Aber dass ich nächstes Jahr wieder dabei bin, brauche ich wohl kaum erwähnen, oder?

Eric könnte sich überlegen, die Teilnahme im Abonnement zu vertreiben. Nicht im Sinne von zehnmal laufen, neunmal zahlen, sondern um den Startplatz zu sichern. Denn KUT macht süchtig. Und wer würde den alljährlich anreisenden Abhängigen ihre Droge vorenthalten wollen?

Besinne dich deiner holländischen Herkunft, Eric, und gib uns das Abo!

Bericht (mit Fotos!) bei laufticker.de

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4 Responses to KUT 2014: Heiße Szenen im Wald.

  1. ultraistgut says:

    Ach, lieber Harald
    die Hitze zwang dich in die Knie
    kein Wunder
    bei dieser Herausforderung
    mit steilem Auf und Nieder
    stellt sich die Frage
    warum ist er überhaupt gestartet ?

    Wenn man den Klimaforschern Glauben schenkt
    wird es auch im nächsten Jahr nicht besser werden
    und dann ?
    Ach ja
    Mich reizen solche Querfeldein-Auf- und Nieder-Touren nicht (mehr) ……..
    und die Hitze schon gar nicht (mehr)…..

    Aber der Mensch braucht Herausforderungen
    Ziele
    und die hast du……..
    auch für nächstes Jahr…….

    ciao
    hasta la vista
    à bientôt
    see you
    😎

    • admin says:

      Wahrlich liebe Margitta, die Hitze…aber deine Frage, weshalb ich gestartet sei, ist doch eher eine rhetorische, oder? Weil es geht (normalerweise)! Weil es Spaß macht….uswusf. 🙂
      Über die Hizte im kommenden Jahr mache ich mir nächstes Jahr Gedanken – vielleicht lässt sie mir mehr Zeit, mich an sie zu gewöhnen.

      hasta la pasta 😉

  2. “Steil hinauf und hinab”
    Ach deshalb ist es “der geneigte Läufling”!