Eine beeindruckende Begegnung

Bleibt uns jemand angenehm im Gedächtnis, sagen wir: „Ich bin beeindruckt“. Es gibt allerdings auch die Kehrseite der Medaille, nämlich dann, wenn der Eindruck zwar ein bleibender, jedoch keineswegs positiver ist.

Wie stets, breite ich den Deckmantel der Anonymität über die mich inspiriert habenden Menschen, um ihre Persönlichkeitsrechte zu schonen. Ich tue das, obwohl ich der Ansicht bin, dass wegen der Rolle, die die beiden hier erwähnten Personen beruflicherweise einnehmen (Obacht, ich baue hier Spannung auf: „Welche Rolle nehmen sie ein? Los, jetzt sag‘ schon!“) Schonung im konkreten Falle fehl am Platz ist. Trotzdem halte ich mich zurück – und das nicht nur, weil ich die Namen eh‘ vergessen habe.

Eigentlich begann alles mit Vorfreude. Viel Vorfreude auf einen Kettlebell-Workshop gemeinsam mit meiner lieben Freundin Bea. Ich kenne übrigens keine andere Frau, die auch barfüßig Stilettos im Dominastil zu tragen scheint. Dabei ist sie, wie man in Bayern sagt, a ganz liabe. Lieb, virtuos im Umgang mit Kettlebells und psychisch stabil. Eine Eigenschaft, die ich mir ebenfalls zuschreibe, und die wir beide im weiteren Verlauf des Tages, von dem ich erzählen werde, sehr gut gebrauchen konnten.

Wie gesagt, freuten wir uns wie die Schneekönige auf einen konstruktiven Workshop, denn als Teilnehmer hatten sich Träner eines Fitness-Studios angesagt, die wir in die Geheimnisse des Kettlebelltränings einführen sollten.
Diverse Hochschuldiplome im Fach Sportwissenschaften, Tränerausbildungen und fertige Physiotherapie-Ausbildung(en) ließen uns einen Workshop erwarten, der neben Sport und Spaß auch eine geistige Herausforderung versprach. Wir rechneten mit kritischem Fragen, Hintergrundwissen und sehr konstruktiven Gesprächen.

Gibt es etwas langweiligeres als Workshop-Teilnehmer, die anhimmelnd an den Lippen des Leiters kleben?

Eben.

Zudem war eine Yoga-Instruktorin als Teilnehmerin dabei. Mal ehrlich – die Frage richtet sich eher an die Männer, die Damen sind gerne eingeladen, interessiert mitzulesen, was stellt ihr euch vor, wenn ihr Yoga-Instruktorin hört?
Meine Assoziationen sind: schlank, anmutig, beweglich, hübsch (ich gebe zu, Letzteres ist Wunschdenken), trägt enges Oberteil und weite Hose.
Meine Erwartungen erfüllten sich nur in Bezug auf die weite Hose, die an ihr allerdings recht eng saß….

Besagte Dame vermochte recht früh mit brillianten Aussagen einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen, so kam auf die Information, dass die Unterschenkel beim Kreuzheben (und somit auch bei einem sauber ausgeführten Swing) beinahe senkrecht sein sollen, und keinesfalls über die Knie nach vorne wandern dürfen, folgende Replik:

Ich habe neulich bei einem Seminar gelernt, dass die Knie bei der Kniebeuge über die Zehen dürfen.

Ja.

Dürfen sie.

Bei der Kniebeuge.

Wir reden aber vom Kreuzheben.

Etwas später folgte der zweite Streich, als sich bei den ersten Gehversuchen mit dem Swing eine leichte, nun, ich nenne es mal Schwäche im Umgang mit Zahlen bemerkbar machte.
Ich hole kurz aus: Wenn man Swings lernt, führt man anfangs nur eine Wiederholung aus: hoch, runter, abstellen. Der Fachmann spricht von Dead Stop Swings.

Eigentlich ganz einfach: rauf, runter, abstellen.

Sie: rauf, runter, rauf, runter, rauf, runter,… bis ich zum Hinstellen aufforderte.

Ich: Nur ein Swing bitte: rauf, runter, abstellen.

Sie: rauf, runter, rauf, runter, rauf, runter,… bis ich zum Hinstellen aufforderte.

Das Spiel ging über drei, vier Runden, bis ich nach dem ersten Swing „Abstellen“ rief.

Man sagt manchen Menschen nach, sie seien zu dämlich, um bis drei zu zählen….

Soll ich wirklich noch ein paar Worte über die Fähigkeit (oder die Bereitschaft?) verlieren, Feedback in veränderte Bewegung umzusetzen? Stichwort: Bewegungsintelligenz…. Muss ich erwähnen, wie „gut“ die Bewegungen ausgeführt wurden? Vielleicht soll ich, ich mag aber nicht. Ihr könnt es euch sicher vorstellen.

Zum Ende der Veranstaltung kam noch die Pointe mit der Physis.

Beim abschließenden Geplauder vertrat ein anderer Teilnehmer mit akademischem und physiotherapeutischem Hintergrund die Ansicht, Kettlebelltraining sei sehr gut, in „seinen“ Kursen könne er das aber nicht anwenden, denn – und das ist ein originalgetreues Zitat: „Die Leute haben die Physis nicht„.
Physis, ich habe extra recherchiert, meint den Körper. Den Körperbau.

