Maslow, ganz oben: WeatherWool

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WeatherWool. Die Alliteration im Namen bleibt sogar in der Übersetzung erhalten: Wetterwolle. Ich erinnere mich an den Englischlehrer, der bei jeder Alliteration in helle Verzückung geriet. Wir lasen Macbeth von Shakespeare, und womit beglückte uns der gute William? Fair is foul and foul is fair. Das passt zur Kleidung von Weatherwool, die den Anspruch hat, auch schlechtes Wetter gut sein zu lassen.

die Story
Angefangen hat die Geschichte von WeatherWool im Jahre 2002, als Ralph DiMeo sich entschloss, seinen Beruf im Technikbereich einer Investmentbank zugunsten von Weatherwool an den Nagel zu hängen. Der Weg dorthin schien vorgezeichnet, denn schon in den Jahren zuvor trat er als eifriger Kunde von Wollkleidung in Erscheinung – so eifrig, dass er in das Wiederverkäuferprogramm rutschte. Und wo er schon mal als solcher gelistet war, dachte er sich, könnte er auch etwas mehr als für den Eigenbedarf nötig kaufen…
Leider, so schien es ihm, trafen sämtliche Hersteller damals Entscheidungen, welche der Qualität ihrer Produkte abträglich waren. Also überlegten er und seine Partner, was sie besser machen könnten. Schließlich will man einen Kunden nicht mit dem unschönen Gedanken zurücklassen, anderswo hätte es Besseres gegeben.

So ganz ohne Fehler lernt es sich nur schwer, und so gelangte WeatherWool erst auf Umwegen in den New York City Garment District. Dabei trägt der Bekleidungsbezirk der Stadt seinen Namen, weil dort Leute am Werk sind, die wissen was sie tun. Im Business-Neusprech würde man wohl Knowledge Cluster, oder, fachlich weniger korrekt, Community of Practice dazu sagen.

die Macher
Hinter WeatherWool stehen Ralph, Debby und Alex DiMeo, dazu kommen Berater, deren Expertise in Sachen Wolle, Design und Herstellungsverfahren das Kernteam nutzt. Am Telefon hat Ralph mir erzählt, dass er seine Begeisterung für die Natur und das Leben draußen schon in der Kindheit erkannte: damals war er fasziniert davon, Obst direkt vom Baum zu pflücken (ich kenne sowas). Vollkommen verständnislos beobachtete er, dass er das einzige Kind in der Nachbarschaft war, das sich am Apfelbaum bediente.
Essen aus der Natur, sei es als Jäger oder Sammler, hat ihn seither begleitet, und so ist er am liebsten draußen unterwegs – einen besonderen Genuss bereitet es ihm, bei Dunkelheit loszuziehen, um den Anbruch eines neuen Tages zu erleben. Übrigens: wer mehr darüber lernen will, wie sich Nahrung aus der Natur gewinnen lässt, findet auf deiner Projektseite www.DiningWild.com Anregungen.

Doch zurück zur Kleidung: Was macht ihm in seinem selbstgewählten Job am meisten Spaß? Der Austausch mit Kunden – und anderen Menschen, die in irgendeiner Form draußen aktiv sind. Ja, auch Läufer!
Läufer, gerade wenn sie Ultratrails laufen, dürften auch in etwa das Nutzerprofil haben, welches WeatherWool im Sinn hat. Denn deren Qualitätsanspruch lautet im Prinzip: wir wollen, dass unsere Kunden ihre Kleidung draußen benutzen, nicht auf Dinge verzichten müssen, weil ihre Klamotten schlapp machen – und das bitteschön zehn, zwanzig Jahre lang.
Nichts für die Fußgängerzone, eher für Etappenläufe im Schneeregen.

die ProduktePonchos_Alex_Rebecca_by_Laura_2015-05-10
WeatherWool, das zeigt ein Besuch der Website, macht nicht direkt Laufkleidung. Aber, ich schaue bekanntlich gerne weit über den Tellerrand hinaus, es gibt richtig coole Sachen, die ich gerade für lange Trails sehr interessant finde.
Am besten zähle ich auf, was mir ins Auge sprang.
Poncho. Ich mag Ponchos, vor allem wenn sie so kuschelig-urig daherkommen. Während des Laufens im Winter hätte er etwas nostalgisches an sich, in der Pause, nach dem Lauf – oder abends beim Grillen schaut er einfach urig aus. Wenn’s nicht superleicht sein braucht, kann ich ihn mir auch gut im Gebirge vorstellen. UTMB mit Poncho? Warum nicht?

