Auf ein Neues!

neues_rad
Nach längerem Grübeln und erfolgreicher Entscheidungssuche kann ich nunmehr mit Fug, Recht und im Wortsinne "auf ein Neues" in die Welt hinausposaunen. Auf ein neues Fahrrad, um genau zu sein.
Im schönen Nordschwarzwald wohnend, hatte ich schon länger mit dem Gedanken an ein neues Fahrrad gespielt. Das soll jetzt nicht heißen, dass ich keines besäße, im Gegenteil nannte ich zweieinhalb mein Eigen, worin das halbe Fahrrad mein Einrad ist. Dazu kommen ein Rennrad, auf dem ich vor, soweit ich mich erinnere, zuletzt vor zehn Jahren gesessen haben muss, und mein Trekkingrad. Dieses hört, mit Gepäckträger, Licht, Schutzblechen et cetera versehen, auf den Kosenamen mein legales Rad.
Dieses legale Rad ist es, welches ich am meisten nutze, hauptsächlich für gelegentliche Fahrten ins Büro, oder mal touristisch. Und so war ich mit meinem dergestalt anteilig genutzten Fuhrpark zufrieden, bis mich vor rund einem Jahr der Gedanke beschlich, dass so ein Fahrrad meinen Aktionsradius bei sportlicher Betätigung deutlich vergrößern könne. Erinnerungen aus meiner Jugend ploppten in meinem Hirn auf. Zügige Fahrten auf Schotterstraßen, der Wind in den damals unbehelmten Haaren...
Sportlich sollte sie schon sein, die Fortbewegung, auf dass die Grundlagenausdauer wahlweise per Pedes (Laufen bzw. Wandern) oder Velociped gesteigert werden könne. Das führte mich zur Frage, welche Art Rad es denn sein solle?
Flugs war mir klar, dass ein Mountainbike und nur ein Mountainbike die Erweiterung meiner mobilen Keller-WG darstellen kann. Denn mit Rennrad und Trekkingbike hatte ich bereits zwei Fahrräder, und ein Gravel Bike ist konzeptionell viel zu nah an beiden. Mit dem Mountainbike würde ich hingegen eine wunderbar ausdifferenzierte Auswahl besitzen.
Daher machte ich mich daran, den für mich kaum zu durchschauenden Markt kennenzulernen, wobei Gespräche mit fachlich versierten Freunden lieferten bisweilen ungeahnte Pointen. Zum Beispiel, nachdem ich mir überlegt hatte, dass das vorwiegende Einsatzfeld meines künftigen Mountainbikes aus Schotterstraßen und Waldwegen in der näheren Umgebung meines Heims bestehen wird, und folglich ein Hardtail, sprich: ein Mountainbike ohne gefedertes Hinterrad genügen müsste.

Diesen Gedanken teilte ich einer aus Südtirol stammenden Freundin mit, die in ihrer Jugend das Mountainbiken als Hochleistungssport betrieben hatte; eine Zeitlang spielte sie wohl auch mit dem Gedanken an eine Profikarriere. Kurzum: Sie kennt sich aus. Ihre Reaktion auf meine Überlegungen fiel sehr klar aus.
Du willst doch schon was Gescheites, oder?
Ich werde weder ihren Blick, noch den Tonfall vergessen, als sie diesen vernichtenden Satz aussprach.
Nun denn, ich behielt meine Überzeugung trotzdem - nicht trotzig! - bei, weil ich dort, wo es steil und steinig zugeht, sowieso lieber laufe. Schotterstraßen und Waldwege, wobei ich die in Baden-Württemberg geltende Zwei-Meter-Regel gegebenen- und launenfalls zu missachten gedachte. Gilt das schon als Vorsatz?
Ab und zu ein Ausflug auf Asphalt würde mich nicht weiter stören.
So weit, so durchdacht
Bis zu dem Moment, in dem ich meine Gedanken überdachte.
Wann, fragte ich mich, bin ich zuletzt mit meinem Rennrad unterwegs? Habe ich Lust, dies zu ändern, öfter wieder "Straße" zu fahren?
Nein
Es schloss sich die Frage an, was ich eigentlich mit dem neu zu beschaffenden Rad tun will. Ich will zuhause losfahren
Ich habe Lust auf Tempo auf Schotter auf einem dafür geeigneten Rad.
Also keine Ausdifferenzierung und kein Bergradl, sondern eben doch ein Schotterrad - ein Gravel Bike. Ich bin übrigens immer versucht, das englische Wort für Schotter - Gravel - französich auszusprechen. Irgendwie finde ich es witzig.
Wie dem auch sei, nachdem ich das von mir begutachtete Marktsegment verlagert hatte, entschied ich mich einige Monate extensiver Recherche später für das Rad, das ihr auf dem Foto seht.
Ich bin begeistert! Temporäusche auf Schotter, eine schöne Asphaltrunde mit einem rennradelnden Freund ließen mich meine Schulter klopfen. Ich hatte eine gute Entscheidung getroffen.
Geiles Teil! Graveln macht dermaßen viel Laune, dass ich mich zu sorgen beginne, ob ich die Breite meines Grinsens noch zwischen den Bäumen hindurchpasst. So halte ich mich am Ende vielleicht doch noch an die Zwei-Meter-Regel. Ganz aus Versehen.
Nachtrag: Meine alten Fahrradleibchen habe ich alle entsorgen müssen. Krafttraining ließ meine Schultern wachsen. Und endlich kann ich wieder neue Sportklamotten kaufen!

2 Gedanken zu „Auf ein Neues!“

  1. Lieber Harald,

    Du wirst es nicht bereuen, meine Überlegungen waren ähnlicher Natur und nachdem ich im letzten Jahr das Graveln begonnen habe. es gibt nichts Schöneres beim Radeln als am Abend von der Arbeit nach Hause nach wenigen Asphaltkilometern ausserhalb der Großstadt nach links auf die Schotter- und Feldwege abzubiegen und es dann richtig laufen zu lassen…genieß es!

    Übrigens auch vom Style ein sehr schönes Rad, aber da fehlen noch die Click-Pedale 😉

    Salut

    1. Lieber Christian,

      du hast mit deinem Artikel einen kleinen Beitrag geleistet, der mich auf die Gattung der Gravel Bikes aufmerksam gemacht hat. Danke dafür!
      Schon mit dem Trekkingrad freue ich mich an den Tagen, an denen ich ins Büro und wieder heim fahre. Wald, Schotterstraße, Bewegung, Freiheit! 🙂

      Danke für das Kompliment zum Rad – ich habe Kombipedale, die auf einer Seite klicken. 😉

      Ich genieße auf jeder Fahrt (bisher waren es nur zwei, aber egal) nicht nur das Fahren selbst, sondern auch das Bewusstsein, eine gute Entscheidung getroffen zu haben.

      Ciao,
      Harald

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