Er kann nicht mit Kettlebells arbeiten, weil seine Teilnehmer keine Physis haben? Wen in aller Welt trainiert er? Geister?
Und falls es Menschen sein sollten, wäre es nicht seine Aufgabe als Trainer, die vorhandene (!) Physis mit ihnen zu entwickeln? Deswegen heißt es doch Training, oder etwa nicht?

Sapere aude, sag‘ ich da nur.
Sapere hat nichts mit Sabbern zu tun, auch wenn die Vorstellung von Kant als sabberndem Greis einen gewissen Reiz auf mich ausübt. Nein, bekanntlich forderte er mit diesem Ausruf den Menschen auf, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen. Mit etwas Nachdenken sollte den beiden Prachtexemplaren auffallen, welchen Stuss sie reden und wie dämlich ihr Verhalten wirkt.

Sapere aude: Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen. Manche Menschen sind erschreckend mutlos.

Nachtrag:
Es bedurfte übrigens nicht nur unserer gesammelten psychischen Stabilität (Beas und meiner), um das erlittene Trauma zu verarbeiten, darüber hinaus war ein Nachmittag Dauergespräch, sowie ein weiterer Abend am Telefon notwendig, um das Erlebte zu verarbeiten.

Ich brauche es nicht (mehr).

Es gibt ja Leute, die behaupten, Morgenstund‘ habe Gold im Mund. Als ausgeprägter Morgenmuffel kann ich das nur insofern bestätigen, als ich mit diesem vollen Mund lieber schweige als zu reden.
Dummerweise hält sich bei langen Läufen die Unsitte, um sechs Uhr früh (oder noch früher) zu starten.

Ich möchte die Zeit nochmals betonen, damit alle die Tragweite (oder auch Tragik?) dieser Uhrzeit, die eigentlich eine Unzeit ist, wirklich zur Gänze erfassen.

Sechs Uhr.

In Worten: sechs.

Uhr.

Am Morgen.

Sechs Uhr, das ist mal locker zwei Stunden vor dem Aufstehen, und vier vor dem Aufwachen. Ihr lest schon richtig: das Aufstehen liegt bei mir vor dem Eintreten des Wachzustands.

Vielleicht sollte ich an dieser Stelle etwas weiter ausholen, denn obzwar ich mich mit den obigen Sätzen als Morgenmuffel präsentiert habe, scheint mir eine ausführliche Darstellung des täglichen Wachtumsprozesses (Wachtum, nicht WachStum!) geboten.
Aufstehen, wollen manche Menschen wissen, sei wie ein kleiner Tod. Ich erlaube mir, dieser Auffassung zu widersprechen. Eine einfache Überlegung brachte mich zu einer anderen Sichtweise, denn selbst wenn es sich anfühlen mag, als würde man dem Lebensglück des Schlafes entrissen, so zeigt mir die nachfolgende Phase meines Daseins weitreichende Parallelen zur Geburt.

Wie komme ich dazu?

Nun, zunächst tauche ich aus einer unbewussten Existenz in ein, ich nenne es halb-bewusstes Dasein auf, in dem ich eine Welt um mich herum wahrnehme. Etwas später werde ich mir meiner Selbst bewusst, öffne zunächst ein Auge halb, wobei ich bemüht bin, Sinneseindrücke nur sehr dosiert in mich hineinzulassen, damit die Verarbeitung nicht überlastet wird. Schließlich muss mein Hirn sich erst daran gewöhnen, dass diese Umwelt über fünf Sinne Informationen auf es loslässt.

Ich mache die ersten, anfangs noch tapsigen Schritte und freue mich über meinen ersten selbstständigen und unfallfreien Toilettengang.
Kurze Zeit später kann ich schon mit Grunzlauten und sparsamen Gesten kommunizieren. Eine Form der Interaktion mit anderen Menschen, die sich im weiteren Verlauf zu Ein- und Mehrwortsätzen steigert, bis ich ein, zwei Stunden später als der ausgewachsene Mensch durchs Leben schreite, als der ich tags zuvor ins Bett gegangen bin.

Übrigens vermag ich dem Ausspruch, wonach Morgenstund‘ Gold im Mund habe, nur insofern zuzustimmen, als „man“ mit vollem Munde bekanntlich nicht sprechen soll. Ein Gebot, an das ich mich halte (ich kann eh‘ nicht anders).

Kurzum: frühes Aufstehen, besonders zu niedrigen einstelligen Uhrzeiten, ist für mich eine extreme Herausforderung. Dementsprechend muss ich besonders motiviert sein, um mich einer solchen zu stellen. Ein Ultramarathon, wie zum Beispiel der 100er am Leipziger Auensee, kann das liefern. Vielmehr: er konnte, denn früher, zu meinen Ultra-Anfängen, habe ich den nächtlichen Tagesbeginn klaglos hin- und in Kauf genommen.

