Hoka One One Mafate 2

Erinnert sich jemand an Moonboots? Die waren damals, in den Jahren nach der ersten Mondlandung heftig angesagt. Auch wenn das seinerzeig noch „modern“ hieß. Als ich das erste Mal Schuhe von Hoka One One sah, fühlte ich mich spontan an Moon Boots erinnert. Eigenartig. Warum eigentlich nicht Plateauschuhe? Vermutlich, weil ich als Kind keine trug. Im Gegensatz zu Moonboots. Die Dinger sehen schon witzig aus, wenn man sie nicht am Fuß hat, angezogen wirken sie etwas klobig, was mich umso neugieriger machte, wie es sich denn darin liefe. Ach ja: der Hersteller heißt Hoka One One, wurde von zwei laufbegeisterten Franzosen gegründet, die ihre Produkte nach einem Wort der Maorisprache benannten. „Hoka“ bedeutet, sinngemäß übersetzt, „Zeit, zu fliegen“.


Beschreibung
Hoka One One Mafate 2
Gewicht: 330 g (gewogen)
Hoka One One sieht den Mafate 2 als Trailschuh. Dementsprechend verfügt er über eine gut profilierte Sohle. Das grundlegende Konzept von Hoka One One stützt sich auf zwei wesentliche Merkmale: einerseits eine vorn stark nach oben gebogene Sohle – ähnlich MBT-Schuhen, nur mit dem Unterschied, dass der Rest der Sohle flach ist. Sie soll das Abrollen erleichtern. Zudem setzt Hoka One One auf viel, auf sehr viel Dämpfung. Satte zweienhalb Mal das Volumen einer herkömmlichen Sohle habe man verbaut, sagt der Hersteller. Man denkt, wenn schon nicht ans Fliegen, so doch immerhin an das Laufen auf einer Wolke. Somit bilden diese Schuhe gewissermaßen die Antithese zur Philosophie jenes Teils der Natural Running Bewegung, die auf Dämpfung weitgehend verzichtet.
Damit die entsprechend größere „Flughöhe“ dem Läufling nicht ein Gefühl der Instabilität gibt, ist die Sohle recht breit.
Auch wenn es nicht so aussieht: die Mafate haben kaum Sprengung!
Erfreulicherweise sind die Teile nicht annähernd so schwer wie sie aussehen. Mit 330g liegen sie in der gleichen Gewichtsklasse wie meine Salomon Speedcross.

Test
Anziehen und Passform: Die Mafate sind für meine breiten Füße in Ordnung; das „andere“ Trailmodell, genannt Stinson, ist vorne deutlich schmaler geschnitten. Der erste Eindruck ist, nach einigen Minuten des Herumziehens und Justierens an den Schnürsenkeln, sehr gut. Ich hätte gerne einen Klemmverschluss gehabt, den gibt’s aber nur bei den Stinson. Egal, Tankas lassen sich nachrüsten.

Als ich die Mafate kaufte, hatte ich eine Reihe von Gedanken, von Fragen im Kopf. Vor allem Dingen erhoffe ich mir durch die dicken Sohlen, dass wunden Fußsohlen, die ich auf langen Ultras gerne mal entwickle, ausbleiben. Die endgültige Antwort hierauf wird mir der UTMB geben, beim Test- und Träningslauf über steinige Trails spürte ich deutlich, dass ich fast nichts spürte. Sowas kann man nicht beschreiben, man muss es ausprobieren. Oder nehmt ein dickes Stück festen Schaumstoff, einen kleinen, spitzen Stein drunter und steigt drauf. Der Druck ist zwar da, wird aber auf eine größere Fläche verteilt, und die Spitze ist nicht fühlbar.
Und wie schaut es mit der Stabilität aus? Kein Unterschied zu anderen Schuhen mit dünnerer Sohle. Dadurch, dass die Sohle einerseits recht breit ist, andererseits die Ferse schalenartig umschließt, ist von einem unsicheren, kippeligen Gefühl nichts zu spüren. Jedenfalls gilt das für das Kippen um die Längsachse. Weil die Sohle vorne hochgezogen ist, hatte ich anfangs das Gefühl, ich würde nach vorne umkippen. Tue ich ja auch, denn die natürliche Abrollbewegung wird durch diese Form unterstützt. Nach einiger Zeit hatte ich mich daran gewöhnt.

Was mich allerdings am meisten erstaunte, ist der unwahrscheinliche Grip, den das Profil aufbaut. Meine Teststrecke führte mich einen Mountainbiketrail hinab, und selbst auf den steilsten Abschnitten kam ich nicht ins Rutschen. Sicher, es war trocken. Dennoch war ich beeindruckt.