Hut1Wo ich schon danach frage: Zu Abwechslung ein Hut gefällig? Ich meine das ernst. Seitdem ich bei einem 24-Stunden-Lauf mit dem Träger eines Strohhutes gesprochen habe, der in jederzeit jeder Mütze vorzieht (luftiger ist er mit Sicherheit), kann ich mir gut vorstellen, dass ein Hut den Läufling gut behütet.

Als AnorakAl’s Anorak ist eine Schlupfjacke, die dem traditionellen Laufdress sehr nahe ist. Ich habe nicht nur ein Faible für Schlupfjacken, sondern auch für Wolle. Beides zusammen sollte richtig schnuckelig werden. Ich will euch, liebe Leser darüber informieren, dass ich an dieser Stelle befangen bin. Ich habe Ralph ein, zwei Ideen zu diesem Teil geschickt, die ihm so gut gefallen haben, dass sie sogar in einem Prototypen umgesetzt werden. Hey, natürlich bin ich eitel! Davon abgesehen: schaut euch einfach das Bild an und stellt euch vor, ihr könnt euch von der rotblaugelb-bunten Funktionsfaser-Uniform abheben.

WeatherWool gibt es im Moment übrigens direkt von dort.

die Vision
Wohin führt die Reise von WeatherWool? Wenn es nach Ralph geht, werden sie sich in ein paar Jahren international einen Ruf für die beste Outdoor-Wollkleidung erworben haben.
Was das Sortiment betrifft, dürfen wir uns auf Stricksachen freuen, derzeit experimentiert das Team…

Zum Schluss noch eine dreifache Alliteration: WeatherWool Website

Click here for weatherwool_en“>English version

Maslow, ganz oben: Hill People Gear

Runner's Harness 2
Eine Sache gefällt mir an der Bloggerei besonders gut: ich finde auf meinen Streifzügen im Internet immer wieder hochinteressante Unternehmen, die meist mindestens ein Produkt im Sortiment haben, bei dem ich in spontanen Jubel ausbreche.
Hill People Gear aus Western Colorado ist ein typisches Beispiel dafür. Bevor ich alter Gearfreak auf das Objekt meiner Begeisterung zu sprechen komme, stelle ich euch Hill People Gear – und die Hill People vor.

die Story
Eigentlich wollte ich gerade schreiben, dass HPG aus einem scheinbar einfachen Impuls heraus entstanden ist: Wir wollen es besser machen. Ich muss grinsen, denn den selben Satz könnte ich bei jedem Artikel dieser Serie unterbringen, wahrscheinlich habe ich das auch getan.
Ich formuliere es etwas anders: HPG ist von Idealismus getrieben (japp, genau das ist der Kern dieser Serie, denn hier in der Spitze der Maslow’schen Bedürfnispyramide halten Gründer ein Stelldichein). Ein Idealismus, der von der Liebe zur Natur und zum Leben draußen getrieben ist, und der zusammen mit Kreativität und den hervorragendn Eigenschaften moderner Materialien erstklassige Produkte hervorbringt.

DownhillWer die Website von HPG – Hill People Gear – besucht, kommt sehr schnell darauf, dass hier echte Outdoormenschen am Werk sind. Leute, die begeistert in der Natur aktiv sind – egal ob es sich um Wandern, Angeln, Jagen oder Mountainbiken handelt. Es entstand unter anderem aus dem Bedürfnis heraus, einen Kontrapunkt zu trendigen super- irgendwas (hier bitte nach Lust und Laune irgendein Attribut einsetzen: superleicht, superbunt, super….) Ausrüstungsgegenständen zu setzen. Die Macher von HPG legen ihren Schwerpunkt auf einfache und zuverlässige Ausrüstung, die auch optisch im besten Sinne zeitlos ist.

