Ein schöner Sonntag – Volkslauf Langensteinbach

Beinahe direkt vor meiner Haustür sollte, so habe ich vor ein paar Tagen erfahren, findet der Volkslauf in Langensteinbach statt. Klar, der Ort liegt neben Spielberg, wo ich wohne. Ein kurzer Besuch bei Google Maps zeigte mir, dass es von meiner Wohnung bis zum Start gerade mal drei, vier Kilometer zu Fuß sind – und dass der Lauf zum großen Teil sogar Routen beinhaltet, die ich schon öfter entlang gerannt war.

Da wäre ich doch, sagte ich mir, mit dem Klammerbeutel gepudert, wenn ich nicht teilnähme! Woher kommt eigentlich diese Redewendung? Ich kann mir in etwa vorstellen, was ein Klammerbeutel ist: so ein Säckchen, in welchem Wäscheklammern aufbewahrt werden. Falls ich mich täusche, möge ein geneigter Leser meine Unkenntnis korrigieren.
Aber was hat das mit dem Pudern zu tun? Wurde in der Zeit, bevor es Plastikpuderdosen gab, mit Stuffbeuteln gepudert, ähnlich jenen, welche Kletterer am Gürtel tragen?

Tja.

Wer es weiß, kläre mich bitte auf.

Zurück zum Lauf, beziehungsweise zum Vorhaben. Kalt sollte es sein, der Deutsche Wetterdienst sprach von runden Fünf Grad über Null. Also dünne, lange Tight, und obenrum mein geliebtes Teclite Shirt. Denn, so meine Überlegung, während des Laufes würde ich die zahlreich vorhandenen Belüftungsmöglichkeiten nutzen können, um sie davor, vor allem aber danach, zu verschließen. Warme Mütze und Handschuhe in die Brusttasche, fertig. Irgendwie erschien mir das angenehmer, als Bekleidungsschichten an- und abzulegen, Transport im Rucksack inklusive.

Was soll ich sagen, die Klamottenwahl war ein Volltreffer. Mollig warm wenn nötig, fand ich es nur dort zu warm, wo es erstens bergauf ging und zweitens die Sonne schien. Supergut!

A propos Wetter: für mich war es optimal. Trocken und kühl, ich schätze, etwas mehr als die versprochenen fünf Grade. Bisweilen, wie gesagt, mit Sonne. Genau so mag ich das!

In diesem Artikel erwähne ich auch meine Zeit: 53:33,4 Minuten. Wenn ich gewusst hätte, dass ich mich mit einem klitzekleinen Sprung mehr in Richtung Schnapszahl bewegt hätte….
Nein, ich möchte nicht über “zwanzig Minuten schneller” reden. 33:33,3 sehen hübsch aus, aaaber….

Unterm Strich ein herrlicher Sonntag mit rund 17 km gesamt, davon zehn zügig auf hügeliger Strecke.
Jetzt noch ein paar Overhead Presses mit der Langhantel, bevor ich das Wochenende bei erbaulicher Lektüre ruhig ausklingen lasse.

Ein schöner Tag!

Website des SV Langensteinbach

Luxusproblemzonen

Viele Menschen kennen das: ein Kleidungsstück zwickt. Das ist unangenehm, ließe sich jedoch leicht mit entsprechend größer gekauften Klamotten umgehen. Ließe, weil sich dabei zwei Nebeneffekte einstellen: erstens zwickt es normalerweise nur an eng begrenzter Stelle (ich hoffe, das Wortspiel “eng” ist aufgefallen, ich habe viel Mühe dafür aufgewendet, und hätte gerne Anerkennung dafür), wodurch das gesamte Erscheinungsbild außerhalb der Engstellen mehr sackartig-lappig daherkommt.

Außerdem bleibt noch der unbekleidete Blick in den Spiegel, der das offenbart, was die Körperbranche so gerne Problemzonen nennt.

Als Oberbegriff nennen die das so.

Wollen Fitness- / Lebenshilfe-/ Diät- und sonstige Unratgeber mehr ins Detail gehen, wird’s richtig poetisch. Schließlich sollen die Kunden keine Sätze lesen wie “Du bist an den Armen fett” oder so ähnlich. Stattdessen redet man vom Hüftgold, welches oberhalb der Radlerhosen angesiedelt ist. Winkearme dienen dem freudigen Gruß all derer, die gegrüßt werden müssen. Da will man im Englischen nicht nachstehen, und spricht vom Muffintop, wenn ein Bauch gemeint ist, der über den Gürtel hängt, während das Hüftgold dorten als Love Handles schon ziemlich sexy klingt.

