Roughstuff Deubelskerl

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Ich liebe es, wenn es funktioniert. Eifrige Freunde des A-Teams werden sich an den Ausspruch von Hannibal erinnert fühlen: sein Satz Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert hat es zum geflügelten Wort gebracht. “Es” ist in meinem Fall jedoch das Material, aus dem meine Klamotten sind – und mit Loden wiederum ein echter Klassiker unter den Stoffen.

Tobias Stork von Rough Stuff hat Loden aus der jagdgrünen Ecke herausgeholt, um eine Reihe erstklassiger, funktioneller Kleidungsstücke zu schaffen. Sportlich gestaltet, gibt es mit dem Deubelskerl eine Jacke, die für alles taugt. “Dem” Deubelskerl? Ich gerate in sprichwörtlichen sprachlichen Zweifel. Es heißt der Deubelskerl, Jacken sind aber weiblich. Die Deubelskerlin?

Liest zufällig ein Germanist mit?

Besser, ich wende mich dem eigentlichen Thema zu.

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Beschreibung
Die Deubelskerl genannte Jacke (mit der Formulierung ziehe ich mich aus der Affäre) besteht, mit Ausnahme von Kleinkram wie Netztaschen oder Reißverschlüssen, ganz und gar aus Loden – also Schurwolle.
Insgesamt vier Taschen (zwei Napoleontaschen und zwei mit Netz hinterlegte Taschen) bieten reichlich Stauraum und “Handwärme”.
Neben dem üblichen Schnurzug im Saum, und der verstellbaren Kapuze (Größe mit Schnurzug am Hinterkopf und, wie üblich, am Umfang), ist ein weiterer Zug am Hals vorhanden. Mit ihm lassen sich Kopf und Hals noch besser vor den Unbilden des Wetters schützen. Aber dazu später mehr.

Material: Loden – 100% gewalkte Schurwolle
Netzfutter: 100% Polyester
Gewicht: 800g (Größe M, gewogen)
Farbe: schwarz

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Test
Erster Eindruck
Ja, es ist Loden, also würde ich die Jacke nicht auf der bloßen Haut tragen wollen. Davon abgesehen gefällt mir, wie der Stoff fällt: etwas steifer als dünnere Materialien, und doch weich. Ich fasse sie (die Jacke!) gerne an, so warm und weich im Griff ist sie (die Jacke!).
Die Passform ist für mich perfekt, der Saum liegt locker an, so dass ich mich gut und locker bewegen kann. Richtig cool finde ich die Länge der Ärmel: etwas länger als üblich, reichen sie knapp bis zur Handmitte. So kann ich die Finger zum Wärmen bequem einfahren – Schildkrötentaktik!

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Der absolute Hammer ist die Kapuze. Kapuzen sind ein Thema für sich, im Falle des (der?) Deubelskerl ein echtes Bravourstück. Zunächst einmal passt sie mir perfekt – und dann sind da noch die drei Einstellmöglichkeiten. Klar, einmal ums Gesicht herum kennt man von den meisten Hoodies. Hinten am Kopf lassen sich Kapuzen an vielen der besseren Jacken enger oder weiter stellen. Was ich zum ersten Mal sehe, ist ein weiterer Schnurzug am Hals. Ob auf- oder abgesetzt, der Hals bleibt warm, und nichts zieht.
Bevor mich die Begeisterung davonträgt: der Reißverschluss geht schön weit nach oben, zumindest das Kinn muss nicht frieren.

Napoleontaschen finde ich seit jeher super: leicht zugänglich und ausreichend groß (ein Notizbuch DIN A6 passt rein). Gar riesenhaft sind im Vergleich die Haupttaschen weiter unten. DIN A5 ringt ihnen ein müdes, unterfordertes Schmunzeln ab. Na gut, ich hab’s verstanden…

Bedingungen: zwischen -3 und +12°C; Schnee, Regen, Nebel, Sonne. Teilweise windig
Drunter: T-Shirt, dünnes langärmliges Baselayer (Craft Active).