Fazit
Viel Dämpfung, dicke und breite Sohle, die vorne stark abgerundet ist. So lässt sich das Konzept von Hoka One One in wenigen Worten beschreiben, das hielt, was es verspricht. Ich würde die Hokas sicher nicht für einen schnellen Zehner auf Asphalt verwenden, auch nicht bei einem Marathon. Gerade Ultras dürften aber für jede Schonung ihrer Füße dankbar sein.
Eigentlich der perfekte Schuh für die Prinzessin auf der Erbse – und Ultraläufer.

Kombigeräte

Die Versuchung war groß. Sehr groß. Ich stand vor einem höchst attraktiven Laufleibchen, welches nicht nur bodygemapped war, sondern dazu noch an Schultern und Oberkörper eine wind- und wasserabweisende Hülle hatte. Also exakt dort, wo ich sie mir wünsche! Vorne konnte man zwei Eckchen aufklappen, um Lüftungsöffnungen freizugeben. Damit die Stoffteile dort bleiben, wo sie nicht stören, hatte man eine Befestigung nicht mit Klettverschluss, sondern per Magnet vorgesehen. Eine wahrhaft ingenieuse Lösung! Den kurzen Reißverschluss muss ich wohl nicht extra erwähnen, wohl aber die in Rückenmitte verlaufende Lüftungsöffnung. Und dieses herrliche Traumleibchen, dieses Wunderwerk der textil gewordenen Kreativität bot man zu einem beinah lächerlich günstigen Preis feil! Ich habe es nicht gekauft.

Ich besitze auch weder Laufsocken mit integrierten Gamaschen, noch Windstopper T-Shirts oder Vergleichbares. Und das, obgleich mich für diese Dinge begeistern kann. Es würde mir gefallen, wenn ich bei etwas Wind nur ein Kleidungsstück aus dem Fundus greifen müsste; ein Kleidungsstück, welches mehrere Schichten des Zwiebelschalenprinzips in sich vereint. Mein einziger Besitz, der so einigermaßen in diese Richtung geht, ist ein per Schnurzug zum Beanie zusammenziehbarer Fleeceschlauch, der an Stirn und Ohren einen Windschutz aufweist.

Aber, werden viele Läuflinge nun fragen, wenn er das so toll findet: weshalb kauft er’s dann nicht?
Nun, eigentlich ist es ganz einfach. Beziehungsweise nicht.
Nehmen wir ein T-Shirt als Beispiel. Beinah jeder Wettkampf beschert dem aktiven Läufling ein weiteres, hochwertiges Funktionsshirt. Dazu gibt die in Schichten organisierte Garderobe noch Langärmelige Leibchen verschiedenster Dicke her, sowas sammelt sich im Lauf (sic!) der Jahre einfach an. Obendrüber, je nach Witterung, Windweste, Regenjacke undsoweiter.
Angenommen, ich lege mir ein Windstoppershirt zu. Und wäre entzückt! Nach einigen Einsätzen nimmt es dann ein Aroma an, welches einen Waschgang nahelegt. Also griffe ich zu einem der anderen Shirts, das ich wetterbedingt mit einer mich vor dem Wind schützenden Weste ergänzen müsste.

Was mache ich eigentlich, wenn es mir mit dem Windschutz mangels Wind zu warm wird? Die Weste kann ich ausziehen, der Windschutz bleibt dran, da kann ich leiden, wie ich will. Davon abgesehen ist der Wind- und Wetterschutz umso wirkungsvoller, je weiter außen er in der Zwiebelschale angeordnet ist. Eine sturmfeste Basisschicht bedeutet, dass obendrüber ein, zwei Schichten liegen können, durch die es fröhlich hindurchpfeift. Ich will nicht leugnen, dass ich ein brustgepanzertes T-Shirt wahrscheinlich bei einer Witterung noch solo tragen würde, die mich ansonsten zur zweiten Lage greifen lassen könnte, dass ein Kombiprodukt, stabiles Wetter vorausgesetzt, wahrscheinlich einige Gramm Gewicht einsparen könnte.
Unterm Strich ziehe ich die größere Flexibilität des Zwiebelschalenprinzips vor, bei ich die Schichten bei Bedarf getrennt von einander einsetzen kann. Aktuell, das bedeutet: zum Zeitpunkt, zu dem ich dies hier verfasse, scheint mir die Kombination aus Zwiebel mit Bodymapping als „besonders wertvoll“.

Letzten Endes sind Verbundklamotten Spezialwerkzeuge mit einem eingeschränkten Einsatzfeld, in dem sie ein wenig besser funktionieren als gemeinsam getragene Schichten. Spezialfälle sozusagen. Vielleicht bin ich zu geizig, noch mehr spezialisierte Klamotten zu kaufen.

