Strom statt Sport – oder: Wie denke ich eigentlich über EMS?

EMS, oder auch Elektrostimulation gibt es schon eine Weile, allerdings gingen “es” und ich bisher getrennte Wege. Will heißen, ich wusste, dass es EMS gibt, habe mich aber nicht weiter dafür interessiert, bis kürzlich aus heiterem Himmel die Frage in meinem Kopf auftauchte, wie ich eigentlich dazu stellen soll. Freilich hatte ich ein bisschen was mitbekommen, und ich nahm eine leicht skeptisch-spöttische Tendenz in mir wahr, nach dem Motto: Noch so eine Krücke für Leute, die keinen Bock auf Sport haben.

Nun stehe ich auf dem Standpunkt, dass man eine Meinung nicht einfach haben kann, sondern sie sich bilden muss, was wiederum die Forderung zur Bildung nach sich zieht. Außerdem kenne ich mich lange und gut genug, um mir meiner Ideale bewusst zu sein. Ideale, das bedeutet im Umkehrschluss, dass ich von Angeboten, die Preis ohne Fleiß versprechen, rein gar nichts halte. Ebenso wenig kann ich übrigens mit einer Haltung anfangen, die derlei anstrebt.
Sport, Training, die Entwicklung von Körper und Geist, das ist mit Blut, Schweiß und Tränen verbunden. Nicht immer, nicht im wörtlichen Sinne, aber die Basis dürfte klar sein: Es muss anstrengend sein, und wer sich nicht bemühen will, hat den Erfolg nicht verdient.

So ungefähr jedenfalls.

Dennoch bin ich geneigt diese meine Ideale zu hinterfragen, denn schließlich nutze ich die Errungenschaften des technischen Fortschritts in anderen Bereichen auch gerne. Würde ich in einen Dialog mit mir selbst treten – jenem Teil von mir selbst, welches dogmatisch den Preis ohne Fleiß ablehnt – so könnte ich mir vorhalten: Wenn du es warm haben willst, geh’ Holz hacken und mache dir ein Feuer! Willst du Fleisch, so jage! Und bei Zahnschmerzen hilft ein großer Stein, zielgerichtet auf die Wange geschlagen.

Ich könnte, wohlgemerkt. Tue ich aber nicht.

Stattdessen recherchierte ich, das Internet (noch so eine hochgeschätzte Neuerung!) macht Informationen schließlich auf bequeme Weise zugänglich, die eigentliche Denkarbeit übernehme ich selbst.

EMS stimuliert Muskeln, indem elektrische Reize von außen auf sie einwirken. Unwillkürlich musste ich dabei an die Experimente denken, die Luigi Galvani mit Froschschenkeln machte. Auch diese zuckten beim Kontakt mit elektrischem Strom. Wenn Muskeln in geeigneter Wese kontrahieren, werden sie stärker. Dies wiederum ist das Grundprinzip hinter EMS. Wenn ich bis hierhin eine subjektive Wertung abgebe: Soweit kann ich nichts Verwerfliches daran finden.

Im Übrigen lieferte meine Recherche unter dem Stichwort Elektrostimulation auch Treffer zur erotischen Elektrostimulation. Spontan assoziierte ich dies mit Krokodilklemmen an empfindlichen Körperteilen, woraufhin mir Waterboarding beinahe menschenfreundlich erschien. Anscheinend gibt es aber reizvolle Variationen dieser Art Reiz, zumindest finden es manche Menschen offenbar anregend. Jedem Tierchen sein Pläsierchen…

Doch zurück zu EMS. Es werden also Muskeln durch von außen auf sie einwirkende elektrische Impulse gekräftigt. Ich habe nicht tiefer recherchiert, ob bestimmte Fasertypen unterschiedlich stark auf diese Stimulation reagieren, ebenso scheinen – wer hätt’s gedacht? – der Körper recht sensibel auf die einzustellenden Parameter zu reagieren. Anders formuliert: Man kann auch was kaputt machen, immerhin funktioniert ein Herzschrittmacher auch mit Hilfe von Stromstößen. Ein elektrischer Stuhl übrigens ebenfalls.

Was aber ist mit dem zentralen Nervensystem? Normalerweise liefert es die Impulse zur Muskelkontraktion und ist bei EMS unbeteiligt. Daraus folgt, dass Trainingseffekte, die dem ZNS zugeschrieben werden, ebenso wenig stattfinden (Ausdauersportler mögen hierbei an das Central Governor Model von Tim Noakes denken), wie die Rekrutierung von Muskelfasern beim Kraftsport.
Ich denke, die Frage, inwieweit koordinative Fähigkeiten mit EMS entwickelt werden können, erübrigt sich.

Darüber hinaus bleibt auch die Entwicklung der mentalen Fähigkeiten von EMS unberührt. Mentales Training tut also nach wie vor Not, um über Krisen in Trainings- und Wettkampfsituationen hinwegzukommen, das eigene Selbstvertrauen an die gestiegenen Fähigkeiten anzupassen, und um letzten Endes auch den Spaß zu behalten, wenn es darum geht, zu zeigen, was man drauf hat. Auch, vielleicht sogar in erster Linie, sich selbst.