Wo fange ich an? Vielleicht mit der Feststellung, dass Loden nicht vollkommen winddicht ist, sondern ein wenig Luft durchlässt. Für mich ist das diesseits von Sturm und zu magerer Unterschicht (nicht soziologisch gemeint) genau so wie ich es haben will. Allzu dichte Stoffe lassen mich schnell an Hitzestau denken, und das Lodenlüftchen macht gerade sportliche Aktivitäten sehr ersprießlich. Ein Bekannter von mir trägt die Jacke auch zum Radfahren, und ist begeistert!

Regen, damit erzähle ich wahrscheinlich niemandem etwas Neues, lässt Loden zwar nass (und demnach schwerer) werden, es bleibt aber trotzdem warm. Wenn es richtig gießt, würde ich mir wahrscheinlich eine Regenjacke drüberziehen (drunter wäre eine Alternative, das müsste man mal ausprobieren), leichten Regen oder Schnee kratzt weder Jacke noch ihren Träger.

Warm ist das Ding allemal, beim Laufen reichte mir ein dünnes Baselayer drunter auch bei Minusgraden. Wenn ich weniger aktiv war (Deubelskerlchen begleitete mich zum Stadtbummel, beim Wandern, und auch sonst fast überallhin), habe ich über meine normalen Klamotten einfach eine Weste gezogen – gerne stilecht die Lodenweste von Rough Stuff, das ging dann locker auch bei Minusgraden.

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Am anderen Ende der Skala habe ich die großen Reißverschlüsse der seitlichen Taschen zur Belüftung verwendet. Dank Netzfutter kann ordentlich Wärme abgeführt werden. Das so ein Detail, zu denen mir sofort gut durchdacht einfällt. Von der Kapuze und den Ärmeln habe ich ja schon geschwärmt.
Ich ließ tatsächlich öfter mal die Handschuhe zuhause, um unterwegs die Schildkrötentaktik anzuwenden.

Waschen brauche ich die Deubelskerl übrigens immer noch nicht, obwohl ich den Winter über öfter mit ihr laufen war.
Wolle stinkt eben kaum einmal, und falls doch, genügen normalerweise ein paar Tage des Lüftens.
Meistens hatte ich sie übrigens jenseits sportlichen Tuns an, sie schaut einfach zu cool aus, um sie nur dafür zu nutzen.

Fazit
Loden mag für Laufkleidung noch unüblich sein, angesichts der Eigenschaften hat es der Stoff meiner Meinung nach verdient, dass sich dies ändert. Vor allem dann, wenn eine derart gut durchdachte, vielseitige Jacke daraus hergestellt wird.
Was taugt zum Laufen, Wandern, Radfahren, Pferde Stehlen, Stadtbummel? Genau. Ein Deubelskerl. Oder sein weibliches Gegenstück.

Mehr Info: Roughstuff
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Buffalo Teclite Shirt

Buffalo Teclite Shirt 1Drei Schichten lautet das eherne Gesetz, will der aktive Mensch sich korrekt gekleidet in der Natur bewegen: während die Basisschicht Feuchtigkeit von der Hautoberfläche ableitet, dient eine weitere, darüber liegende, der Wärmedämmung. Über dieser wiederum schützt eine Hülle vor Wind und Regen.

So weit, so bekannt.

Buffalo Systems realisiert alle drei Schichten in einem. Das klingt nach vollmundigem Marketingblabla, ist es jedoch keineswegs. Weshalb nicht? Hierzu machen wir einen kurzen Ausflug in die Theorie.
Drei Schichten, bedeutet nicht notwendigerweise drei verschiedene Kleidungsstücke, sondern eben drei Schichten, von denen jede eine bestimmte Funktion erfüllt.
Buffalo Systems nutzt eine Kombination aus Faserpelz und Pertex. Ersterer ruht mit den feinen Spitzen auf der Haut, wodurch erstens Feuchtigkeit leicht verdunstet, um nach außen geleitet zu werden, weiterhin isoliert die Luftschicht zwischen den Fasern. Pertex wiederum, ein sehr leichtes Gewebe, schützt vor Wind und Wetter. Ganz wasserdicht ist Pertex übrigens nicht, lediglich wasserabweisend.
Deshalb dringt bei längerem Regen Wasser hindurch; es soll, so die Überlegung, gar nicht erst bis zur Haut vordringen, weil die Feuchtigkeit im Fell hängenbleibt, um dortselbst zu verdunsten. Das klappt bei leichtem Regen, sagt Buffalo.

