Rezension “Siegen ist Kopfsache”

Ich finde, aus den meisten Büchern lässt sich irgendein Nutzen ziehen, etwas lernen. Im Sinne von “so schlecht kann man nicht schreiben”. Das gilt für die meisten, wohlgemerkt, denn “Siegen ist Kopfsache” ist eines von den anderen.

Dabei verspricht der Untertitel “Die mentalen Erfolgsstrategien der Ausnahme-Athleten” ziemlich viel, wie mich auch der Umschlagtext neugierig gemacht hat. Voller Vorfreude griff daher ich an meinem ersten Urlaubswochenende zum frisch erstandenen Buch, bereitete mir eine Kanne Tee, um mich in genussreichen Lesestunden von den Erkenntnissen, die der Autor Fitzgerald aufbereitet hatte, belehren zu lassen.

Leider hielt die Freude nur kurz.

Es begann im ersten Kapitel, beim Einführungsbeispiel.
Gegen ein solches ist nichts zu sagen, schließlich sind diese ein probates Mittel, um den Leser an das Thema heranzuführen. Viele Bücher illustrieren ihren Inhalt anhand von Beispielen, was ich an und für sich gut finde. Verstand und Emotion, sozusagen: Geschichten bedienen die Emotion, während der Verstand mit sachlichen Informationen gefüttert wird. Solcherart wird mensch über zwei unterschiedliche Informationsverarbeitungssysteme befüttert – passt!

Vielmehr passt es dann, wenn beides geliefert wird – und wenn, anders als in diesem eigenartigen Druckwerk, die Beispiele ihre Rolle erfüllen, welche darin besteht, den theoretisch-informativen Inhalt leichter verdaulich zu machen.
Nicht nur beim ersten, sondern auch bei jedem anderen Kapitel werden die Beispiele derart ausschweifend dargestellt, dass jedweder Bezug zum Thema verloren geht. Über (zu) viele Seiten hinweg werden Leben und Wirken der Sportler beschrieben und ihre Wettkämpfe mit dem Gegner und sich selbst en Detail ausgebreitet. Ich fragte mich oft, ob ich den entscheidenden Hinweis verpasst habe. Hatte ich nicht, weil es keinen gibt.

Außerdem folgen die Beispiele ausnahmslos einem simplen Muster:

Ein guter Sportler erkennt sein herausragendes Talent.
Er stellt fest, dass er unter seinen Möglichkeiten bleibt.
Tiefe Krise, Hinwendung zu anderen Aktivitäten.
Schlüsselerlebnis.
Neuer Anlauf und – schwupps! – wie von Zauberhand bricht der Bann und alles ist gut.

Und das in jedem Kapitel. Spätestens beim zweiten Beispiel hörte ich die Stimme in meinem Kopf, die dem Autor genervt zurief: “ja doch, ist gut, ich hab’s kapiert. Was ist jetzt anders? Wo ist der Punkt?”. Eine solche lustlose Aneinanderreihung stets desselben langweilt mich zutiefst.

Um meine Kritik an einem Beispiel zu illustrieren: Würde Fitzgerald ein Kochbuch verfassen, so erführe der Leser von einem sehr guten Koch, dem allerdings leider das letzte Quäntchen zum perfekten Rezept fehlt. Er stürzt ob des Ungemachs in eine tiefe persönliche Krise, in deren Folge er sein Tun anderen Feldern widmet. Als Postbote, Rechtsanwalt oder Programmierer beispielsweise. Natürlich lässt ihn seine alte Leidenschaft nicht los, weshalb er
– nach dem Gespräch mit einer Bezugsperson
– einem tiefen Sturz
– Handauflegen durch sich selbst
(etc., hier kann beliebig ausgewählt werden)
geläutert an den Herd zurückkehrt und fortan sein herausragendes Potenzial zu nutzen versteht.

Diese Geschichte bildet einen großen Teil jedes Kapitels. Jedes einzelnen Kapitels. Immer derselbe Ablauf.