Fehler sind ja bekanntlich lehrreich, wenn auch bisweilen schmerzhaft. Wir dürfen “die Hills” dazu beglückwünschen, dass sie vor der Gründung schon andernorts Erfahrungen machen durften. Evan Hill deutet auf seine Vorgeschichte in der DotCom-Ära. Ein oft gemachter Fehler vieler Dotcoms sei gewesen, zuviele Dinge gleichzeitig tun zu wollen: Zu viele Geschäfte, zuviele Produkte, zuviele Marketing-Aktionen.
Deshalb gilt für HPG die Devise: eins nach dem anderen.

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Ein Portrait von Hill People Gear wäre unvollständig, würde ich das Logo außen vor lassen. Das Wappentier – besser gesagt: den Wappenschädel hatte Evan anno 1994 in der Wildnis gefunden. Im Laufe der folgenden Jahre fanden Reflektionen über die unterschiedlichsten Dinge ihren künstlerischen Ausdruck in Verzierungen des Schädels, der heute das Unternehmen symbolisiert.

Damit man einen Eindruck davon bekommt, wie HPG tickt, empfiehlt es sich, auf deren Website vorbeizuschauen. Im dortigen Forum wird sehr offen diskutiert, und zwar auch über Konkurrenzprodukte. Dass Evan selbst mitredet, zeigt mir, weshalb ich kleine Unternehmen mag: sie sind authentisch.

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die Macher
Der studierte Anthropologe Evan Hill, Mastermind von HPG, “entstammt” den Dotcoms in Seattle. Wer – wie ich – die coole Zeit damals miterlebt hat, weiss was er meint, wenn er sagt Ich habe viel darüber gelernt, was man nicht tun soll, und ein wenig darüber, wie einem etwas gelingen kann. Irgendwie war ihm immer klar gewesen, dass er eines Tages sein eigenes Ding machen würde. Womit er allerdings nicht gerechnet hat: sein eigenes Baby lebt in einer völlig anderen Branche.

Wer, wie Evan und seine Mitstreiter Scot Hill und Brooke Edwards, an der Nahtstelle der Rocky Mountains und dem Colorado Plateau lebt, wird beinahe zwangsläufig zu irgendeiner Form von Outdoor-Aktivität verführt. Ihn treibt das Bestreben, mit einfachen, elegant-effizienten Lösungen dieses Land zu durchstreifen. Wenn er sagt, dass er seine Ausrüstung in zwanzig Jahren vielleicht auf ein asketisches Minimum reduziert haben könnte, spricht das in meinen Augen für ein Verständnis von Effizienz, das sich wohltuend von der üblichen Erbsenzählerei abhebt.

Draußen, bedeutet Evan & Co weniger die Aktivität an sich. Ihnen geht es darum, das Land zu erfahren. Klar spielt auch die Jahreszeit eine Rolle, und so findet man eine lange Liste von Lieblingsbeschäftigungen: Wandern, Skitouren, Mountainbiking und Touren mit Auto und Motorrad.

Wer so authentisch und fokussiert rüberkommt wie HPG, zieht einen entsprechenden Kundenkreis an: Leute, die ähnlich ticken. Keine Frage: Evan hat Spaß an seinem Job.

die Produkte
Wumme
Von HPG gibt es eine ganze Reihe von Dingen, die Läuflinge glücklich machen können. Fronttaschen zum Beispiel. Der geneigte Mitteleuropäer stellt zunächst konsterniert fest, dass deren ursprünglicher Daseinszweck im diskreten Transport von Schusswaffen besteht. Verständlich, dass man derlei Verteidigungsutensil lieber griffbereit an der Brust mit sich herumträgt, als im Rucksack. Aber es dreht sich eben nicht nur um die Knarre, sondern schlicht um Stauraum, der bequemen Zugriff bietet. Nachdem ich andernorts schon über das knappe Angebot für vorne gefällt mir die Idee einer Tasche nur vorne überaus gut. Von der Sorte gibt’s bei HPG gleich mehrere. Mein Favorit fürs Laufen wäre übrigens das Modell Rekon mit zusätzlichen Befestigungsgurten: das wäre mein Platz für eine Lampe.