Klingt interessant, oder?

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Beschreibung
Das Teclite Shirt ist aus einem leichteren (sprich: nicht ganz so warm wie etwa das Mountain Shirt) Faserpelz gefertigt, der sich auch für intensivere Aktivitäten eignet. Die verstellbare Kapuze (ebenfalls aus Faserpelz / Pertex) ist außen am Stehkragen befestigt. Eine Känguruhtasche nimmt Landkarten auf, was Teilnehmer von Orientierungsläufen und Mountain Marathons freuen wird. Darunter befindet sich eine Tasche, die von beiden Seiten per Reißverschluss zugänglich ist und somit als Muff dient. Außerdem kann der Hüftgurt eines Rucksacks auch durch diese Tasche verlaufen. Lange Reißverschlüsse an den Seiten erleichtern das An- und Ausziehen und dienen der Belüftung. Mit dem Riemen im Inneren der Mufftasche lässt sich die Jacke enger an den Körper ziehen, außerdem befindet sich ein verstellbarer Zug im Jackensaum.

Material: Pertex® 4 Ripstop shell
Fast wicking Teclite micro-pile lining
Gewicht: 510g
Farbe: dunkelblau

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Test
Erster Eindruck
Gefühlt fühlt sich der Außenstoff der Jacke – nein: des Shirts – dünn an. Durch dickes Dornendickicht würde ich damit nicht laufen wollen. Ansonsten: superflauschigweiches Innenleben, und eine Vielzahl an Reißverschlüssen. Die beiden großen an der Seite bleiben zum Anziehen tunlichst offen, und, ganz wichtig: erst in die Ärmel schlupfen, dann ist das restliche Überstülpen ein Kinderspiel. Mit passt die Jacke – nein: das Shirt – wie angegossen. Damit die Funktion gewahrt bleibt, müssen Kleidungsstücke dieses Typs recht knapp sitzen. Buffalo Systems liefert deshalb nicht in den grob gestuften Größen S,M,L usw., sondern nach einem System, welches sich am Brustumfang orientiert. Es lohnt sich, genau zu messen!
Die Kapuze passt perfekt, und die Ärmel lassen sich über die Ellenbogen nach oben schieben – Teil des Klimatisierungsprinzips: Belüftungsöffnungen auf und zu, statt Schichten an- und ablegen.

Bedingungen: zwischen -5 und +13°C; Schnee, Regen, Nebel, Sonne. Teils sehr kräftiger Wind
Drunter: T-Shirt, dünnes langärmliges Baselayer (Craft Active Extreme) – oder nichts.
Eigentlich habe ich die Jacke schon seit dem vorletzten Jahr. Und wer sich an den vergangenen Winter erinnert, kann sich gut vorstellen, warum ich erst jetzt über mein Teclite Shirt – nein, es ist keine Jacke – berichte: das Wetter war nicht schlecht genug. Knapp zehn Grad und Niesel war in etwa das Übelste, was Shirt und ich “erdulden” mussten; kaum geeignet, um die Grenzen des Shirts auszuloten.

Buffalo Teclite Shirt 5Zum Glück gestalteten sich Herbst und Winter dieses Mal anders, und ich kann schlichtweg sagen, dass das Shirt bei jedem Einsatz perfekt funktionierte.
Neugierig, wie ich auf das ungewöhnliche Ein-Kleidungsstück-Mehrschichtensystem war, habe ich mich beim ersten längeren Lauf über die Kombination aus Wind, Schnee und deutlich unter Null gefreut. Alle Reißverschlüsse dicht, ebenso den Schnurzug im Saum und den Hüftgurt fest, Kapuze aufgesetzt – und mir war mollig warm. Bei stürmischen Böen war ein wenig Belüftung zu spüren, aber nicht so, dass es unangenehm oder gar kalt geworden wäre. Mir ist das lieber als völlig winddichte Schichten, unter denen sich die Hitze staut.
Die dünne Basisschicht war, wie ich bei einem späteren Versuch feststellen konnte, unnötig gewesen. Wenn überhaupt etwas darunter, dann nur der Hygiene wegen.