Ach ja, ich hatte mich für ein Kochbuch als Beispiel entschieden. Der Leser wird leider enttäuscht, denn Rezepte der neu geborenen Meisterköche stehen keine drin. Bestenfalls erfährt er: mehr Salz.

Was war gleich wieder der Kern, um den es gehen soll?
Der Umschlagtext behauptet, viele Sportler würden im Wettkampf unter ihren Möglichkeiten bleiben – und, wenn zwei Athleten dasselbe Potential haben, gewinnt derjenige, der näher an seine Grenzen geht. Die Psyche also wieder mal. Ein hochinteressantes Thema mit plausibler These, die, denke ich, jeder nachvollziehen kann.
Es ist nur schade dass Fitzgerald viel ankündigt, ohne zu liefern. Dabei wäre es ein Leichtes, den Bogen zum Belastungs- / Beanspruchungsmodell aus der Arbeits- und Organisationspsychologie zu schlagen, um hier Ansatzpunkte oder Vergleichsmöglichkeiten zu suchen; Ähnlichkeiten und Unterschiede herauszuarbeiten.
Ebenso hätte er auf bekannte Werkzeuge verweisen können.

Weshalb kratzt er im gesamten Buch dermaßen an der Oberfläche?

Ich muss mich korrigieren: er kratzt nicht. Kratzer hinterlassen schließlich Spuren, gehen also in die Tiefe (wenn auch nur wenig). Diesem Vorwurf muss sich Fitzgerald nicht aussetzen, er berührt nichts. Nicht die Oberfläche, und schon gar nicht den Geist des Lesers.

Mit dem fehlenden Tiefgang könnte ich ja noch leben, wenn die Lektüre halbwegs kurzweilig wäre. Zur Not könnte sich ein Leser die wichtigen Punkte aus den Beispielen und dem Fülltext zwischen diesen herausfiltern. Wenn, ja wenn etwas wie eine inhaltliche Struktur zu erkennen wäre. Von Stichpunkten, Zwischenüberschriften oder gar Diagrammen, die einen roten Faden, oder Landmarken verdeutlichen könnten, will ich gar nicht reden (jedes Kapitel besteht aus einer Überschrift und Fließtext. Immerhin mit Absätzen). Weshalb das Buch überhaupt in Kapitel aufgeteilt ist, hat sich mir nicht erschlossen, jedes einzelne folgt dem gleichen Aufbau und transportiert nach der Lebensbeichte der Hauptfigur dasselbe Geblubber.
Aber meinetwegen, wenn es keine Zusammenfassungen oder prägnant formulierte Zwischenergebnisse gibt, geht es auch ohne – ich filtere selbst. Mein Filter blieb jedoch leer.

Schlussendlich handelt es sich bei “Siegen ist Kopfsache” um mehr als dreihundert Seiten Nichts; eine Nullnummer, die mich vor allem deswegen ärgert, weil das Thema so viel hergibt.

Ich tröstete mich durch den Kauf zweier weiterer Bücher; aus einem der beiden* zitiere ich gerne, denn es gibt die Richtung vor, die Fitzgerald hätte nehmen können:
Das Ziel des Mentalen Trainings besteht darin, sich in einen psychischen Zustand zu versetzen, der es ermöglicht, unter allen denkbaren Bedingungen die eigenen realistischen Leistungsmöglichkeiten zu entfalten.

In diesem einen kurzen Satz steckt mehr, als in dreihundert Seiten Papiermüll von Fitzgerald. Wäre das Buch unbedruckt, hätte es gleich viel Inhalt, ich könnte es aber wenigstens als Notizbuch verwenden!