Tarahumara 1
Wenn ein Rucksack den Namen Tarahumara trägt, weist das deutlich auf seinen Verwendungszweck hin. In der Tat ist er als Rucksack zum Laufe, Mountainbiken, Langlaufen etc. konzipiert. Darüber hinaus kann er als “Beiboot” auf einen größeren Rucksack geschnallt werden. Für Läuflinge vielleicht weniger relevant, aber es ist gut zu wissen, dass man könnte, wenn man wollte.
Der Clou: mit dem separat erhältlichen Runner’s Harness lassen sich Tarahumara und sämtliche Fronttaschen kombinieren.

Mountain Serape
Mein Lieblingsstück ist – jetzt kommt’s! – der Mountain Serape. Ein universell verwendbarer Gegenstand, der sich als Decke, Schlafsack, Poncho und Mantel verwenden lässt. Mit leichter Füllung aus Primaloft etwa so warm wie ein Sommerschlafsack, und leidlich wasserabweisend befriedigt er meine milde Obsession, was die Ruhephasen bei Outdoor-Aktivitäten betrifft. Ich stelle mir zum Beispiel vor, dass ich nach einem langen winterlichen Lauf nicht bibbernd und nassgeschwitzt am Auto stehen muss, sondern entspannt den Serape überziehe, um mich darunter umzuziehen. Oder der lange, oft bitterkalte, Rückweg vom Ziel des 50 km Laufes in Rodgau zur Dusche. Serape drüber, fertig. Nächtliche Pause beim 24-Stundenlauf, oder auf ‘nem 100 Meiler? Campingstuhl und Serape machen den Powernap gemütlich.
Kurzum: der Mountain Serape begeistert mich! Ich werde ihn in einem separaten Artikel würdigen.

Für die nächste Zukunft können wir eine Reihe weiterer großer und kleiner Rucksäcke erwarten, außerdem wird Hill People Gear mehr Bekleidung anbieten.

Kaufen kann man übrigens bei HPG direkt, mit TACWRK gibt es auch einen Anbieter in Deutschland.

die Vision
Hill People Gear setzt auf das vielgerühmte organische Wachstum; sie sind über den Punkt hinaus, an dem die Gründer alles selbst machen können (und wollen). Angesichts der vielseitigen Outdoor-Aktivitäten von Evan, Scott & Co. dürfen wir uns auf ein breiter werdendes Spektrum robuster, praktischer, zeitloser Ausrüstungsteile freuen.

Click for English version

Maslow, ganz oben: Khunu

freya_detailYaks. Ich kann mich an ein Buch aus meiner Kindheit erinnern – “Tiere in Berg und Tal”, darin waren zottige Tiere abgebildet. Yaks eben, wobei mir die Bezeichnung “tibetanischer Grunzochse” besser gefällt.
Ob die Grunzlaute Ausdruck tierischen Wohlbehagens sind, das sich einstellt, wenn der Asiate feine Wollfasern aus dem Fell des Tieres kämmt, entzieht sich meiner Kenntnis. Was ich indes lernen durfte ist, dass Yakwolle sich hervorragend für wärmdende Stoffe eignet. Dies wiederum inspirierte Julian Wilson, als er über ein Geschäftskonzept nachsann.

slingsby_brown_detdie Story
Dieses Sinnen war notwendig geworden als in Julian nach mehreren Jahren im Consulting-Business der Wunsch keimte, anstelle der Geschäfte anderer lieber seinem eigenen Geschäft nachzugehen. Ich wollte etwas Greifbares machen, etwas, das ich jemandem in die Hand geben kann sagte er mir am Telefon.
Darüber hinaus hatte der er Gefallen an Land und Leuten gefunden, und das hieß für ihn: mit der lokalen Gemeinschaft arbeiten. “Mit” im Sinne von mit ihnen zusammen, gemeinsam mit ihnen, partnerschaftlich - was faire Preise für gute Ware bedingt.

Schnell kamen Yaks ins Spiel, die traditionell als Nutztiere gehalten werden.
Verschiedene Konzepte wurden erwogen und wieder verworfen. Fleisch schied aus, weil dies zwangsweise das Ableben des Spendertieres bedeutet hätte.
Zu guter Letzt blieben mit Molkereiprodukten und Wollkleidung zwei Favoriten übrig. Wolle obsiegte schlicht weil sich Julian für warme Kleidung mehr erwärmen (man beachte das Wortspiel) kann als für Essen.