Wie denke ich nun über EMS?

Differenziert, würde ich sagen.

Einerseits kann ich mir gut vorstellen, dass EMS in der Therapie sinnvoll ist. Wenn ich ein gebrochenes Bein hätte, kann EMS möglicherweise den Abbau von Muskelmasse verlangsamen und den Wiedereinstieg ins Training beschleunigen. Wobei ich gerne wüsste, wie sich ein zuckender Muskel auf den gebrochenen Knochen auswirkt.

Dagegen sehe ich keine Rechtfertigung dafür, von EMS-Training zu sprechen; ein Stichwort welches beim größten Teil meiner Trefferliste zu finden war, stets gepaart mit dem Versprechen auf größere / stärkere / schönere Muskeln ohne nennenswerten Zeitaufwand.

Insofern ist es nicht nötig, dass ich mein Weltbild revidiere: Der Preis verlangt nach wie vor ein gerüttelt Maß an Fleiß. Trotzdem sehe ich den Nutzen von EMS. Dort, wo es nützt.

Fragen Sie Dr. Squat

“Wie bekomme ich straffe Schenkel?”
Diese Frage beschäftigt, wie ich kürzlich gelernt habe, einen beachtlichen Teil der Damenwelt. In meinen männlichen Ohren klingt das wie eine Frage an den Kummerkasten einer Zeitschrift, oder wie das entsprechende Social Media Pendant heißt.

Tun wir also so, als könnten wir Dr. Squat, unseren Experten für alles und noch mehr, zum brisanten Thema befragen. Sofern sich jemand über den Namen wundert: Ich hätte den Anglizismus selbstverständlich vermeiden können, aber, sagt selbst, wie klingt denn Dr. Kniebeuge?

Unglücklicherweise beginnen unsere Schwierigkeiten (damit meine ich jene von mir und dem fiktiven Dr. Squat) schon bei der Fragestellung. Ich habe keine Ahnung, was ich unter straffen Schenkeln verstehen soll. Soll ich straff als fest auffassen, im Gegensatz zu wabbelig? Oder schwingt in dem Wort eine gewisse Wohlgeformtheit mit?
Je länger ich darüber nachdenke, desto weniger greifbar ist der Begriff, desto unlösbarer scheint mir die Aufgabe. Würde ich länger nachdenken (ich betone den Konjunktiv “würde“, im Sinne von täte, weil ich es nämlich nicht tun werde), käme ich vielleicht an einen Punkt an dem ich sagen könnte, dass sich das Problem überhaupt nicht auflösen lässt. Aporetiker stehen auf sowas, ich hingegen weise die Frage zurück.

Ich weigere mich im Namen von Dr. Squat eine Frage zu beantworten, die auf einen so undurchdachten Ausdruck zielt.
Stattdessen formuliere ich um: “Ich bin mit meinen Beinen in Form und Funktion und überhaupt unzufrieden. Was muss ich tun, damit das besser wird?”. Ganz in der Bauhaus-Tradition folgt auch hier die Form der Funktion, sprich: Wer fleißig trainiert, sieht sportlich aus.

Und da ich schon bei klassischen Anspielungen bin, spiele ich gleich mit einer weiteren, denn wie die Antwort auf die Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest selbstredend 42 lautet, so weiß Dr. Squat, dass körperliche Entwicklung mit Grundübungen beginnt. Und wenn wir soweit es nur irgend geht verEINfachen, uns daher auf eine einzige Übung beschränken, gelangen wir zur Kniebeuge.

Gewiss lässt sich lange darüber diskutieren, ob “die eine Übung” nicht auch Kreuzheben sein kann. Oder Liegestütz. Ich bleibe bei jener Übung, die möglichst viele, möglichst große Muskelgruppen anspricht, dabei Beweglichkeit und Koordination verlangt. Gleichzeitig bietet sich mehr Variationsmöglichkeit als z.B. beim zweiten heißen Kandidaten namens Kreuzheben.

Deshalb beugen wir die Knie.

Wir beugen sie, einschließlich der Spielarten Pistols, Lunges, Cossacks, die hier allerdings nur ehrenvolle Erwähnung finden, denn wir beschränken uns im Interesse der Einfachheit auf die klassische Kniebeuge. Mit Kniebeuge meine ich Kniebeuge, in diesem Punkt sind wir uns vollkommen einig, Dr. Squat und ich.
Die Kniebeuge ist eine tiefe Kniebeuge, bei der die Hüfte im unteren Punkt tiefer liegt als das Knie. Ass to grass, bei hinreichend kurz gemähtem Gras.