* das rezensiere ich auch noch, soviel Spannung gönne ich mir! :-)

Celia Kuch – Athletik für Triathleten

Mit dem Athletiktraining für Ausdauersportler verhält es sich ähnlich wie mit gesunder Ernährung: jeder weiß um die Bedeutung; wenige praktizieren es: dabei ist ein fundiertes Athletikprogramm eine gute Basis für sportlichen Erfolg.
Celia Kuch, ihres Zeichens Triathletin, Sportwissenschaftlerin, Personal Trainerin, Triathlon Coach (ich hoffe, ich habe nichts vergessen, mich deucht, ich hätte noch von einem Master in Biomechanik gelesen. Wir dürfen also getrost davon ausgehen, dass sich die Dame auskennt), hat unter dem Titel Athletik für Triathleten ein solches veröffentlicht. Strenggenommen handelt es sich um ein zweiteiliges Programm: mit dem ersten Teil kommst du schon recht weit, mit dem zweiten noch weiter.

Übrigens: macht euch wegen des Titels der Programme keine Gedanken, ich könnte auch noch Triathlon anfangen. Geile Sportart, keine Frage, und für mich höchst reizvoll. Ich bleibe aber bei den Ultratrails, Kuschelkugeln und der Langhantel. Vorerst. Man soll ja nie “nie” sagen. Niemalsnicht. Davon abgesehen wird es der Körper dem gemeinen Läufling verzeihen, wenn dessen Geist einen Blick über den Tellerrand wagt. Denn die Übungen eignen sich zum Aufbau einer athletischen Basis für jede Sportart.
Ich stehe ja sowieso drauf, den eigenen Leib verschiedenartigen Belastungen (sprich: Sportarten) auszusetzen – das Hirn natürlich auch.

A propos “ich”. Wer mich länger kennt, oder öfter hier reinliest, dem ist wahrscheinlich aufgefallen, dass ich ab und zu über meine und des läuferischen Athletiktrainings gemeinsame Vergangenheit schreibe; stets mit dem Unterton “ach was war das damals eine schwere Pflicht, zu der ich mich einmal in der Woche zwang”. Meist folgt der Hinweis darauf, wie froh ich jetzt über meine Kuschelkugeln (vulgo: Kettlebells), Langhantel, Ringe und andere Spielsachen bin.

Pssst.

Wenn ich ganz still bin, glaube ich, ein leises Kichern hinter vorgehaltener Hand zu hören. So ein Höhöhö, jetzt fängt er wieder da an, wo er mal aufgehört hat.

Neien.

Tu’ ich nicht.

Ich befasse mich einfach gerne mit Trainingsthemen, und Athletiktraining ist ein solches. Ob mit dem eigenen Körpergewicht oder mit Hilfsmitteln, das Thema ist eminent wichtig. Und zur Abwechslung, man höre und staune, dürfen Eigengewichtsübungen auch bei mir Würze ins Training bringen.

Doch genug Vorgeplänkel, hinein ins Programm!

Beide Programme sind äußerst kompakt gehalten: nach einem kurzen Vorwort mit Empfehlungen zu Belastungs- und Pausenzeit geht’s zur Sache.

Im Wesentlichen bestehen die Programme aus zwei Teilen: den eigentlichen Kräftigungsübungen und einem abschließenden Dehnprogramm. Wobei “abschließend” sich auf die Position im Dokument bezieht. Mir ist schon bewusst, dass sich in der Frage, ob vor oder nach dem Training gedehnt werden sollte, die Geister scheiden. Zum Glück sind wir noch nicht so weit, dass darüber ein Krieg ausbräche, so wie zwischen Lilliput und Blefuscu, wo man sich über die Frage zerstritten hatte, ob ein Ei am dicken oder dünnen Ende aufzuschlagen sei. Ich zähle mich übrigens zu den Nach-dem-Training-Dehnern.

Teil 1 würde ich in einem Satz als Rundum-Athletik für den ganzen Körper charakterisieren. Die wesentlichen Körperregionen und Belastungsebenen werden sowohl im Kräftigungs- als auch im Dehnteil abgedeckt. Teil 2 ist anspruchsvoller, und sportartspezifischer – vor allem: mehr Beinübungen.
An Ausstattung bedarf es nicht viel: Theraband oder etwas Vergleichbares, Pezziball und Hantelstangen. Vom Pezziball und den Hantelstangen (die ich eh’ nicht habe), ist das in etwa die Ausstattung, die bei mir standardmäßig im Reisegepäck mitkommt, wenn ich mal beruflich unterwegs bin. Zum Seilhüpfen ist in den wenigsten Hotelzimmern Platz, Athletik mit Theraband und dem eigenen Körpergewicht gehen immer!