Warum überhaupt Yakwolle? Obwohl, oder gerade weil Merino im Mainstream angekommen ist, lohnt der Blick auf andere Wollsorten. Die bei Khunu verwendeten, dünnen Fasern der Yakwolle liegen von ihren Eigenschaften (Wärmeleistung zum Beispiel) her zwischen Merino und Kashmere. Der Preis übrigens auch.

Nachdem die Vorbereitungen abgeschlossen, Lieferanten und Partner gefunden waren, schlug 2009 die Stunde für Khunu.

der Macher
Wie bei vielen Gründern in dieser Serie wird auch im Gespräch mit Julian deutlich, dass es vorrangig Werte sind, die ihn antreiben: etwas Eigenes schaffen, unabhängig sein, Fair Play statt Preisdrückerei und Kennzahloptimierung.

Wer es etwas abstrakter mag, kann in Formulierungen wie dem leben des eigenen Lebensstils ebenso die charakteristischen Motive dieses Unternehmertyps finden wie einem Satz, den ich gerne als Originalzitat bringe: I love doing something I believe in.

Besonders bezeichnend, wie ich finde, ist der Umgang von Julian mit dem Wunsch, auch helle Kleidung anzubieten. Dazu muss man wissen, dass Yakwolle von Natur aus dunkel ist. Um sie aufzuhellen ist Bleiche nötig, Bleiche, die leider giftig ist. Und so lange dem so ist, bleibt Khunu dunkel. Sicher keine einfache Entscheidung, die Kuhnu aus meiner Sicht umso glaubwürdiger macht.

Khunus Kernteam besteht aus einer Handvoll Menschen, ein Designer kümmert sich um die Gestaltung.

Slingsby_02die Produkte
Um es vorweg zu nehmen: Khunu macht keine Laufkleidung, auch wenn man manch Teil zur sportlichen Ertüchtigung tragen kann. Eher noch danach – ich sinniere ja gerne über die Zeit nach der Anstrengung…
Der geneigte Khunu-Träger darf sich über klassisch-zeitlose Reise- und Freizeitbekleidung für jeden Zweck freuen.
Ich habe folgendes Szenario im Auge: ein aktives Wanderwochenende mit minimalem Gepäck. Genau ein Pullover. Umziehen unnötig, weil er von den Materialeigenschaften her zum schnellen Gehen – neudeutsch: Hiken – taugt, und vom Aussehen her für den Kneipenbesuch danach. Richtig geraten: Wolle garantiert Wohlgeruch.

Richtig witzig finde ich das (den? die?) Travel Wrap, vom Prinzip her ein Zwischending aus Schal und Plaid: Um den Hals, um Leib und Schultern beim Spaziergang, oder über die Beine auf dem herbstlichen Balkon scheint es ein universeller Reisebegleiter. Auf der Khunu-Website ist ein wunderbarer Artikel, der das ganze Einsatzspektrum beschreibt: Travels with a Wrap

die Vision
Klar, dass Julian aus Khunu keinen Riesenkonzern machen will. Klein und den eigenen Werten treu bleiben, heißt die Devise. Worauf wir uns freuen dürfen, soviel hat er verraten, ist eine Reihe von etwas preisgünstigeren Produkten aus leichterem Material. Das kann der anspruchsvolle Sportler auch bei intensiveren Aktivitäten tragen.

Chrisblackamundsen

Maslow, ganz oben: morphic

morphic-print-kelpWäre es nicht schön, könnte man sich lauftaugliche Kleidung nach Maß fertigen lassen? Art und Farbe von Ärmeln oder Kapuze individuell konfigurieren? Bei morphic aus Neuseeland geht das!

die Story
Bevor Halee Moss und Ray Singer, die Gründer von morphic, sich zusammentaten, waren beide schon längst dabei, ihre eigene Kleidung zu schneidern. Auf der Website von morphic steht ein wunderbarer Satz zu lesen, den ich hier gerne zitiere:

Morphic began as separate streams of creativity, flowing downhill on our own paths before joining to make a river.