Außerdem belasten wir die Übung, wobei es egal ist, ob wir Goblet oder Front Squats mit der Kettlebell, oder Front bzw. Back Squats mit der Langhantel machen. In tiefer gehende Diskussionen – ich könnte auch von Glaubenskriegen sprechen – zu Low Bar oder High Bar steigen wir nicht ein. Der entscheidende Punkt ist die Last.
Eine Last, die mit entsprechendem Aufwärmen bei hoher Konzentration einige wenige Male bewegt werden kann. Ich drücke mich absichtlich schwammig aus und bewusst davor, irgendwelche Wiederholungszahlen zu nennen. Wer sich ein wenig mit Krafttraining beschäftigt hat, kennt die Zahlen sowieso. Ein paar Mal also, für ein paar Sätze mit ein paar Minuten Pause dazwischen. Ja, jede Wiederholung muss anstrengen, und die letzten Wiederholungen eines Satzes müssen mehr Konzentration fordern als die ersten. Das schließt zumbaartiges Auf- und Abgehopse mit Vorturner aus. Sollte das gehen, gibt es eine klare Konsequenz: Höhere Last!

Schwere Kniebeugen sollen’s sein, und schwer hängt logischerweise von demjenigen ab, die sie ausführt.
Diese wiederum, eigentlich sollte ich das nicht extra ansprechen müssen, verlangen, dass die Bewegung sauber sitzt. Also lernen wir das anständig, denn der Gesundheit förderlich sind Kniebeugen mit mindestens dem halben Körpergewicht (als Zusatzlast!) natürlich nur, wenn sie perfekt ausgeführt werden.

Dr. Squat rät:
– lerne perfekte Technik
– mache schwere Kniebeugen
– mache niedrige Wiederholungszahlen
– steigere die Last kontinuierlich
– trainiere häufig, mindestens dreimal in der Woche (ich empfehle das Buch “Squat Every Day” von Matt Perryman)

Dr. Squat und ich antworten auf die eingangs gestellte Frage:
Liebe Damen, befolgt den Rat von Dr. Squat für mindestens ein bis zwei Jahre und betrachtet dann eure Beine. Wenn sie das sind, was ihr unter “straff” versteht: Prima! Wenn nicht, habt ihr nicht nur zwei geil aussehende, kräftige, gesunde Beine, sondern auch den dazu gehörenden geil aussehenden, kräftigen, gesunden Rumpf und die Genugtuung, ein sportliches Ziel erreicht zu haben.
Herzlichen Glückwunsch!

Die kalte Nudel

Manchmal beginnt ein schreckliches Ereignis ganz harmlos, wie ein Blitz aus heiterem Himmel, oder, was auf die Situation, die zu beschreiben ich mich anschicke, besser passt: Wie ein Schneesturm, der an einem milden Wintertag über das Land hereinbricht. Ein Ausbruch an Kälte, Wind und Schauder, dem wir Menschen schutzlos ausgeliefert sind.

Triumph

Der siegreiche Held.

Doch, der Vergleich mit dem Sturm passt insofern besser, da jener sich schneller zu entwickeln scheint, als das menschliche Gehirn fähig ist, die Ernsthaftigkeit der neuen Lage zu begreifen. Für manche Dinge sind wir schlicht zu langsam.

Dabei wollte ich nichts weiter, als satt werden.

Zu diesem Zweck hatte ich mir Nudeln zubereitet, und diese ganz simpel mit Tomatensauce verspeist.

Bis dahin war noch alles in Ordnung. Wohl gesättigt und zufrieden schickte ich mich an, das benutzte Geschirr und den Topf in die Spülmaschine zu räumen, als mein Blick zufällig in die Spüle glitt.

Dort sah ich sie.

Die Nudel.

Wann sagt man eigentlich Nudel und wann Pasta? Will man sich mit letzterem einen sportlichen Anstrich geben, zumindest so lange, wie noch Pasta Parties gefeiert werden? Ich für meinen Teil habe mir das ziemlich schnell abgewöhnt, weil ein langer Lauf keine besondere Freude darstellt, wenn ich mir am Abend vorher den Wanst vollgeschlagen habe. Umso doofer, wenn an der Strecke kein Klo, oder wenigstens ein hinreichend blickdichtes Gebüsch liegt. Kennt man in der ketogenen Paleowelt überhaupt noch Nudeln?

Ich merke gerade, wie ich vom Thema abschweife, spüre den inneren Zwist, der mich einerseits davon abbringen will, das Erlittene erneut durchzustehen, andererseits weiß ich: Es tut mir gut. Nicht umsonst gibt es den Satz “von der Seele schreiben”, denn was ich weggeschrieben habe, belastet mich nicht länger.

Ich muss es tun, muss das Ereignis noch einmal erleben! Um meiner selbst willen, aber auch um anderen Menschen zu zeigen, dass es möglich ist, mit viel Überwindung, Härte gegen sich selbst und klarem Fokus auf das Notwendige, das es zu tun gilt, extreme Herausforderungen zu bestehen.

Genug also des Verdrängens, Schluss mit der Flucht vom Thema weg!

Sie lag in der Spüle.

Kalt. Schlaff. Drohend.

Ich weiß bis heute nicht, wie sie dorthin gekommen ist, wahrscheinlich glitt sie beim Abgießen an ihren Artgenossinnen vorbei in Richtung Abfluss, wo sie das Gitter daran hinderte, ihren Weg zum Kanal hin fortzusetzen. Stattdessen fand sie sich dort liegend und wartete – auf mich.