Mit den Dehnübungen (Teil1) und dem Faszientraining (Teil 2) verhält es sich wie beim Krafttraining: einfach und effektiv.
Faszientraining, wir erinnern uns, das ist die Zigarette danach für Sportler. Größe zählt bisweilen eben doch, und so eine Faszienrolle schlägt den Glimmstengel um Längen. Damit das Nachspiel (oder Vorspiel, je nachdem, wann das faszienierende Training in eine Session eingebaut wird), auch den gewünschten Effekt hat, skizziert Celia mit ein paar Sätzen, worauf der geneigte Sportling achten sollte.

Ich hätte mir in dieser Art ein, zwei Sätze über verschiedene Dehntechniken, oder einen Verweis darauf, dass es solche gibt, gewünscht. Allzu ausführliche Erörterungen hierzu, oder auch zu den Kraftübungen, hätten den Rahmen des Athletikprogramms zweifellos gesprengt, denn es setzt voraus, dass der Sportler entweder unter Anleitung trainiert, oder dass er eben weiß, was er tut.

Wie gesagt: Athletik für Triathleten ist eine superkompakte, sehr dichte Anleitung zum Training, und deswegen meiner Ansicht nach für jeden Menschen mit guter Eigenwahrnehmung zu empfehlen. Nicht nur für Triathleten…

Eine Sache muss ich zum Schluss noch loswerden, denn sie gefällt mir überhaupt nicht: jedes einzelne Foto rief mir eine klare Botschaft zu Du bist fett, ungelenk und hässlich.

Nun denn, wenigstens an den beiden ersten Punkten kann ich etwas ändern. Zwei von dreien, passt doch!

Bestellen könnt ihr die Programme übrigens hier: Athletik für Triathleten

Buchbüchertipps für lesende Sportlinge

Eine der schönsten Kombinationen meiner Leidenschaften Sport, Lesen und Lernen ist natürlich die Lektüre von Ratgebern zum Thema Sport. Neulich fiel mir auf, dass mich eine Handvoll Bücher nachhaltig beeindruckt hat. Besonders wertvoll, und deshalb eine klare Empfehlung wert.

Jetzt frag’ ich mich: was genau machte diese Bücher für mich zu etwas besonderem? Ja, ich stehe auf durchdachte Argumentation, darauf, dass ein Autor sich unterschiedliche Positionen zumindest angesehen hat. Oder, wenn er das nicht tat (warum auch immer), will ich als Laie wenigstens das Gefühl vermittelt bekommen, ich kann nachvollziehen, woher Ratschläge kommen. Unhinterfragte Weisheiten irgendwelcher Gurus scheinen mir oftmals als das, was sie vermutlich oft sind: Dogmen.

Lieber Leser, mach’ das genau so, wie ich es dir sage.

Warum?

Deshalb: jede Behauptung mit Begründung, jede Begründung mit Diskussion.

Nicht nur des guten Eindrucks wegen.

Freilich habe ich nicht an jedes der Bücher die oben skizzierte Messlatte angelegt, indem ich jede Argumentationskette formal analysiert hätte. Es ist halt auch so ein Gefühlsding. Aber, und das zeichnet all diese Werke aus, die Autoren liefern fundiertes Wissen, keine bloßen Behauptungen. Sie gehen systematisch vor – jeder auf seine eigene Weise, auf unterschiedlichem Niveau – und sie betten ihre Empfehlungen in einen stützenden Rahmen.