Besagter Zusammenfluss der beiden Bäche kam durch die Lust auf ein gemeinsames Projekt zustande. Es folgte eine typische Gründerstory: öffentliche Fördermittel, private Darlehen (sprich: “Family and Friends”) und ein Standort im Arts Centre Market in Christchurch. Der Name lässt an ein kunterbuntes Miteinander von Künstlern, Designern, Musikern und anderen denken, und genau so darf man sich das Zentrum auch vorstellen. Ein Born der Kreativität!

Christchurch? Da war doch dieses Erdbeben….?

In der Tat. Und just dieses Erdbeben hat die Geschickte des Arts Centre Market, und dadurch auch morphic beeinflusst. Das Zentrum schloss, die Community löste sich auf, und morphic… aber hierzu später mehr.

morphic konnte sich sich relativ schnell einen internationalen Kundenstamm aufbauen. Kein Wunder, wo doch ein Aspekt klar im Vordergrund steht: Individualität. morphic stieß mit Maßfertigung in eine Lücke, die selbst kleinere Hersteller nach wie vor scheuen. Dass der Käufer seine Kleidung zum großen Teil auch noch selbst zusammenkonfigurieren darf, ist sozusagen das Häubchen Sahne obendrauf.

die Machermorphic-about
Halee Moss and Ray Singer liefen sich als DJs auf verschiedenen Festivals über den Weg, entdeckten ihre gemeinsame Vorliebe für coole, selbst entworfene Kleidung – dann geschah, was geschehen musste: morphic.

Strenggenommen sind es nicht die coolen Klamotten, sondern geteilte Werte, die morphic entstehen ließen. Wer hat schon Lust auf Wegwerfkleidung, wenn er etwas für jemanden anderen individuell erschaffen kann? Das ist beinahe so wie die liebevoll gestrickten Socken von der Oma: Lieblingsstücke. Gerne getragen, und in der physischen Wärme steckt immer ein Quäntchen großmütterlicher Liebe.

Ich will jetzt nichts von kratzigen Wollsocken hören, die irgendwer als Kind zu tragen gezwungen war. Wir bleiben bitte in der romantisch-verklärten Stimmung.

Werte.

Nachhaltigkeit und Leidenschaft.

Deshalb sind die Materialien biologisch abbaubar, und aus nachwachsenden Rohstoffen. Sie kommen aus lokaler Produktion – und das gilt nicht nur für die Stoffe, sondern auch für Reißverschlüsse und Knöpfe.

die Produktemorphic-womens-deeper-black-turquoise
Um es vorweg zu sagen: morphic ist kein Label für Laufkleidung. Andererseits kann man die Merino-Hoodies und T-Shirts vom Schnitt her ohne Weiteres zum Sport anziehen. Mir genügt das, um die Brücke zu bauen, auf der morphic in diesen Blog spaziert. Baumwolle gibt’s auch, ist vom Material her bekanntlich auf der unsportlichen Seite anzutreffen. Wobei ich mich nicht wundern würde, wenn Halee und Ray auf Nachfrage den Schnitt einer ansonsten baumwolligen Jacke in Merino umsetzen.

Wer bei morphic einkauft, kann sich auf eines verlassen: es passt. Herkömmliche Größenangaben sucht man auf der Website vergebens. “M”? “XS”? Fehlanzeige. Das ist so gewollt, denn die Perfect Fit Guarantee gebietet, dass der Käufer sich eines Maßbandes befleißigt, um die ermittelten Körpermaße an morphic zu schicken. Logisch, dass solcherart maßgefertigte Pullover perfekt passen.

Maßgeschneidert. Perfekt passend. Das ist die eine Seite.

Die andere Seite ist die Gestaltung.
Normalerweise geht “man” auf die Website eines Herstellers, tummelt sich eine Zeitlang in den Produktansichten, um das Teil zu ordern, welches am besten gefällt. À la carte. Von der Stange. Ist ja nicht schlecht, aber es geht besser.
Bei morphic kauft der Käufer zum Beispiel ein “Men’s Custom Metrix Merino Hoodie” in etwa so, wie er sonst ein Auto kaufen würde. Deshalb gibt es dort einen Konfigurator.
Welche Farbe darf der Rumpf haben? Und die Ärmel?

