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Projekt Phönix (3): Zwischenbilanz

Phönix, das Projekt, mit dem ich mich zu einem besseren Läufling machen will (siehe hier), startete am 5. November 2012. Die letzte Zwischenbilanz zog ich Ende Januar – jetzt, vier weitere Monate später, ist es Zeit zu fragen:
Wo stehe ich?

Genau genommen müsste ich mich fragen, ob alles nach Plan verlief, und, vor allem, ob das dabei herauskommt, was ich bezwecke.

Radio Eriwan (die älteren unter uns werden sich daran erinnern) würde sagen: Im Prinzip ja. Eigentlich lief alles nach Plan.
Im Ernst: Ja, ich habe so träniert wie ich wollte, bloß dass ich im März drei Wochen lang nichts gemacht habe. Eine gleichermaßen doofe wie hartnäckige Erkältung war der Meinung, ich sollte lieber mehr lesen, Tee trinken oder irgend etwas anderes tun, als meinen Leib zu ertüchtigen.

Aber ich schlug ihr ein Schnippchen! Sie – die Erkältung – hatte nicht bedacht, dass sich mein Plan auch auf Mentalträning stützt. Das hat es nun davon, das Mistvieh! :-)

Während ich mich körperlich auf Mobilisationsübungen beschränkte, war mein Hirn mit Bildern vom Laufen befasst. Rodgau hatte mir einen ordentlichen Schub verpasst.
So geil, die Situation: Ich denke, ich müsste mich an einen Baum am Streckenrand zu stellen, um das “Wasser abzuschlagen”. “komm weiter”, sag’ ich mir, das geht noch. Siehe da: nicht Blasendruck war mein Begehr, sondern Unlust.
Dieses lächelnde “komm, weiter” hole ich gerne aus meiner mentalen Schatzkiste hervor, um es wie ein altes, liebgewonnenes Foto immer wieder zu betrachten. Klappt super!

Gebellt – Kettlebellträning – wird dreimal in der Woche, zusätzlich zum Laufen. Das ist weniger als die fünf Träningstage in der Woche, die ich im nächsten Winter wieder einführe, aber immer noch genug, um mich sehr deutlich zu steigern, auch beim Laufen. Von Kettlebells bin ich mittlerweile so angefixt, dass ich mich bei RKC Germany zum Kettlebell-Instruktor (HKC) habe zertifizieren lassen. Ihr werdet zum Thema Kettlebells und Laufen noch mehr von mir hören. :-)

Die Kugeln alleine machen keinen Läufling, weshalb meine Athletikeinheiten immer mit Seilhüpfen gewürzt sind. Zu Beginn als spezifisches Träning (schnellere Umdrehungen, Technik…), und locker-flockig zur aktiven Erholung. Träningsbücher empfehlen, die Zyklen (und selbst die Träningseinheiten) vom Ablauf her so zu gestalten, dass
1) Koordination
2) Schnelligkeit
3) Kraft
4) Ausdauer
träniert wird.
Seit ich versucht habe, das Seilgehüpfe nach Kettlebell oder Laufen zu tränieren, weiss ich auch, weshalb Koordination am Anfang steht. Da geht nichts! Gar nichts! Koordinativ herausgefordert wie ein betrunkenes Kaninchen.

Das Sahnehäubchen in Form des reinen, unverfälschten, genießerisch praktizierten Laufens betreibe ich an vier (manchmal auch drei oder fünf) Tagen in der Woche. Wer jetzt nachrechnet, kommt auf Doppelpäckchen. Früh Bellen, Abends laufen. Oder umgekehrt, je nachdem, was beim Laufen ansteht.
Den vierwöchigen Zyklus (drei Wochen steigern, eine Woche lockerer) habe ich so gestaltet, dass der Schwerpunkt in der ersten Woche Richtung Tempo verschoben ist, dann zwei Wochen mit zunehmendem Umfang – und eine Woche locker.
Mit der Abwechslung von Tempo, Profil und Streckenlänge macht es riesig Spaß!