Unter dem Strich hat das bei mir dazu geführt, dass ich sie alle sehr gerne gelesen, und als ausgesprochen lehrreich im Sinne praktischer Tipps und horizonterweiternd empfunden habe. Außerdem nehme ich sie von Zeit zu Zeit gerne in die Hand, wenn ich etwas nachschlagen will, oder um mein Training zu verbessern.

Muss ich noch ansprechen, dass mich ein schöner Schreibstil anspricht?

Muss ich erwähnen, dass die Aufforderung zum Selbstdenken auf Basis neu erworbenen Wissens mich für ein Buch einnimmt?

Los geht’s, hier ist die Liste.

Running Sciencerun_science
Noch ein Laufbuch? Echt? Wo doch unter den am Meere liegenden Sandkörnern das geflügelte Wort kursiert “das gibt’s doch wie Laufbücher im Regal”, sobald von großen, tendenziell unnötig großen, Mengen die Rede ist.
Also ein weiteres Laufbuch. Allerdings eines, das die meisten anderen bei Weitem überragt, wie eine Sandburg am Strande. Weshalb? Nun, nicht von ungefähr trägt das Buch Science im Titel. Anderson greift althergebrachte Trainingsweisheiten auf – im Winter machen wir die langen, langsamen Läufe, gell?! – berichtet über die Studien, die ihren Ursprung lieferten, und diskutiert sie. Diskutieren heißt wirklich diskutieren, nicht verwerfen. Allerdings gelangt er oft zum Ergebnis, dass es andere, bessere (sprich: effektivere) Wege zum Ziel gibt.

Unter dem Strich ist Running Science ein angenehm zu lesendes, äußerst lehrreiches Buch, welches ich häufig zur Hand nehme.

Running Science
Owen Anderson
Verlag: Human Kinetics (8. August 2013)
ISBN-10: 073607418X

Overcoming Gravityov_gravity
BWE – bodyweight exercises – reiten auf der trendigen Welle, die vom Gerätetraining wegschwappt, um auf den Callisthenics-Ozean Richtung Functional Training zu überqueren. Dabei vergessen wir gerne, dass Turner nichts anderes tun, als mit ihrem Körpergewicht zu arbeiten. Steven Low, seines Zeichens einer jener Turner, liefert mit Overcoming Gravity eine umfassende Betrachtung vom Körpergewichtstraining, freilich durch die Brille des Turners betrachtet. Freunde von Umgangston und Übungen des militärischen Drills werden nicht auf ihre Kosten kommen.
Wer dagegen auf eine fundierte Hinführung zum Thema Aufwärmen, Abkühlen, Krafttraining, Prä- und Rehabilitation steht, und reichlich Futter für die individuelle Programmgestaltung: das ergänzt den reinen Übungsteil.
A porops Übungsteil: Low baut auf zunehmend schwerer werdende Übungstypen, wer den vorgestellten Progressionen bis zum Ende folgt, findet sich schlussendlich auf dem Niveau eines wettkampftauglichen Turners wieder. Ich für meinen Teil setze meinen Ehrgeiz darin, die drei ersten Einstiegsstufen erfolgreich absolviert zu haben.

Lockerer Schreibstil und der häufig zu findende Hinweis, der Leser solle selbst denken, statt dem Buch nicht wortgetreu folgen, machen Overcoming Gravity zu einem meiner liebsten Trainingsbücher.

Overcoming Gravity
Steven Low
Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform (12. November 2011)
ISBN-10: 1467933120

Kettlebell RxKB_Rx
Ich habe Kettlebell Rx an anderer Stelle schon rezensiert, weshalb ich mich hier relativ kurz fasse. Martone ist, soweit ich weiß, einer der ersten RKC Instruktoren, insofern also Mann der ersten Stunde. Mit Kettlebell Rx hat er meiner Ansicht nach eines der hilfreichsten Bücher zum Kettlebelltraining verfasst: anders als die meisten anderen sind die einzelnen Übungen äußerst detailliert beschrieben und durch Korrekturübungen ergänzt.
Zudem beschreibt er ausgesprochen viele Übungen. Man merkt, dass sich Martone mittlerweile der CrossFit-Bewegung angeschlossen hat, so führt er den American Swing als Übung auf, dessen Sinn ausgesprochen zweifelhaft ist. Würde ich eine Bewertung erwarten? Nein. Martone zählt die Übungen auf, ohne sich zu positionieren. Hier bleibt es dem Leser überlassen sein eigenes Urteil zu bilden. Da Anfänger im Kettlebelltraining ohnehin auf einen qualifizierten Trainer zugreifen sollen, bleibt Kettlebell Rx ein klasse Buch zum Thema.

