Celia Kuch – Athletik für Triathleten

Mit dem Athletiktraining für Ausdauersportler verhält es sich ähnlich wie mit gesunder Ernährung: jeder weiß um die Bedeutung; wenige praktizieren es: dabei ist ein fundiertes Athletikprogramm eine gute Basis für sportlichen Erfolg.
Celia Kuch, ihres Zeichens Triathletin, Sportwissenschaftlerin, Personal Trainerin, Triathlon Coach (ich hoffe, ich habe nichts vergessen, mich deucht, ich hätte noch von einem Master in Biomechanik gelesen. Wir dürfen also getrost davon ausgehen, dass sich die Dame auskennt), hat unter dem Titel Athletik für Triathleten ein solches veröffentlicht. Strenggenommen handelt es sich um ein zweiteiliges Programm: mit dem ersten Teil kommst du schon recht weit, mit dem zweiten noch weiter.

Übrigens: macht euch wegen des Titels der Programme keine Gedanken, ich könnte auch noch Triathlon anfangen. Geile Sportart, keine Frage, und für mich höchst reizvoll. Ich bleibe aber bei den Ultratrails, Kuschelkugeln und der Langhantel. Vorerst. Man soll ja nie “nie” sagen. Niemalsnicht. Davon abgesehen wird es der Körper dem gemeinen Läufling verzeihen, wenn dessen Geist einen Blick über den Tellerrand wagt. Denn die Übungen eignen sich zum Aufbau einer athletischen Basis für jede Sportart.
Ich stehe ja sowieso drauf, den eigenen Leib verschiedenartigen Belastungen (sprich: Sportarten) auszusetzen – das Hirn natürlich auch.

A propos “ich”. Wer mich länger kennt, oder öfter hier reinliest, dem ist wahrscheinlich aufgefallen, dass ich ab und zu über meine und des läuferischen Athletiktrainings gemeinsame Vergangenheit schreibe; stets mit dem Unterton “ach was war das damals eine schwere Pflicht, zu der ich mich einmal in der Woche zwang”. Meist folgt der Hinweis darauf, wie froh ich jetzt über meine Kuschelkugeln (vulgo: Kettlebells), Langhantel, Ringe und andere Spielsachen bin.

Pssst.

Wenn ich ganz still bin, glaube ich, ein leises Kichern hinter vorgehaltener Hand zu hören. So ein Höhöhö, jetzt fängt er wieder da an, wo er mal aufgehört hat.

Neien.

Tu’ ich nicht.

Ich befasse mich einfach gerne mit Trainingsthemen, und Athletiktraining ist ein solches. Ob mit dem eigenen Körpergewicht oder mit Hilfsmitteln, das Thema ist eminent wichtig. Und zur Abwechslung, man höre und staune, dürfen Eigengewichtsübungen auch bei mir Würze ins Training bringen.

Doch genug Vorgeplänkel, hinein ins Programm!

Beide Programme sind äußerst kompakt gehalten: nach einem kurzen Vorwort mit Empfehlungen zu Belastungs- und Pausenzeit geht’s zur Sache.

Im Wesentlichen bestehen die Programme aus zwei Teilen: den eigentlichen Kräftigungsübungen und einem abschließenden Dehnprogramm. Wobei “abschließend” sich auf die Position im Dokument bezieht. Mir ist schon bewusst, dass sich in der Frage, ob vor oder nach dem Training gedehnt werden sollte, die Geister scheiden. Zum Glück sind wir noch nicht so weit, dass darüber ein Krieg ausbräche, so wie zwischen Lilliput und Blefuscu, wo man sich über die Frage zerstritten hatte, ob ein Ei am dicken oder dünnen Ende aufzuschlagen sei. Ich zähle mich übrigens zu den Nach-dem-Training-Dehnern.

Teil 1 würde ich in einem Satz als Rundum-Athletik für den ganzen Körper charakterisieren. Die wesentlichen Körperregionen und Belastungsebenen werden sowohl im Kräftigungs- als auch im Dehnteil abgedeckt. Teil 2 ist anspruchsvoller, und sportartspezifischer – vor allem: mehr Beinübungen.
An Ausstattung bedarf es nicht viel: Theraband oder etwas Vergleichbares, Pezziball und Hantelstangen. Vom Pezziball und den Hantelstangen (die ich eh’ nicht habe), ist das in etwa die Ausstattung, die bei mir standardmäßig im Reisegepäck mitkommt, wenn ich mal beruflich unterwegs bin. Zum Seilhüpfen ist in den wenigsten Hotelzimmern Platz, Athletik mit Theraband und dem eigenen Körpergewicht gehen immer!

