Serie Maslow: Triple2

201310_triple2_trentino_4911Cooler Name, coole Klamotten: 222 ist die Nummer des Lieblingstrails von Matthias Dreuw, der in den 1990er Jahren als Mountainbiker die Gegend rund um den Gardasee erkundete. Triple2 heißt demnach sein Label für hochwertige Fahrrad- und Outdoorbekleidung.

die Story201310_triple2_trentino_1862
Die meisten Unternehmen beginnen mit einem leichten Grummeln im Kopf des Gründers. Typische Gedanken sind “das geht besser” oder “warum macht man nicht…”.
Triple2 hat im Prinzip genauso angefangen. Man kann sich Matthias Dreuw vorstellen, wie er auf dem Bike sitzt und denkt “warum macht man das nicht besser…”
Wobei sich die Gedanken nicht nur auf die Produkte selbst, sondern auch auf den Raum beziehen, in dem sie hergestellt und eingesetzt werden. Themen wie Nachhaltigkeit, Umweltschutz und Augenmerk auf sozial gerechte Produktion sind heutzutage weder neu noch selten, sie bilden indes einen Kern der Ideale, denen sich Triple2 verpflichtet fühlt.

Ich muss grinsen: dem vorigen Satz würde wahrscheinlich jedes x-beliebige Unternehmen zustimmen. Firmen wie Triple2 glaube ich das aber, weil solche Aussagen bei ihnen aus der Überzeugung, und nicht aus dem Marketing kommen.
Umweltschutz?
Matthias ist Ingenieur für Energie- und Umwelttechnik. Er weiss also, worauf es ankommt – und wie man es umsetzt. Sein Credo – und das von Triple2 – lautet: verschwende keine Ressourcen. Und, das sei hinzugefügt: wenn du Leute beschäftigst, musst du sie anständig bezahlen.
Wer übrigens die Philosophie von Triple2 ausführlich nachlesen möchte, wird auf deren Website fündig.

Nun ist der Schritt vom “warum macht man das nicht besser…?” zum “das kann ich besser” verhältnismäßig gering.
Wer Ingenieure wie Matthias kennt, weiß, dass sie bei jedem Gegenstand, den sie in die Hand nehmen, wissen, wie sie ihn verbessern würden. Bei täglich genutzten Sachen wird ziemlich schnell klar, wo etwas geändert werden muss. Gepaart mit Idealen – Matthias legt Wert auf nachhaltige und sozial möglichst gerechte Produktion, führt der Weg fast zwangsläufig zum selbst machen: Die Idee ist grundsätzlich mal da, sie wächst, wird konkret – und irgendwann war der Zeitpunkt gekommen, an dem er sich sagte: “jetzt oder nie”.

Das war 2010.

Der Rest ist, wie es so schön heißt, Geschichte. Die durchaus erfreuliche Geschichte von Triple2 als Hersteller von Fahrrad- und Outdoorbekleidung nämlich.

Gut zu wissen, dass sich Triple2 erfolgreich entwickelt. Erfolge sind super, interessanter finde ich gerade bei Erfolgsstories aber die Fehler. Am liebsten würde ich in den Papierkörben von Gründern, Forschern, Entwicklern stöbern.
Woraus hat Matthias am meisten gelernt?
Im Rückblick hält er den Start ohne Investor für keine gute Idee. Egal welches Budget man anfangs plant, es wird teurer!

Triple2 kann man natürlich auch kaufen, im Moment hauptsächlich in Deutschland, Österreich,
der Schweiz, Holland und Belgien ab 2014 auch in Dänemark. Klar, dass es Triple2 sowohl online, wie auch offline gibt.

der Machermatthias_portrait_2012
Eigentlich musste es zum eigenen Unternehmen kommen. Matthias ist absoluter Mountainbike-Freak (siehe oben: der Gardasee, Biker und Triathleten Mekka der 90er).

Und wenn die Firma schon mal da ist: Ideen mit verschiedenen anderen Menschen in coole Produkte umsetzen – was kann schöner sein?
A propos Menschen, Matthias arbeitet mit einem Kernteam von sechs Leuten zusammen, die Produktion in Kroatien ist nicht eingerechnet. Hübsch schlank und beweglich!

Bleibt die Frage, wieviel Raum der Sport heute einnimmt. Es gibt ja diesen Teufelskreis aus viel Sport, viele Ideen, Gründung, Erfolg, wenig Sport…. Auch Matthias kann sich den, sagen wir: Erfordernissen der Geschäftswelt, nicht ganz entziehen. Mit längeren Touren am Wochenende, Laufen und dem Weg zur Arbeit (mit dem Rad natürlich, was sonst?) hält er aber ein ordentliches Pensum aufrecht.