Kettlebell rx
Jeff Martone
Verlag: Victory Belt Publishing; Auflage: Original. (15. Dezember 2011)
ISBN-10: 1936608995

Handbuch TrainingslehreHB_Trainingslehre
Soweit ich mich erinnern kann, war das mein erstes Buch zum Thema “Training”, das ich in grauer Vorzeit mal irgendwo am Wühltisch ergatterte. Damals, als zehn Kilometer noch eine lange Strecke waren…
Wenn ich es heute zur Hand nehme, stelle ich fest, dass viele Dinge im Training relativ gleich geblieben sind. Auch damals – 2000 liegt über 15 Jahre zurück – unterschied man Tempoeinheiten von Läufen im aeroben Bereich. Und die Autoren setzen den Begriff der Kondition schlüssig aus seinen Einzelkomponenten zusammen. Heute orientiere ich mein Training lieber an Running Science (siehe oben), dessen ungeachtet bleibt das Handbuch für mich ein Nachschlagewerk mit soliden Grundlagen.

Dietrich Martin, Klaus Carl, Klaus Lehnertz
Verlag: Hofmann; Auflage: 3., unveränd. Aufl. (2001)
ISBN-10: 3778040030

SporternährungSporternährung
Der Name des Autors weckt Kindheitserinnerungen in mir, denn zu meiner liebsten Lektüre gehörten damals die Geschichten um den Meisterdetektiv Konopka, der erfreulicherweise nicht damit sparte, Tipps aus seinem Handbuch “Meine Methoden” preiszugeben. So erfuhr ich, dass es zu seinen Prinzipien zählt, sich als Blinder Passagier stets vor dem Start in ein Flugzeug zu stehlen. Ein Grundsatz, der meinem kindlichen Gemüt damals einleuchtete, und den ich bis heute beherzige: auch als zahlender Fluggast nehme ich immer vor dem Start Platz.

Da kann man mal sehen, wie sehr die Kindheit für das Leben prägt.

Inhaltlich – jetzt wende ich mich der Sporternährung zu – liefert mir der Band aus dem BLV-Verlag genau die Informationen, die ich als Ernährungsmuffel gerne vorgekaut serviert haben will. Ich lerne von den Bedürfnissen meines Körpers und bekomme den Glykämischen Index und andere Begriffe leicht verdaulich präsentiert.
Zum Glück beschreibt Konopka (der Ernährer, nicht der Detektiv) auch verschiedene Nahrungsmittel im Hinblick auf ihre Zusammensetzung. In Kochbüchern fehlt sowas meistens, und was hilft es mir, wenn ich weiß, dass Glukose wichtig ist, wenn mir keiner sagt, dass ich dafür nur Zucker futtern muss. Ungefähr so komme ich mir oft vor wenn es um’s Essen geht.

Schöne Einführung ins Thema für essenstechnische Laien, die Sport treiben.

Peter Konopka
Verlag: BLV Buchverlag; Auflage: 16 Neuausg. (15. September 2015)
ISBN-10: 3835415026

Fixing Your FeetFYFeet
Auch Fixing Your Feet habe ich schon rezensiert, und seither etlichen Läuflingen ans Herz gelegt. Eigentlich gibt es dazu nichts weiter zu vermelden außer: Wenn du für deinen Sport die Füße brauchst, besorg’ dir dieses Buch!
John Vonhof
Verlag: Wilderness Press; Auflage: 0004 (12. Juli 2006)
ISBN-10: 0899974171

Feet in the Clouds

feet in the clouds
“Fell” nennen die Briten ihre Berge. Fell Running bedeutet, im hügeligen Gelände so schnell als möglich vom Start zum Ziel zu gelangen. Bei jedem Wetter. Meistens in direkter Linie bergauf, und in Falllinie wieder herunter. Egal, ob Geröll oder Gras, das Tempo “halsbrecherisch”.