Ich bekenne offen, dass ich an ganz andere Stellen der weiblichen Anatomie dachte, als ich zum ersten Mal von Love Handles las.

Profaner ist übrigens die unvollständige Liste, die sich in gleichnamigen Workshops wiederfindet: Bauch, Beine, Po.

Problemzonen also.

Wobei das Problem der Zonen darin zu finden ist, dass ihr Besitzer (oder die Besitzerin) an diesen Stellen lieber anders beschaffen wäre, als er / sie es ist. Weniger bezont. Ob man die angrenzenden Körperregionen in nostalgischer Anwandlung als Zonenrandgebiet bezeichnet, entzieht sich meiner Kenntnis.

Problemzonen.

Zonen, die Probleme machen.

Wo Probleme sind, sind Lösungsversprechen nicht fern, und so steht eine Armada von Trainern und Tippgebern bereit, mit Tat und Rat beiseite zu stehen. Wobei ich angesichts der augenscheinlichen Ausbreitung solcher Zonen glaube, anstelle von Rat eher von Unrat sprechen zu müssen. Viel scheint’s ja nicht zu bringen. Oder nur selten, genauer gesagt nur dann, wenn der / die Beratene selbigem Rat auch Taten folgen lässt. Der Zonenschwund folgt meist auf dem sportlich bewegten Fuße.

Das Problem schwindet.

Die Kleidung zwickt nicht.

Bis, ja bis sie es irgendwann doch wieder tut. An anderer Stelle. Ich nenne diese Zonen Problemzonen vom Typ zwei, um sie von den anderen abzugrenzen. Das erlebe ich am eigenen Leib – wobei ich die erste Version des Zwickens (durch Love Handles etc, Problemzonen Typ eins) nicht kenne. Radlerhosen hatte ich zeitlebens nur als Kleidungsstück. Stattdessen steige ich in eine alternative Zwickphase ein, seitdem ich zusätzlich zum Laufen intensives Krafttraining betreibe: Langhantel und Kettlebells sind, neben meinem eigenen Körpergewicht, leib gewordener Zeitvertreib.

Kürzlich zog ich eine Hose an, die ich vielleicht zwei Jahre nicht getragen hatte. Zu eng an den Oberschenkeln, zu eng an der Hüfte wegen meines …. ähm… kräftiger gewordenen Hinterns. Bei älteren Hemden klaffen spindelförmige Öffnungen zwischen den Knöpfen an der Brust, und die Schulternaht rutscht nach innen.
Ich stehe nicht alleine mit meinen Problemzonen, beileibe nicht! Betroffene beklagen sich darüber, dass sie sich beim Hosenkauf für eine von zwei unpassenden Alternativen entscheiden müssen: entweder passt’s an den Beinen, dann ist der Bund zu weit. Oder der Bund sitzt. Das bringt auch nichts, weil Treppensteigen mit prall sitzender Oberschenkelhose zur Herausforderung wird.

Einer gut trainierten Bekannten wollte man allen Ernstes ein Oberteil in Größe S aufschwatzen – beim Luftholen ist dann die Naht geplatzt.

An der Schulter!

Zum Glück gibt’s Stretchstoffe.

Ich geb’s ja zu, dass unsereins selbst schuld ist an diesen Problemzonen.

Und auch, dass viele Menschen mit Problemzonen vom Typ eins gerne solche vom Typ zwei hätten (können sie haben, sie müssen nur so trainieren wie die Leute mit Typ zwei Problemzonen).

Viele würden bei uns vom Luxusproblem sprechen.

Wir haben wohl Luxusproblemzonen.

Schall und Rauch

Namen sind Schall und Rauch. Das weiß der Volksmund schon lange, denn Goethe hat ihm diese Erkenntnis vermittelt. Möglicherweise verhält sich die Sache auch umgekehrt: Goethe schaute dem Volke aufs Maul, fand Gefallen am Aussproch, den er für sein Drama Faust übernahm. Ob er sich dabei ins Fäustchen lachte, ist nicht überliefert.

Leicht ist die Namensfindung selten, ganz ohne geht es schließlich auch nicht. Das Kind, auch dies eine Volksweisheit, muss einen Namen haben. Oder zwei, wie die Torben-Benedikts dieser Welt unter Beweis stellen.