Was gibt es zu verbessern?
Ich bin mit zwei Sachen noch nicht zufrieden: bei den Umfängen kam ich kaum über 100 km in der Woche hinaus. Ich sehe das Thema Wochenkilometer als alleiniges Kriterium kritisch, es ist, gerade für Ultras, aber sinnvoll, ausreichend Strecke ins Träning zu packen. Darf es etwas mehr sein? Ja!

Der zweite Punkt, der mich umtreibt: Regeneration. Das geht bestimmt besser – schneller? Ich liebe meine Blackroll, muss sie nur öfter benutzen. Nachdem mir die Mobilisationsübungen in Fleisch und Blut übergegangen sind, steht als Nächstes die Rolle an. Auf die Rolle, von der Rolle, LOS!
So soll es sein: erst Rolle, dann Mobilisation, dann allgemeines Aufwärmen usw.

Bin ich jetzt ein besserer Läufling?
Das, liebe Leser, wird der nächste Lauf zeigen. Samstag ist es so weit, Eric Tuerlings lädt zum Keufelskopf Ultra Trail.
Ich werde euch berichten!

Projekt Phönix (2): wie läuft’s?

Das Projekt Phönix, das mich zu einem “besseren” Läufling machen soll, läuft seit dem 5. November des letzten Jahres. Da kann ich kurz innehalten, und mich fragen: was hat sich geändert?

Was wollte ich überhaupt verändern?
Ein besserer Läufling werden, das war und ist mein Ziel.
Besseres Träning, mehr Träningsdisziplin. Freilich erwarte ich mir auch bessere Zeiten bei Wettkämpfen. Der Lohn der Mühen darf sich gerne in Ergebnislisten niederschlagen.

Und wie sollte das gleich wieder vonstatten gehen?
Ich zitiere den ersten Artikel der Serie zum Projekt Phönix, denn ich bin ein faules Stück und stehe dazu!
– Aufbauträning ab 5. November. Schwerpunkt Athletik (Kettlebells, Seilhüpfen und Gelenkmobilisation, vier- bis sechsmal wöchentlich). Wenig Laufen, vielleicht zweimal in der Woche, ab Januar dann mehr.
– ich bilde einen Träningssockel. Darunter verstehe ich die tägliche Dosis Träning, die ich zu mir nehme.
– schöne Saisonplanung. Das Zeug mit den Mikro- und Makrozyklen…
– ganz wichtig: ich führe wieder ein Träningstagebuch!

Ach wie ist es schön, wenn ich mein Träningstagebuch ansehe, das ich in einer hübschen Tabelle meines Computers pflege. Und wie ich mich freue, wenn ich etwas neu eintragen kann. Wie herrlich, wenn ich den Plan mit dem ausgeführten Träning vergleiche! Selbst wenn ich mal weniger tränierte als geplant: egal.
Denn erstens klappte es auf Anhieb, einen Träningssockel zu bilden, und zweitens habe ich eine schöne Kontrolle über die Zyklisierung: bei den Makrozyklen bedeutet das, drei Wochen langsam steigern, dann eine Woche locker. Ich bin jedes Mal aufs Neue begeistert, wenn ich schwarz auf weiss sehe, dass ich tatsächlich so träniert habe, wie ich sollte.

Angefangen habe ich damit, dass ich viermal in der Woche ein Kettlebellprogramm absolvierte. Nicht immer die gleiche Abfolge, schließlich will ich Spaß dabei haben. Darüber, was ich genau treibe, schreibe ich in einem eigenen Artikel. Dazu kommt ein bis dreimal Laufträning wöchentlich.