Das tat ich allerdings nicht, ohne meine Schlafmenge zu optimieren, indem ich zu psychisch und zeitlich wirksamen Maßnahmen griff.
Machen wir uns nichts vor: zwischen 4:59 und 5:00 Uhr liegt nicht nur eine Minute. Dazwischen sind Welten! Noch deutlicher wird der Kontrast, wenn der Wecker um 5:01 Uhr zu piepsen beginnt, denn das ist schon nach Fünf!

Zudem galt – und gilt! – es, ab dem Start rückwärts zu rechnen, und dabei jede Handlung auf ihren Zeitbedarf und die Notwendigkeit ihrer Ausführung zu prüfen. Muss ich vor dem Start wirklich Zähne putzen? Hierbei stehen drei Minuten zur Disposition, die ich nicht gedankenlos aufs Spiel setzen möchte. Stinken werde ich sowieso…
Dass ich meine Klamotten am Vorabend richte, versteht sich nicht nur des zeitlichen Aufwands halber von selbst, nein, auch kognitiv habe ich zu früher Stunde in etwa die Fähigkeiten von 250 Gramm Gouda. Mittelalt. Ich muss schon froh sein, wenn die Zahl der getragenen Socken mit der Anzahl meiner Füße übereinstimmt. Also Kleidung abends herrichten, Schuhe mit den Spitzen in Gehrichtung.

Frühstück? Der Lauf ist lang genug, und unterwegs gibt’s was zu futtern. Also reicht mir eine Banane, die ich mir auf dem Weg zu Start geschwind in den Mund drücke.

Wenn ich am Beispiel von Leipzig bleibe, so befindet sich der Campingplatz, auf dem ich zu residieren pflegte, etwa zehn Gehminuten vom Start entfernt. Mit zehn Minuten Vorbereitung und fünf Minuten Puffer, die ich mir mühsam abgerungen habe, hatte ich den Wecker auf 5:35 Uhr stehen – 5:36 Uhr vielmehr, um eine weitere Minute herauszuschinden.

Und war immer pünktlich am Start, meistens sogar zu früh.

Bisweilen hatte ich die Rechnung aber ohne den Wirt in Form von Mitläufern gemacht. Sei es, dass einer glaubte, er müsse unbedingt um halb fünf aufstehen. Wozu, frage ich mich noch heute. Will er eine Stunde Zeitung lesen? Auf dem Klo vielleicht? Wo die Lauferei doch bekanntlich die Peristaltik anregt, und ein ganzer Tag Zeit ist, sich dem menschlichen Rühren hinzugeben. Wohlgemerkt, ich rede von normalen Menschen wie mir selbst, nicht von Leuten, die 100 km unter 9 Stunden (oder noch schneller) abrennen.

Also weniger Schlaf, gefolgt von einer Stunde Dösen.

Weiter verringert wurde die Schlafdauer bei zwei Übernachtungen im Massenlager. Eigentlich mag ich das, ich empfinde es als hochgemütliche Angelegenheit, wären da nicht zwei Begleiterscheinungen: die Spätankommer, und die Frühaufsteher (siehe oben).
Die einen treffen nach langer Anfahrt aufgedrecht und demzufolge fröhlich plaudernd um zwei Uhr nachts ein, während sich die andere Gruppe zwei Stunden später zur pervertierten Erhebung anschickt. Und wenn man schon wach ist (wach? habe ich wach getippt?), lässt man doch gerne das Licht brennen und begrüßt den Tag mit fröhlichem Geplauder.

Habe ich schon erwähnt, dass ich es nicht ausstehen kann, wenn man mich in der Aufwachphase aggressiv ankommuniziert? Womöglich gar mit offenen Fragen, also solchen, die sich nicht mit „ja“ oder „nein“ beantworten lassen? Naive Menschen erwarten sogar eine Antwort von mir. Eine Erwartung, die alsbald einer realistischen Sichtweise weicht.

Tja, der frühe Vogel mag den Wurm fangen, ich stehe später auf und vertilge den Vogel, während er seinen Verdauungsschlaf hält.

Auch das Thema „Teilnahme an Läufen“ sehe ich differenzierter. Keine Frage: es gibt Läufe, auf die ich Bock habe, weshalb ich nachts aufstehe. Leipzig, KUT usw. lohnen sich allemal. Ich muss es aber nicht mehr haben. Und ich halte, wenn ich zum Beispiel eine bestimmte Streckenlänge laufen will, nach Veranstaltungen mit humanen Startzeiten Ausschau.
Der UTMB startet gegen 18 Uhr abends und geht die Nacht durch: prima!
Die 24-Stunden-Läufe, die ich kenne, gehen zwischen 10 und 12 Uhr los: wunderbar!

Alles Zeiten, die meinem Schlafrhythmus entgegenkommen, fällt es mir doch leichter, lange wach zu bleiben, als mich aus dem Mutterleib des Schlafes reißen zu lassen.

Und wenn ich die Wahl zwischen zwei ähnlichen Läufen habe, wähle ich lieber den, der später losgeht.

Sport oder Sex?

Neulich erzählte ich einer Bekannten, wie sehr es mir gefällt, wenn ich nach dem Training im Bett liege und sich der ganze Körper benutzt anfühlt. „Wie nach dem Sex“ war ihr Kommentar dazu.