Wie gesagt: kein Name ist keine Lösung, das ist alternativlos, damit wir uns einen Begriff von etwas machen können. Schon Platon ließ Kratylos behaupten, dass ein jedes Ding von Natur aus den richtigen Namen hat. Sokrates, der alte Schlauberger, hat daraufhin zu bedenken gegeben, dass man das Ding erstmal erkennen muss, bevor man sich sicher sein kann, dass der richtige Name verwendet wird.

Auch doof.

Aber Hauptsache, wir sind uns einig über das, worüber wir reden, und den Begriff, mit dem wir das tun. Dazu brauchen wir, und da ist’s wurscht was die Sprachphilosophen sich denken, ein Wort für ein Ding.

Auch für Sportartikel.

Eigentlich würde ein eindeutiger Bezeichner, ein Code, ausreichen, um zum Beispiel Laufschuhe zu benennen. Ganz so einfach ist es dann aber doch nicht, schließlich wollen Gefühle transportiert sein, die zum Kaufe animieren. Kein Läufling würde ein Paar Trailschuhe für den Winter erstehen. Typ TS/W.
Nein, der Name muss schallen und rauchen!
Die Schaum schlagende Marketingabteilung eines jeden Herstellers lässt sich sowas nicht zweimal sagen: Getöse, Donner, Rauchzeichen, Qualmwolken müssen wie der Fanfarenzug vor jeglichem Produkt einhermarschieren. Kleopatra wäre neidisch, wenn sie wüsste, mit wieviel Tamtam ein popeliges Paar Laufsocken bisweilen angepriesen wird. Schall und Rauch fasst man auf als: je schreiender der Qualm, desto mehr Emotionen löst er aus.

Eigentlich müssten wir aus jedem Sportgeschäft mit Rauchvergiftung und geplatzten Trommelfellen flüchten.

Ich gebe zu, dass ich ein wenig übertreibe.

Das Kind braucht einen Namen.

Die Namensfindung beginnt bei den Marken selbst: mir scheint es als kluger Schachzug, sich nach der Siegesgöttin Nike zu benennen; auch die Idee, aus anime sana in corpore sano die Marke asics zu machen, verdient Anerkennung. Nicht vollig sauber, denn ursprünglich war von mens sana in corpore sano die Rede. Weil sich msics doch etwas holprig ausspricht, verfiel man auf den Gedanken, aus dem Geist (mens) die Seele (anima) zu machen.

Weniger einfallsreich, aber zumindest auf der sicheren Seite sind jene Unternehmer, die unter ihrem eigenen Namen firmieren: Kössmann zum Beispiel. Adolf Dassler blieb dieser Weg bei der Gründung seines Unternehmens verständlicherweise versperrt; im Jahre 1949 war Adolf wahrlich keine gute Idee. Geschadet hat ihm das nicht, denn adidas klingt so schlecht nicht!

OMM hat übrigens nichts mit östlichen Meditationstechniken zu tun, sondern steht schlicht für Original Mountain Marathon. Praktisch, wenn die Ausrüstung genauso heißt wie die Veranstaltung. Ebenso gut gefällt mir Inov-8, wo ich Wortspiele doch so gerne mag. Einzig der milde Leistungsdruck, unter den sich die Marke mit ihrem “innovate” ausgesprochenen Namen setzt, sollte dortselbst beflügelnd wirken. Möge man nicht stillstehen und fleißig innovieren!

Unter dem Aspekt sind geographische Bezeichnungen schon bequemer: Cotopaxi heißt nach dem zweithöchsten Berg Ecuadors, und Maloja nach einem Ort in der Schweiz, wo die Inspiration zur Gründung gewirkt haben soll. Ich vermute, die Leute sind heilfroh, dass ihnen die Idee nicht in Garmisch-Partenkirchen kam.

Hoka One One tanzt aus der Reihe, mir ist nicht gelungen, den Namen zu entschlüsseln. Da ist mir Hill People Gear schon lieber, die liefern schon fast eine Beschreibung des Einsatzzwecks ihrer Ausrüstung. Eine SALOMINische Idee!

Schuhe finde ich echt witzig. Bushido heißt da ein Modell. Wenn die wüssten, was für ein Mensch hierzulande unter dem Namen auftritt… Wahrscheinlich würden sie sich ihre Speedcross unter die Füße schnallen, damit er ihnen nicht die Beine brechen lässt. Fellraiser heißen übrigens Schuhe von Salomon. Wer von Fell Running noch nichts gehört hat, mag mit pelzgefütterten Laufschuhen rechnen. Unverdächtiger scheint mir da Mafate, was dem Uneingeweihten erstmal gar nichts sagt, aber wenigstens nett klingt. Altra transportiert mit dem Lone Peak das Versprechen, anlässlich eines Laufes auf einem einsamen Gipfel kurz zu verweilen. Der Blick schweift in die Ferne, während der Mensch von einem tiefen Gefühl ergriffen wird.