Ist das Wetter etwas besser gelaunt, sagen wir: um oder knapp über Null Grad, schlägt die Stunde der Belüftungsöffnungen. Ärmel nach oben, Brustreißverschluss auf, ebenso die Mufftasche sind ein guter Anfang, doch die großen Öffnungen an den Seiten machen den Reiz dieses Typs Kleidung aus. Fein in der Länge justierbar (es sind schließlich Zweiwege-Reißverschlüsse) geht zwischen ganz dicht und nur unten geschlossen alles. Dreizehn Grad und Sonnenschein fallen natürlich nicht mehr unter den Begriff artgerechter Einsatz, aber es geht, und das sogar recht gut. Ich brauchte nicht einmal zum Äußersten greifen: Shirt im Poncho-Modus tragen, also die seitlichen Reißverschlüsse von unten her komplett öffnen.

Richtig cool finde ich die Möglichkeit, auf seitlichen Wind zu reagieren. Dort, von wo es pustet, bleibt der RV geschlossen, auf der anderen Seite entweicht die Hitze. Klasse!

Unterm Strich bleibt der Eindruck, dass ich über einen sehr großen Temperatur- und Wetterbereich immer ein angenehmes Körperklima beibehalten konnte. Wo mir normalerweise die Wahl bleibt, etwas zu warm oder ein wenig zu kühl angezogen zu sein, beziehungsweise eine Kleidungsschicht an- oder auszuziehen, hantierte ich fröhlich mit Reißverschlüssen herum. Sehr angenehm, wie ich finde, denn mir wird recht schnell warm beim Laufen.

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Fazit
Interessanter Ansatz, der sehr gut funktioniert. Für lange Ultras (UTMB zum Beispiel), bei denen entweder mit Dauerregen zu rechnen ist, oder Regenkleidung zur Pflichtausrüstung zählt, genügt das Teclite alleine nicht. Da braucht’s dann entweder eine zusätzliche Regenjacke, oder eben doch die Kombination aus mehreren separaten Schichten.
Für alles drunter ist das Teclite eine echte Universalwaffe.

Müsste ich mich zwischen Oktober und März auf ein einziges Kleidungsstück festlegen, das hätte Teclite gute Chancen.

Mehr Info: Buffalo Systems

ausbüx’n: Cober Ultra Trail

Cober 1
In den letzten Jahren sah ich öfter gerade Trailstöcke fester Länge, die mich mit einer sehr langen Griffzone erfreuten. So etwas will ich – und begab mich auf die Suche. Fündig wurde ich bei der italienischen Marke Cober, die mit dem Ultra Trail genau solche Stöcke im Programm hat.

Cober 2
Flugs beschuf ich mir ein Paar in fruchtig-frischem Limettengrüngelb, auf dass ich meine Hände künftig frei positionieren möge: bergauf etwas weiter unten, abwärts höher. Nach kurzer Zeit erreichte mich ein langer, schlanker Karton aus Italien….

Cober 3
Die leicht gewellte Griffzone hat vom ersten Eindruck her genau die Härte und Größe wie ich es mir wünsche, dabei bin ich natürlich neugierig, wie griffig das Material bei Wind und Wetter sein wird. Stabil wirkende Schlaufen wecken mein Vertrauen wenn ich etwa daran denke, dass ich mich auf einer langen nächtlichen Bergabpassage müde in sie hinein stütze.

Cober 4
Ordentliche Spitzen machen einen guten Eindruck, im Vergleich zu CFK-Stöcken sind die Cober schwerer und wirken superstabil, wobei “robust” vielleicht der passendere Begriff ist, denn, anders als bei CFK kann ich mir zumindest vorstellen, mit den Ultra Trail ein Wildschwein in die Flucht zu schlagen. Hoffentlich nimmt mich niemand beim Wort, ein stockfuchtelnde Läufling beeindruckt wahrlich keine Sau.

Angesichts meines neuen, hügelig-trailigen und zweifelsohne auch wild beschweinten Laufreviers scharre ich mit den Hufen, um die Cober Ultra Trail auf Herz, Nieren und weitere Innereien zu prüfen.

Keen Marshall

KEEN Marshall
Keen kennt man – zumindest ich – in erster Linie von Trekkingsandalen. Aber: Keen stellt auch Wanderschuhe her – der Marshall ist ein solcher mit wasserdichter, atmungsaktiver Membran. Wie schlägt er sich an des Läuflings Fuß?