Die kalte Nudel!

Ist euch der Anblick einer kalten Nudel, die zu allem Überfluss ausgesprochen lange in Feuchtigkeit zugebracht hat, geläufig. Ebensowenig kann ich beurteilen, inwieweit euch bei derlei Anblick – wie vermutlich den meisten Menschen – eiskalte Schauer über den Rücken laufen. Es soll schließlich ausgesprochen robuste Gemüter geben, denen jedweder Ekel fremd ist.

Bei einer kalten Nudel muss ich unweigerlich daran denken, was ich über Farbe und Konsistenz von Wasserleichen las: Ein blasses, gelbliches Weiß färbt ein glitschiges, glibberiges Etwas, dessen Körperhaftigkeit sich gerade so wenig von einer zähen, widerlichen Flüssigkeit unterscheidet, dass das Ding eben nicht im Abfluss verschwindet. Schon der Gedanke erzeugt mir Gänsehaut.

Es würde mich kaum wundern, wenn mir jemand berichtete, dass sich Leichenbeschauer mit lange gekochten und abgekühlten Nudeln auf die Arbeit mit Wasserleichen vorbereiten.

Wer ein anderes Beispiel bevorzugt, kann gerne an Maden denken. Oder an Regenwürmer.

In meiner Spüle lag immer noch die Nudel.

Und außer mir gab es niemanden, um sie von dort zu entfernen.

“Ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss” sagte ich mir, und dabei ist es egal, ob es darum geht, zur Rettung einer Handtasche in ein brennendes Haus zu stürzen, Drachen zu töten, die Welt vor der Zerstörung zu bewahren, oder eben eine kalte Nudel in den Müll zu befördern.

Ich stehe, das wurde mir in diesem Moment schlagartig bewusst, in direkter Erbfolge von Herkules, Siegfried, 007 und dem Tapferen Schneiderlein.

Helden wie ich!

Helden, denen wie mir eine übermenschliche Pflicht abverlangt wurde.

Helden, die stärker waren als ihre eigenen Ängste und Zweifel.

Helden werden geboren, wenn sie stärker sind als sie selbst.

Kaum hatte sich dieser Gedanke in meinem Gehirn festgesetzt, wurde ich ruhig. Klar, ganz klar waren meine Sinne und ich nahm die Welt wie durch ein Vergrößerungsglas war. Meine ganze Aufmerksamkeit lag bei der einen Aufgabe: Die Nudel muss weg!

Das “ob” war keine Frage mehr, lediglich die praktische Umsetzung blieb mir zu klären.

Messerscharf wie Sherlock Holmes oder Richter Di überdachte ich die zur Verfügung stehenden Optionen. Der schnelle Griff mit der Hand schied natürlich aus. Sollte ich die Spülbürste zur Hand nehmen, um die Leiche in den Abfluss zu stopfen? Hierzu hätte ich zunächst das etwas feinere Sieb entfernen müssen – unter größter Vorsicht, denn schließlich würde ich Gefahr laufen, das widerwärtige Objekt zu berühren.
Außerdem bestünde die Möglichkeit, dass sich Nudelreste zwischen den Bürstenborsten festsetzen, die ihrerseits würde entfernen müssen.

Das war keine sinnvolle Vorgehensweise.

Handschuhe? Hier kämen nur stabile Spül- oder Gartenhandschuhe in Frage, die meinem Tastsinn keine, aber auch gar keine Rückmeldung geben über die Beschaffenheit dessen, was ich da anfasse. Danach hätte ich sie ausziehen und abspülen, oder, besser noch, gleich mit wegwerfen können. Abgesehen davon, dass ich keine solchen Utensilien zuhause habe, drängte sich mir eine Frage auf: Was wäre, wenn die kalte Nudel von meinem Griff zerdrückt wird? Dann hätte ich es nicht mehr mit nur einer Würgsamkeit zu tun, sondern gleich mit mehreren! Szenen aus Horrorfilmen tauchten vor meinem geistigen Auge auf, und ich erinnerte die Geschichte von der Hydra, der für jeden abgeschlagenen Kopf zwei neue nachwuchsen. Nun denn, Herakles vermochte der Hydra den Garaus machen – ich beseitige die Nudel!

Und während dieser die Stümpfe mit Hilfe einer Fackel versengte, wodurch keine Köpfe nachwachsen konnten, beschloss ich, mich einer Gabel zu bedienen. Ich bewaffnete mich mit schnellem Griff in die Besteckschublade, schob das gezinkte Hilfsmittel behutsam unter die kalte Nudel, bevor ich sie beherzt in den offen bereitstehenden Mülleimer warf.

Hinfort, ekles Gewürm! rief ich ihr nach, als ich den Deckel zufallen ließ.

So wurde die Menschheit um eine Heldentat reicher.

Es soll aber niemand davon singen – Homer ist eh’ tot, und ich selbst genieße meinen Triumph lieber still und bescheiden.

Ein Mann weiß schließlich, was er getan hat.

Das genügt ihm.