Gut so, vor allem gut für die Ideenproduktion!

die Produkte201310_triple2_trentino_1344
Triple2 kommt vom Mountainbiken. Ist Triple2 ein reines Bikerlabel? Mitnichten!
Gut, Hosen mit Sitzpolster wird abseits des Fahrradsattels niemand tragen, zum Laufen am allerwenigsten, für meine Augen taugen die Klamotten allesamt für alles Mögliche – auch und gerade zum Laufen, Wandern, Trecken oder einfach so.

Wobei ich echt sagen muss: die Hosen sehen rattenscharf aus! Scharf? Eher “cool”, also richtig heiß. Verstricke ich mich in mein eigens Wortspiel? Scheint so.

Ich wechsele daher das Thema, indem ich zu ihm zurückkehre.

Bevor ich ein paar Beispiele nenne, die mir aufgefallen sind, will ich eine Sache loswerden: Triple2 verfolgt einen zeitlosen Stil. Sie wenden sich explizit an Leute, die ihre Sportklamotten einige Jahre nutzen wollen. Man kann auch dazu “nachhaltig” sagen.
Ich wollte mich mit Geschmacksäußerungen zurückhalten. Wollte ich? Nicht wirklich. Mir gefällt der zurückhaltende Stil.

Wo ich schon beim freien Äußern meiner Meinung bin: die Unterwäsche heißt bei Triple2 “Unner”, wie Unnerwäsch und Unnerhos’. Für drunter empfiehlt Triple2, man höre und freue sich, nicht Merino, sondern einen Mix aus Bamubus-Viskose und Polyester. Denn, so steht zu lesen, Merino sei super, nur nicht unbedingt als erste Schicht. Ich habe, kratzempfindlich wie ich bin, einmal versucht, eine Unterhose aus Merino zu tragen. Ja, ich freue mich, dass es naturfaserliche, unkratzige Wäsche gibt.

Was fiel mir noch auf?

201310_triple2_trentino_0897Die DUUN genannte Jacke mit Füllung aus Schurwolle und Maisstärke. Interessant für winterliche Trails, und vor allem als kuschelig-warmer Überzieher nach dem Lauf.KAPP_M_griffin_front
Hoodie-Fan, der ich bin, kann ich nicht umhin, das KAPP genannte Leibchen wohlwollend zu erwähnen. An ihm ist alles dran was man braucht: Kapuze mit Gesichtsschutz und Daumenlöcher. Über Hoodies muss ich mal einen eigenen Artikel schreiben.

Für die Zukunft wird sich bei Triple2 gerade auf der Materialseite noch einiges bewegen: Sichwort Recycelte Materialien komplett aus Europa.

die Vision
Wo soll die Reise von Triple2 hingehen? Ich zitiere Matthias, er würde triple2 gerne zu einem Unternehmen aufbauen, dass in Europa führend in der Herstellung von ökologischer Sportbekleidung speziell für urbane Mobilität und MTB ist.
Klingt nicht schlecht, oder?

Website: Triple2

Serie: Maslow, ganz oben.

Wäre ich Goscinny, würde ich mein eigenes klassisches Zitat aus Asterix abwandeln: “Die ganze Sportwelt wird von einigen wenigen großen Marken beherrscht. Die ganze? Nein, einige kleine Firmen trotzen der Übermacht…”. Nun fehlt mir Goscinnys Klasse; ein Mangel, der mich dazu nötigt, ganz profan die Mainstreamkultur der Sportartikel zu beklagen.

Beklagen? Einspruch!

Ich widerspreche mir ganz entschieden!

Es gibt nichts zu beklagen, ganz im Gegenteil: ich darf frohlocken! Denn es gibt viele kleine, feine Unternehmen auf dem Markt, die richtig coole Produkte liefern. Dass ich ein Faible dafür habe, sollte mittlerweile bekannt sein, wünschte ich mir doch jüngst erst mehr Unternehmermentalität herbei. Mir kommt es sogar vor, als gäbe es in den letzten Jahren mehr Vielfalt auf dem Markt. Es kann natürlich sein, dass ich aufmerksamer geworden bin.
Egal, ich finde es cool, wenn hinter einer Marke ein Gründer steckt. Jemand, der Idealismus und Herzblut hineinsteckt. Und, vor allem: in dessen Produkten Originalität steckt!