Wobei ich nicht ganz korrekt zitiere, denn ihre Aussage war „Wie nach gutem Sex“.

Dabei handelt es sich um eine Formulierung, die ich umso weniger verstehe, je länger ich darüber nachdenke – was jetzt nicht heißen soll, ich verstünde sie ohne Grübeln. Strenggenommen kann ich mit dem Begriff guter Sex überhaupt nichts anfangen. Was soll denn in diesem Zusammenhang „gut“ heißen? Da drängt sich mir schon dir Frage auf, ob wir das Gegenteil von schlecht, oder von böse meinen. Und wer bei aufdrängen im letzten Satz an Notzucht, mindestens aber an Nötigung denkt, lenkt seine Gedanken möglicherweise in Richtung böse. Das wiederum lag mir vollkommen fern. Ich halte zunächst fest, dass unklar ist, wie das Attribut gut im sexuellen Bereich von böse oder schlecht abzugrenzen wäre.

Unabhängig davon können wir uns fragen, welche Bedingungen erfüllt sein müssen, damit Sex ein guter würde? Ist dies dann der Fall, wenn alle Beteiligten zufrieden sind (ich spare mir den Kalauer mit befriedigt)? Wohl kaum, denn wir müssen zumindest die Möglichkeit von einander widersprechenden Einschätzungen in Betracht ziehen. Ich stelle mir ein postkoitales Bettgeflüster vor:

Hach, ich fand’s super!
Naja. Vielleicht sollte ich anfangen zu rauchen, dann könnte ich wenigstens die Zigarette danach genießen.

War dieser Sex gut oder nicht?

Bevor ich also lang und breit hin und her überlege, mir die Finger wund und das Hirn matt tippe, verzichte ich lieber auf die weitere Erörterung sexueller Güte und widme mich der eingangs eröffneten Frage, inwieweit irgendein Sex mit Sport gleichzusetzen sei.

Dabei löse ich mich nicht völlig von der guten Sache, denn theoretisch könnte ein Gütemerkmal im Erschöpfungszustand danach liegen. Je kaputter, desto besser.
Oder? Würde jemand ernsthaft darauf abzielen?
Dann brauchte man bloß ein wenig Sport treiben, bevor man es treibt – schon wird der Sex „besser“. Oder umgekehrt: Poppen vor dem Sport (gleich Vorermüdung), und das Training wird schöner gewesen sein.

Nur wenige Argumente lassen sich so locker aushebeln.

Übrigens sind die verbrauchten Nährstoffe verwandt mit dem Ermüdungszustand, und als Kriterium ebenso nutzlos. Ich bin zu faul, es selbst zu suchen, aber irgendwo in den unendlichen Weiten des weltweiten Netzes findet sich die Information, wie viele Kilojoule stündlich / minütlich / … bei verschiedenen Formen der Leibesbenützung (einschließlich Sex) verbrannt werden. Konsequenterweise sollte dann auch der Vergleich zu Garten- oder Fließbandarbeit gezogen werden. Damit böten sich interessante Auswahlmöglichkeiten, um chemische Energie in Wärme zu verwandeln:

Lass‘ uns das Mittagessen verarbeiten. Sollen wir im Garten ein Vogelhäuschen aufstellen, oder im Häuschen vögeln?

Auch Ermüdung und Energie ist, scheint mir, eine Sackgasse. Wenigstens komme ich dadurch auf den Gedanken, von der Bewegungsseite her in das Thema einzudringen. Ich vermag mir weder Sex noch Sport ohne Bewegung vorstellen, weshalb ich diese Facette als nächste betrachte.

Sie liefert mir ein erstes Abgrenzungsmerkmal weil sich Sport, im Gegensatz zum Sex, ohne Beteiligung fremder Organismen durchführen lässt. Den Spruch „Masturbation ist Sex mit dem einzigen Menschen, den du wirklich liebst“ kenne ich natürlich auch. Auch Mannschaftssportler werden einwenden, dass obige Aussage nur für Individualsportarten gilt, womit ich beinahe genötigt sein könnte, Masturbation als Individualsportart zu verstehen, den ich Teamsportarten gegenüberstelle. Ich könnte. Aber ich tue es nicht.

Stattdessen verweise ich auf die Ausgangssituation, in der von Sport alleine, und Sex nicht alleine die Rede war. Dabei halte ich bewusst offen, wer denn nun bei Sport und Sex zu den Akteuren zählt. Zu zweit oder in Kleingruppen, in Massen, Geschlechter bunt gemischt oder sortenrein – mir egal. Mir genügt eine einzelne Dame, und ich bin zufrieden. Aber jedem Tierchen sein Pläsierchen.
Knorkator hat im Song Klonen* übrigens eine interessante Vision für die Narzissten unter uns formuliert. Noch ist das allerdings Zukunftsmusik. Buchstäblich.