Ist Kokos Kacke?

Erster Akt, worin wir lernen, dass Kokosöl klasse ist.
Kokosöl drängte sich in mein Bewusstsein, als ich des Öfteren über seine – angeblich – segensreiche Wirkung las. Zuvor kannte ich es als spermafarbigen Block, von dem man zum Braten Stücke abbrach oder abschabte, und vor mehreren Jahren berichtete mir ein Läufling während eines 24-Stundenlaufes, dass er es einerseits als Nahrung auf langen Strecken schätzte, andererseits zum Einreiben der beim Laufen von besonders beanspruchten Stellen. Läuflinge wissen, wovon ich rede, Nichtläuflinge mögen ihre Phantasie bemühen. Besagter Mensch betonte übrigens ausdrücklich, er würde für jeden der beiden genannten Zwecke einen eigenen Topf verwenden.

Gesund soll es sein, soviel merkte ich mir im Bewusstsein, dass ich keine klare Vorstellung davon habe, was gesund bei einem Nahrungsmittel bedeutet. Analog wüsste ich auch nicht zu sagen, was ich mir unter ungesund vorstelle, ohne auf Aspekte wie die zugeführten Mengen einzugehen, dennschließlich ist es die Dosis, die über gesund oder ungesund entscheidet. Und Gift ist zweifellos nicht gesund.

Ich komme mit Worten wie bekömmlich oder gesundheitsfördernd besser zurecht als mit dem laut hinausposaunten Anspruch, etwas sei gesund. Mir tut das Lebensmittel immer leid, wenn es so unter Druck gesetzt wird. Das arme Ding muss doch glauben, wir machten es, und nur es alleine, für unser Gedeih und Verderb verantwortlich.

Sei’s drum, bei allem inhaltsleeren Marketinggeschrei (ist das nicht ein Pleonasmus?) blieb der Tipp bei mir haften, Kokosöl ins Nahrungsportfolio aufzunehmen.

Zweiter Akt, in dem eine Dame Aufmerksamkeit begehrt
Es scheint mir ein häufiges Muster zu sein, dass weit verbreitete Ansichten wie jene, Kokosöl sei sicher, zum Hinterfragen einladen.
Die Ansicht, dass es mit einer solchen Gegenthese einfacher ist, Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, als wenn man besonders laut mit den Wölfen heult, hat eine Dame auf den Gedanken gebracht, in einem Video den Standpunkt zu vertreten, Kokosöl sei Gift.

Ach, das Video.

Ich habe nach einer knappen Viertelstunde aufgehört, es anzusehen. Für die Art der Darbietung, vor allem aber den Inhalt war mir meine Zeit zu schade.
Freilich kann ich zwischen Form und Inhalt unterscheiden, und nicht jeder, der etwas zu sagen hat, muss rednerisch gut rüberkommen. Deswegen dachte ich mir anfangs noch: Gut reden kann sie nicht, aber vielleicht lohnt das, was sie sagt, darüber hinwegzugehen, wie sie es tut. Meine Entscheidung stand sehr schnell fest: Es lohnt nicht.

Kokosfett, so die Vortragende, ist Gift, so schlimm wie Schweinefleisch.

Es waren starke Behauptungen, die sie in der Einleitung aufstellte. Sie blieben leider alleine und ohne jegliche Stütze auf der Bühne stehen, ohne dass auf eine spätere Begründung verwiesen wurde. Ohne den Hinweis, es handele sich um eine Polemik, mit der aufgerüttelt werden soll. Nein, nichts dergleichen, ganz im Gegenteil fuhr die Dame in ihrem emotionalen Stil fort und erweckte nicht den Anschein, das würde sich im weiteren Verlauf des Vortrags ändern.

Warum habe ich das Video nicht weiter angeschaut? Ich tat dies deshalb nicht, weil sich der Eindruck, den ich in den ersten paar Sätzen gewonnen hatte, mit zunehmendem Anhören festigte: Die Frau will Aufmerksamkeit, die sie mit plakativen Aussagen zu erreichen sucht.

Intermezzo: Über Argumentation und Härtegrade von Fetten
Es ist mir wichtig, auf einen Aspekt in Bezug auf die Vortragende hinzuweisen: Wir sprechen von einer Hochschulprofessorin. Eigentlich ist es egal, wer etwas sagt, wie es gesagt wird, macht unter Umständen das Dabeibleiben und Verstehen leichter. Was wird (siehe oben) gesagt, das ist das alles entscheidende Kriterium. Was heißt schlicht: Welche Belege, welche Argumente verwendet man und ist die Argumentation schlüssig.
Auf diesem Weg kommt das “Wer?” dann doch wieder ins Spiel, weil der Anspruch an eine Professorin gerade dann besonders hoch ist, wenn sie in ihrer Vorstellung auf eben jenen Beruf verweist. anders formuliert: Wenn sie mit ihrem akademischen Grad auf dicke Hose macht – oder das weibliche Pendant dazu, wie auch immer das aussehen mag, erhebt damit den Anspruch an sich selbst, “professoral” zu argumentieren.
Auch Inhaltlich will ich differenzieren, denn einer forschenden, hauptamtlichen Juristin oder Ingenieurin wird man bei Ernährungsfragen vermutlich mehr nachsehen, als einer Biologin oder Medizinerin. Befasst sie sich dagegen als Gärtnerin, Psychologin oder Schmiedin hobbymäßig mit der Forschung sieht es wiederum anders aus – der Anspruch an die fachliche Qualität der Argumente steigt.