Produkte und Produzenten
Startups, Gründungen, Gründer, Unternehmer. Was treibt diese Leute an? In den meisten Fällen ist es die Spitze der Maslow’schen Bedüfnispyramide: Selbstverwirklichung. Es geht nicht um Geld, sondern um Ideen und um die eigene Überzeugung. Das liefert uns so interessante Schuhen wie Hoka OneOne – und den “Dealer” dazu.
Als Sportler freue ich mich dann über Kleidung aus Merinowolle (Mainstream ist das erst, seit die großen Labels aufgewacht sind), über richtig gute Barfußschuhe von Sole Runner, und darüber, dass sich mit André Kossmann jemand in der Nähe meines Wohnortes mit Laufkleidung auf eigene Füße gestellt hat. Dabei ist es egal, ob ich die Sachen benutze, ich finde es einfach gut.
Gründern wirft man ja gerne vor, sie seien zu produktverliebt. Und in der Tat merkt man das den Produkten oft an. Zum Glück. Denn ein Idealist wird Kompromisse vermeiden, wenn er kann. Das tut dem Ergebnis meistens gut, weil der Benutzer begeistert ist, statt nur zufrieden zu sein. Nicht “OK”, sondern “WOW”!

Machen und Markt
Die “Kleinen” haben gegenüber großen Marken den Vorteil, dass sie schnell handeln können. Statt Verwaltung, Marktanalyse und Quartalszielen herrscht Kreativität, und anstelle von hinter Kennzahlen versteckter Versagensangst finden wir Freude am unternehmerischen Risiko. Spaß am Gestalten!
Bis ein Konzept wie jenes, nach dem die Jungs von Hafervoll ihre Riegel – Verzeihung, ihre Flapjacks – herstellen, bei Nestlé durch sämtliche Gremien hindurchgenehmigt wäre, sind sie schon längst im Markt etabliert. Abgesehen davon wäre das, was sich kaufen lässt, mit der ursprünglichen Idee nur noch entfernt verwandt. Mainstream heißt nämlich in erster Linie “viel”. Und das bedeutet nicht unbedingt “gut”. Ich will die Massenproduktion nicht verdammen, es ist mir jedoch darum zu tun, auf das Quäntchen mehr an Originalität aufmerksam zu machen, welches für einen Massenmarkt kaum machbar scheint.

Authentizität
Wer meinen Blog ab und zu liest, erinnert sich vielleicht an die Kamleika Cap von OMM. Ein englischer Hersteller – Familienbetrieb. Weil OMM eben nicht nur den Hersteller erstklassiger Laufbekleidung, sondern auch den gleichnamigen Wettbewerb benennt, findet sich die Familie Williams bei den Events ein. Für uns als Läufer heißt das, wir können mit den Leuten reden, die unsere Klamotten “machen”. Mir gefällt es, wenn mir jemand erklärt, was er sich bei einem Detail an Jacke, Schuhen, Rucksack gedacht hat. Oder wie er auf den Namen für sein Baby kam: Triple2 ist nach der Nummer eines Trails am Gardasee benannt: 222. Authentischer geht’s kaum!

Die Serie
Wieso schreibe ich in meinem Laufblog über – worüber eigentlich? – über Wirtschaftsthemen? Ganz einfach: ich finde es geil wenn jemand seinen Gestaltungswillen umsetzt. Und ich finde, es lohnt sich, jenseits der Massenlabels Ausschau zu halten, und wenn’s nur deswegen ist, weil die meistens sogar die besseren Detaillösungen bieten. Ja, ich will der Herzblutfraktion Gehör verschaffen!
Als “Gearfreak”, Sympathisant jedweden Startups und Läufer schaue ich eigentlich dauernd nach ungewöhnlichen und neuen Lösungen; ich stoße immer wieder auf hochinteressante Produkte, Typen und Gründerstories.

Solche Firmen will ich in loser Folge hier vorstellen. Lasst euch überraschen!

p.s. ein Satz, der “es” treffend beschreibt, lautet “just do it”. Der stammt von einem der Großen, ist aber wie für die Kleinen gemacht.

p.p.s.die Fragen
Damit meine Portraits einigermaßen strukturiert bleiben – und ich nichts vergesse – habe ich den Machern einige Fragen geschickt. Fragen, die meiner Meinung nach interessante Aspekte beleuchten.

Bislang habe ich diese Liste:

– Wann hast du beschlossen, dein eigenes Label zu gründen?

– Was treibt dich an? (anders ausgedrückt: warum machst du das?)

– Dein lehrreichster Fehler war….?

– Wie groß ist das Kernteam?

– Wo siehst du dich in fünf Jahren?

– Wo kann man deine Produkte kaufen?

– Was dürfen wir von euch produktseitig noch erwarten?

– Auf welchen Gebieten seid ihr besonders stark?

– Was macht dir am meisten Freude in deinem Business?

– Wie sportlich bist du selbst?