A propos Ärmel: normale Bündchen, oder sind Daumenlöcher genehm? Ich für meinen Teil würde Daumenlöcher nehmen, die sind einfach cooler. Oder gerade das nicht: sie sind wärmer.

Und die Kapuze? Rund oder spitz? Wo wir beim Thema sind: außen trägt sie die Farbe des Rumpfes, aber soll’s innen vielleicht etwas Kontrastierendes sein?

Womit wir beim Aufdruck wären: welche Grafik – und in welcher Farbe bitte?
Ach, es ist nichts dabei? In diesem Fall darfst du auch gerne deinen eigenen Entwurf schicken. Kostet Aufpreis, machen wir aber.

Leute, ich bin begeistert!

Das stolze Ergebnis deckt dann logischerweise eine beachtliche Bandbreite an Stilen ab. Ich musste immer an Musik denken.
Mit spitzer Kapuze und Kelp als Grafik leicht mystisch angehaucht erklingt Iowaska im Ohr, wogegen mich runde Kapuze mit dem Motiv namens Orbital mehr an Downset denken lässt.

Einfach nur geil. Versucht das mal woanders. “Hey, ich will die Kapuze mit jenen Ärmeln und die Grafik schicke ich euch zusammen mit meinen Maßen.” Ich lach’ mich scheckig, wenn ich an die Reaktion denke.

Bei morphic ist das Bestandteil des Konzepts. Normal.

das Ende
Normalerweise skizziere ich hier die Vision der Gründer. Wohin soll die Reise gehen, auf welche Produkte dürfen wir uns freuen, und so weiter.
Nicht so bei morphic, denn Halee und Ray haben beschlossen, morphic am 31. Juli Feierabend zu schließen.

Insofern hat mein Artikel eher den Charakter eines Nachrufs. Gestern habe ich morphic entdeckt, nur um heute den Nekrolog zu verfassen. Das ist vor allem deshalb schade, weil die beiden gezeigt haben, wie weitreichend sich Individualität verwirklichen lässt. Mögen sich andere inspirieren lassen!

Auf der Website steht zu lesen, dass die Gründer sich anderen Projekten zuwenden wollen, auf die sie sich freuen. Vor dem Hintergrund kann man den Schritt verstehen, dass sie das Kapitel morphic schließen wollen.

Soweit also zur schlechten Nachricht.

Die gute ist: bis 31. Juli darf noch bestellt werden. Endlich mal ein Angebot vom Typ Letzte Chance, das man ernst nehmen kann!

Hier geht’s zu morphic

Maslow, ganz oben: Kossmann Laufdesign

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Es ist etwas besonderes, den eigenen Namen auf “seinen” Produkten zu lesen. André Kossmann hat sich den Traum eines Labels Laufkleidung erfüllt – Qualitätsanspruch inklusive. Wenn mein Name irgendwo draufstünde, würde ich für würdige Produkte sorgen. André sieht das offenkundig genauso.

die Story
Wir schreiben das Jahr 2009. André Kossmann beschließt, endlich auf eigene Rechnung zu arbeiten, anstatt als unbequemer Mahner andere Unternehmen zu ihrem Glück zwingen zu wollen. Anders formuliert: er wusste, dass er es besser weiss – und schritt zur Tat.

Besser, das bedeutet zum Beispiel zu zeigen, dass sich erstklassige Laufbekleidung auch in Deutschland herstellen lässt. Dass sich Nachhaltigkeit, menschenwürdige Produktion und Spaß ander Arbeit sehr wohl miteinander vereinbaren lassen. Umweltfreundliche, schadstofffreie Textilien sind selbstverständlich.

Das kommt bekannt vor, oder?

Liest man immer wieder, auch und gerade bei kleineren Labels. Ich finde es vollkommen normal, denn bei Gründungen spielen Ideale eine viel größere Rolle als in “der Industrie”. Vor allem lassen sie sich schneller umsetzen. “Wertegetriebenes Unternehmen”, noch so’n Schlagwort. Funktioniert prima, wenn das Unternehmen mit Werten – nein, wegen der Werte! – gegründet wird. So wie André Kossmann eben. “Ich kann’s besser – schaut her, ich zeige es euch.”

Yes!

So soll’s sein!