Darüber hinaus spielt natürlich das Zielpublikum – für wen? -eine Rolle, denn einen wissenschaftlichen Vortrag zu Ernährungsfragen würde zumindest ich nicht kapieren.
Gehärtete, ungehärtete oder vollkommen verweichlichte Fettsäuren mögen gesund oder ungesund sein oder sich als Füllstoff neutral verhalten, das ist zweifellos wichtig zu wissen. Ich wäre zufrieden, wenn das, was im Vortrag dargeboten wird, für mich als Laien plausibel ist, ohne fachliche Fehler aufzuweisen. Über letztere zu entscheiden, steht dem Fachmann an.

Kurzum: Ich vermag mir keine Meinung zum Inhalt der Auseinandersetzung zu bilden, wohl aber zu der Art wie sie geführt wird.

Dritter Akt, in welchem wir einen scheiß Shitstorm erleben
Wie der Widerhall des Vortrages zeigte, war er zumindest insofern erfolgreich, als der Rednerin die gewünschte Aufmerksamkeit in Form eines Shitstorms zuteil wurde. Genau hier setzt mein Unverständnis an, weil ich mitbekam, dass mancherorts gefordert wurde, sie möge “widerrufen”.

Bitte?

Widerrufen?

Was denn genau? Ihre Meinung vielleicht?

Wie soll man eine Meinung widerrufen? Entweder hat man sie, dann wäre es schlicht gelogen, zu sagen man hätte eine andere. Wollen wir das? Wollen wir wirklich, dass sich die Dame hinstellt und sagt “Ach, ich meine jetzt anders.” Ich hoffe nicht.
Sollte sie ihre Meinung ändern, ist das im wahrsten Sinne des Wortes etwas anderes. So aber hat sie ihre Meinung, die sie bekanntlich frei äußern darf.
Anscheinend findet sie, Kokosöl sei giftig, weil sie aufgrund ihrer Beschäftigung mit dem Thema zu diesem Ergebnis kam. Ich nehme an, es gibt eine fundierte Definition dessen, was wir unter einem Gift verstehen sollen, und sie hat geprüft, ob Kokosöl die Kriterien dafür erfüllt. Wie es scheint, jedenfalls erweckt der erste Teil des Vortrags diesen Eindruck, liegt Kokosöl auf demselben Niveau wie Schweinefleisch. Also lassen sich alle drei Behauptungen (1. Kokosöl ist giftig, 2. Schweinefleich ist giftig, 3. beide Substanzen sind gleich giftig), begründen, und diese Gründe zu liefern, ist sie natürlich verpflichtet.

Also nochmal die Frage: Was genau soll sie widerrufen?

Widerruf ist meiner Meinung (!) nach das falsche Wort, weil Ergebnisse von Messungen und Experimenten (oder wie auch immer es zur geäußerten Einschätzung kam) sich nicht aus der Welt schaffen lassen, indem man sie leugnet. Man kann die Art und Weise kritisieren, wie sie zustandekamen, ihre Bedeutung anzweifeln und so weiter – das nennt sich dann wissenschaftliche Auseinandersetzung.

Für meine Begriffe geht der Shitstorm völlig am Thema vorbei, wenn er sich an der geäußerten Meinung stößt. Von mir aus mag sich jemand darin sonnen, eine abweichende Auffassung zu vertreten. Gegen den Strom zu schwimmen. Jenseits des Mainstream. Das ist ein nicht nur oft vorkommendes, sondern sicher auch notwendiges Regulativ, denn wie sollte sich eine Gesellschaft sonst weiterentwickeln? Um vom Paradigmenwechsel zu sprechen, ist mir das Thema allerdings zu klein, da wird mir der Wissenschaftstheoretiker sicher zustimmen.

Also, gerade in einer Zeit, in der sich der Bauch über die Tastatur schneller äußert als der Kopf, nochmal im Klartext: Wenn jemand bei einem doch halbwegs sachlichen Thema eine andere Ansicht vertritt als die Mehrheit, gilt es, sich mit dieser inhaltlich auseinanderzusetzen. Meinetwegen kann, sollte vielleicht sogar hinterfragt werden, was diejenige möglicherweise jenseits von empirischer Forschung zu ihrer Ansicht gebracht haben mag. Eine Unterstellung wie “die wird von der Lebensmittelindustrie bezahlt” muss so lange für inhaltsleer, bis sie sich belegen lässt.

Man kann aber – nein, man muss! – die Begründungen einfordern, die eine massive Aussage wie “Kokosöl ist Gift” stützen.

Statt also die andere Ansicht vehement zu verdammen, hätte die Professorin aus Freiburg genötigt werden müssen, sich in einem Dialog mit Gegenargumenten auseinanderzusetzen.