Beschreibung
Keen Marshall
Der Marshall von Keen ist ein Halbschuh, der für Wandern und Geländelaufen konzipiert ist. Die Membran namens KEEN.DRY verspricht atmungsaktiv und wasserdicht zugleich zu sein.

Material: Obermaterial aus Kunstfasergewebe mit atmungsaktiver Membran. Sohlenaufbau Gummi außen, PU-Zwischensohle, herausnehmbare Innensohle.
Gewicht: 434 g (Größe 44, gewogen)
Farbe: grau / orange

Test
Erster Eindruck
Ich hatte mich für Größe 44 entschieden – gut eineinhalb Größen mehr als ich von der Länge her brauche. Beim Auspacken konnte ich einen Freudenschrei nur schwer unterdrücken: sollte KEEN zu jenen Herstellern gehören, die ein Herz für breite Füße haben? Flugs flog ein Fuß in den Schuh: sie haben! Es passt nicht nur in der Länge, sondern auch in der Breite! Dergestalt positiv voreingenommen machte ich mich an einen ersten Spaziergang, von dem nichts Sensationelles zu berichten ist. Das bedeutet: sehr bequemer Schuh, sitzt gut, ich kann mir vorstellen, ihn über längere Zeit zu tragen.

Was das Thema Membran betrifft, bin ich mittlerweile recht skeptisch, gerade bei Schuhen. Wasser, das über den Rand in den Schuh hineinläuft, braucht unverhältnismäßig lange, um wieder nach draußen zu gelangen: der Fuß bleibt nass. Außerdem sind meine Füße schnell warm, so dass mir jedes Quäntchen Luft willkommen ist.
Andererseits weiss ich es zu schätzen, wenn ich trockenen Fußes durch flache Pfützen, oder über eine feuchte Wiese laufen kann. Gerade bei letzterem konnte ich den Marshall intensiv auf den Zahn fühlen. Die Wasserprobe, sozusagen.

Laufen
Bedingungen: ca. 20 °C, Sonne, Asphalt, Waldwege
Drunter: Icebreaker Merinosocken
Als ich mit den Marshall an den Füßen loslief, tat ich dies aus zwei Beweggründen: ich wollte herausfinden, wie sich die Fortbewegungsart “mit Flugphase” in den doch vergleichsweise Schuhen anfühlt, und natürlich ging es mir bei den hohen Temperaturen um Erkenntnisgewinn auf mikroklimatischer Ebene vulgo: schwitzen die Haxen?

Alldieweil die Marshall konzeptionell bei den Wanderschuhen angesiedelt sind, hatte ich kaum mit leichtfüßigem Rennen gerechnet, trotzdem “geht” auch Laufen. Abrollen klappt – und dieser Platz in der Zehenbox!
Was das Fußklima betrifft, würde ich beim Laufen die Obergrenze deutlich unter den 20 Grad ziehen, bei denen ich unterwegs war. Wie gesagt, meine Füße brauchen eher Kühlung als Heizung.

Gehen / Wandern / Alltag
Bedingungen: verschieden (auch drinnen getragen), Asphalt, nasse Wiese, Feldweg, Trails
Drunter: Verschiedene Socken
Was sie wirklich draufhaben, konnten die Keen vergangenen Oktober anlässlich des OMM in Wales zeigen. Gelaufen bin ich nicht in ihnen, trug sie allerdings während der Anreise und, vor allem, im Camp, welches witterungsbedingt größtenteils aus aufgeweichter Wiese bestand. Um es kurz zu umreißen: wir waren das einzige Team, welches ohne Gummistiefel herumlief.

Regen, teils arg heftig, matschige Wiese, 10° Celsius: Perfekte Bedingungen, um Wanderschuhe zu testen.
Ich konstatiere hocherfreut, dass meine Füße warm und trocken blieben.

Nicht nur der Vollständigkeit halber habe ich die Schuhe danach ab und an auf kleineren Wanderungen getragen. Nachdem sie bereits gezeigt hatten, bei welchem Wetter ihre Stärken (aber auch Grenzen) liegen, wollte ich die restlichen Punkte auf meiner inoffiziellen Checkliste abhaken.