Craft of Sweden Zero Extreme Zip Turtleneck

Craft Zero Extreme
Craft Zero Extreme Zip Turtleneck

Wann immer mir der Name „Craft of Sweden“ begegnet, erinnere ich mich an ein Buch, in dem auf das damals neue Zwiebelschalenprinzip geworben wurde. Wer hat’s erfunden? Wahrscheinlich irgendein Mensch vor zweihundert Jahren. Werblich genutzt, und konsequent eine Produktphilosphie darauf aufgebaut hat es als eines der ersten Unternehmen – richtig, Craft of Sweden, dunnemals in den 1970er Jahren. Zwischenzeitlich firmiert man als Craft of Scandinavia und konzentriert sich auf Ausdauersportarten wie Langlauf, Radfahren und eben Laufen. Für jede Schicht gibt es mehrere Produktlinien, die, wer hätt’s gedacht, unterschiedliche Marktsegmente, vulgo: Preiskategorien, ansprechen.
Die Active Extreme Reihe (anderswo Zero Extreme, ich komme etwas durcheinander, wenn das Zeug bei verschiedenem Namen gleich ausschaut) sieht Craft als Baselayer, welches direkt auf der Haut getragen wird.

Beschreibung
Craft of Sweden Zero Extreme Zip Turtleneck
Das Shirt besteht außen aus Thermolite Hohlfasern (Fasern mit hohlem Luftraum) zur Wärmedämmung, innnen sorgt Hexachannel Coolmax® Extreme innen für Kühlung und den Abtransport von Feuchtigkeit. Ein hoher Kragen schützt den Hals, er wird durch einen recht weit nach unten reichenden Reißverschluss ergänzt.
Gewicht: 130 g (Größe M, gewogen)

Test
Erster Eindruck
Craft Baselayer sind eng, meine anderen aus der „Zero“-Serie (Ohne Extreme) musste ich in Größe L kaufen, weil ich bei M das Gefühl hatte, eingeschnürt zu sein. Nun also ein Zero Extreme testweise in M. Siehe da, das Material ist in alle Richtungen sehr elastisch, es ist eng, fühlt sich jedoch super an; keine Spur von Eingeengtsein. Zudem ist es Craft gelungen, in Puncto Weichheit Maßstäbe zu setzen. Gefällt mir noch besser als die so schon sehr weichen Zeros. Der Kragen liegt gut an, ohne eng zu sein. Ich mag hohe Kragen, sofern ein Reißverschluss dabei ist denn, mit einem niedrigen Kragen greife ich, wenn es kalt ist, letzten Endes doch immer zum zusätzlichen Buff. Also bittschön einen hohen Kragen mit RV.

Laufen kalt
Bedingungen: zwischen 8 und 14°C, bedeckt, leichter Wind, trocken
Drüber: anfangs ein dünnes Longsleeve ohne Kragen, welches ich im späteren Verlauf auszog.
Ich trug das Zero Extreme (…) beim Bienwald Marathon im März. Und wenn es ein einziges Kriterium geben soll, anhand dessen ich Kleidung bewerte, es würde heißen: „merke ich, dass ich etwas anhabe?“. Konkret bedeutet das: kein Frieren oder Schwitzen, es zwickt nicht, kratzt nicht… Und dieses in einem möglichst breiten Klimabereich.
Nein, ich habe das Craft nicht gespürt. Zu Beginn, speziell noch vor dem Lauf, war es etwas frisch in den beiden dünnen Leibchen, naturgemäß gab sich das, als ich in Bewegung war. Ich konnte das sicherheitshalber übergeworfene Longsleeve nach kurzer Zeit ausziehen, und konnte somit „nur“ Craft erfahren. Weder fror ich, noch wurde es im späteren Lerlauf, als die Temperaturen leicht anstiegen, unangenehm warm. Mit dem langen Reißverschluss ist es ein Leichtes, sich Temperaturschwankungen und den Wünschen des Körpers anzupassen. Kühl –> Rollkragen, Warm –> Decolleté. Oder halt irgendwas dazwischen. Zugegeben waren die Bedingungen so, dass keine allzu hohen Anforderungen an das Shirt gestellt wurden. Trotzdem glaube ich nicht, dass ich mein „Urteil“ revidieren muss, denn letztlich geht es in der Hauptsache um den Tragekomfort, wenn man sich bei der Kleidungswahl nicht völlig vertut. Was dann wiederum zu Lasten des Läuflings geht.