Mit den Dehnübungen (Teil1) und dem Faszientraining (Teil 2) verhält es sich wie beim Krafttraining: einfach und effektiv.
Faszientraining, wir erinnern uns, das ist die Zigarette danach für Sportler. Größe zählt bisweilen eben doch, und so eine Faszienrolle schlägt den Glimmstengel um Längen. Damit das Nachspiel (oder Vorspiel, je nachdem, wann das faszienierende Training in eine Session eingebaut wird), auch den gewünschten Effekt hat, skizziert Celia mit ein paar Sätzen, worauf der geneigte Sportling achten sollte.

Ich hätte mir in dieser Art ein, zwei Sätze über verschiedene Dehntechniken, oder einen Verweis darauf, dass es solche gibt, gewünscht. Allzu ausführliche Erörterungen hierzu, oder auch zu den Kraftübungen, hätten den Rahmen des Athletikprogramms zweifellos gesprengt, denn es setzt voraus, dass der Sportler entweder unter Anleitung trainiert, oder dass er eben weiß, was er tut.

Wie gesagt: Athletik für Triathleten ist eine superkompakte, sehr dichte Anleitung zum Training, und deswegen meiner Ansicht nach für jeden Menschen mit guter Eigenwahrnehmung zu empfehlen. Nicht nur für Triathleten…

Eine Sache muss ich zum Schluss noch loswerden, denn sie gefällt mir überhaupt nicht: jedes einzelne Foto rief mir eine klare Botschaft zu Du bist fett, ungelenk und hässlich.

Nun denn, wenigstens an den beiden ersten Punkten kann ich etwas ändern. Zwei von dreien, passt doch!

Bestellen könnt ihr die Programme übrigens hier: Athletik für Triathleten

Ein schöner Sonntag – Volkslauf Langensteinbach

Beinahe direkt vor meiner Haustür sollte, so habe ich vor ein paar Tagen erfahren, findet der Volkslauf in Langensteinbach statt. Klar, der Ort liegt neben Spielberg, wo ich wohne. Ein kurzer Besuch bei Google Maps zeigte mir, dass es von meiner Wohnung bis zum Start gerade mal drei, vier Kilometer zu Fuß sind – und dass der Lauf zum großen Teil sogar Routen beinhaltet, die ich schon öfter entlang gerannt war.

Da wäre ich doch, sagte ich mir, mit dem Klammerbeutel gepudert, wenn ich nicht teilnähme! Woher kommt eigentlich diese Redewendung? Ich kann mir in etwa vorstellen, was ein Klammerbeutel ist: so ein Säckchen, in welchem Wäscheklammern aufbewahrt werden. Falls ich mich täusche, möge ein geneigter Leser meine Unkenntnis korrigieren.
Aber was hat das mit dem Pudern zu tun? Wurde in der Zeit, bevor es Plastikpuderdosen gab, mit Stuffbeuteln gepudert, ähnlich jenen, welche Kletterer am Gürtel tragen?

Tja.

Wer es weiß, kläre mich bitte auf.

Zurück zum Lauf, beziehungsweise zum Vorhaben. Kalt sollte es sein, der Deutsche Wetterdienst sprach von runden Fünf Grad über Null. Also dünne, lange Tight, und obenrum mein geliebtes Teclite Shirt. Denn, so meine Überlegung, während des Laufes würde ich die zahlreich vorhandenen Belüftungsmöglichkeiten nutzen können, um sie davor, vor allem aber danach, zu verschließen. Warme Mütze und Handschuhe in die Brusttasche, fertig. Irgendwie erschien mir das angenehmer, als Bekleidungsschichten an- und abzulegen, Transport im Rucksack inklusive.

Was soll ich sagen, die Klamottenwahl war ein Volltreffer. Mollig warm wenn nötig, fand ich es nur dort zu warm, wo es erstens bergauf ging und zweitens die Sonne schien. Supergut!

A propos Wetter: für mich war es optimal. Trocken und kühl, ich schätze, etwas mehr als die versprochenen fünf Grade. Bisweilen, wie gesagt, mit Sonne. Genau so mag ich das!