Also nochmal: Sex zu zweit (siehe oben) oder Sport alleine (auch siehe oben). Und dann der Zustand danach. Schön und gut, nach beiden Aktivitäten kann sich Ermattung einstellen. Da schreit eine Stimme in mir: Wie sieht es beim Sex mit Progression aus?
Wenn ich Sport treibe, kann ich länger / schneller laufen, Rad fahren, schwimmen, usw., ich kann Gewichte erhöhen und die Übungen schwieriger gestalten.
Bietet Sex ähnliche Gestaltungsmöglichkeiten, lässt sich das SAID**-Prinzip auf ihn anwenden? Ist es demnach notwendig, dass ich bei der Partnerwahl auf den Trainingsstand achte? Vielleicht ein kleines Assessment davor? Während Sportpartner sich leicht einschätzen lassen – was ist deine Marathonbestzeit?, fällt es mir schwer, vor der geschlechtlichen Paarung eine vergleichbare Frage zu formulieren, die den Informationsbedarf hinreichend zu befriedigen vermag.
Außerdem: so arschig es ist, einem langsameren Trainingspartner davonzulaufen, so uncharmant dürfte es sein, mitten im Akt zu sagen: sorry, aber wir brechen an der Stelle ab, unser Leistungsunterschied ist einfach zu groß. Davon abgesehen dünkt es mich verzerrt, den Leistungsgedanken ins Bett zu übertragen. Vielleicht sehe ich das durch die romantisch-verklärte Brille, aber seit ich erfahren habe, dass selbst Popstars ihren Status nicht durch außergewöhnliche Leistungen im Schlafzimmer erreicht haben, fühle ich mich in meiner Ansicht bestätigt.

Keine Progression beim Sex.

Auch der Wettbewerbsgedanke liegt ihm fern. Freilich ließen sich Pornolympische Spiele denken, die mannigfaltige Formen der Bewertung zulassen. Da brauchen wir nicht erst nach dem mächtigsten Gemächt und den größten Körbchen Ausschau halten – manch ein Mann würde gerne ein Körbchen von der Olympiasiegerin bekommen – sondern ganz simpel nach Zeit und anderen zahlenmäßig erfassbaren Größen im leiblichen Miteinander suchen. Wer ist zuerst fertig? Oder wer hält länger durch? Ein One-Night-Stand als Wettkampf, worin die Nacht als Zeitraum zwischen Sonnenunter- und Aufgang definiert wird, erhielte schon durch jahreszeitliche und geographische Schwankungen besondere Würze. Ich bin sicher, dass Bewohner der Polarregionen mit ihren monatelangen Polarnächten als Favoriten in den Kampf gehen dürften.

Kampf?

Vom Kampf der Geschlechter ist ja oft zu lesen, aber Sex als Kampf? Der Begriff impliziert doch eine Gegnerschaft, die nicht recht zum Charakter des Liebesaktes passen will. Wenn wir hier ein Miteinander anstelle des Gegeneinander voraussetzen, bleibt auch der Wettbewerb auf der Strecke, und damit die Olympischen Liebesspiele.

Kein schneller, höher, weiter und keine B-Note.

Keine Stilnote, obwohl sich theoretisch Haltungsnoten einführen ließen, wobei sich postwendend die Frage stellt, wer denn den die Noten vergeben soll? Selbst wenn alles auf Video aufgezeichnet, und von den Akteuren des Akts im Nachgang analysiert würde, müsste immer noch geklärt werden, an welchem Maß sie sexuelle Darbietung zu messen sei. An der Komplexität der eingenommenen Positionen nebst benutzten Werkzeugen vielleicht? Dazu fällt mir die Rockband Lüde & die Astrosein. Sie besang im Song Keine Lust eine scheinbare Kreativität mit den Worten „nackt vor’m Kühlschrank, Spiegel und Ketten – ohne Standard in den Betten„. Von dieser Warte aus können wir eine Brücke zum Functional Training schlagen, wo man der selben Logik folgt: wenn eine Hantel gut ist, und Balanceübungen auch, dann muss es noch besser sein, wenn man auf dem Bosu-Ball Gewichthebeübungen ausführt. Bis jemand vorschlägt, auch Gesangsübungen dabei auszuführen, ist wohl nur eine Frage der Zeit.
Erlaubt ist, was gefällt – was bedeutet, dass der persönliche Geschmack schnell eine unziemliche Rolle im quantifizierten Liebesspiel übernimmt.
Das kannste schon so machen, aber dann isses halt Kacke.
Eine Substanz, deren Verwendung zur sexuellen Erregung übrigens kein Geringerer als Marquis de Sade (ja, genau der!) in seinem Buch Die hundertzwanzig Tage von Sodom überaus detailliert beschrieben hat.

Was er wohl zur Frage „Sex oder Sport oder Sex oder Sport oder…“ zu sagen gehabt hätte?

Will ich es wirklich wissen?

Ich glaube schon, kann ihn nur nicht mehr fragen.

Und ich stelle fest, dass ich nicht weiter komme. Zu verschieden sind für mich beide Tätigkeiten, zu unvergleichlich trotz herbeiredbarer Gemeinsamkeit, die sich im Vorhandensein körperlicher Aktivität erschöpft.

Und der benutzte Körper, womit ich den jeweils eigenen meine?

Es führen offenbar nicht nur viele Wege nach Rom, sondern es gibt auch mehr als nur ein Rom. Dafür ist vor allem das, was im Kopf vorgeht, ganz anders. Egal wobei.

Nun bin ich vom Schreiben erschöft.