Nichts für Speedgoats!

Ein jeder Hersteller, der fest im Mainstream angekommen ist, streut übrigens gerne drei zusätzliche Buchstaben in sein Sortiment ein.

Pro.

Pro ist wichtig.

Pro unterscheidet den, ja, wen eigentlich? Den Profi vom Amateur? Wobei ein kurzer Spaziergang durch den Baumarkt beweist, dass man “Profi”-Produkte in aller Regel in der Ramsch-Abteilung findet. Kein professionell tätiger Mensch würde ein “Profi”-Gerät anfassen. Ich fände es witzig, beim Kauf eines Pro-Produkts den Nachweis des professionellen Einsatzes zu verlangen.

Mit “Elite” wird das noch lustiger. Weh dem Läufling, der Elite-Klamotten trägt, und nicht regelmäßig aufs Treppchen kommt!

Was trägt die graue Masse? Adizero dünkt mich angemessen für läuferische Nullen wie ich eine bin. Es sei denn, ich mache mich zur Revanche für eine erlittene Schmach auf. Die drei magischen Buchstaben, die kein Läufling gerne hinter seinem Namen in der Ergebnisliste liest, die dennoch zum Laufsport gehören wie die auf dem Feld der Ehre erworbenen Narben.

D N F

Dazu passt der adidas Revenge. Jawoll, das trägt der standesbewusste Sportling auf der Suche nach Genugtuung. Wer übrigens auf Denksportaufgaben steht, wird gerne zu kryptisch bezeichneten Leibchen wie dem S-Lab Exo Zip Tee greifen. Das liest sich derart technisch-wissenschaftlich, da mag ich mir gar nicht vorstellen, wie jemand mit solch einem Kleidungsstück angetan im regnerischen Wald herumturnt. Transportiert der Name nicht eher die Assoziation an einen weißen Laborkittel, getragen im Jet Propulsion Laboratory der NASA? Ich stelle mir einen Nerd vor, der seine Dissertation auf dem S-Lab Exo Zip Tee aufgedruckt trägt. In assyrischer Keilschrift, damit nicht jeder sie lesen kann.

Eventuell läuft er auch.

Bei Naturwissenschaftlern soll sich herumgesprochen haben, dass ein gesunder Geist im gesunden Körper wohnt, dass frische Luft dem Hirn beim Hirnen hilft. Manchmal entspringt einem solcherart inspirierten Denkorgan dann eine bestechend simple Idee. So muss es sich bei Ortovox zugetragen haben, denn dort gibt es das Merino Fleece Hoody.

Ein Hoody.

Aus Merino.

Merino Fleece, um genau zu sein.

Klartext. Kaum zu fassen!

Total geflasht!

Vergangenen Mai hatte ich mir eine Langhantel zugelegt, die ich lediglich zum Kreuzheben verwenden wollte – jedenfalls war das mein ursprünglicher Plan. Ein Vorsatz, der ziemlich genau nichtmal ungefähr eine Sekunde hielt.
Freilich war mir vorher schon klar gewesen, dass sich mit der langen Hantel deutlich mehr anfangen lässt, aber wie es halt so ist im Leben…

Langhanteln als Sportgeräte waren in meinem Hirn mit dem Sport Gewichtheben fest verdrahtet. Gewichtheben wiederum wurde von dicken Männern betrieben, die zentnerschwere Gewichte irgendwie über den Kopf wuchteten.

Ach, was war ich damals ahnungslos.

Ahnungslos, obwohl ich es hätte besser wissen können, sind doch die von mir so geliebten und eifrig benutzten Kettlebells auch nicht wirklich leicht zu nennen. Und der der sachgerechte Umgang mit ihnen erfordert doch ein gerüttelt Maß an Fertigkeit.
Zu meiner Ehrenrettung kann ich immerhin berichten, dass ich mich im selben Moment, in dem ich mich dazu entschieden hatte, es nicht bei profanen Deadlifts bewenden zu lassen, mit den anderen Übungen zu befassen begann. Meine Kuschelkugeln raunten mir zu, auch das Training mit der Langhantel gebiete eine fundierte Anleitung durch fähige Instruktoren. Ihr Raunen traf meine weit geöffneten Ohren, eine flugs angestellte Internetsuche führte mich schnurstracks zum Kraftsportverein Durlach, der sogar einen Einsteigerkurs über drei Monate anbietet. Welch ein Luxus, Ausbildung in unmittelbarer Nähe!