In diesem Artikel erwähne ich auch meine Zeit: 53:33,4 Minuten. Wenn ich gewusst hätte, dass ich mich mit einem klitzekleinen Sprung mehr in Richtung Schnapszahl bewegt hätte….
Nein, ich möchte nicht über “zwanzig Minuten schneller” reden. 33:33,3 sehen hübsch aus, aaaber….

Unterm Strich ein herrlicher Sonntag mit rund 17 km gesamt, davon zehn zügig auf hügeliger Strecke.
Jetzt noch ein paar Overhead Presses mit der Langhantel, bevor ich das Wochenende bei erbaulicher Lektüre ruhig ausklingen lasse.

Ein schöner Tag!

Website des SV Langensteinbach

Luxusproblemzonen

Viele Menschen kennen das: ein Kleidungsstück zwickt. Das ist unangenehm, ließe sich jedoch leicht mit entsprechend größer gekauften Klamotten umgehen. Ließe, weil sich dabei zwei Nebeneffekte einstellen: erstens zwickt es normalerweise nur an eng begrenzter Stelle (ich hoffe, das Wortspiel “eng” ist aufgefallen, ich habe viel Mühe dafür aufgewendet, und hätte gerne Anerkennung dafür), wodurch das gesamte Erscheinungsbild außerhalb der Engstellen mehr sackartig-lappig daherkommt.

Außerdem bleibt noch der unbekleidete Blick in den Spiegel, der das offenbart, was die Körperbranche so gerne Problemzonen nennt.

Als Oberbegriff nennen die das so.

Wollen Fitness- / Lebenshilfe-/ Diät- und sonstige Unratgeber mehr ins Detail gehen, wird’s richtig poetisch. Schließlich sollen die Kunden keine Sätze lesen wie “Du bist an den Armen fett” oder so ähnlich. Stattdessen redet man vom Hüftgold, welches oberhalb der Radlerhosen angesiedelt ist. Winkearme dienen dem freudigen Gruß all derer, die gegrüßt werden müssen. Da will man im Englischen nicht nachstehen, und spricht vom Muffintop, wenn ein Bauch gemeint ist, der über den Gürtel hängt, während das Hüftgold dorten als Love Handles schon ziemlich sexy klingt.

Ich bekenne offen, dass ich an ganz andere Stellen der weiblichen Anatomie dachte, als ich zum ersten Mal von Love Handles las.

Profaner ist übrigens die unvollständige Liste, die sich in gleichnamigen Workshops wiederfindet: Bauch, Beine, Po.

Problemzonen also.

Wobei das Problem der Zonen darin zu finden ist, dass ihr Besitzer (oder die Besitzerin) an diesen Stellen lieber anders beschaffen wäre, als er / sie es ist. Weniger bezont. Ob man die angrenzenden Körperregionen in nostalgischer Anwandlung als Zonenrandgebiet bezeichnet, entzieht sich meiner Kenntnis.

Problemzonen.

Zonen, die Probleme machen.

Wo Probleme sind, sind Lösungsversprechen nicht fern, und so steht eine Armada von Trainern und Tippgebern bereit, mit Tat und Rat beiseite zu stehen. Wobei ich angesichts der augenscheinlichen Ausbreitung solcher Zonen glaube, anstelle von Rat eher von Unrat sprechen zu müssen. Viel scheint’s ja nicht zu bringen. Oder nur selten, genauer gesagt nur dann, wenn der / die Beratene selbigem Rat auch Taten folgen lässt. Der Zonenschwund folgt meist auf dem sportlich bewegten Fuße.

Das Problem schwindet.

Die Kleidung zwickt nicht.

Bis, ja bis sie es irgendwann doch wieder tut. An anderer Stelle. Ich nenne diese Zonen Problemzonen vom Typ zwei, um sie von den anderen abzugrenzen. Das erlebe ich am eigenen Leib – wobei ich die erste Version des Zwickens (durch Love Handles etc, Problemzonen Typ eins) nicht kenne. Radlerhosen hatte ich zeitlebens nur als Kleidungsstück. Stattdessen steige ich in eine alternative Zwickphase ein, seitdem ich zusätzlich zum Laufen intensives Krafttraining betreibe: Langhantel und Kettlebells sind, neben meinem eigenen Körpergewicht, leib gewordener Zeitvertreib.