Das ist wie nach dem…..Schreiben!

* Knorkator – Klonen
** SAID: Specific Adaption to Imposed Demands

Vom Frühsport und der Schlummertaste

Morgenstund‘ hat, so behauptet ein Sprichwort, Gold im Munde. Aus diesem Gerücht ist vermutlich die Unsitte entstanden, bereits im Frühtau zu Berge oder anderswohin zu ziehen. Konkret starten viele Ultraläufe ausgesprochen früh.

Sehr früh.

Um sechs zum Beispiel.

In Worten: um sechs!

So schockiert meine Worte erscheinen mögen – ich schreibe sie im Bewusstsein, dass es Menschen gibt, die noch früher von selbst aufwachen und mit einem strahlenden Lächeln, ein fröhlich‘ Lied vor sich hinpfeifend, aus dem Bett springen. Ein guter Freund von mir ist auch so einer dieser frühen Vögel, die den Wurm fangen. Vorausgesetzt, der Wurm ist schon wach. Wobei es dem kundigen Vogel wahrscheinlich egal ist, wenn er den Wurm im Schlaf aus seliger Nachtruhe in den ewigen Schlaf versetzt. Wetten, dass es den frühen Vogel ganz schön wurmt, wenn ich in der untergehenden Sonne ein leckeres Abendessen auf dem Balkon genieße.

Sechs Uhr (Oder andere Perversionen, sieben Uhr ist nicht viel besser, während mir die Finger beim Gedanken krampfen, ich müsste Startzeiten von fünf oder gar vier Uhr tippen. Da lass‘ ich es lieber bleiben) nehmen wir mal als Metapher. Sechs Uhr, das ist mal locker zwei Stunden vor dem Aufwachen, und da bin ich schon großzügig. Um meinen Zustand zu niedrigen, einstelligen Uhrzeiten zu beschreiben, greife ich eine bekannte Redewendung auf: Aufstehen, so besagt diese, sei wie ein kleiner Tod.

Hier muss ich widersprechen.

Aufstehen ähnelt keineswegs dem Ableben, im Gegenteil!

Wenn ich mir die einzelnen Phasen des Aufstehens vor Augen führe, gleicht es eher dem Geborenwerden: Zuerst beginne ich, eine Umwelt um mich herum wahrzunehmen. Dann öffne ich ein Auge einen Spalt weit, mache die ersten, anfangs noch unsicheren, Schritte. Ich kommuniziere – zuerst mit Grunzlauten, danach folgen Ein- und Mehrwortsätze, bis ich nach geraumer Zeit im Vollbesitz meiner Fähigkeiten bin.
Das bedeutet, dass dieses Wesen, das am Start eines Frühstart-Ultras wie ich aussieht, nicht ich bin. Es handelt sich um ein Übergangs-Ich, angesiedelt zwischen dem sabbernden Säugling (der sich komischerweise aufrecht vorwärts bewegt) und einem Zombie. Anders als bei Letzterem besteht bei mir indes Aussicht auf Heilung.

Verglichen mit diesen Frühstart-Perversionen finde ich einen Start am Abend übrigens ausgesprochen human. Ob um halb sieben (abends!) oder um Zwölf (abends oder mittags ist mir gleich sympathisch) – aus dem wachen Zustand heraus laufe ich gerne die Nacht durch. Ich bin Eule, keine Nachtigall.

A propos Nachtigall.

Willst du schon gehen? Der Tag ist ja noch fern.
Es war die Nachtigall, und nicht die Lerche,
Die eben jetzt dein banges Ohr durchdrang;
Sie singt des Nachts auf dem Granatbaum dort.
Glaub, Lieber, mir: es war die Nachtigall.

So spricht Julia zu Ihrem Romeo, nach der gemeinsam verbrachten Nacht. Wohlgemerkt waren die beiden wach geblieben, was in etwa dem Start am Abend entspricht.
Würde Julia mich mit derlei Erörterungen wecken, ich wäre kein Romeo. Mein banges Ohr durchdringt in solcher Lage so gut wie nichts. Und selbst wenn es ihr gelänge, meine Aufmerksamkeit zu erregen: Anstelle romantischer Erwiderung würde ich ihr mit Hilfe unwilliger Grunzlaute zu verstehen geben, dass mir der Sinn nach allem Möglichen steht („alles Mögliche“ bedeutet: Schlaf), keineswegs jedoch nach ornithologischem fachgespräch auf der Basis von Vogellauten. Ebenso wenig wäre ich imstande, die übermittelte Information zu Standort und Lebensraum des Vogels sachgerecht zu verarbeiten. Damit ich „dort“ erkenne, müsste ich ja mindestens ein Auge öffnen, womöglich noch den Kopf bewegen, falls er nicht in die richtige Richtung orientiert ist. Und ein Granatbaum? Ich bin schon froh, wenn ich mich in der Aufwachphase selbst erkenne, geschweige denn einen Granatbaum von einem Küchentisch zu unterscheiden im Stande wäre.

Ich denke, also bin ich, schreibt Descartes.

Ein ich, das ich täglich aufs Neue entwickle.

Wobei ich eines gerne zugestehe: Sport am Morgen kann Spaß machen!