Über diese faszinierende Sportart schrieb Richard Askwith das Buch “Feet in the Clouds”.

Das Werk zerfällt grob in zwei Erzählstränge, deren Kapitel sich abwechseln. Askwith berichtet von seinen eigenen Anstrengungen, die Bill Graham Round im Lake District (rund 100 km und 8000 Höhenmeter, genau lässt sich das nicht sagen, weil beim Fell Running jeder Läufer seinen eigenen Weg sucht) zu vollbringen, während im Wechsel dazu ein Kapitel mit Laufevents, Leuten und Legenden. Die Gliederung liefern die Monate eines jeden Jahres, was insofern praktisch ist, als Fell Running das ganze Jahr über betrieben wird.

Das Buch ist recht gut geschrieben, zuweilen blitzt etwas britischer Humor durch, allerdings will ich nicht verhehlen, dass der Funke nur manchmal überspringen wollte. Zu fern liegt die Fell Running-Gemeinschaft, als dass der noch nicht infizierte Leser gerne über einen unbekannten Lauf in einem unbekannten Ort lesen möchte. Noch eine lebende Legende? Ein weiterer Ort mit jahrzehntelanger Tradition?

Es wollte nicht immer funken.

Lichtblicke liefern jene Kapitel, die einen interessanten Einblick in den Zwist zwischen “Amateuren” und “Profis” geben. Ein Konflikt, der bisweilen groteske Züge angenommen haben musste.

Und Askwith ist hochaktuell in jenem Teil, der das Thema Sicherheit bei Fell Running Veranstaltungen diskutiert. In dem er von einer Sportart im Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne berichtet. Traditionelle Veranstaltungen, die sich einem breiteren Publikum öffnen, um sinkenden Teilnehmerzahlen zu begegnen, damit aber gleichzeitig ein Publikum anzuziehen scheinen, welches die Verantwortung für die eigene Sicherheit in den Händen des Veranstalters sieht.

Ist “Feet in the Clouds” nun ein lesenswertes Buch?

Bei Schneeregen in Höchstgeschwindigkeit über Stock und Stein einen Abhang herunterzurennen, den andere Menschen rückwärts auf allen Vieren zurücklegen, ist vollkommen durchgeknallt. Eine gute Idee also. Askwith gelingt es, bei allen Längen, die das Buch zum Teil hat, die Faszination von Fell Running zu transportieren.

Ja, “Feet in the Clouds” ist, als eines der ganz wenigen Bücher zum Thema, unbedingt lesenswert!

Taschenbuch: 352 Seiten

Verlag: Aurum Press; Auflage: PB Reissue (9. Mai 2013)

Sprache: Englisch

ISBN-10: 1781310564

11,17 €

Fit fürs Laufen (DVD)

Fit fürs Laufen

Fit fürs Laufen

Claudia Schneider und Till Sukopp haben sich mit ihrer DVD “Fit fürs Laufen” eines für Läufer wichtigen Themas angenommen: jener Fitness, die den Rahmen für bessere läuferische Leistungen bildet. Und so entführen uns die beiden in ein hübsches, wohnzimmerartiges Ambiente, um dortselbst Athletikübungen zu demonstrieren.

Ob es sich um ein Studio, oder ein “echtes” Wohnzimmer handelt? Die Frage ist nicht wirklich relevant, beschäftigt hat sie mich dennoch.

Doch zurück zum Thema. Claudia Schneider stellt im ersten Abschnitt “Übungen für den Alltag” richtig schicke, kleine Übungen für eben den Alltag, vor. Die lassen sich tatsächlich ohne Weiteres integrieren, selbst beim Zähneputzen. Auf einem Bein stehen und den anderen Fuß kreisen lassen. Geht doch!