Kürzlich zog ich eine Hose an, die ich vielleicht zwei Jahre nicht getragen hatte. Zu eng an den Oberschenkeln, zu eng an der Hüfte wegen meines …. ähm… kräftiger gewordenen Hinterns. Bei älteren Hemden klaffen spindelförmige Öffnungen zwischen den Knöpfen an der Brust, und die Schulternaht rutscht nach innen.
Ich stehe nicht alleine mit meinen Problemzonen, beileibe nicht! Betroffene beklagen sich darüber, dass sie sich beim Hosenkauf für eine von zwei unpassenden Alternativen entscheiden müssen: entweder passt’s an den Beinen, dann ist der Bund zu weit. Oder der Bund sitzt. Das bringt auch nichts, weil Treppensteigen mit prall sitzender Oberschenkelhose zur Herausforderung wird.

Einer gut trainierten Bekannten wollte man allen Ernstes ein Oberteil in Größe S aufschwatzen – beim Luftholen ist dann die Naht geplatzt.

An der Schulter!

Zum Glück gibt’s Stretchstoffe.

Ich geb’s ja zu, dass unsereins selbst schuld ist an diesen Problemzonen.

Und auch, dass viele Menschen mit Problemzonen vom Typ eins gerne solche vom Typ zwei hätten (können sie haben, sie müssen nur so trainieren wie die Leute mit Typ zwei Problemzonen).

Viele würden bei uns vom Luxusproblem sprechen.

Wir haben wohl Luxusproblemzonen.

Schall und Rauch

Namen sind Schall und Rauch. Das weiß der Volksmund schon lange, denn Goethe hat ihm diese Erkenntnis vermittelt. Möglicherweise verhält sich die Sache auch umgekehrt: Goethe schaute dem Volke aufs Maul, fand Gefallen am Aussproch, den er für sein Drama Faust übernahm. Ob er sich dabei ins Fäustchen lachte, ist nicht überliefert.

Leicht ist die Namensfindung selten, ganz ohne geht es schließlich auch nicht. Das Kind, auch dies eine Volksweisheit, muss einen Namen haben. Oder zwei, wie die Torben-Benedikts dieser Welt unter Beweis stellen.

Wie gesagt: kein Name ist keine Lösung, das ist alternativlos, damit wir uns einen Begriff von etwas machen können. Schon Platon ließ Kratylos behaupten, dass ein jedes Ding von Natur aus den richtigen Namen hat. Sokrates, der alte Schlauberger, hat daraufhin zu bedenken gegeben, dass man das Ding erstmal erkennen muss, bevor man sich sicher sein kann, dass der richtige Name verwendet wird.

Auch doof.

Aber Hauptsache, wir sind uns einig über das, worüber wir reden, und den Begriff, mit dem wir das tun. Dazu brauchen wir, und da ist’s wurscht was die Sprachphilosophen sich denken, ein Wort für ein Ding.

Auch für Sportartikel.

Eigentlich würde ein eindeutiger Bezeichner, ein Code, ausreichen, um zum Beispiel Laufschuhe zu benennen. Ganz so einfach ist es dann aber doch nicht, schließlich wollen Gefühle transportiert sein, die zum Kaufe animieren. Kein Läufling würde ein Paar Trailschuhe für den Winter erstehen. Typ TS/W.
Nein, der Name muss schallen und rauchen!
Die Schaum schlagende Marketingabteilung eines jeden Herstellers lässt sich sowas nicht zweimal sagen: Getöse, Donner, Rauchzeichen, Qualmwolken müssen wie der Fanfarenzug vor jeglichem Produkt einhermarschieren. Kleopatra wäre neidisch, wenn sie wüsste, mit wieviel Tamtam ein popeliges Paar Laufsocken bisweilen angepriesen wird. Schall und Rauch fasst man auf als: je schreiender der Qualm, desto mehr Emotionen löst er aus.

Eigentlich müssten wir aus jedem Sportgeschäft mit Rauchvergiftung und geplatzten Trommelfellen flüchten.

Ich gebe zu, dass ich ein wenig übertreibe.

Das Kind braucht einen Namen.

Die Namensfindung beginnt bei den Marken selbst: mir scheint es als kluger Schachzug, sich nach der Siegesgöttin Nike zu benennen; auch die Idee, aus anime sana in corpore sano die Marke asics zu machen, verdient Anerkennung. Nicht vollig sauber, denn ursprünglich war von mens sana in corpore sano die Rede. Weil sich msics doch etwas holprig ausspricht, verfiel man auf den Gedanken, aus dem Geist (mens) die Seele (anima) zu machen.