Der Kurs entpuppte sich als endgeil, mit einer coolen Truppe als Teilnehmer und zwei kompetenten Trainern – Kevin und Marlon. Eine der ersten Aussagen war “wir lernen erst die Technik, und wenn die sitzt, können wir sie beladen.”. Auch bei uns (RKC) ist das ein ehernes Prinzip, welches wir mit Überzeugung leben. Ich fühlte mich sofort zuhause.

A propos zuhause.

Wie schnell würde ich mich mit den Übungen anfreunden?

Reißen und Stoßen, die beiden hauptsächlichen Disziplinen des olympischen Gewichthebens, ließen mich jedem Gewichte hebenden Gewichtheber Abbitte leisten. Welcher Vollhonk hat dicke Männer und hochwuchten gesagt?

Ach.

Ich.

Oh.

Der Snatch (wer Lust hat, darf den Begriff auch gerne übersetzen, dann heißt es – Reißen!) mit einer Kettlebell gilt zu Recht als explosive, komplexe Übung, die dem Sportler viel Kraft und Koordination abverlangt, gerade weil er (wie auch Swings und Cleans) sehr schnell abläuft. Sprich: es ist verflucht wenig Zeit für Korrekturen. Allerdings handelt es sich dabei um eine zyklisch ablaufende Bewegung, was dem Routinier eine gewisse Kontrolle gestattet. Man kann von einem Regelkreis sprechen.

Wie gesagt: sehr anspruchsvoll.

Reißen mit der Langhantel setzt da noch einiges drauf.

Zum Beispiel müssen noch mehr Muskelgruppen koordiniert werden, und es steht noch weniger Zeit zur Verfügung. Regelkreis? Bei der nächsten Wiederholung eine Nuance nachregeln? Vergiss’ es! Selbst wenn du Dead Stop Swings, oder Dead Stop Snatches ausführst, hast du mehr Zeit. Reißen und Stoßen sind zackig schnell ablaufende Bewegungen, die sitzen müssen. Hochkomplex, sehr explosiv.

Und mobil.

Es grüßt meine herausragend miese Schultermobilität. Das Sprunggelenk darf sich übrigens auch angesprochen fühlen.

Dennoch liegt eine Frage nahe: Gibt es – gab es – Transfer von den Kettlebells zur Langhantel? Das Herz-Kreislauf-System ist beim Gewichtheben nicht gefordert, eine ordentliche Sauerstoffaufnahme (VO2-Max) zu haben ist schön, aber nicht notwendig. Was das betrifft, dürfen Herz und Lunge beim Snatchen deutlich härter arbeiten. Aber sonst? Wie sieht es mit der mechanischen Komponente aus? Im Nachhinein würde ich von Fluch und Segen des Kettlebelltrainings sprechen. Explosivität in der Hüfte ließ sich sehr gut übertragen, und viele Bewegungsmuster ähneln sich, was schon die Übersetzung der deutschen Begriffe ins Englische zeigt:

Reißen – Snatch

Umsetzen – Clean

Etc.

Aber…vielmehr: aaaaaaber! Genau in dieser Ähnlichkeit der Bewegungsmuster liegt der springende Punkt, weil sie sich eben nur ähneln. Durch das Fenster feiner Unterschiede winkt der Teufel im Detail und grinst sich eins. Was tut der geneigte Sportling? Er übt und übt und bildet eine neue Variante seiner eingeschliffenen Bewegungen heraus.

Beispiel gefällig?

Hältst du eine Kettlebel, so ist! das! Handgelenk! gerade!

Wenn du dagegen eine Langhantel stützt, tust du dieses auf nach hinten geklappten Händen.

Mechanisch lässt sich das ganz simpel begründen, weil der Schwerpunkt einer Kettlebell exzentrisch zum Handgelenk liegt, bei der Langhantel nicht. Einfache Statik, was den Inschenör erfreut, wenn er im Geiste Kraftlinien zeichnet. Der Sportler hingegen kann sich einen typischen Lernprozess am, beziehungsweise mit dem eigenen Leib demonstrieren: Bewusstmachen der eingeschliffenen Bewegung, Variante visualisieren, Ent-Lernen des vorhandenen Bewegungsmusters im neuen Kontext, Variante einüben, Variante einschleifen.