Was ich als Morgenmuffel nur empfehlen kann: erstmal mit Gelenkmobilisation hübsch aufwärmen. Mein träger Leib lässt sich austricksen, wenn ich schon im Bett mit leichten Übungen beginne.
Ob es daran liegt oder am Bellen, ich bin weniger verspannt als sonst. Bürojobs lassen Nackenmuskeln gerne aushärten wie Beton im Sommer. Eine Woche vor dem Computer, und der Rücken ist hart wie Siegfrieds Haut nach dem gemeinsamen Bad mit dem Drachen. Und jetzt? Locker und luftig. Meistens jedenfalls.
Klar, dass ich kettlebelltechnisch Fortschritte mache. Ist nicht das primäre Ziel, aber ich nehm’s gerne mit! Genauso übrigens beim Seilhüpfen. Meine Güte, wenn ich mir vorstelle, wie krampfig das zu Beginn nicht funktioniert hat. Mittlerweile wage ich gar herumzuspielen.

Was bringt’s?
Das wichtigste zuerst: ich spüre wieder Leidenschaft! Wenn ich an das Träning der beiden letzten Jahre zurückdenke, kommen mir eher Gedanken an “Einheitsbrei” in den Sinn als Erinnerungen an Würze und Abwechslung. Mal zwischendrin Gas zu geben, die Sau rauslassen! Dann wieder fröhlich Bellen! Und den Fortschritt dokumentieren. Tief durch, ein, ausatmen. Die Vögel zwitschern…nein, das nicht, wir haben noch Winter.

Höheres Tempo scheint mir zumindest auf kurzen Strecken leichter zu fallen. Ich drücke mich absichtlich vorsichtig aus, weil ich keine Ahnung habe, ob das Bellen alleine einen Beitrag geleistet hat, ob ich mehr Biss entwickelte, oder, oder, oder.
Wieso das Bellen? Vor drei Wochen habe ich bei den Swings meinen Pulsgurt getragen. Ich staunte nicht schlecht, dass die Herzfrequenz in dem Bereich lag, in dem ich Tempoträning mache. Gepaart mit Seilhüpfen wird es sich zumindest nicht nachteilig ausgewirkt haben.
Wo ich mir sehr sicher bin: Bellen hilft bergauf und bergab. Sonntag im hügeligen Odenwald merkte ich deutlich, dass mich die Kraftanstrengung bergauf weniger anstrengte als sonst. Ich mache mir ein Kompliment für den letzten Satz: “die Kraftanstrengung strengt mich weniger an”. Da klopf’ ich mir selbst auf die Schulter und frage mich, ob ich eine Fußballkarriere anstreben soll. Die nötige Rhetorik bringe ich mit.

Aber ich schweife ab. In der nächsten Zukunft will ich den Anteil des Laufens am Träning steigern. Ich bin mir noch unschlüssig, wie weit ich das Ergänzungsträning reduziere. Ob ich das Ergänzungsträning reduziere. Bis jetzt hatte ich allenfalls sieben Stunden in der Woche träniert, da ist genug Raum nach oben. Bellen und Laufen, eine schöne Kombination für eine Träningseinheit mit großem Nachteil: es dauert länger. Und das bedeutet, noch früher aufzustehen. Ich bin Morgenmuffel.

Beim Laufen selbst ist sicher, dass ich stärker differnziere. Hatten wir ja schon: ein Bergträning sei ein Bergträning, Tempo sei Tempo und herumgekaspert wird sowieso. Wenn ein hübsches Hügelchen in der Landschaft herumsteht, werde ich ihn mir gönnen!

Morgen ist in Rodgau ein erster Test kurz vor Saisonbeginn. Lange Läufe hatte ich kaum gemacht, der längste vor einer knappen Woche. Und selbst das keine drei Stunden. Andererseits meine ich, dass ich insgesamt besser vorbereitet bin als, sagen wir: letztes Jahr. Ist das “gefühltes Träning”?
Egal, ich werde sehen was passiert. Freu’ mich drauf. Und werde berichten.

Projekt Phönix (1): Ich will besser werden!