Wenn ich, bevor ich ins Büro gehe, eine Trainingseinheit absolviert habe, betrete ich dasselbe mit einem breiten Lächeln. Das soll nun nicht bedeuten, dass die Aussicht auf einen locker-lächelnden Morgen das Aufstehen an sich leichter macht, die ersten zwanzig Minuten körperlicher Aktivität sind und bleiben übel. Dabei ist es egal, ob ich Laufe oder Athletiktraining betreibe, es ist immer übel. Wenigstens bildet sich mein ich schnell, so dass ich mehr bin als ein bloßer Zustand ohne Bewusstsein, was mir motivierende Selbstgespräche ermöglicht.
Davon abgesehen lebe ich mit den bekannten Defiziten, deren Abbau ich im Laufe der Trainingseinheit miterlebe: Koordination? Kenne ich nicht. Nicht in der ersten halben Stunde, nachdem ich senkrecht bin. Seilhüpfen kann ich also vergessen. Tempotraining auch. Anspruchsvolles Krafttraining sowieso. Also starte ich mit ausgedehntem Aufwärmen – Stichwort Mobility. Füße noch im Bett kreisen lassen, das kriege ich unfall- und umfallfrei hin.

Damit der Übergang noch ein wenig sanfter vonstatten geht, hat mein Wecker eine Schlummertaste, deren acht Minuten ziemlich genau die Zeitspanne abdecken, die ich brauche, um gerade wieder einzuschlafen. Schlummertaste, o du teuflischer Engel! An schlechten Tagen gelingt es mir übrigens, mit Hilfe dieser kleinen Schlummereien genügend Zeit zu überbrücken, um doch wieder abends zu trainieren. Wobei mir dadurch logischerweise dieser unbändige Stolz auf einen erfolgreichen Aufstehvorgang versagt bleibt.

Ganz perfide wird es, wenn sich meine Blase mit der Schlummertaste verbündet. Gerne tut sie das vor dem ersten Piepsen des Weckers, wenn es schon hell ist. Damit wir uns richtig verstehen: ein, zwei Stunden Frist sind wirklich kein Ding. Einmal raus und wieder rein ins Bett und flugs in den sofortigen Tiefschlaf. Ich kriege kaum mit, dass ich draußen war.

Nein, die wahren Schrecken erlebe ich, wenn ich etwas wacher bin.

Dann kämpfe ich.

Vergebens.

Nicht einmal Chuck Norris kann wieder einschlafen, wenn er nachts pinkeln muss, ohne auf dem Klo gewesen zu sein. Wie ich es drehe oder wende: es klappt nicht. Also raus. Meine Blase weiß das. Und bringt diese widerlichen Aktionen der Blase, so zwanzig Minuten vor dem ersten Läuten. Gemütlich liegenbleiben und abwarten, bis es piepst? Vergiss‘ es! Also raus, halb wach sein, wieder einpennen bis gefühlte zwei Sekunden später der Wecker seine Pflicht tut.

Aufstehen ist kein kleiner Tod, es ist ein Ritual. Ein Ritual, welches die höchst empfindliche Psyche eines schlafenden Menschen behutsam in den wachen Zustand bringt. Wie das Leute hinkriegen, die zu nachtschlafender Zeit schon fröhlich und agil wirken, ist mir ein völliges Rätsel.
Wenigstens sind die meisten so einsichtig, dass sie mich in meinem labilen Zustand nicht aggressiv ankommunizieren, oder gar Antworten auf offene Fragen erwarten! So naiv ist kaum jemand. Wer sich mit Grunzlauten zufrieden gibt – meinetwegen.

Es bleibt die Frage der frühen Startzeiten. Angeblich sei es schwer, Helfer zum längeren Bleiben zu bewegen, hörte ich einmal. Sind denn alle Helfer solche früh-aus-dem-Bett-Hüpfer? Oder ist das mancherorts eine perverse Tradition?
Eine Tradition, geboren aus der Auffassung: wenn wir früher anfangen, haben wir mehr vom Tag? Ehrlich, Leute, wieviel habe ich von einem Tag, von dessen ersten paar Stunden nichts mitkriege?

Frühaufsteher freuen sich natürlich.

Ich dagegen grunze vor mich hin und bin froh, wenn ich zu zweistelligen Uhrzeiten feststelle: O geil, ich bin wieder auf der Welt!

Außentemperaturgeführt

Kennt ihr diese „außentemperaturgeführten“ Heizungen? Wird es draußen wärmer, regelt solch ein Gerät die Wassertemperatur von selbst herunter. Scheinbar absurd, denn wen interessiert es schon, ob es draußen warm ist, wenn er drinnen friert.
Doch manchmal ticken wir Sportlinge ähnlich, womit wir uns selbst ein Bein stellen.