Um an besondere Laufklamotten dranzukommen, geht man gerne etwas weitere Wege – die meisten Läuflinge sind schließlich Ausdauersportler – denn noch hinkt der Handel hinterher, wenn es um neue Marken geht. Einige Händler führen Kossmann, und zum Glück gibt es das Internet!

Übrigens: wie kam das Corvara Top zu seinem Namen? Nun, in diesem Ort kam André die Idee zum Design!
Ich liebe solche Anekdoten!

der Macherkossmann3
André Kossmann war früher selbst Leistungssportler – wenn er seinem Foto auch nur halbwegs ähnelt, würde ich sagen: das sieht man ihm an. Wobei er die übliche Metamorphose zum Genussläufer hinter sich hat: Entspannung und Spaß an der Bewegung sind ihm lieber als die Jagd nach dem letzten Zehntel.

So rank und schlank wie er selbst ist auch seine Organisation, ein Kernteam von vier Leuten entwickelt die Kollektion. Auch das – ich reite immer gerne darauf herum – zeichnet die coolen Firmen aus: klein und agil sind sie!

Was macht André am meisten Spaß im Job? Die Menschen sind es – Kunden, Kollegen, allesamt Sportler wie er selbst, und natürlich Produktion, das Tüftlen an der Kollektion.

Und da schließt sich der Kreis, denn der kreative Input für die Kollektion speist sich aus Andrés Freude am Laufen.

die Produktekossmann2
André will nichts mehr und nichts weniger als erstklassige Laufbekleidung anbieten. Eine nicht repräsentative Studie untermauert den hohen Anspruch. Hübsch geschwollen ausgedrückt, oder? Na gut, ich habe ein paar Lauffreunde gefragt, die mit Kossmann laufen, und die sind alle hochzufrieden.

Aber Spaß beiseite: einmal ansehen macht klar, dass Kossmann den Premium-Anspruch lebt.

Was mir beim Durchblättern des Online-Katalogs aufgefallen ist: André hat ein sehr klares System. Überschaubar, kann man es auch nennen. Keine fünfundachtzig unterschiedlichen Materialien, Kollektionen, Farben, die alle irgendwie das Gleiche können, sondern wohldurchdacht. Richtig cool finde ich übrigens die Materialkunde auf der Website. Nicht nur “cool”, sondern für textiltechnologische Laien wie mich auch notwendig.

Was darf ich dort lesen?

Wir wollen Transparenz bieten statt Anglizismen und Euphemismen zu verbreiten.

Sehr gut!

kossmann6Das RV Competition Shirt ist aus Meryl – dass der Stoff weich und geruchsneutral ist, will ich gern glauben. Und T-Shirts mit reißverschließbarem Dekolleté finde ich im Sommer cool. Im wahrsten Sinne des Wortes.

kossmann5Etwas lockerer sitzende Shorts und Hosen (“Trail Shorts”) lassen sich auch jenseits des Wettkampfmodus tragen. Schaut tiefenentspannt aus – und der Träger weiß, dass er könnte, wenn er denn wollte. Dem spontanen Entschluss, auf dem Heimweg vom Bäcker eine Tempoeinheit einzustreuen steht dann wirklich nichts im Wege!

Wer auf dem Foto genau hinschaut, erkennt die Kapuze am T-Shirt. Witzige Idee, gibt’s leider nur beim Damenmodell, dafür jedoch mit langem und kurzem Arm. Die blaue Dame ganz oben trägt es übrigens zusammen mit einer schmucken blauen Laufjacke. Damit mich niemand missversteht: Shirt und Jacke sind blau, nicht die Dame.

Wo ich gerade von Farben fabuliere, kann ich gleich einstreuen, dass ich als Freund kräftiger Farben freudig lächle, sobald mein Blick auf blau, orange, petrol (ist das petrolgrün?) fällt. Schwarz ist…nunja, auch in meiner Garderobe Standard. Leicht und bunt lautet das aktuelle Motto bei Kossmann. Gerne!

die Vision
Für die Zukunft heißt die Devise klein und fein. Mich beruhigt das, denn so brauchen wir keine Jackwolfskinisierung der Marke befürchten.
Stattdessen dürfen wir uns darauf freuen, dass die Kollektion überschaubar bleiben und sich immer weiter verändern wird. Yes!