Eigentlich, liebe Läuflinge, war 2012 keine schlechte Saison. Die beiden Highlights – Zugspitz Ultra und UTMB – habe ich erfolgreich beendet. Dennoch machte sich eine gewisse Unzufriedenheit breit.
Irgend etwas fehlte mir, musste sich ändern. Nur was?
Zum Glück dauern Ultratrails recht lange, und so hatte ich während des UTMB genug Zeit zum Nachdenken, auf dass aus der diffusen Unzufriedenheit etwas Greifbares werde.
Heraus kam: ich will ein besserer Läufling werden!

“Besser”, das heißt für mich zum Beispiel, ich will weniger im touristischen Modus laufen. Dass ich hundert Kilometer Trail in vierundzwanzig Stunden bewältigen kann, ist ja nicht das Thema. Thema ist aber, ob es nicht auch schneller geht. Muss es denn immer so gemütlich zugehen? Immer knapp vor Zielschluss? Wo bleibt denn da die Herausforderung?

“Besser”, dass ist auch: mehr Träningsdisziplin, und spezifischeres Träning.

Und “besser” bedeutet: mehr Biss. Biss wohlgemerkt, nicht Verbissenheit. Genießen, aber von Zeit zu Zeit darf Wettkampfgedanken im Vordergrund stehen. Siehe oben: Nur “Wandern” ist öde, den genussvollen Flow-Zustand gibt’s nur mit Anstrengung!

Nachdem mir das klar geworden war, kreisten meine Gedanken um das “Wie”. Vielmehr darum, an welchen Stellschrauben ich wie drehen muss.
Das Ergebnis meiner Überlegungen ist “Projekt Phönix”. Genau, Phönix. Der aus der Asche. Man möge mir den abgeschmackten Titel nachsehen, der Begriff kam mir spontan in den Sinn, wo er sich seither festgesetzt hat.

Als erstes habe ich das Jahr 2013 zum Konsolidierungsjahr erklärt. Das bedeutete zunächst einmal, dass ich auf Wettkämpfe mit größeren Umfängen als ich sie bisher gelaufen bin, verzichte. Bei rund hundert Meilen ist Schluss. Außerdem kein Start bei der Brocken Challenge. Während ich das schreibe, muss ich grinsen. Liegt die Chance, einen Startplatz zu ergattern, doch ähnlich hoch wie eine Begegnung mit dem Yeti. In der Sahara.
In diesem Wissen sollte ich schreiben: ich habe nicht an der Startplatz-Lotterie teilgenommen.
Der Wibolt ist ebenfalls gestrichen. Obwohl es mich in sämtlichen Fingern und Füßen juckt, bei einem Nonstoplauf über 320 km eine Schlafstrategie zu planen. Um dann zu erfahren, dass ich die Planung schon in der ersten Nacht vergessen kann. Dessen ungeachtet, liegen meine Prioritäten für die kommende Saison anders.

Projekt Phönix startete am 5. November, direkt nach der wohlverdienten sportlichen Fast-Nulldiät im Anschluss an den letzten Lauf der Saison.

Ich werde euch von Zeit zu Zeit über meine Erfahrungen, Erfolge und Rückschläge berichten. Über Irrwege, Korrekturen und neue Erkenntnisse. In diesem Artikel sollen die wesentlichen Elemente in Stichpunkten genügen.

– mentales Träning
– andere Haltung: ich trenne konsequent zwischen Wettkämpfen (da strenge ich mich an, riskiere etwas) und Genussläufen
– Aufbauträning ab 5. November. Schwerpunkt Athletik (Kettlebells, Seilhüpfen und Gelenkmobilisation, vier- bis sechsmal wöchentlich). Wenig Laufen, vielleicht zweimal in der Woche.
– ab Anfang Januar wird mehr gelaufen
– ich differenziere stärker zwischen Tempoläufen, Grundlagenausdauer und trail-spezifischem Träning
– ich bilde einen Träningssockel. Darunter verstehe ich die tägliche Dosis Träning, die ich zu mir nehme. Lieber wenig und regelmäßig statt mit großen Abständen umfangreich tränieren.
– schöne Saisonplanung. Das Zeug mit den Mikro- und Makrozyklen…
– ganz wichtig: ich führe wieder ein Träningstagebuch!