Wobei der beschriebene Lernprozess natürlich aus einer Vielzahl von Einzelschritten besteht, aus dem Zerlegen der komplexen Bewegungen in Einzelschritte, für die unsere Trainer uns wiederum eigene Übungen auszuführen hießen.
Ich bekenne, dass ich in schwachen Momenten eine milde Bewegungslegasthenie an mir zu erkennen glaubte. Bilder von ungelenken Lauffreunden tauchten in meinem Kopf auf, wie sie tollpatschig über die Agilitätsleiter trampeln. Zum Glück zählt ein Satz wie das lerne ich nie nicht zu meinem Repertoire. Mir war klar: irgendwann platzt der Knoten.

Eine Gewissheit, die durch sich häufende Erfolgserlebnisse gestützt wurde.

Bis, ja, bis sich vergangenen Donnerstag das unausweichliche Schicksal des besagten Knotens erfüllte: es zerriss ihn! Sowohl Reißen als auch Stoßen gelang mir in passabler Technik, das entsprechende Feedback der Trainer machte mir bewusst, dass es nicht nur meine Eigenwahrnehmung gewesen ist, die mir ein Jippieee, endlich! zurief.

Seitdem bin ich geflasht, Wolke Sieben, zufrieden, motiviert, begeistert,… die Liste ließe sich endloch fortführen.
Ein hart erarbeiteter Erfolg ist halt einfach geil!

Um mich noch mehr zu motivieren, mache ich mir einen meiner Lieblingssätze bewusst: Der Amateur trainiert, bis er es richtig macht. Der Profi trainiert, bis er es nicht mehr falsch machen kann.

Was steht an? Korrekte Bewegungsmuster einschleifen, stabilisieren. Und natürlich das Mobilitätsthema in Schultern und Sprunggelenken.

Barbell, here I come.

YEEEAH!

Notizen zum Olymp

miktolymp
Auch Götten müssen wohnen, zu welchem Zwecke sie sich schon vor Urzeiten den Olymp auserkoren haben. Alle zwei Jahre amüsieren sie sich ob der Bemühungen sterblicher Sportler im Rahmen olympischer Spiele. Die Regeln dafür machen – wer wohl? – die Götter.

Obzwar dieser Zusammenhang seit Äonen bekannt ist, regen sich Sterbliche immer wieder aufs Neue über olympische Beschlüsse auf. Es sei ungerecht, ein Skandal gar, Russland trotz staatlich organisierten Dopings zur Olympiade in Brasilien zuzulassen, skandiert der Pöbel. Und die Entscheidung für – hier bitte ein beliebiges Gastland einsetzen – sei sowieso nur zustandegekommen, weil Bestechungsgelder in für uns Normalverdiener schwindelerregender Höhe geflossen seien.

Um Missverständnisse auszuschließen: den Schwindel in unseren Köpfen erregt die Höhe der gemutmaßten Summen. Geschwindelt wurde an anderer Stelle gewiss auch, was jedoch in die Zuständigkeit der Finanzbehörden fällt.

Worüber regt man sich eigentlich auf?

Götter spielen ihr eigenes Spiel, nach ihren eigenen Regeln. Menschen müssen sie nicht verstehen.

Oder?

Wer, mag man einwerfen, bin ich selbst überhaupt, dass ich mir anmaße, über die olympischen Spiele zu schreiben? Wo ich nur sporadisch mal zusehe. Turner finde ich beeindruckend, Wildwasserkajaks erfrischend kurzweilig. Fußball? Naja. Gebt mir ein Beutelchen Reis zum umschubsen. Distanziertes Interesse, würde ich es nennen.

Was legitimiert mich, meine Stimme zu erheben?

Erstens: ich bin selbst Sportler. Und noch trägt Olympia ein sportliches Feigenblatt.

Zweitens berühren manche Handlungen menschliche Beurteilungsgrößen wie etwa Moralität. Ich bin Mensch.

Drittens, hier passt ein klassisch gewordenes Zitat: weil ich es kann.

Also frisch ans Werk und munter losgetippt.

Olympische Spiele also. Nach offizieller Lesart, die zu betonen das Marketing des IOC-Konzerns und seiner finanziellen sowie politischen Unterstützer nicht müde wird, lebt man das Ideal von Pierre de Coubertin. Möge sich die Jugend der Welt im sportlichen Wettstreit messen. Unausgesprochen schwingt darin der Gedanke an Fairness und Moralität bei allen Beteiligten mit.

Es dürfte für die meisten Menschen klar sein, dass jedwede Vorstellung von Integrität im Handeln des IOC mit dem amtierenden Präsidenten den Bach herunterging. Ob man das russische Team nun komplett hätte ausschließen müssen, oder nicht, wäre anderenorts zu diskutieren; meine Gedanken zur Frage, welche Entscheidung wem gegenüber gerecht gewesen wäre, äußere ich weiter unten.