KEEN Marshall Sohle
Wie steht’s um die Griffigkeit der Sohle?
Auf Steinen (jetzt frage bloß keiner, welche Gesteinsart, ich habe keine Ahnung. Was auch immer im Pfälzer Wald anzutreffen ist) gab es ebenso wenig Grund zur Klage, wie auf Waldboden. Die sprichwörtliche nasse Wiese hatten wir schon, auch dort war alles bestens, wobei sich sämtliche Versuche oberhalb des Gefrierpunkts abspielten.

Und der Halt im Schuh daselbst? Schützten Schuhe die Füße?
Zuweilen hält die Sohle bombenfest im Untergrund, in den sie sich förmlich hineinkrallt – nur der Fuß rutscht im Schuh umher. Dazu spürt man jedes Steinchen durch die Sohle.
Letzteres habe ich kaum erwartet, Keen sorgte mit der Sohlenkonstruktion dafür, dass Prinzessinnen über Erbsenplantagen wandern können, ohne den zarten Füßlein Gewalt anzutun.
Zumindest meine Füße behielten ihren angestammten Platz im Schuh ohne große Rutscherei. Das Band, welches seitlich am Fuß von der Schnürung zur Sohle geht, mag hierzu einen Beitrag leisten.

Übrigens: auch bei fester Schnürung fühlen sich die Füße nicht eingeschnürt an.

Fazit
Als ich den Artikel schrieb, drängte sich ein Begriff in den Vordergrund, der die Keen Marshall für mich gut bezeichnet: der Landrover unter den Schuhen. Klar, sie sind als Wanderschuhe gedacht, eignen sich mit Abstrichen aber auch für eine Vielzahl anderer Aktivitäten.
Ich stelle sie mir zum Beispiel als Universalschuh vor, wenn ich mal mit wenig Gepäck reisen möchte: als Reiseschuh, für den Stadtbummel, eine Wanderung – und für den verlockenden Trailrun zwischendurch.

Julbo Zebra Ultra

julbo3Ich laufe gern mit Sonnenbrille, obwohl ich beim Laufen ungern eine trage. Und ich sehe ein, dass ich eine Erklärung schuldig bin, die das Paradoxon auflöst. Ja, mir ist es lieb, wenn es mir erspart bleibt, bei schönem Wetter andauernd die Augen zuzukneifen. Strengt schließlich an, ich warte noch drauf, dass sich bei einem sonnenreichen Sommer Waschbrettstrukturen in meinem Gesicht herausbilden. Strandmuskeln mal anders!
Dagegen nervt es mich, wenn im Laufe eines langen Laufes Schweißschlieren an den Gläsern absetzen. Den trüben Blick würde ich mir lieber ersparen.
Dann muss eine Brille gescheit sitzen: Weder soll sie den Nasenrücken kitzeln, noch auf und ab hüpfen. Auch darf sie nirgends drücken, oder vom Kopf fallen.
Und was tue ich bei wechselnden Lichtverhältnissen? Rein in den Wald: Schatten. Lichtung: Sonne. Wolken: Halbhell.

Soweit die Herausforderung.

Auftritt: Julbo Zebra Ultra.
Julbo selbst hakt auf der Website einige der Punkte in meiner Einleitung ab, also eröffne ich mit einer Checkliste, die ich später zu prüfen gedenke:

  • Belüftung gegen Schweißschlieren? Check!
  • Tönung passt sich den Lichtverhältnissen an? Check!
  • Guter Halt? Check!
  • Leicht und meiner Anatomie anpassbar? Check!

Nun denn, wenn die Brille – wieso nenne ich das Ding eigentlich Sonnenbrille, wenn es erstens auch ungetönt lebt, und zweitens auch Wind von meinen Äuglein fernhalten will? Auf dem Fahrrad kann ich sie schließlich auch tragen. Sportbrille würde besser passen! Was die Macht der Gewohnheit halt so macht.