Die Maßnahmen von Projekt Phönix sind, wenn man sich die Liste anschaut, also weder besonders originell, einfallsreich oder ambitioniert. Stinknormales systematisches Träning wie es in jedem besseren Ratgeber steht. Machen muss man’s halt.

Und wie das klappt, wenn man macht, darüber halte ich euch auf dem Laufenden.

Übrigens: auch wenn der Artikel kurz vor der Jahreswende erscheint, sind es keine “guten Vorsätze”!

Zugspitz Ultratrail 2013 – Phönix reckt sein Haupt

…und zum Dritten!
zum dritten Male fand 2013 der Zugspitz Ultratrail über 100 km statt, und zum dritten Mal war ich dabei.
Beim Lauf selbst ist alles beim zwiefach bewährten Alten geblieben, für mich bildete der diesjährige ZUT das erste Highlight der Saison, und somit einen Testfall für das Projekt Phönix.

“….zum zweiten….und zum…..”
Hätte tatsächlich ein Auktionator versucht, am Morgen vor dem Start seinem Beruf nachzugehen, ein frustrierendes Erlebnis wäre ihm sicher gewesen. Einige hundert Läuflinge harrten des Startsignals. Je nach Temperament, Abgeklärtheit und Schlafentzug beschäftigten sie sich entweder damit, sich den Schlaf aus den Augen zu reiben, oder sie hüpften hibbelig umher.
Der arme Auktionator, er hätte die echte Mona Lisa für zweifuffzich ausrufen können: der Geist eines jeden Läuflings war von einem, und zwar genau einem Gedanken voll ausgelastet, nämlich der Vorfreude auf einen schönen Tag in der Bergwelt.

Von der letztjährigen Spannung in Bezug auf die Nahrungssituation (wird man Cola ausschenken) war nichts zu spüren, der ZUT hat sich den Ruf eines Laufes mit karger Kost erworben. Wobei “karg” relativ zu sehen ist. Wer sich biegende Tische à la UTMB oder Sri Chinmoy erwartet, sieht sich dem Mangel ausgesetzt. Wer unbedarfter herangeht – oder gar den Nur-Wasser-und-nichts-als-Wasser-KUT als Maßstab heranzieht, wähnt sich im siebenten Himme. Er freut sich über Bananen und weiteres Obst, Brot, Käse, Kuchen, Wurst, Gurken und fallweise Suppe mit Nudeln drin. Wie schon der große nichtlaufende Physiker Einstein treffend erkannte: alles ist relativ.

Verhungert ist meines Wissens bislang niemand.
Ob am Gerücht, der Sponsor High Five würde gegen den Ausschank von Cola intervenieren, was dran ist?
Diesen No-Cola Standard, mit dem der ZUT sich vom Immer-Cola-Standard abhebt, nutzen einzelne Verpflegungspunkte, um eben doch das begehrte Getränk vorzuhalten. Das erinnert mich an das Prinzip der “Bückware”, welche Händler unter dem Ladentisch für besondere Kunden bereithielten.

Eindeutig anders als sonst war dieses Mal das Wetter.
Über den Winter, der sich bis weit in den Juni hinein hartnäckig an der mitteleuropäischen Landschaft festklammerte, ist schon genug geschrieben worden, weshalb auch ich mich weiterer Worte enthalte. Dauerregen in den Wochen vor dem Lauf – in größeren Höhen als Schnee – ließ mich um die Streckenführung fürchten. Es hätte uns eine Schlechtwetterroute treffen können. Indes, wir hatten Glück: die ZUT-Website meldete einige Tage vor dem Lauf weitgehende Schneefreiheit.