Zurück zu Bach.

Und zur Korruption.
Weltumspannende Großereignisse wie Fußball-WM oder eben die olympischen Spiele scheinen für Korruption besonders anfällig zu sein. Wobei…Korruption ist so ein hässliches Wort. Versetzen wir uns doch einmal in die Lage eines, sagen wir: japanischen Sportfunktionärs, der über den Austragungsort der übernächsten Winterspiele befinden soll. Etliche Länder bewerben sich, und der arme Mann weiß irgendwann nicht mehr, wo ihm der Kopf steht.

Bis eines Tages ein nagelneuer Jaguar vor seiner Haustür parkt. Mit den besten Empfehlungen. Ach, denkt er sich, in Großbritannien bauen sie diese tollen Autos. Das muss ich mir merken.
Zwei Wochen später überreicht ihm ein Bote einen handlichen Koffer mit einer Million Schweizer Franken. In bar. So fühlt sich also das Geld an, mit welchem ich in der Schweiz bezahlen würde, fänden die Winterspiele dort statt. Interessant.

Wollen wir ihm seine Dankbarkeit verdenken? Verübeln wir es den größmütigen Spendern?
Ich finde, wir sollten glücklich darüber sein dass es Menschen gibt, welche den Konflikt anderer erkennen. Lasst uns das Wort Korruption aus unserem Wortschatz streichen.

Unser Funktionär hat nichts weiter erhalten, als eine gutgemeinte Entscheidungshilfe.

Dann wäre da noch die Sache mit dem Doping.
Als normale Menschen sind wir doch alle froh, wenn niemand sich für unseren Harndrang interessiert. Ich weiß ja nicht, wie es euch geht, aber bestimmte körperliche Verrichtungen führe ich lieber alleine durch. Pipi vor Publikum. Alleine der Druck, bei einer Dopingkontrolle Müssen zu müssen, gibt dem Wort Harndrang eine sehr zwanghafte Bedeutung.
Andererseits will ich als Sportler daran glauben können, dass eine Sportlerin, der man die Goldmedaille umhängt, die ist, die sich am meisten für ihren Erfolg geschunden hat. Und mehr Talent hatte. Und mehr Glück. Ich will nicht diejenige mit dem besten Apotheker bewundern.

Deshalb finde ich Doping doof.

Noch dämlicher finde ich diesen eigenartigen von manchen Leuten herbeigeredeten Konkurrenzkampf zwischen Staaten.

Geht’s noch?

Land A hat mehr Medaillen als Land B.

Dafür hat Land C seine Medaillen in wichtigeren Sportarten.

Wie bitte?

Was soll denn dieser schwachsinnige Schwanzvergleich?

Und dann gibt es da ein Land, dem die Chose so wichtig ist, dass es von Staats wegen dopen lässt. Möglicherweise war es auch jenes Land, das tollpatschig genug war – das Pech hatte? – sich mit der Hand in der Bonbondose erwischen zu lassen. Darüber vermag ich nicht zu urteilen.
Nun dünkt mich, dass ein staatlich unterstütztes, eventuell gar organisiertes, auf jeden Fall systematisches (im Sinne von: im sportlichen System des Staates verankert), Doping eine ganz besondere Größenordnung darstellt. Besonders übel. Schlimm genug, dass der sportpolitische Laie in mir schweigt, um den Moralisten hervorzukehren, welcher klar sagt: wenn dem so ist, darf das Land nicht teilnehmen.

Im Interesse des letzten Rests an Vertrauen, das Olympia gerade noch genießt.

Im Interesse der sauberen Sportler.

Womit ich nicht diejenigen meine, die noch nicht ertappt wurden, sondern die wirklich sauberen.

Was aber geschieht? Man trifft eine Entscheidung, die armseliger nicht hätte sein können. In früheren Zeiten hätte man einen solchen Beschluss mit dem Begriff Staatsräson gerechtfertigt. Heutzutage entscheidet man und schweigt, denn der Olymp braucht sich niemandem gegenüber zu erklären.

Olympisch, das war einmal ein Attribut, welches synonymisch für Fairness und Integrität hätte stehen können.
Heute würde ich eine faule Mauschelei, oder das Ergebnis miesen Geschachers olympisch nennen.