Am Ende dieses Kapitels grüßte mich die Ausrede “Ich würde ja gerne, aber…” noch kurz, bevor sie sich endgültig verabschiedete. Einfacher geht’s nun wirklich nicht.

Die nächsten Blöcke decken jeweils einen Schwerpunkt ab: Massage & Stretching, Beweglichkeit & Stabilität, Stabilität & Spannkraft und Ganzkörperkraft. Klar, dass sich dabei Überschneidungen ergeben. In jedem Bereich demonstriert Till Sukopp eine Menge an Übungen, die sich sinnvoll ergänzen.

Lernt man Bewegungsabläufe mit einem Film besser erlernen lassen als aus einem Buch? Ich würde die Frage mit “kommt auf das Buch und den Film an”, beantworten.

Heißt der Film “Fit fürs Laufen”, klappt das Lernen überaus gut. Der promovierte Sportwissenschaftler Sukopp untermauert die Übungen mit sachkundigen Erläuterungen. “Hier muss es ziehen, da die Dehnung zu spüren sein”. Insofern spielt er die Stärke eines Films aus, denn genau solche Kommentare unterstützen mich beim Nachmachen. Was ich übrigens noch während des ersten Ansehens tat.

Beim Zusehen freute mich ein Punkt besonders: während die Sportler in anderen DVDs oftmals aussehen, als seien sie aus Plastik, konnte ich nicht nur Schweissperlen auf Till Sukopps Stirn erkennen, nein, er keucht sogar! Auf mich wirken solche Übungen glaubwürdiger, wenn sich auch der Trainer anstrengen muss.

Für die Übungen selbst braucht man keine Hilfsmittel – allenfalls Tennisbälle oder eine Blackroll zur Selbstmassage – es handelt sich ausnahmslos um Übungen mit dem eigenen Körpergewicht.

Die meisten kann man, sofern man kann, in verschiedenen Schwierigkeitsgraden ausführen, die Sukopp erklärt. Zudem werden die Abstufungen als Zahl eingeblendet.

Nebenbei bemerkt, mein Favorit sind eingesprungene Ausfallschritte. Wow!

Läufer-Warm-Up und Intensiv-Workout, die beiden letzten Abschnitte, kombinieren zum großen Teil Übungen aus den vorhergehenden Kapiteln.

“Warmlaufen”, das war gestern. Seit ich das Aufwärmprogramm neulich ausprobiert habe, starte ich mit gut vorbereitetem Körper – und gut gelaunt – direkt ab der Haustür.

Und der Name “Intensiv-Workout” hält, was er verspricht: Einmal Workout mit allem. Auf der DVD sind es 30 Minuten, in der Praxis wird man mit wahrscheinlich etwas länger brauchen. Danach, soviel sei versprochen, wird sich der gesamte Körper angenehm “benutzt” anfühlen.

Auch diese beiden Programme werden erstklassig präsentiert, sie machen Lust darauf, selbst loszulegen. Jedenfalls ging es mir so.

Ein Wort zur technischen Seite: die DVD ist so zu bedienen, wie man es erwartet; ich musste mich lediglich daran gewöhnen, dass der Klick auf einen Menüpunkt in zunächst auswählt. Zum Starten bedarf es eines weiteren Klicks. Ton- und Bildqualität sind einwandfrei. Angesehen habe ich Fit fürs Laufen mit dem VLC Media Player unter Windows XP.

Fazit: Wer ein komplettes Athletikprogramm sucht, wird mit Fit fürs Laufen fündig. Vollständig, gut strukturiert und erklärt: klasse!

Auf der Website www.fitfuerslaufen.de gibt es mit dem Warm Up Paper und Trainings Booklet zwei ergänzende ebooks zum Download.

Fit fürs Laufen DVD
Peter Brose Media Marketing
ASIN: B00A9VS3CC
15,90 €