Es ginge um’s Geld: Monetarisierung

Es geht um's Geld. Konkret lässt es sich mit einem Blog verdienen, und die Vorstellung, dass Kohle fließt während ich fröhlich vor mich hin tippe, ich überaus verlockend! Würde sich das auf mein Schreiben auswirken - und wenn ja: wie? Will ich meinen Blog monetarisieren? Nach reiflichem Nachdenken entschloss ich mich dagegen, denn: Es ginge um's Geld.
Ich muss weiter ausholen, bevor ich über einen Bogen zum Punkt komme. Den Anfang macht eine Erweiterung des vorletzten Satzes, denn, würde ich den Blog monetarisieren, wie es so schön heißt, ginge es vorrangig um's Geld. Da liegt der Hund begraben.
Ein Sprung zum Ursprung meines Blogs verdeutlich mit, wieso ich überhaupt schreibe. Ich tue dies, weil es mir Spaß macht. Weil ich gerne mit Worten spiele, formuliere, fabuliere, meine Gedanken in Textform zusammenfasse. Wenn andere Gefallen daran finden, freue ich mich.

Dazu kommt eine gewisse Neugier, denn irgendwie bin ich ein kleiner Gearfreak, als der ich gerne Dinge ausprobiere. Meine Eindrücke verarbeite ich wiederum textuell.
Was könnte also näher liegen, als mit - tja, womit nun genau? - mit Werbung auf der Seite, bezahlten Artikel und was weißichnoch ein Zubrot zu verdienen. Ist ja auch eine schöne Anerkennung, wenn ich Kohle für das kassiere, was mir Freude bereitet.
Dazu noch gelegentliche Tests von Produkten, auf Herz, Nieren und andere Innereien von mir geprüft und für gut, schlecht oder sonstwas befunden.
In meinem geistigen Ohr klang dies höchst verlockend.

Eine Verlockung jedoch, die sich bei längerem Nachdenken in Abschreckung kehrte.
Was wäre zu tun, um dem Luftschloss Substanz zu verleihen? Auf jeden Fall muss der Blog bekannter werden, weil Einnahmen offenkundig direkt mit Klickzahlen korrelieren. Also gelte es, mich mit Dingen wie Suchmaschinenoptimierung, mit Blogmarketing und dergleichen mehr zu beschäftigen. Aufgaben, die mich nicht die Bohne interessieren. Negativ formuliert, müsste ich einiges an Zeit aufwenden, um Zahlen größer zu machen - oder jemanden anderen dafür bezahlen.

Zeit, die mir dann zum Schreiben fehlen würde.
Will ich das?
Nein.
Dazu kommt die Erwartung regelmäßigen Erscheinens von Artikeln, dieses wiederum in hinreichend hoher Frequenz, weil sonst die entscheidenden Kennzahlen leiden. Diese wirken sich wiederum auf die Einnahmen des Blogs aus.

Nun ist es so, dass ich dann schreibe, wenn ich der Meinung bin, ich habe etwas mitzuteilen. Anders formuliert: habe ich nichts zu sagen, so schweige ich. Vielen Medien (Blogs, YouTube-Kanälen, Magazinen sowieso) merke ich deutlich an, dass sie genau diese Entscheidung anders treffen. Geschrieben wird, weil es der Publikationsplan erfordert und nicht, weil man etwas mitteilen will.

Content is King.

Diesen Satz aus der Urzeit des Internet unterschreibe ich jederzeit. Im Kontext obiger, selbst auferlegter, Sachzwänge geht es leider zu wie in Des Kaisers neue Kleider:

Der Monarch ist nackt.
Und wie ist das mit Produkttests? Ist doch cool, Zeugs zum Ausprobieren geschickt zu kriegen.

Eins vorweg: Ja, das ist es. Ich habe schon Produkte geschickt bekommen, sie getestet und hatte einen Riesenspaß dabei. Wenn ab und an eine Anfrage reintrudelt, mache ich das immer noch gerne (also aufgemerkt, Hersteller und Agenturen: ich mach' das gerne!)

Ich rede von Tests. Ein Test heißt für mich, dass ich mehr oder minder klare Kriterien anwende, nach denen ich ein Objekt bewerte. Was es nicht bedeutet, zeige ich anhand einer Anekdote, die sich wirklich zugetragen hat.
Vor ein paar Jahren erreichte mich eine Email, in der eine Agentur vorschlug, einen Testartikel über Tretroller zu schreiben, die auch für Schotter und Waldwege gedacht sind. Keine Kickbikes, wohlgemerkt, sondern faltbare Roller mit größeren, grobstolligen Rädern.

Geile Idee, dachte ich mir, klingt nach freudvoller Fortbewegung, und dementsprechend freudig antwortete ich mit "Ja, ich will! Wo und wann kann ich das Teil ausprobieren?"

Die Antwort erschreckte mich, denn es war nicht vorgesehen, den Roller selbst zu erfahren. Denkt man womöglich, ich würde ihn geschenkt haben wollen? Mein entsprechender, sehr deutlicher, Hinweis ging über die Agentur dann noch an den Hersteller. Gleiches Ergebnis: Nein. Eventuell dürfte ich mich an einen weit entfernten Ort begeben, woselbst ich das zu beschreibende Objekt in einem Ausstellungsraum hin- und herschubsen könnte.

Selbstverständlich würde man mir aber die Pressemappe zusenden.
Habt ihr sie noch alle?
Mehr noch, als mich dieses Ansinnen den Kopf schütteln lässt, erschreckte mich die Erkenntnis, dass viele Publikationen genau auf diese Weise entstehen: Man zitiert aus den Presseinformationen, ohne das zu beschreibende Objekt je gesehen zu haben. In milderer Form schaut man es an, inszeniert ein paar hübsche Fotos, zu denen Text vom Hersteller gepackt wird.
Zusammen mit dem Szenario, das ich weiter oben geschildert habe - es muss publiziert werden - ein klarer Fall: Ohne mich. Weder als Schreiberling, noch als Konsument.
Lieber schreibe ich seltener, dafür über Themen, die mich interessieren und wenn ich teste, dann Produkte von Marken, die fair spielen.

Stolpere ich über ein Unternehmen, welches ich selbst cool finde, frage ich nett nach, ob ich es portraitieren darf. Meine Serie "Maslow, ganz oben" ist auf diese Weise entstanden. So gefällt mir die Bloggerei, weil ich authentisch bleiben kann ohne fremdbestimmt die Erwartungen von Werbekunden oder abstrakter Kennzahlen zu erfüllen.
Ich schreibe, wenn ich Lust dazu habe.
Ich schreibe, wenn ich, ganz subjektiv, finde, dass ich etwas mitzuteilen habe.
Deswegen "monetarisierte" ich Das Lauferei nicht.
Denn täte ich dies, ginge es zwar nicht ausschließlich um's Geld, allerdings wäre der Schwerpunkt des Blogs für mich komplett aus der Balance. Lieber erhalte ich mir meine Freiheit, zu schreiben was, wann, wie und worüber es mir beliebt.
Genuss statt Geld!

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