Vielleicht sollte ich zunächst eine Lanze für die Heizungstechnik brechen, bevor sich der Eindruck verfestigt, ich bräche den Stab über sie. Wenn’s draußen wärmer wird, könnte man die Vorlauftemperatur der Heizanlage senken – ähnlich wie bei der Nachtabsenkung auch. Alternativ dazu ließe sich ein Raum in der Wohnung zum Referenzraum befördern: er entscheidet über hohe oder abgesenkte Temperatur des Heizungswassers. Aber ich bleibe bei der Außentemperatur als Steuerungsgröße. Von der technischen Seite her ist das Konzept für mich nachvollziehbar, vor allem dann, wenn Dummheiten vermieden werden, wie den Temperatursensor an einer sonnenbestrahlten Stelle zu montieren. Dennoch bleibt nicht nur emotional, sondern auch technisch ein Zweifel. So eine leise Stimme, die mich darauf hinweist, dass mich die Temperatur draußen nur bedingt kümmert, wenn ich drinnen in der – möglicherweise eben keinesfalls warmen – Stube sitze.

Ich richte meinen Blick nach außen in der Annahme, er gäbe den inneren Zustand korrekt wieder.

Das kommt mir bekannt vor.

Schmerzlich bekannt.

Schändlich gar.

Fällt mir doch spontan ein Lauf (nicht nur einer…) ein, der mich in die außentemperaturgeführte Falle hat tappen lassen. Oder, abstrakter: ich habe mich an irgendwelchen dämlichen Vorgaben, an Zahlen orientiert, statt mich von meinem inneren Zustand leiten zu lassen.
Konkret hatte ich mir beim 24-Stunden-Lauf einen bestimmten Schnitt vorgenommen (ja, ich weiß…). Dummerweise stieg die Außentemperatur (sic!) auf über dreißig Grad. Ich strengte mich an, den Schnitt zu halten (ja, ich weiß…), in der Hoffnung, die Hitze würde nicht allzu lange anhalten (ja, ich weiß…). Und so weiter. Hätte ich (ja, ich weiß..) meinen inneren Zustand konsequent verarbeitet, der Lauf wäre viel schöner gewesen. Und, glaubt mir, ich habe die ganze Zeit gemerkt, dass mir heiß war. Ein Jahr drauf bin ich in der heißen Phase deutlich langsamer unterwegs gewesen. Bin schließlich lernfähig!

Das Hitzebeispiel ist allerdings nur eines von vielen möglichen, ich will gar nicht zu sehr darauf herumreiten. Vergessen wir deshalb die Temperatur, um wieder zu abstrahieren.
Dort draußen gibt es noch viele Einflüsse, mit denen wir uns selbst leiten – oder in die Irre führen lassen.

Da gibt es diese schönen Tage, kühl und doch nicht kalt, mit herrlichem Sonnenschein. Und dennoch frieren oder schwitzen wir. Wie kann das sein, es hat doch nur (beliebige Temperatur einsetzen) Grad? Gewiss habt ihr bemerkt, dass es doch noch um Wärme geht. Oder ihre Abwesenheit. Allerdings nicht nur darum, auch nicht um Unterschiede zwischen verschiedenen Menschen, sondern auch um das, was wir als Tagesform kennen. Das eigene Empfinden richtet sich eben nicht nach dem Thermometer. Eine simple Erkenntnis, die offenkundig das Begriffsvermögen vieler Armeen übersteigt. Anders kann ich mir jedenfalls nicht erklären, wie Sommer befohlen werden könnte.

Im Übrigen wird der gemeine Sportling häufig geneigt sein, seinen Trainingsplan als unumstößliches Gebot anzusehen. Wenn’s nicht so schwer wäre, man würde Läuflinge Marmortafeln anstelle von Smartphones schleppen lassen, in die Tempi, Distanzen und Ziel-Herzfrequenz mit güldenen Lettern einlassen sind. Die Änlichkeit mit Grabsteinen kommt hier nicht von ungefähr.

Still und starr ruht der Plan.

Allerdings, und das ist die Kehrseite der Medaille, sind Körper und Geist wahrhaft trickreiche Wesen. Im Team verbünden sie sich manchmal zum Schaden des Sportlings, denn so wie sich übertriebener Ehrgeiz und starres Festhalten am Plan manchmal in Verletzungen niederschlagen – woraufhin der Sportling zu Recht niedergeschlagen ist, sorgen sie im umgekehrten Fall in trauter Einigkeit für ein Zuwenig an Sport.

Bei mir sind es hochintensive Intervalle, die manchmal dieses „Huch, ich strenge mich an! Ich will mich nicht anstrengen! Ich brauche Pause! Jetzt!“ auslösen. Fällt euch die Steigerung im Zitat auf? Von der Realisation, dass ich mich anstrenge, führt der Weg in direkter Folge zum Drang nach Pause. So weit, so normal. Ziemlich normal.

Da ist es natürlich der Kopf, der mich dann weitermachen lässt. Oder auch nicht.

Denn das Hirn ist manchmal ein kleiner fauler Sack. Da wird ein Zipperlein des inneren Zustands, den zu beobachten ich oben gefordert habe, schnell zur dräuenden Unbill, die natürlich nur durch sofortige Pause abgewendet werden kann. So ein kleiner Sack, dieses Hirn.
Das wäre dann eine Situation, in der es (das Hirn) sich münchhausenartig am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen muss.

Und wie?

Durch den Blick nach draußen!

Es ist nicht einfach.

Aber, wie der Volksmund weiß: wäre es einfach, würde es Fußball heißen.