Ein Herz für Menschen

Vor einiger Zeit habe ich mich in einem Artikel über dicke Etiketten ausgelassen, die den Träger eines Leibchens mit scharfen Kanten quälen. Es geht aber auch anders, wie ich am Wochenende erfreut feststellen durfte.
Bevor ich meine Freude niederschriebe, will ich kurz an das Problem erinnern, welches ich für ein schwer wiegendes halte (der komplette Artikel namens "Das Buch zum Shirt" steht hier: http://das-lauferei.de/das-buch-zum-shirt/).
Worum geht's?
In vielen Klamotten ist das Logo der Marke eingenäht, außerdem gleich mehrere kleine Etiketten mit Materialinformationen und Waschhinweisen. Der RFID-Chip darf natürlich auch nicht fehlen. Dummerweise ist der Stoff dieser Dinger selten flauschig, meistens hart und kratzig. Festgenäht sind sie mit der Hauptnaht, so dass scharfe Ecken und Kanten übrig bleiben. Kurzum: Egal wie sorgfältig ich das Zeug abschnipple, es bleibt ein Stachel im Fleisch.
Ich habe mir erklären lassen, dass diese mehrseitigen Heftchen eine Folge des Weltmarktes sind, der es eben erfordert, in vielen Sprachen zu informieren, so man auf dem Weltmarkt verkaufen will. Damit habe ich eine nachvollziehbare Erklärung der Ursach gefunden, die indes das Problem - mein Problem! - nicht löst. Es kratzt und sticht, was ich gewiss nicht klaglos mit dem Gedanken zu erleiden gedenke, der da heißt:
Halte still, denn du weißt, der globale Markt ruft nach einem kratzigen Mehrseiter in deiner Kleidung.
Obwohl ich durchaus bereit bin, meine persönlichen Neigungen zugunsten einer hehren Sache zurückzustellen - hier bin ich nicht so konsequent wie der chinesische Philoshop Yang Zhu, dessen Ausspruch kein Haar für die Welt einen radikalen Hedonismus propagiert - doch ziehe ich eine klare Grenze dort, wo ich in dieser Form leiden muss
Folteretiketten sind unmenschlich! 
Ich bin kratzempfindlich, deshalb wünsche ich mir Alternativen - und wie ich am Wochenende feststellen durfte, geht es tatsächlich besser.
Bei Decathlon, dieses Unternehmen hebe ich an dieser Stelle bewusst lobend hervor, hat man das "Buch" bei manchen Klamotten mit deinem kleinen Stück des flauschigen Originalstoffes angebracht. Dieser lässt sich einfach und schnell durchschneiden, ohne dass ich als bekennender Grobmotoriker an die Grenzen meiner Psyche gehen muss, indem ich fummelige Schnippeleien anstellen brauche.
Geht doch. Man kann offenkundig auch Kleidung herstellen, deren Träger beim Tragen nicht gefoltert wird.
Danke, Decathlon!

2 Gedanken zu „Ein Herz für Menschen“

  1. Lieber Harald,

    irgendein Sportklamottenentwicklungs-Fuzzi scheint bei Dir mitzulesen und hat sich dem Problem angenommen, wäre schön wenn es Nachahmer gebe. Mich selbst stören die Dinger auch wahnsinnig und ich vernähe die abgeschnittenen Zipfel mit ein paar wenigen Stichen, dann rubbelt nix mehr 😊

    Salut

    1. Lieber Christian,

      ich würde mich gebauchtpinselt fühlen, wenn deine These zuträfe! Die Idee, die folternden Reste zu vernähen, gefällt mir, da nehme ich mir ein Beispiel dran.
      Hoffen wir, dass das Decathlon-Beispiel Schule macht!

      Ciao,
      Harald

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