Schlussakkord
In diesem Punkt hat sowohl besagte Rednerin, als auch die interessierte Öffentlichkeit, soweit ich es bislang mitbekommen habe, auf ganzer Linie versagt.

Jacke wie Hose. Von der zunehmenden Unlust, einzukaufen.

Outdoor- und Sportläden, egal ob in der echten Welt oder im Internet, wirken auf mich wie Spielzeugläden auf einen Achtjährigen. So viele tolle Dinge….! Es lässt sich herrlich aus dem Vollen schöpfen, Neuerungen und Gimmicks ansehen – außerdem gebe ich gerne zu, dass ich auf manche optische Reize (Ninja-Hoodies, Daumenlöcher,…) anspringe wie ein Kaninchenrammler auf…nun, ihr könnt es euch denken.

Auch wartet der Schnäppchenjäger in mir darauf, dass man ihn wachkitzelt. Ein Faktum, das den meisten Shopbetreibern seit Jahren bewusst zu sein scheint, denn wie sollte es sonst sein, dass mir auf jeder (na gut: fast jeder) Seite beinahe immer ein SALE oder ein OUTLET entgegenblinkt. Manchmal macht sogar beides auf sich aufmerksam, was mich eher verwirrt, weil ich mich dann frage, worin der Unterschied zu sehen ist. Offline verhält es sich kaum anders, Angebote und radikale Reduzierungen bestimmen das Bild in einer Art, dass ich mich schon seit Jahren frage, ob man einen Quotenmenschen auslost, der als einziger den normalen Preis bezahlen muss. Zum Ausgleich winkt ihm natürlich ein Rabatt in Höhe von mindestens fünfundzwanzig Prozent, der ab einem Kauf von 80 Euro gilt. Lieferung frei Haus ab 49 Euro Warenkorbsumme.

O du schöne Inspirationswelt voller Versuchungen!

Herrliche Dinge!

Ich bin verwöhnt. Mittlerweile sehe ich bei Hoodies zuerst darauf, wie die Kapuze montiert ist: Geht der Reißverschluss weit genug hinauf, dass er den Hals abdeckt? Nein? Pech gehabt.

Wieviel mehr Komfort, welch Zunahme an Vielfalt zu vertretbaren Preisen!

Oder täusche ich mich in allen diesen Punkten?

Dies scheint der Fall zu sein, denn während ich vor geraumer Zeit noch gerne surfte, mir Schaufenster ansah, Läden betrat um zu schwelgen, mich inspirieren zu lassen und manchmal auch zu kaufen, bin ich heute dadurch verunsichert, dass meine Lust auf derlei Zeitvertreib zu welken scheint.

Wie war das? Mehr Komfort, Vielfalt und das auch noch günstig?

Ich beginne mit dem letzten Punkt, nachdem ich Nabelschau betrieben habe. Ich habe es mir zum Prinzip gemacht, mich bei Unbehagen zunächst selbst zu betrachten; mich zu fragen, ob ich mich verändert habe. Und in der Tat nenne ich mich saturiert. Ich brauche nichts – nicht in dem Sinne, dass ich meinen Sport nackt, oder sonstwie ungeschützt betreiben müsste. Auch im Alltag fehlt es mir an nichts. Alles, was Begehrlichkeiten auslöst, wäre Luxus, das, was neudeutsch nice to have heißt. Schön und gut, das krafttrainingsbedinge Wachstum an Beinen, Hintern und Oberkörper verlangt Neukäufe in größeren Größen, aber davon rede ich nicht. Ich rede von den Gegenständen, die mich ehedem verzückten. Leibchen mit Daumenlöchern, “Ninja Hoodies” und Laufhosen mit Taschen. Ich habe das alles.

Zudem habe anscheinend dazugelernt, meine Erfahrungen mit Gimmicks gemacht, die mich heute sagen lässt: Nettes Teil, hätte ich damals gewusst, was ich heute weiß, würde ich es mir nicht gekauft haben.

Was soll ich auch mit der fünften Jacke für ähnliche Wetterbedingungen, der dritten Stirnlampe und einem weiteren Trinkrucksack?

Ich stelle fest, dass ich nichts brauche. Schon dies alleine macht es für mich erklärbar, wenn mich nur noch wenig hinter dem Ofen hervorzulocken vermag.

Dazu kommt, dass das Kano-Modell voll zuschlägt. Was mich ehedem zu begeistern vermochte, setze ich mittlerweile als Standard voraus. Obendrein macht sich Langeweile quer über sämtliche Marken hinweg breit. Fetzig gestaltete Klamotten, vor ein paar Jahren nur bei Montura zu bekommen, gibt es, ähnlich aussehend, heute bei wenigstens drei, vier weiteren Herstellern. Darin zeigt sich ein typisches Phänomen vieler Märkte: Tut sich eine Marke mit einer Besonderheit hervor und ist darin erfolgreich, springt die weniger einfallsreiche Konkurrenz schnell auf den Zug auf. Die Damen und Herren Produktmanager können einem bei soviel Tempo beinahe leidtun.