In jedem Fall will ich das Teil noch bei wärmerem Wetter ausprobieren, und natürlich im Winter im Zusammenspiel mit weiteren Schichten. Fortsetzung folgt also.

Fazit
Superbequemens Laufshirt mit breitem Einsatzfeld.

Nathan QuickDraw Elite

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Nathan QuickDraw Elite

Wer denkt sich eigentlich solche komischen Produktnamen aus? Quickdraw. Schnell ziehen. Schnellzieh-Holster aus Leder sind ein Quell der Freude für alle Waffennarren, bei mir wecken sie Kindheitserinnerungen: ich war zu Fasching oft als Cowboy unterwegs, den Colt in der Mitte meines Oberschenkels baumelnd, wie John Wayne persönlich. Dieser Test bezieht sich jedenfalls auf eine Wasserflasche mit Tragehilfe, damit die haltende Hand schön locker bleibt. „Nathan QuickDraw Elite“ weiterlesen

Adidas ClimaCool Netzhemd

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adidas ClimaCool Netzshirt
Jüngst erstand ich am Wühltisch im Laufladen meines Vertrauens ein schwarzes Netzhemd. Nachdem ich nicht der große Hitzeläufer bin – ich bevorzuge Umgebungstemperaturen um 15°C – schien es mir als gute, weil kühlere, Ergänzung zu normalen Funktionsshirts. Nun macht es das Wesen eines Netzes aus, dass es aus mit Fäden verbundenen Löchern besteht, mithin also mehr direkte Angriffsfläche für Wärmestrahlung auf der Haut bietet. Anders ausgedrückt, fragte ich mich, ob das nicht ein Zuviel (eher zuwenig) des Guten sei, schließlich ist bedeckte Haut im Schatten, freiliegende dagegen nicht. Nun denn, beim Preis von 10 Euro kann man nicht allzu viel verkehrt machen.

Beschreibung
Adidas verspricht durch ClimaCool Wärme- und Feuchtigkeitsmanagement durch Ventilation. An Vorder- und Rückseite des Shirts, sowie außen an den Oberarmen ist der Stoff etwas dichter als das ansonsten verwendete Netz.

Gewicht: 83 g (Größe M, gewogen)

Test
Erster Eindruck
Schon beim Anziehen wirkt das ClimaCool Shirt ausgesprochen luftig, adidas hat den Bodymapping-Ansatz mit der Kombination aus, atmungsaktiver Perforation und richtigem Netz gut hingekriegt, zumindest sind genau die Stellen luftiger, an denen ich mir immer mehr Durchzug wünsche, während mir ein reines Netzhemd auch im heißen Sommer oftmals zuwenig Schutz vor Zugluft zu bieten scheint. Auf der Haut wirkt der Netzstoff etwas rau, ein Eindruck, der sich später beim Laufen bestätigte. Der Blick durchs Netz auf meine weiße Haut mahnt mich, bei längeren Einsätzen dieses Hemdes den Sonnenschutz auf größere Körperflächen aufzutragen.

Laufen
Bedingungen: ca. 28°C, sonnig, schwül.
Zugegeben, nicht gerade Hardcore-Bedingungen für ein Klimaleibchen, dennoch eignet sich das Wetter, um den Unterschied zu anderen Laufshirts zu erkennen. Die luftdichteren Teile sind dort, wo sie hingehören, so dass ich nicht ständig denke, ich sei der Zugluft ausgesetzt. Stattdessen spüre ich eine angenehme Brise durch die Netzflächen streichen, die den Körper kühlt. Was mir allerdings auch auffällt, sind die scheuernden Nähte, die auf längeren Strecken lästig werden können. Alles in allem war ich eine sehr angenehme Stunde unterwegs, in der ich zwar auch schwitzte, allerdings fühlte ich mich nie nass.

Fazit
Ich verbuche meinen ersten Kontakt mit konsequent auf Kühlung ausgerichteter Laufkleidung als Erfolg. Im Vergleich mit Funktionsshirts ohne „Cool“ laufe ich bei Wärme deutlich, nun, kühler eben. Für die ganz langen Strecken würde ich dieses spezielle Hemd wegen der Rauheit, vor allem der Nähte, nicht verwenden; für zwei, drei Stunden sollte es aber passen. Im nächsten Winter werde ich ausprobieren, ob es als Basisschicht taugt, schließlich setzt der norwegische Hersteller Brynje ausschließlich auf Netzunterwäsche.
Außerdem bin ich neugierig geworden, wie die „coolen“ Klamotten anderer Marken taugen. Ich werde euch berichten.
Ich bin neugierig, wie sich andere unter dem Stichwort „Cool“ vertriebenen Leibchen tragen
adidas ClimaCool 1
adidas ClimaCool 2