Weniger einfallsreich, aber zumindest auf der sicheren Seite sind jene Unternehmer, die unter ihrem eigenen Namen firmieren: Kössmann zum Beispiel. Adolf Dassler blieb dieser Weg bei der Gründung seines Unternehmens verständlicherweise versperrt; im Jahre 1949 war Adolf wahrlich keine gute Idee. Geschadet hat ihm das nicht, denn adidas klingt so schlecht nicht!

OMM hat übrigens nichts mit östlichen Meditationstechniken zu tun, sondern steht schlicht für Original Mountain Marathon. Praktisch, wenn die Ausrüstung genauso heißt wie die Veranstaltung. Ebenso gut gefällt mir Inov-8, wo ich Wortspiele doch so gerne mag. Einzig der milde Leistungsdruck, unter den sich die Marke mit ihrem “innovate” ausgesprochenen Namen setzt, sollte dortselbst beflügelnd wirken. Möge man nicht stillstehen und fleißig innovieren!

Unter dem Aspekt sind geographische Bezeichnungen schon bequemer: Cotopaxi heißt nach dem zweithöchsten Berg Ecuadors, und Maloja nach einem Ort in der Schweiz, wo die Inspiration zur Gründung gewirkt haben soll. Ich vermute, die Leute sind heilfroh, dass ihnen die Idee nicht in Garmisch-Partenkirchen kam.

Hoka One One tanzt aus der Reihe, mir ist nicht gelungen, den Namen zu entschlüsseln. Da ist mir Hill People Gear schon lieber, die liefern schon fast eine Beschreibung des Einsatzzwecks ihrer Ausrüstung. Eine SALOMINische Idee!

Schuhe finde ich echt witzig. Bushido heißt da ein Modell. Wenn die wüssten, was für ein Mensch hierzulande unter dem Namen auftritt… Wahrscheinlich würden sie sich ihre Speedcross unter die Füße schnallen, damit er ihnen nicht die Beine brechen lässt. Fellraiser heißen übrigens Schuhe von Salomon. Wer von Fell Running noch nichts gehört hat, mag mit pelzgefütterten Laufschuhen rechnen. Unverdächtiger scheint mir da Mafate, was dem Uneingeweihten erstmal gar nichts sagt, aber wenigstens nett klingt. Altra transportiert mit dem Lone Peak das Versprechen, anlässlich eines Laufes auf einem einsamen Gipfel kurz zu verweilen. Der Blick schweift in die Ferne, während der Mensch von einem tiefen Gefühl ergriffen wird.

Nichts für Speedgoats!

Ein jeder Hersteller, der fest im Mainstream angekommen ist, streut übrigens gerne drei zusätzliche Buchstaben in sein Sortiment ein.

Pro.

Pro ist wichtig.

Pro unterscheidet den, ja, wen eigentlich? Den Profi vom Amateur? Wobei ein kurzer Spaziergang durch den Baumarkt beweist, dass man “Profi”-Produkte in aller Regel in der Ramsch-Abteilung findet. Kein professionell tätiger Mensch würde ein “Profi”-Gerät anfassen. Ich fände es witzig, beim Kauf eines Pro-Produkts den Nachweis des professionellen Einsatzes zu verlangen.

Mit “Elite” wird das noch lustiger. Weh dem Läufling, der Elite-Klamotten trägt, und nicht regelmäßig aufs Treppchen kommt!

Was trägt die graue Masse? Adizero dünkt mich angemessen für läuferische Nullen wie ich eine bin. Es sei denn, ich mache mich zur Revanche für eine erlittene Schmach auf. Die drei magischen Buchstaben, die kein Läufling gerne hinter seinem Namen in der Ergebnisliste liest, die dennoch zum Laufsport gehören wie die auf dem Feld der Ehre erworbenen Narben.

D N F

Dazu passt der adidas Revenge. Jawoll, das trägt der standesbewusste Sportling auf der Suche nach Genugtuung. Wer übrigens auf Denksportaufgaben steht, wird gerne zu kryptisch bezeichneten Leibchen wie dem S-Lab Exo Zip Tee greifen. Das liest sich derart technisch-wissenschaftlich, da mag ich mir gar nicht vorstellen, wie jemand mit solch einem Kleidungsstück angetan im regnerischen Wald herumturnt. Transportiert der Name nicht eher die Assoziation an einen weißen Laborkittel, getragen im Jet Propulsion Laboratory der NASA? Ich stelle mir einen Nerd vor, der seine Dissertation auf dem S-Lab Exo Zip Tee aufgedruckt trägt. In assyrischer Keilschrift, damit nicht jeder sie lesen kann.