Schneefrei bedeutet “getauter Schnee”, und das wiederum “Wasser”. Kurzum, es war rutschig, dieses zudem höchst variantenreich.
Nur Schlamm, wie letztes Jahr beim UTMB, das wäre langweilig gewesen. Weitere Rutschvariationen bot die Vielfalt an Schnee, nassem Gras, nassen Steinen, nassem Holz, und mehr Matsch.
Am wenigsten griffig sind nach meiner Erfahrung übrigens die in Wanderwege versunkenen nassen Steine.
Und wo nichts rutscht, kann es immerhin noch rollen: Steine und Erdkrümel helfen auch dem technisch unbedarften Läufling, den Unterschied zwischen Gleit- und Rollreibung zu verstehen.
Den technisch Interessierten sei kundgetan, dass vereinzelt sogar Haftreibung aufgetreten sein soll. Das ist dann, wenn der Läufling nicht nur glaubt, sicheren Halt zu haben.

Wie trügerisch der Glaube an sich sein kann, zeigte sich beim Blick auf Kleidung der Teilnehmer.
Katzenhafte Reflexe hatten mich bislang weitgehend vor der Peinlichkeit bewahrt, braune Flecken auf den Beinkleidern erklären zu müssen.
Sei’s drum, dieses Jahr holte ich vieles nach. Einmal Schnee, einmal Gras, zweimal Steine und mindestens einmal Matsch brachten mich zu Fall. Spielte Schlafdefizit eine Rolle? Ausreichend gepennt hatte ich beileibe nicht.
Egal, ich nutzte die Vielfalt der Sturzmöglichkeiten weidlich aus, um dem Untergrund gesund und unverletzt näher zu kommen.

Wo der Boden hohe Ansprüche an den Läufling stellte, war das Wetter deutlich weniger sommerlich als sonst – was mir ausgesprochen entgegenkam. Gefühlt um 15 Grad, das ist “meine” Temperatur. In den Wolken laufend, war die Aussicht natürlich eingeschränkt, äußerst hohe Luftfeuchtigkeit machte das Atmen schwer. Und die Tropfen auf der Stirn – Schweiss oder Nebel? Ich tippte auf beides.
Ein Stündchen Regen ward uns übrigens beschert, sonst erfreute uns (Von Nebel bzw. Wolken abgesehen) trockene Luft. Im Laufe der Nacht klarte es dann auf, um den langsameren Läuflingen eine traumhafte Bergnacht mit abschließendem Sonnenaufgang zu bescheren.

“Mein” Projekt Phönix erwies sich beim ZUT als Erfolg. Mit 22:24:20 Stunden war ich über zwei Stunden früher im Ziel als 2012 – Phönix entstieg der Asche, um sein Haupt zu recken!

50 km Rodgau – 2014 war’s nicht rodgau

Im vergangenen Jahr nannte ich einen Lauf “rodgau”, wenn es kalt, rutschig und überhaupt schwer zu laufen ist. So wie normalerweise in Rodgau. 2014 war Rodgau nicht rodgau, für das Leiden hatte ich selbst Sorge getragen.

Weder Schnee, noch Wind und schon gar kein Schnee oder Eis ließen die hartgesottenen Wiederholungstäter (gibt es die Teilnahme eigentlich im Abonnement? Die meisten kommen sowieso jedes Jahr) fassunglos am Start stehen. Kühle, aber nicht zu kalte fünnef Grade über Null kamen zumindest meinem Temperaturempfinden höchst gelegen, und die Strecke zeichnete sich durch ordentlichen Griff aus. Wie gesagt, wer typisch Rodgauer Verhältnisse erwartet hatte, wurde enttäuscht.

Als nostalgisches Feigenblatt wirkte immerhin ein kurzer Abschnitt der 5 km – Runde, der seine griffige Blöße mit einer dünnen Schlammschicht bedeckte. Eine nette Geste des guten Willens, wie ich finde.