Gewicht: 30 g (ohne Hülle und Transportbeutel, gewogen)

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Leicht ist sie in der Tat, die Zebra Ultra. Das schwerste Teil des Ensembles, das aus einer recht festen Box und einem leichteren Transportbeutel besteht (plus Putztuch und Gebrauchsanleitung), ist die Box, während die Brille so gut wie nichts wiegt. Dreißig Gramm eben.
Erfreulicherweise sind die meisten Anbauteile geschraubt, im Falle des Falles lässt sich also ein Teil austauschen. Sehr reparaturfreundlich, sowas gefällt mir.
Rauf auf die Nase, vor die Augen mit dem Ding!

Test
Bedingungen: um 20°C, wolkig
Wolkig, das bedeutet: ideale Bedingungen mit wechselnden Lichtverhältnissen. Warm genug für die Schweißproduktion.
So begebe ich mich auf eine schöne Runde, die mich über freie Felder in den Wald, und von dort wieder zurück führt. Mir fällt auf, dass mir nichts auffällt. Anders ausgedrückt: ich trete aus dem Haus, und ertappe mich anfangs dabei, dass ich öfter nach meinem Gesicht greife, um mich davon zu überzeugen, dass ich die Brille noch aufhabe. Ein gutes Zeichen, eigentlich sind mir die Klamotten (ich werfe die Brille in diese Kategorie) sympathisch, die ich nicht merke.
Dieses Kaum-Spüren blieb übrigens bis zum Schluss erhalten, was für mich den Schluss einer tagestauglichen Brille nahe legt.

Zur Unspürbarkeit leisten die photochromen Gläser einen großen Beitrag. Gläser ist gut, aus Glas sind die Gläser natürlich nicht, anders wäre die Zebra deutlich schwerer. Ich tippe auf Polycarbonat. Woraus sie auch sein mögen, die Tönung reagiert überaus rasch auf mehr oder weniger Helligkeit, und das ist gut so, denn ich bin ein echtes Sensibelchen. Brillen mit fester Tönung setze ich hektisch auf- und wieder ab, das hat schon den Charakter von Armcurls. So schone ich wertvolle Kraftreserven: meine Arme bleiben unten.

Weil mir diese Anpassungsleistung gar so umbemerkt vonstatten ging, habe ich zuhause mit einem einfachen Versuchsaufbau herumgespielt. Eine Seite im Sack, die andere in der Sonne. Sack weg, und warten, wie schnell beide Seiten die gleiche Tönung angenommen haben. Die Fotos wurden im Abstand von ungefähr zehn Sekunden aufgenommen, der limitierende Faktor war nicht die Brille, sondern die Speicherung der Kamera!
Bei genauem Hinsehen erkennt man, dass im vorletzten Bild das rechte Glas etwas heller ist als das linke.


Von meinem kläglichen Versuch, gleichzeitig Auslöser und Stoppuhr zu betätigen, während ich (mit welchem Körperteil überhaupt?) den Beutel von der Brille ziehe, möchte ich nicht weiter berichten…
Weil’s gar so ungenau war, würde ich von vielleicht 15 Sekunden ausgehen, die zwischen “heller Tönung” und “dunkel” vergehen.
Lassen wir die Zahlen mal weg: in der Praxis reicht die Reaktionszeit locker, um die Brille aufzulassen. Was das betrifft, war mein Timing perfekt, denn es begann zu dämmern, als ich mich gen Heimat wandte. Die Brille blieb auf der Nase, und mir der Durchblick erhalten.

Womit ich beim Punkt Schlieren angekommen bin: am oberen Rand der Gläser verläuft ein schmaler Spalt, welcher der Belüftung dient. “Full Venting” nennt Julbo das. Aus dem Marketingsprech ins Deutsche übersetzt, verfüge ich also über eine vollbelüftete Brille. Ob sie das Beschlagen verhindert, werde ich bei schlechterem Wetter mal ergründen, mein übliches Schlierenthema ist jedenfalls keins gewesen. Wieder ein Punkt abgehakt!

Und wie fest sitzt das Ding? Aktives, keineswegs freiwilliges, Stolpern trug zum Erkenntnisgewinn bei, nachdem ich sowohl Gleichgewicht als auch Fassung wiedergewonnen hatte, befand sich die Brille in der selben Position am unaufmerksamen Haupt wie zuvor. Ich brauchte nichtmal Nachjustieren.

Fazit
Kurzes Schielen auf meine Wunschliste. Alle Wünsche erfüllt, passt!