Eventuell läuft er auch.

Bei Naturwissenschaftlern soll sich herumgesprochen haben, dass ein gesunder Geist im gesunden Körper wohnt, dass frische Luft dem Hirn beim Hirnen hilft. Manchmal entspringt einem solcherart inspirierten Denkorgan dann eine bestechend simple Idee. So muss es sich bei Ortovox zugetragen haben, denn dort gibt es das Merino Fleece Hoody.

Ein Hoody.

Aus Merino.

Merino Fleece, um genau zu sein.

Klartext. Kaum zu fassen!

Total geflasht!

Vergangenen Mai hatte ich mir eine Langhantel zugelegt, die ich lediglich zum Kreuzheben verwenden wollte – jedenfalls war das mein ursprünglicher Plan. Ein Vorsatz, der ziemlich genau nichtmal ungefähr eine Sekunde hielt.
Freilich war mir vorher schon klar gewesen, dass sich mit der langen Hantel deutlich mehr anfangen lässt, aber wie es halt so ist im Leben…

Langhanteln als Sportgeräte waren in meinem Hirn mit dem Sport Gewichtheben fest verdrahtet. Gewichtheben wiederum wurde von dicken Männern betrieben, die zentnerschwere Gewichte irgendwie über den Kopf wuchteten.

Ach, was war ich damals ahnungslos.

Ahnungslos, obwohl ich es hätte besser wissen können, sind doch die von mir so geliebten und eifrig benutzten Kettlebells auch nicht wirklich leicht zu nennen. Und der der sachgerechte Umgang mit ihnen erfordert doch ein gerüttelt Maß an Fertigkeit.
Zu meiner Ehrenrettung kann ich immerhin berichten, dass ich mich im selben Moment, in dem ich mich dazu entschieden hatte, es nicht bei profanen Deadlifts bewenden zu lassen, mit den anderen Übungen zu befassen begann. Meine Kuschelkugeln raunten mir zu, auch das Training mit der Langhantel gebiete eine fundierte Anleitung durch fähige Instruktoren. Ihr Raunen traf meine weit geöffneten Ohren, eine flugs angestellte Internetsuche führte mich schnurstracks zum Kraftsportverein Durlach, der sogar einen Einsteigerkurs über drei Monate anbietet. Welch ein Luxus, Ausbildung in unmittelbarer Nähe!

Der Kurs entpuppte sich als endgeil, mit einer coolen Truppe als Teilnehmer und zwei kompetenten Trainern – Kevin und Marlon. Eine der ersten Aussagen war “wir lernen erst die Technik, und wenn die sitzt, können wir sie beladen.”. Auch bei uns (RKC) ist das ein ehernes Prinzip, welches wir mit Überzeugung leben. Ich fühlte mich sofort zuhause.

A propos zuhause.

Wie schnell würde ich mich mit den Übungen anfreunden?

Reißen und Stoßen, die beiden hauptsächlichen Disziplinen des olympischen Gewichthebens, ließen mich jedem Gewichte hebenden Gewichtheber Abbitte leisten. Welcher Vollhonk hat dicke Männer und hochwuchten gesagt?

Ach.

Ich.

Oh.

Der Snatch (wer Lust hat, darf den Begriff auch gerne übersetzen, dann heißt es – Reißen!) mit einer Kettlebell gilt zu Recht als explosive, komplexe Übung, die dem Sportler viel Kraft und Koordination abverlangt, gerade weil er (wie auch Swings und Cleans) sehr schnell abläuft. Sprich: es ist verflucht wenig Zeit für Korrekturen. Allerdings handelt es sich dabei um eine zyklisch ablaufende Bewegung, was dem Routinier eine gewisse Kontrolle gestattet. Man kann von einem Regelkreis sprechen.

Wie gesagt: sehr anspruchsvoll.

Reißen mit der Langhantel setzt da noch einiges drauf.