Ansonsten zeigte sich der 50 km Lauf sehr typisch: dem RLT Rodgau gelingt es, eine Super-Veranstaltung für mittlerweile weit über 800 Teilnehmer auf die Beine zu stellen. Wie immer mit dabei war Gabi Gründling von laufticker.de, die im wohlbeheizten Moderationsmobil für jeden den Zielbereich durchquerenden Läufer einen netten Gruß über die Lautsprecher schickte. Angesichts der Teilnehmerzahl, von denen die meisten die vollen zehn Runden durchgelaufen sind, finde ich es beachtlich, dass Gabi danach noch genug Stimme für ein Pläuschchen hatte.

Gelegenheit zum sozialen Austausch gibt es in Rodgau immer. Nicht nur nach dem Lauf an der Kuchentheke, sondern – besser gesagt: vor allem – währenddessen. Du erkennst jemanden wieder, den du vor etlichen Jahren mal bei irgendeinem Lauf kennenlerntest.

Seither sieht man sich jedes Jahr in Rodgau.

Beim Ultraläuflingskongress.

Andere Interessengruppen treffen sich alljährlich in Davos, wir in Rodgau.

Dem Wiedererkennen schließt sich üblicherweise ein nettes Gespräch an, bis die verschiedenen Tempi den Abstand größer werden lassen. Bis zum nächsten Jahr. Zum nächsten Lauf. Oder an der Kuchentheke. Oder per Email.
So überschaubar die Ultragemeinde ohnehin ist, Rodgau macht die Kontaktpflege einfacher, irgendwie ist der Zeitpunkt im Januar gut gewählt, so zwischen Winterpause und Weihnachtsrestspeck.

Winterpause, ein schönes Stichwort. Im Vorjahr war mein Projekt Phönixim vollen Gange, 2014 eher weniger. Ewige Zeiten (gefühlt seit September) herumgeschnieft, wollte sich bei mir kein regelmäßiges Träning einstellen. Die Woche vorher spielte ich mal wieder das Spielchen “Hatschi & Hust”. Nicht gescheit krank, aber eben auch nicht richtig gesund.

Ich haderte.

Grübelte.

Soll ich? Soll ich nicht?

Zuletzt war ich beim OMM länger als drei Stunden auf den Beinen gewesen, das war Ende Oktober. Donnerstag, zwei Tage vor Rodgau, gab ich Spike (Spike stelle ich euch in einem anderen Artikel vor, soviel Spannung muss sein ) eine klare Instruktion und beschloss, an den Start zu gehen.

Was soll schon passieren?

Ich habe kaum trainiert.

Kann mich überhaupt nicht einschätzen.

Ich werde leiden.

Was soll’s, ich will ja bloß ankommen. Nicht umsonst heißt es: “wenn nichts geht, 50 km gehen immer”. Damit es nicht allzu einfach werden möge, den Wahrheitsgehalt des Spruches zu überprüfen, hatte sich mein Verdauungssystem etwas Besonderes einfallen lassen. Details erspare ich euch, nur soviel: unschönes Reißen in Leibesmitte begleitete mich die meiste Zeit, und ich fand es überaus erfreulich, dass ein Großteil der Strecke im Wald lag. Zweimal, folgte ich dem Gesetz des Waldes: Wo ein Wille ist, ist auch ein Gebüsch. Das fand ziemlich am Anfang statt, ab der vierten Runde konnte ich schön laufen.

Immer hübsch langsam, locker.

Lächeln. Die gute Laune wurde mit jedem Schritt besser.

Runde um Runde genoss ich es, endlich wieder eine längere Strecke unterwegs zu sein! Herrlich, so ein Tag an der frischen Luft! Irgendwann am Nachmittag war ich dann im Ziel. Die Zeit? Keine Ahnung, die war mir von Beginn an egal. Ich schätze zwischen 5:15 und 5:20.

Passt schon.

Ich hatte einen geilen Tag!