Beinahe, wohlgemerkt.

Denn durch die Kopiererei erweitert sich der Mainstream, und Unterscheidungsmerkmale werden oft zu kurzfristigen, schnell verblassenden Effekten. Dadurch stellt sich ein Gefühl der Sättigung ein und die ehedem wahrgenommene Vielfalt weicht vielfacher Einfalt.

Vermögen mich Produkte also kaum zu begeistern, schaffen es die Shops noch weniger. Da wird ernsthaft eine Preissenkung von 107,90 Euro als 107,80 Euro unter den Angeboten gelistet. Mir ist bewusst, dass dahinter kein Mensch sitzt, der sich einen Spaß erlaubt, sondern ein simpler Vergleich zweier Zahlenwerte: Wenn Zahl A kleiner ist als Zahl B, so gibt Zahl B aus, und das als Sonderangebot deutlich herausgestellt. Mathematisch ein korrekter Vorgang, ist das Ergebnis dem Benutzer trotzdem lästig – und so frage ich mich, ob das dem Shopbetreiber klar ist.

Solch kleine Nerverei wäre halb so wild, wenn denn wenigstens die Filter funktionieren würden. Manch ein Shop schafft es tatsächlich, bei unterschiedlicher Reihenfolge des Filter setzens das alte Ergebnis zu löschen. Bekleidung, Größe L und dann auf Herren führt dazu, dass nur noch der Herrenfilter gilt. Ich darf also neu nach Bekleidung und Größe L filtern. Habe ich Lust dazu? Nein, das habe ich nicht.

Dafür enthält die Ergebnisliste sämtliche Farbvarianten als jeweils einzelnen Treffer. Mir persönlich wäre eine Modellauswahl lieber, die Farbe kann ich am Objekt immer noch ansehen – und man erzähle mir nichts vom Farbfilter. Ich interessiere mich beispielsweise für Laufshirts, ob es dann eins in blau, rot, schwarz oder grün wird, ist mir per se egal. Was ich nicht suche, ist das Laufshirt in gelb. Aber was soll’s, das gewünschte Shirt gibt es im meiner Größe eh’ nicht – Größenfilter hin oder her. Zum Ausgleich bietet mir die Trefferliste eines anderen Shops trotz Herrenfilter ein Damenbustier. Das ist nett gemeint, aber ich verzichte dankend. Meine Körbchengröße bedarf keines Bustiers.

Hosen scheiden ohne Anprobieren übrigens völlig aus, es sei denn, ich wollte das Spiel, bestehend aus Bestellen, Probieren und Rücksenden spielen. Dieser Zeitvertreib ist manchmal ganz nett, und speziell dann zwingend geboten, wenn ich nicht von vorherigen Käufen dieser Marke weiß, welche Größe mir passt, aber es muss ja nicht sein. Außerdem gibt es ja noch den stationären Handel, den, wie ich oft lese und höre, meiner Umsatz bringenden Unterstützung bedarf, um mir Beratungskompetenz, Auswahl und wasweißichnoch auch zukünftig bieten zu können. Man verspricht ein befriedigendes Einkaufserlebnis, welches meine Augen glücklich strahlen lassen soll. Ein Versprechen, das leider nicht gehalten wird. Zunächst muss ich die Hürde aus An- und Abreise und Parken überspringen – um dann festzustellen, dass die Auswahl höchst eingeschränkt ist, ausgefallenere Artikel, sofern überhaupt bekannt, nicht bestellt werden können oder wollen. Weder für gute Worte, noch für Geld. Somit ist der stationäre Handel keine Alternative, die ich auf der Suche nach Zufriedenheit in Betracht ziehe.

Bedarfsdeckung geht überall, nur rede ich von etwas anderem. Etwas, das ich Anregung nenne.

Was sie betrifft, setze ich eine vage Hoffnung auf Konzepte wie b8ta. Deren Läden sind nur zum Anfassen gedacht, kaufen wird der Kunde anderswo. Derzeit – meines Wissens – gibt es dort keine Klamotten, aber was nicht ist, kann ja noch werden. Das Risiko sehe ich für Leute wie mich darin, dass ein solcher Laden dann auch nur die gängigen Marken hat, oder, schlimmer noch, einen ähnlichen Weg wie ebay geht, das mittlerweile zur Vertriebsplattform von professionellen Händlern geworden ist. Wenn b8ta-ähnliche Ansätze ihre Ladenfläche an große Labels vermieten, eine aus geschäftlicher Sicht zweifellos sinnvolle Strategie, ist das Konzept aus dem Blickwinkel von jemandem, der ein breites Angebot wünscht, mausetot.

Und wie sieht nun mein Fazit aus?

Die schlechte Nachricht wäre, dass mich weder das gängige Angebot, und schon gar nicht die Webshops zu begeistern vermögen. Ein “mehr desselben” ist nur selten toll – und schon gar nicht, wenn es nachlässig dargeboten wird.

Die gute Nachricht? Ich brauche nichts. Damit bin ich zufrieden.