Zum Beispiel müssen noch mehr Muskelgruppen koordiniert werden, und es steht noch weniger Zeit zur Verfügung. Regelkreis? Bei der nächsten Wiederholung eine Nuance nachregeln? Vergiss’ es! Selbst wenn du Dead Stop Swings, oder Dead Stop Snatches ausführst, hast du mehr Zeit. Reißen und Stoßen sind zackig schnell ablaufende Bewegungen, die sitzen müssen. Hochkomplex, sehr explosiv.

Und mobil.

Es grüßt meine herausragend miese Schultermobilität. Das Sprunggelenk darf sich übrigens auch angesprochen fühlen.

Dennoch liegt eine Frage nahe: Gibt es – gab es – Transfer von den Kettlebells zur Langhantel? Das Herz-Kreislauf-System ist beim Gewichtheben nicht gefordert, eine ordentliche Sauerstoffaufnahme (VO2-Max) zu haben ist schön, aber nicht notwendig. Was das betrifft, dürfen Herz und Lunge beim Snatchen deutlich härter arbeiten. Aber sonst? Wie sieht es mit der mechanischen Komponente aus? Im Nachhinein würde ich von Fluch und Segen des Kettlebelltrainings sprechen. Explosivität in der Hüfte ließ sich sehr gut übertragen, und viele Bewegungsmuster ähneln sich, was schon die Übersetzung der deutschen Begriffe ins Englische zeigt:

Reißen – Snatch

Umsetzen – Clean

Etc.

Aber…vielmehr: aaaaaaber! Genau in dieser Ähnlichkeit der Bewegungsmuster liegt der springende Punkt, weil sie sich eben nur ähneln. Durch das Fenster feiner Unterschiede winkt der Teufel im Detail und grinst sich eins. Was tut der geneigte Sportling? Er übt und übt und bildet eine neue Variante seiner eingeschliffenen Bewegungen heraus.

Beispiel gefällig?

Hältst du eine Kettlebel, so ist! das! Handgelenk! gerade!

Wenn du dagegen eine Langhantel stützt, tust du dieses auf nach hinten geklappten Händen.

Mechanisch lässt sich das ganz simpel begründen, weil der Schwerpunkt einer Kettlebell exzentrisch zum Handgelenk liegt, bei der Langhantel nicht. Einfache Statik, was den Inschenör erfreut, wenn er im Geiste Kraftlinien zeichnet. Der Sportler hingegen kann sich einen typischen Lernprozess am, beziehungsweise mit dem eigenen Leib demonstrieren: Bewusstmachen der eingeschliffenen Bewegung, Variante visualisieren, Ent-Lernen des vorhandenen Bewegungsmusters im neuen Kontext, Variante einüben, Variante einschleifen.

Wobei der beschriebene Lernprozess natürlich aus einer Vielzahl von Einzelschritten besteht, aus dem Zerlegen der komplexen Bewegungen in Einzelschritte, für die unsere Trainer uns wiederum eigene Übungen auszuführen hießen.
Ich bekenne, dass ich in schwachen Momenten eine milde Bewegungslegasthenie an mir zu erkennen glaubte. Bilder von ungelenken Lauffreunden tauchten in meinem Kopf auf, wie sie tollpatschig über die Agilitätsleiter trampeln. Zum Glück zählt ein Satz wie das lerne ich nie nicht zu meinem Repertoire. Mir war klar: irgendwann platzt der Knoten.

Eine Gewissheit, die durch sich häufende Erfolgserlebnisse gestützt wurde.

Bis, ja, bis sich vergangenen Donnerstag das unausweichliche Schicksal des besagten Knotens erfüllte: es zerriss ihn! Sowohl Reißen als auch Stoßen gelang mir in passabler Technik, das entsprechende Feedback der Trainer machte mir bewusst, dass es nicht nur meine Eigenwahrnehmung gewesen ist, die mir ein Jippieee, endlich! zurief.

Seitdem bin ich geflasht, Wolke Sieben, zufrieden, motiviert, begeistert,… die Liste ließe sich endloch fortführen.
Ein hart erarbeiteter Erfolg ist halt einfach geil!

Um mich noch mehr zu motivieren, mache ich mir einen meiner Lieblingssätze bewusst: Der Amateur trainiert, bis er es richtig macht. Der Profi trainiert, bis er es nicht mehr falsch machen kann.

Was steht an? Korrekte Bewegungsmuster einschleifen, stabilisieren. Und natürlich das Mobilitätsthema in Schultern und Sprunggelenken.

Barbell, here I come.

YEEEAH!