Ist das gerecht?
Ich denke schon, dass wir uns diese Frage stellen müssen. Vielmehr: wem gegenüber wäre welche Entscheidung ungerecht?
Ich beginne, indem ich mich mit einem zuweilen geäußerten Vorschlag auseinandersetze, welcher da lautet, man möge sämtliches Doping freigeben. Dieser Vorschlag wird verschiedenartig begründet, zum Beispiel damit, dass somit Klarheit geschaffen wäre. Oder damit, dass der Verdacht, ein sauberer Sportler sei nur nicht erwischt worden. In der Tat, der Generalverdacht würde entfallen. Abgelöst durch die Gewissheit, ein jeder Sportler würde zu Mittelchen greifen.

Wäre das gerecht?

Es wäre jenen Sportlern gegenüber nicht gerecht, die eine auf Pharmazie basierende Leistungssteigerung ablehnen. Das Dopingverbot würde durch eine unausgeschriebene Dopingpflicht abgelöst, in der jedes Mittel recht wäre. Wer wollte gegen künstliche Muskelimplantate, oder Exoskelette argumentieren?

Nein, Freigabe von Doping wäre keineswegs gerecht, sie würde eine Ungerechtigkeit durch eine andere ablösen.

Wäre ein Hinauswurf Russlands ungerecht gewesen?

Ja. Er wäre den sauberen russischen Sportlern nicht gerecht geworden. Vielleicht auch den unsauberen, denn niemand wird ernsthaft behaupten wollen, dass Höchstleistungen gedopter Sportler ausschließlich dem Doping zu verdanken sind. Nein, die reißen sich genauso den Arsch auf. Und nehmen zusätzlich irgendwelches Zeugs. Aber zurück zu den Saubermännern und -frauen. Sie hätte es hart und unverdient getroffen.

Kollektivstrafen sind nicht gerecht.

Aber: Eine Kollektivstrafe kann eventuell etwas bewirken. Möglicherweise übermittelt sie den verantwortlichen Verbänden sehr klar und unmissverständlich, dass sie den Bogen überspannt haben.
Wenn ein Land, dem staatliches Doping im großen Umfang nachgewiesen wurde, trotz, wie es so schön heißt, erdrückender Beweislage, einen erklecklichen Teil seiner Athleten nach Rio schicken darf, verlagert man die Verantwortlichkeit wieder auf die individuelle Ebene. Weg von der kollektiv-staatlichen Ebene, auf die sie gehört. Der Staat bescheißt, und der Einzelne haftet.

Ist das den Athleten anderer Länder gegenüber gerecht?

Vielmehr (ich bleibe konsequent bei der kollektiven Verantwortlichkeit): ist das den anderen teilnehmenden Ländern gegenüber gerecht? Denn wenn wir davon ausgehen, dass sich die führenden Politiker eines Landes im inter-nationalen Schwanzvergleich mit olympischem Lorbeer schmücken, wenn wir einen Staat als System auffassen, das erfolgreiche Sportler hervorbringt, so müssen wir auch eine systemische Verantwortlichkeit durchsetzen.

Es gilt in einem solchen Fall also zwischen verschiedenen Ungerechtigkeiten abzuwägen. Ich zweifle, dass man in diesen Kategorien dachte, als man sich entschloss, Russland teilnehmen zu lassen. Sportpolitik ist in erster Linie Politik, der Sport kommt im Begriff zwar zuerst, in der Ausübung dieser Disziplin scheint er nicht in Erscheinung zu treten.

Hätte man…?

Ich, als ahnungsloser Sterblicher, hätte dieses Exempel statuiert. Mit aller Ungerechtigkeit, die ein solcher Entscheid mit sich gebracht hätte. Und mit der Gewissheit, dass das IOC sich mit dieser Entscheidung bei einigen Leuten unbeliebt gemacht hätte. Dem gegenüber hätte man der Erosion des Vertrauens in den Sport entgegenwirken können. Anders als beim Radsport, in dessen Kontext die erste Assoziation im Gedanken besteht: was haben die Jungs genommen? Welcher Pharmakonzern hat das bessere Labor – oder sind jetzt die Hersteller von Elektroantrieben am Zuge? Hier ist ein von Misstrauen geprägter Sarkasmus am Zuge, den keine Sportart verdient hat.

Vertrauen sieht anders aus.

Vertrauen in den Olymp.

Aber ich bin eben nur ein gewöhnlicher Sterblicher, der die göttlichen Spiele nicht verstehen kann.

Es bleibt leider der Eindruck, dass die Olympischen Spiele im Jahre 2016 wieder ein bisschen olympischer geworden sind.